Inhaltsverzeichnis
I. TEXTGRAMMATIK. S. 2 - 8
1.1. Kontextanalyse
1.2. Abgrenzung des Teiltextes
1.3. Teilsegmentierung
1.4. Objektivierung des Vorverständnisses
1.5. Häufigkeit der im Text verwendeten Wortarten
1.6. Textsorte
1.7. Wichtige Wörter des Textes und deren Bedeutung
1.8. Textkohärenz
1.9. Textaufbau
1.10. Stil
II. TEXTSEMANTIK. S. 8 - 11
2.1. Schematische Beschreibung der inhaltlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Wörtern
2.2. Die Wortverbindung βασιλεια των ουρανων
2.3. Wichtige Wortverbindungen und deren Häufigkeit bei den Synoptikern
2.4. Berücksichtigung der hervorgehobenen Stellung des Wortes μακαριοι im Textaufbau
2.5. Auftreten des semantischen Feldes μακαριοι in anderen Textstellen
III. TEXTPRAGMATIK. S. 11 - 13
3.1. Verfasser
3.2. Adressaten
3.3. Entstehungszeit
3.4. Thema
3.5. Ort
3.6. Code und Intention
3.7. Formbestimmung
3.8. Gattungsbestimmung
IV. TEXTKRITIK. S. 14 - 15
Textkritische Veränderung der Verse 5,4f
V. LITERARKRITIK. S. 16 - 17
5.1. Formale Unterschiede
5.2. Inhaltliche Unterschiede
5.3. Erläuterung der Unterschiede mittels der 2- Quellen-Theorie
VI. FORMGESCHICHTE. S. 17 - 19
6.1. Trennung von Redaktion und Tradition
6.2. Rekonstruktion der Überlieferungsgeschichte
6.3. Sitz im Leben
VII. REDAKTIONSGESCHICHTE. 19
VIII. HERMENEUTISCHE REFLEXION. 20
IX. QUELLE-N UND LITERATURVERZEICHNIS. S. 21 - 22
1
Im Sinne der Kontextanalyse sollen die Seligpreisungen zunächst im Gesamtaufbau der Schrift eingeordnet werden.
Der Text wird als Anfang bzw. Einstieg in die Bergpredigt Jesu gesehen. Davor wird von den „Krankenheilungen in Galiläa“ berichtet und anschließend vom „Salz und Licht“. Die Bergpredigt selbst befindet sich im Matthäus-Evangelium, einem der insgesamt vier Evangelien, die neben weiteren Textsammlungen das Neue Testament ausmachen. Dem Matthäus-Evangelium liegt ein biographischer Aufbau zugrunde, welcher mit dem Stammbaum und der Geburt Jesus beginnt und mit dessen Tod endet. Zunächst soll eine grobe Gliederung des Matthäus-Evangeliums als Übersicht gegeben werden:
Kap 1-4: Herkunft Jesu und Vorgeschichte seines Auftretens (Geburt, Stammbaum,…) Kap 5-7: Jesu Worte: Die Bergpredigt Kap 8,1-9,34: Jesu Taten: Die Wunder Kap 9,35-12,50: Die Sendung der Jünger - Israel muss sich entscheiden Kap 13: Gleichnisse Kap 14,1-16,12: Machttaten und Mahnworte Kap 16,13-20,34: Der Weg nach Jerusalem Kap 21-23: Auseinandersetzungen in Jerusalem Kap 24-25: Endzeit und Weltgericht Kap 26-28: Jesu Leiden, Tod und Auferstehung
Im Evangelium zeigt sich eine Abwechslung zwischen langen Reden und schnellen Handlungsfolgen, was einen Wechsel von Jesu Wort zu Jesu Tat oder umgekehrt bedeutet. Die Bergpredigt selbst ist das „Wort Jesu“ und die „Heilungs- und Wundergeschichten“ stellen demnach Taten Jesu dar.
