Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 2
2. Die Usurpation Constantins III. 4
2.1. Usurpationen in Britannien und die Lage zu Beginn des 5. Jahrhunderts 4
2.1.1. Der Fall der Rheingrenze 406/07 4
2.1.2. Von Marcus über Gratian zu Constantin. 5
2.2. Aufbau und Sicherung der Herrschaft (408/09)
2.2.1. Die Besetzung Galliens, Sicherung der Rheingrenze. 6
2.2.2. Die Einnahme Spaniens 7
2.2.3. Legitimation der Herrschaft 8
2.3. Zerfall der Herrschaft (410/11)
2.3.1. Aufstand des magister militum Gerontius in Spanien. 9
2.3.2. Italienfeldzug Constantins. 10
2.3.3. Belagerung in Arles und die Absetzung Constantins. 11
3. Schluss 13
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 14
Anhang 16
1
1. Einführung
Je mehr äußere Machtfaktoren und Probleme auf einen Staat einwirken, desto stärker und zentralisierter muss die Staatsgewalt wirken. Andernfalls werden die Probleme auf regionaler Ebene gelöst und es kommt zu einer Privatisierung der Gewalt, infolgedessen das Gemeinwesen zerbricht. 1 Die faktische „Reichsteilung“ nach dem Tod des Kaisers Theodosius leitete, vor allem für die Westhälfte des Römischen Reiches, ein Phase ein, in der germanische Volksstämme die Grenzen des Reiches ständig bedrohten. Zu Beginn des fünften Jahrhunderts wurde das Amt des magister militum von dem Vandalen Flavius Stilicho besetzt. Seine Amtszeit war im hohen Maße durch die Auseinandersetzung mit den Westgoten unter König Alarich geprägt. Die Westgoten drangen regelmäßig in die Provinz Illyricum und nach Norditalien ein, plünderten Städte und bedrohten die Zivilbevölkerung. Um der angespannten Lage Herr zu werden wurden Truppen benötigt, deshalb wurden einerseits unter den germanischen Volkstämmen Soldaten angeworben, andererseits aber auch Einheiten von den Grenzen des Reiches abgezogen. Diese Machtverlagerung auf das Kernland des römischen Reiches schuf in den Randprovinzen ein Vakuum, welches von äußeren, wie inneren Kräften gefüllt wurde. Die verbliebenen militärischen Kräfte und die Zivilbevölkerung fühlten sich in diesen Regionen von Kaiser und Reich hintergangen und ausgeliefert. Sie schufen sich daher oftmals selbst eine Zentralgewalt. So wurde in Britannien zum Beispiel im März 407 ein gemeiner Soldat namens Flavius Claudius Constantinus zum Kaiser ausgerufen und mit der Verteidigung der Insel betraut. Von den dynastischen Kaisern und den Zeitzeugen wurden diese Erhebungen fast ausschließlich als „tyrannis“, also als Usurpationen verstanden. Demzufolge versuchten die dynastischen Kaiser diese mit militärischen Mitteln zu unterbinden. Doch gerade in der Phase zu Beginn des fünften Jahrhunderts, in der Volkstämme die Grenzen des Reiches unsicher machten und somit militärische Kräfte banden, wurde der Spielraum für Usurpatoren, und im besonderen für Constantin III, sehr groß, wodurch sie ihre Herrschaft oftmals für längere Zeit ausüben und stabilisieren konnten.
Die Arbeit wird die Usurpation Constantins III. vorstellen und dabei speziell auf die Gründe für die Erhebung, den Verlauf und die Ziele des Usurpators eingehen. Dabei wird
1 Vgl. Demandt, Alexander: Grenzen spätrömischer Staatsgewalt. In: Usurpationen in der Spätantike
(= Akten des Kolloquiums „Staatsstreich und Staatlichkeit). Hg. v. F. Paschoud/ J. Szidat, Stuttgart 1997,
S. 155.
2
sie sich speziell am Vormarsch Constantins orientieren und nur am Rande auf die Entwicklungen in Britannien und in Italien eingehen.
