Inhaltsangabe
1. Sozialdokumentarische Fotografie
1.1. Entwicklung der Sozialfotografie
1.2. Merkmale der Sozialfotografie
2. Der Sozialdokumentarist Lewis W. Hine
2.1. Seine ersten Jahre als Fotograf
2.2. Lewis W. Hine s Weg als Sozialdokumentarist
2.3. Lewis W. Hine s (fotografischen) Intentionen
3. Umgang mit sozialkritischer Fotografie im Unterricht
4. Literaturverzeichnis
1
Bereits im 19. Jahrhundert veröffentlichten Henry Mayheur und John Brinny ein Buch mit dem Titel „London labour and the London poor“, welches die Lage der Londoner Arbeiterschaft darstellte. Schon hier waren die Lebensstände der Unterschicht Gegenstand der Fotografie. Thomas Annan publizierte mit „Photographs of the old closes ans streets of Glasgow“ die städtebauliche Situation in den Glasgower Elendsvierteln. Ein weiteres Beispiel ist das Buch „Street life in London“, welches 1877 von Smith und Thompson herausgegeben wurde. Wahrscheinlich schlug in England die Geburtsstunde der Sozialfotografie, da hier die Industrialisierung und die damit verbundenen Folgen ebenfalls ihren Ursprung hatten. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind besonders zwei engagierte Fotografen zu nennen, welche die sozialen Missstände dokumentierten - Jacob Riis und Lewis W. Hine, auf letzteren soll im Folgenden noch explizit eingegangen werden. Jacob Riis machte 1890 mit seinem Buch „How the other half lives“ auf die Lebensbedingungen von Arbeits- und Obdachlosen in New York aufmerksam. Das Schicksal der Einwanderer, von denen viele in extremster Armut in den New Yorker Slums lebten, war ein weiteres Thema Jacob Riis`. Für die von ihm abgelichteten Menschen ergriff er Partei und appellierte an das soziale Gewissen der Gesellschaft. Sein Engagement führte dann auch zu Schulneubauten, Erziehungsprogrammen und zum Abriss des Armenviertels Mulberry-Bend.
Die Sozialdokumentarische Fotografie trat insbesondere in den 30ern durch die Bemühungen der Farm Security Association, eine US-Amerikanische Regierungsinstitution - kurz FSA -, ins Bewusstsein der Foto- und Kunstgeschichte. Namenhafte Fotografen wie Walker Evans oder Dorothea Lange dokumentierten für die FSA die Lebens- und Wohnsituation armer Farmer, die sich in ihrer ökonomischen Existenz bedroht sahen, wodurch eine Sammlung von mindestens 130.000 Aufnahmen. Roy E. Stryker, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der FSA, war der Initiator für dieses fotodokumentarische Projekt. Die Aufnahmen waren die Grundlage für das Buch „Land of Free“ (Land der Freien), das Meinung der Öffentlichkeit nachhaltig zugunsten der Lage der amerikanischen Landwirte
1 Vgl.: Art. Sozialdokumentarische Fotografie, unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdokumentarische_Fotografie
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beeinflusste. Besonders bekannt ist u.a. das Foto von Dorothea Lange „Mutter einer Wanderarbeiterfamilie mit ihren Kindern“. Im Zusammenhang mit der Fotodokumentation der FSA wurde der Begriff der 'Sozialdokumentarischen Fotografie' geprägt. In Deutschland entstand einige Jahre zuvor bereits die Arbeiterfotografen - Bewegung. Politisch engagierte Amateurfotografen dokumentierten hierbei die soziale Lage der Arbeiterschaft, sowie die Aktivitäten der Arbeiterbewegung. Ein weiterer Vertreter war August Sander, in dessen Werken ebenfalls das Soziale im Vordergrund steht. In dem Mappenwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ dokumentierte der deutsche Fotograf die verschiedenen Stände seiner Zeit, indem er für jeden Stand eine Person oder eine Personengruppe exemplarisch fotografierte.
Ende der 60er Jahre widmete sich der Amerikaner W. Eugen Smith den Einwohnern eines Fischerdorfes, die in Folge von Quecksilbervergiftungen erkrankten. Ein Jahrzehnt später machte der Fotoband „Rettet Eisenheim“ auf den geplanten Abriss einer Bergarbeitersiedlung in Oberhausen aufmerksam. Ein bedeutender sozialfotografischer Dokumentarist der Gegenwart ist der aus Brasilien stammende Sebastião Salgado. Thema seiner Werke ist u.a. die weltweit auftretende Migration und die damit verbundene Flüchtlingsarmut.
1.2. Merkmale der Sozialfotografie
Der Begriff der Sozialfotografie oder auch Sozialdokumentarismus stammt aus dem 20. Jahrhundert und fasst eine fotografische Tradition zusammen, welche sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe widmet, um deren Lebens-oder Arbeitsbedingungen aufzuzeigen. Die Sozialfotografie entwickelte sich demnach als eine fotografische Dokumentation sozialer Probleme und Missstände. Anstöße für deren Darstellung waren zumeist Armut, Benachteiligung, Ausbeutung etc. Deutlich zeigt sich dies bei Fotos mit Kinderarbeitern, Obdachlosen oder Hungerleidenden. Die Intentionen der Fotografen bewegten sich zwischen emphatischer Dokumentation und direkter Anklage der Missstände. Die Fotos sind oftmals in schwarz-weiß, wodurch die Not der betroffenen Menschen stärker zum Ausdruck kommt und diese somit eindrücklicher wirken. Dennoch gibt es seit der Entwicklung der Farbfotografie zunehmend mehrfarbige sozialdokumentarische Fotos, die man meist in bekannten Zeitschriften wie z.B. Spiegel oder Stern findet. Daran zeigt sich ebenfalls, dass die Sozialfotografie eine für die Öffentlichkeit bestimmte Gattung ist, die auf die fotografierten Umstände aufmerksam machen soll.
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Arbeit zitieren:
Anna-Maria Stolze, 2006, Lewis W. Hine und die Sozialfotografie , München, GRIN Verlag GmbH
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