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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2
2 ENTWICKLUNG UND GRUNDANNAHMEN DER
ANGEBOTSTHEORIE 4
3 POSTULATE DER ANGEBOTSORIENTIERTEN WIRTSCHAFTSPOLITIK. 7
3.1. Ordnungspolitische Ziele - Deregulierung und Privatisierung 7
3.2 Finanz- und Steuerpolitik 8
3.3 Lohn- und Arbeitsmarktpolitik. 10
3.3.1 Verringerung des gewerkschaftlichen Einflusses 12
3.3.2 Lockerung des Kündigungsschutzes 13
3.3.3 Senkung der Lohnnebenkosten 14
3.4 Sozialpolitik 15
4 KRITIK AM KONZEPT DER ANGEBOTSTHEORIE. 16
4.1 Die Politik der Deregulierung, Privatisierung und Flexibilisierung 16
4.2 Die Mär vom Markt als Regelungsinstanz. 17
4.3 Die Zweiklassengesellschaft oder die Amerikanisierung
der Lebensverhältnisse 18
4.4 Nachfrageorientierte Lohnpolitik. 20
5 ZUSAMMENFASSENDE BEWERTUNG 21
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. 23
LITERATURVERZEICHNIS 24
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1 EINLEITUNG
In der heutigen globalisierten Welt ist der Wirtschaftsprozess ein extrem kompliziertes Phänomen. Das Kernproblem der hochkomplexen Volkswirtschaften liegt in der Koordination dieses Wirtschaftsprozesses. Dazu bietet die Wirtschaftswissenschaft zwei grundsätzliche Lösungen an. Entweder erfolgt die Organisation der Wirtschaft zentralwirtschaftlich, das heißt die Volkswirtschaft wird bürokratisch gelenkt, oder marktwirtschaftlich, mit privaten Produktionsmitteln und dezentraler Wirtschaftslenkung 1 . Beide Wirtschaftsmodelle treten in der Realität nicht in Reinform auf. Es existiert kein Land in dem eines der beiden Leitbilder detailgetreu an die Theorie angelehnt wurde. Vielmehr existieren Mischformen, die sich in jahrzehntelangem Wettstreit der Systeme herausgebildet haben und in denen jeweils das eine oder das andere Element dominiert. 2
Die Konvergenztheorie stellte vor dem Zusammenbruch des planwirtschaftlich organisierten Ostblocks die These auf, dass sich die beiden Wirtschaftsordnungen sukzessive annähern würden, um dann ineinander überzugehen, zu konvergieren. Nach der Auflösung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe begannen aber die Ostblockländer ihre Wirtschaftssysteme dem marktwirtschaftlichem Leitbild anzupassen, was in vielen Ländern zu erheblichen Umstellungsschwierigkeiten führte. Das Transformationsziel wurde als „[…] Substitution der gegebenen Merkmale einer Wirtschaftsordnung durch Merkmale einer anderen mit dem Ergebnis eines fühlbar qualitativen Sprungs und somit einer neuen Wirtschaftsordnung […]“ 3 verstanden. Die neue Wirtschaftsordnung, der Sieger der jahrelangen Auseinandersetzung der Wirtschaftssysteme, heißt dementsprechend Marktwirtschaft. Die Planwirtschaft wurde als Utopie verworfen.
1 Die Form der Marktwirtschaft wird gelegentlich auch als liberale Marktwirtschaft bezeichnet. Luckenbach setzt sie mit dem Begriff der „laissez faire-Marktwirtschaft“ gleich. Der Staat enthält sich jeglicher Beeinflussung des Wirtschaftsgeschehens, er nimmt nur Aufsichts- und Ordnungsfunktionen wahr. Marktwirtschaft stellt hier folglich im Gegensatz zur totalen Planung das Extrem der privatwirtschaftlich organisierten freien Marktwirtschaft dar. vgl. Luckenbach, 1986, S. 105.
2 In marktwirtschaftlichen Systemen lassen sich zum Beispiel anhand einer hohen Staatsquote, staatlicher Interventionen oder direkter Eingriffe in die Preis- und Lohnpolitik zentralverwaltungswirtschaftliche Elemente erkennen. vgl. Altmann, 2000, S. 15.
3 Gerber, 2001, S. 190.
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Doch auch innerhalb der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung gibt es verschiedene wirtschaftspolitische Konzeptionen. In der Wirtschaftswissenschaft werden zwei maßgebliche theoretische Schulen unterschieden. Die von John Maynard Keynes in seinem Werk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ aufgestellte Theorie des Keynesianismus und die schon ältere Theorie des Klassischen Liberalismus, als dessen Hautvertreter Adam Smith gelten kann. Heute gruppieren sich um die klassischen Theorien mehrere Denkrichtungen, die aber stets die Grundpositionen der Klassiker beibehalten.