In Bezug auf die Quellen wurde vor allem auf die Werke von Paulus Orosius 2 und Zosimus 3 zurückgegriffen. Orosius` Weltgeschichte aus christlicher Sicht weist zwar Schwächen bei der genauen Datierung von wichtigen Ereignissen auf, als Zeitzeuge, der zudem aus der Provinz Hispanien stammte, kann seinem Bericht dennoch ein wichtiger Stellenwert zugemessen werden. Zosimus Bericht wurde hingegen ca. 100 Jahre Später im Oströmischen Reich verfasst und basiert, genau wie die Kirchengeschichte von Sozomenos 4 , in weiten Teilen auf dem Werk von Olympiodorus von Theben, welches aber nur in Fragmenten erhalten ist.
Als Sekundärliteratur wurden vor allem die Aufsätze von John Drinkwater 5 , Charles Stevens 6 und Kay Ehling 7 verwendet. Drinkwater und Stevens verbinden die Usurpation dabei in starkem Maße mit dem Untergang des Weströmischen Reiches im fünften Jahrhundert, Ehling hingegen orientiert sich eher an den Fakten der Usurpation und stellt diese chronologisch vor.
Die Forschung hat sich lange mit der Frage beschäftigt, was die Usurpationswelle in Britannien. Die Annahme, dass schon die Erhebung des Marcus aufgrund des Einfalls der Vandalen, Sueben und Alanen nach Gallien zurückzuführen ist, lässt sich nur schwer beweisen, da sich dieses Ereignis nicht zweifelsfrei datieren lässt. Evangelos Chrysos 8 führte die These an, dass auch ökonomische Gründe für die Revolte gegen die Zentralgewalt verantwortlich gewesen sein könnten. 9 In der Methodik wird sich die Arbeit am chronologischen Ablauf der Ereignisse orientieren, der Aufbau teilt sich dabei in drei Bereiche. Zuerst wird auf die Lage im römischen Reich zur Jahreswende 406/07 eingegangen. Anschließend wird die Machtausdehnung Constantins nach Gallien und Spanien vorgestellt. Zuletzt werden der Zerfall seines Reiches und das Ende des Usurpators betrachtet.
2 Deferrari, Roy: Paulus Orosius. The seven books of history against the pagans, Washington 1964.; Lippold,
Adolf: Paulus Orosius. Die Antike Weltgeschichte in christlicher Sicht, München u.a. 1986.
3 Paschoud, Francois (Hg.): Zosime. Histoire Nouvelle, Paris 1971.; Ridley, Ronald: Zosimus. New History,
Canberra 1982.
4 Bidez, Joseph (Hg.): Sozomenos. Kirchengeschichte, Berlin 1960.
5 Drinkwater, John: The Usurpers Constantine III (407 - 411) an Jovinus (411 - 413). In: Britannia 29
(1998), S. 269 - 298.
6 Stevens, Charles Emery: Marcus, Gratian, Constantine. In: Athenaeum 35 (1954), S. 316 - 347.
7 Ehling, Kay: Zur Geschichte Constantins III. In: Francia 23/1 (1996), S. 1 - 11.
8 Chrysos, Evangelos: Die Römerherrschaft in Britannien und ihr Ende. In: Bonner Jahrbücher 191 (1991),
S. 247 - 275.
9 Siehe hierzu 2.2.2.
3
2. Die Usurpation Constantins III.
2.1 Usurpationen in Britannien und die Lage zu Beginn des 5. Jahrhunderts
2.1.1 Der Fall der Rheingrenze 406/07
Um die Jahreswende 407 durchbrachen germanische Völkerschaften, darunter Alanen, Vandalen und Sueben die Rheingrenze und sickerten nach Nordgallien ein 10 . Diese Bewegung der germanischen Stämme war weder von der Heeresleitung, noch von den vor Ort stationierten Truppen vorhergesehen worden. In der älteren Forschung wurde die Westwärtsbewegung oft als Folge der „Völkerwanderung“ betrachtet, jedoch sprechen einige Faktoren gegen diese These. Zum einen schoben die eindringenden Völkerschaften keineswegs die ihnen vorgelagerten Völker nach Westen vor sich her. Burgunder, Alemannen und Franken, die schon lange in direkter Nachbarschaft zu den Römern am Ostufer des Rheins siedelten, wurden ebenfalls überrascht und wehrten sich teils selbst gegen die Invasoren 11 . Zum anderen lässt das schnelle Vorrücken darauf schließen, dass es sich bei den Eindringlingen nicht um ganze Völker handelte, sondern eher um Ansammlungen von Kriegern, die in kleinen Gruppen agierten und dadurch die Rheingrenze verhältnismäßig schnell überwinden konnten. 12 Außerdem wurde die Invasion noch durch den Abzug römischer Truppen von der Rheingrenze begünstigt. Einerseits litt das Reich in dieser Phase zunehmend stark an einer imperialen Überdehnung, so dass die Grenzverteidigung ohnehin stets minimiert wurde. Andererseits benötigte der Heermeister Flavius Stilicho weitere Kontingente um die Auseinandersetzung mit dem Westgotenkönig Alarich kontrollieren zu können. Der Abzug von Truppen war in dieser Situation auch in sofern sinnvoll, da, wie bereits erwähnt, die am Ostufer des Rheins siedelnden Volksstämme keine Bedrohung für das Reich darstellten. Außerdem sah man in ihnen zugleich einen Puffer vor heranrückenden Völkerschaften. Doch der Truppenabzug allein reicht nicht aus, um die erfolgreiche Invasion zu begründen, da nach wie vor genügend Einheiten vor Ort waren. Es lässt sich aber vermuten, dass die Moral der Kontingente relativ niedrig war, da der Kaiser seinen Regierungssitz von Trier nach Mailand, also weit ins Landesinnere verlegte und seine Besuche an der Rheinfront zusehends seltener wurden. 13 Die Verteidigung der Grenze war
10 Zos. VI 3, 1.; Zosimus gibt zwar keine genaue Datumsangabe, in der Forschung wird aber allgemein vom
31. Dezember 406 nach Prosper 1230, I 465. ausgegangen.
11 Oros. VII 40, 3.
12 Drinkwater: Constantine III, S. 273.
13 Ders.: S. 273.
4
Arbeit zitieren:
2006, Die Usurpation Constantins III. - Gründe, Verlauf und Ziele , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Otto III. und der Akt von Gnesen
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die slawischen Nachbarn der Ottonen - Das politische, soziale und reli...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 26 Seiten
The Sublime in the English Gothic Novel: Horace Walpole´s The Castle o...
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
What was the Harlem Renaissance? What effect did it have on American C...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Wissenschaftlicher Aufsatz, 10 Seiten
Mythos Tom Ripley - Zur Identifikation der Autorin und des Lesers mit ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
The ambiguity of the letter 'A' in Nathaniel Hawthorne's &...
Hausarbeit, 16 Seiten
Der Umgang mit dem Schuldproblem in Nathaniel Hawthornes "The Sca...
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Die Rolle der Medien im Krieg - Kriegsberichterstattung, Zensur und Pr...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Challenging Puritan Thought? Nathaniel Hawthorne´s Nature Descriptions
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
The Visible and the Invisible Letter "A" - Puritanism and th...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Der Slawenaufstand von 983 (982) und seine Gründe
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 18 Seiten
Otto III. und die Slawen zwischen Elbe/Saale und Oder - Der Mecklenbur...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 21 Seiten
Anonym's Text Die Usurpation Constantins III. - Gründe, Verlauf und Ziele ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anonym hat den Text Die Usurpation Constantins III. - Gründe, Verlauf und Ziele veröffentlicht
Von der Steinzeit bis zum Ende des Weströmischen Reiches
Sekundarstufe 1. Ausgearbeitet...
Otto Mayr
Das Klassenzimmer vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute / The classr...
Das Katalogbuch zum VS-Schulmu...
Thomas Müller, Romana Schneider
Von der Romantik bis zum Ende des Dritten Reichs
Bd. 1: Von der Aufklärung bis ...
Jochen Schmidt
Das Ende des Alten Reiches im Ostseeraum
Wahrnehmungen und Transformati...
Michael North, Robert Riemer
Die Regensburger Bibliothekslandschaft am Ende des Alten Reiches
Manfred Knedlik, Bernhard Lübbers
Anfang und Ende des Tausendjährigen Reiches in Ostbayern 1
Band I
Georg Haberl, Walburga Fricke
0 Kommentare