Diese Arbeit wird auf die Angebotstheorie eingehen; eine Theorie, die sich aus den Ideen des klassischen Liberalismus nährt. Dabei wird in drei Schritten vorgegangen. Zuerst werden dem Leser die grundlegenden Gedanken des Liberalismus, Monetarismus und der Angebotstheorie vorgestellt, um anschließend auf die Forderungen der Angebotstheorie an die Politik einzugehen. In einem dritten Schritt wird versucht die immer lauter werdende Kritik an diesem Wirtschaftskonzept zu verarbeiten. Dabei werden nicht alle hervorgebrachten Kritikpunkte Beachtung finden, sondern nur jene, die dem Autor als die gravierendsten und wichtigsten erscheinen.
Die Literatur zur Wirtschaftspolitik im Allgemeinen und zu wirtschaftspolitischen Positionen im Besonderen ist unüberblickbar. Deshalb wurden einige Standardwerke zur Volkswirtschaftslehre eingesetzt, die einen relativ kompakten, aber dennoch präzisen Überblick über die Thematik bieten. Es wurde aber auch versucht klassische ökonomische Werke miteinfließen zu lassen und bei den jeweils konkreten Postulaten aktuelle themenspezifischere Literatur zu verarbeiten.
Der Autor möchte außerdem explizit betonen, dass er in besonderem Maße wertneutral argumentieren will. Die oft hitzig geführte Debatte über die adäquate Wirtschaftspolitik verleitet dazu, vorschnell Position zu beziehen. Dies soll aber erstens nicht der Sinn dieser Arbeit sein, denn sie beschreibt nur eine wirtschaftspolitische Position und setzt keine Vergleichsanalyse an. Zweitens operiert die Wirtschaftswissenschaft immer noch mit erheblichen Spekulationen, die eine definitive Richtigkeit eines Ansatzes ausschließen, was jede Bewertung Ideologie geladen erscheinen lässt.
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2 ENTWICKLUNG UND GRUNDANNAHMEN DER ANGEBOTSTHEORIE
Die Angebotstheorie geht auf die als Klassik oder klassische Nationalökonomie bezeichnete Wirtschaftstheorie zurück. Als ihre Urväter gelten neben Adam Smith, David Ricardo und John Stuart Mill. Die Grundannahme der Klassik ist die Ansicht, dass der Marktpreis in einem freien Wettbewerb als Regelmechanismus fungiert. Das Leitbild der klassischen Ökonomen war geprägt von hoher Autonomie des Individuums und dem „[…] Vorrang des einzelnen Menschen vor dem „Konstrukt“ der Gesellschaft.“ 4 Das rational handelnde Individuum soll die freie Entscheidung über seine wirtschaftliche Betätigung haben und wird dabei nach Smith von einer unsichtbaren Hand geführt, die eigenes Gewinnstreben mit dem Wohl der Gesellschaft in Einklang bringt. Staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft werden als störend und schädigend empfunden. Der Staat hat eine reine Nachtwächterfunktion einzunehmen. 5 Eine große Schwäche des klassischen Wirtschaftsliberalismus lag in der hohen Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Händen weniger Kapitalisten, die einem Heer rein lohnabhängig Beschäftigter gegenüberstanden. Dies sollte später in einer Weiterentwicklung der Theorie, der so genannten Neoklassik, durch Marktordnungsprinzipien kompensiert werden. 6
Unter dem Schock der Großen Depression in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelten Ökonomen, allen voran Friedrich von Hayek, die Klassische Theorie weiter. Im Gegensatz zu Keynes, der staatliche Investitionen zur Stützung der gesellschaftlichen Gesamtnachfrage forderte, sollten nach Hayek die Kräfte des Wettbewerbs dem Marktsystem neue Dynamik verleihen. Nach neoklassischer Überzeugung 7 soll der Markt das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage regeln. Nur in der freien Marktwirtschaft ohne staatlichen Eingriff findet eine optimale Allokation der Ressourcen statt, da Mengen und Preise über Angebot und Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen entscheiden (s. Abb. 1). 8
4 Willke, 2003, S. 29.
5 vgl. Pollert, u.a., 2004, S. 30.
6 vgl. Hardes, u.a., 1990, S.29f.
7 Das Konzept des klassischen Liberalismus erfuhr aufgrund der negativen Erfahrungen aus dem Manchesterkapitalismus einige Revisionen hin zum neoklassischen Modell vollständiger Konkurrenz. Dieser Ansatz geht von teilweise sehr realitätsfernen Annahmen aus. So muss die Marktform ein Polypol sein, der Markt immer offen und transparent und die Güter müssen homogen sein, das heißt es darf keine Produktdifferenzierungen geben. vgl. Altmann, 2000, S. 259.
8 vgl. ebd., S. 257.
Dabei wird in der traditionellen Neoklassik davon ausgegangen, dass die produzierten Güter stets abgesetzt werden können. Diese Annahme beruht auf der Theorie von Jean Baptist Say, der behauptete, dass sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft. Unternehmen investieren, Lohn- und Kapitaleinkommensbezieher konsumieren und geben so die entstandene Wertschöpfung wieder aus. 9
Die neoklassische Weiterentwicklung wurde in den 50er Jahren von vielen Wirtschaftswissenschaftlern als Weg zu einer Synthese zwischen der lange dominierenden keynesianischen Richtung und der klassischen Theorie gesehen. Nach und nach entwickelten jedoch Wissenschaftler wie Mogdigliano, Friedman, Tobin oder Solow verschiedene neue makroökonomische Modelle. Es war die Zeit des Optimismus in der Wirtschaftspolitik, denn durch die neuen Theorien über Konsum, Investition oder Wachstum ließen sich Wirtschaftsprozesse immer besser erkennen und damit auch steuern. 10
Milton Friedman war jedoch hier ganz anderer Meinung. In seinen Augen war der Wirtschaftsprozess nicht zu erklären. Mit seinem 1963 erschienenen Buch „A Monetary History of the United States“ stellt er die Behauptung auf, dass antizyklische Wirtschaftspolitik nicht nur ungeeignet ist, wirtschaftlichen Schwankungen zu begegnen, sondern darüber hinaus diese Schwankungen sogar durch diese hervorrufen würden.
9 vgl. Hardes, u.a., 1990, S. 106.
10 vgl. Blachard/Illing, 2004, S. 797ff.
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In seiner Theorie findet sich die klassische Ansicht wieder, wonach der Markt zu einem Gleichgewicht tendiert und durch staatliche Eingriffe nur Wirkungsverzögerungen und Störungen hervorgerufen werden. Er relativierte damit die Behauptung von Keynes, dass mit fiskalischen Mitteln Rezessionen bekämpft werden können und stellt die Geldpolitik als stabilisierendes Element in den Mittelpunkt. 11 Die Erkenntnisse der monetären Theorie, deren Kern in der Quantitätsgleichung 12 liegt, nahmen großen Einfluss auf die Bekämpfung der Inflation durch die Zentralbanken, die nach Friedman unabhängig sein und mit Geldmengenzielen operieren sollten. 13
Die deutsche Theorie der Angebotspolitik beruht auf den Annahmen und Thesen der Neoklassik und des Monetarismus. Allen drei Theorien wohnt die Annahme „regulierter Wettbewerbsgesellschaften“ 14 inne, aber sie unterscheiden sich in ihren Zielen. Die Angebotstheorie ist weniger an einer theoretischen Fundierung orientiert als die Neoklassik, will aber starken Einfluss auf die Steuerung der wirtschaftspolitischen Richtung nehmen. 15
In Deutschland wurde der lange dominierende nachfrageorientierte „Keynesianische Konsensus“ ab Mitte der 70er Jahre immer mehr von angebotsorientierten Positionen abgelöst. Spätestens mit der Regierung Kohl ab 1982 wurde das neoliberal-angebotsorientierte Konzept in Westdeutschland als entscheidende wirtschaftspolitische Richtung übernommen. 16 Als ihr Hauptvertreter kann der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gesehen werden. 17
11 vgl. Altmann, 2000, S. 273f.
12 Die Quantitätsgleichung (M = (P x Y) : v) besagt, dass das nominale BIP (P,Y) proportional zur umlaufenden Geldmenge(M) ist. Ein Anstieg der Geldmenge M führt bei gegebener Geldumlaufgeschwindigkeit (v) zu einer Erhöhung des nominalen BIPs. vgl. Arnold, 2003, S. 110f.
13 Die Zielvorgabe der EZB wird im so genannten „Zwei-Säulen-Konzept“ beschrieben. Das vorrangige Ziel der EZB ist die Preisstabilität in einem Inflationsintervall von 0-2%. Außerdem wird ein Referenzwert für das Wachstum der Geldmenge M3 festgelegt. vgl. ebd., 2003, S. 104.
14 Pilz/Ortwein, 2000, S. 346.
15 vgl. ebd., S. 346ff.
16 Hinter dem Neoliberalismus steht keine explizite wirtschaftswissenschaftliche Schule. Der Begriff wird eher von den Kritikern marktliberaler Positionen verwendet und mit Deregulierung, Flexibilisierung, Privatisierung, Globalisierung und reiner Fixierung auf Rendite und Profit verbunden. Die deutsche Angebotspolitik wird auch häufig als neoliberal oder als neoliberale Agenda bezeichnet. vgl. Willke, 2003, S. 11.
17 vgl. Hickel/Priewe, 2000, S. 73.
Arbeit zitieren:
Marco Häusler, 2006, Die Angebotstheorie - Grundannahmen, Postulate & Kritik, München, GRIN Verlag GmbH
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