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1.2. Abgrenzung des Teiltextes
a) zum vorherigen Text:
Zwischen dem Text der Seligpreisungen und dem Vortext „Krankenheilungen in Galiläa“ lässt sich kein Sprecherwechsel finden. Jesus selbst nimmt jedoch in V. 5,1 einen Ortswechsel vor, indem er auf einen Berg geht. Dieser Fakt ist entscheidend für die weitere Erzählung, da es sich um die „Berg“predigt Jesus handelt. Die Adressaten werden in V. 5,1 präziser benannt. Während zunächst von Menschenmassen bzw. dem Volk gesprochen wird, treten nun seine Jünger zu ihm. Die Worte „Als er aber…“ (5,1) sind Signalwörter, die einen Bruch anzeigen. Dadurch lässt sich der Text der Seligpreisungen vom Vortext abtrennen. Zugleich sind sie eine Hinleitung zur wörtlichen Rede, die darauf folgt. Ein rückverweisendes Element ist οχλους (5,1) zu οχλοι (4,25), was eine Handlungsabfolge von V. 4,25 zu V. 5,1 erkennen lässt.
b) zum folgenden Text:
Der V. 5,12, den man inhaltlich noch zu den Seligpreisungen zählen kann, stellt bereits einen Übergang zum folgenden Text her. Auch hier gibt es weder einen Sprecherwechsel, noch einen Ortswechsel, noch einen Adressatenwechsel. Dennoch kann man einen inhaltlichen Wechsel feststellen. Im Folgenden kommt es hier zu einer Salz- und Licht-Symbolik, d.h. zu einem Vergleich mit Salz und Licht.
Des Weiteren beginnen die Verse 5,13 und 5,14 im Griechischen mit ύμεις έστε. Dies kann ebenfalls als ein Gliederungssignal gesehen werden, wenn man bedenkt, dass die angesprochene Personengruppe nun direkt mit einem „ihr“ bezeichnet wird. Zuvor war lediglich durch die Konjugation der Verben erkennbar, wer angeredet wird.
Besonders markant für die Seligpreisungen sind die Satzanfänge „Selig sind…“, die von V. 5,3-10 auftreten. Das Fehlen weiterer solcher Satzanfänge im Anschluss und auch davor, lässt eine Textabgrenzung zu.
1.3. Teilsegmentierung
Der Text lässt sich in kleinste Leseeinheiten, sogenannte Sinnzeilen gliedern. Im V. 5,1 werden lokale und personale Angaben gemacht. Der Leser erfährt, dass Jesus auf einen Berg geht und von seinen Jüngern umringt wird. V. 5,2 leitet die wörtliche Rede mit einer bekannten Formel „…er...lehrte sie und sprach“ ein. Von V. 5,3-10 folgen die nach ihren Satzanfängen benannten Makarismen. Die Seligkeit wird in V. 5,11 auf die Adressaten übertragen, indem diese durch ein έστε direkt
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angesprochen werden. Der V. 5,12 ist schließlich eine Aufforderung und gleichermaßen eine Zukunftsaussicht, die auch der Überleitung zum nächsten Abschnitt dient.
Auffällig ist bei dem Textabschnitt der Seligpreisungen, dass es sich bis V. 5,10 um relativ kurze und übersichtliche Sätze handelt. Damit ist auch gemeint, dass es in der deutschen Übersetzung keine längeren Sätze gibt, die aus mehreren durch Kommas abgetrennten Teilsätzen bestehen. Stattdessen sind die Sätze, sowie die Aussagen kurz und prägnant. Besonders die Makarismen selbst bestehen aus 2 Teilen; einem ersten, in dem die spezielle Personengruppe genannt wird, die selig ist und einem zweiten, der die jeweilige Begründung beinhaltet. Die Seligpreisungen sind in sich gleich geordnet, da sie eine Art Aufzählung ohne Rangabstufung sind. Die Verse 11 und 12 fallen dahingehend ein wenig aus dem bisherigen Rahmen, da sie länger formuliert sind. Auch zeigt sich hier eine andere inhaltliche Struktur, als in den vorangegangenen Seligpreisungen.
1.4. Objektivierung des Vorverständnisses
Der Text hinterlässt bereits nach einem ersten Lesen ein Gefühl von Hoffnung, Trost und Sicherheit, was sicherlich mit den Seligpreisungen auch beabsichtigt werden soll. Der Leser soll, wie der ursprüngliche Hörer der Worte Jesus, Zuversicht und Vertrauen erlangen. Auffällig ist die klare Strukturierung des Textes, welcher mit einer einleitenden Wortformel beginnt, in Absätze und Hauptsatz - Nebensatz - Gefügen.
Deutlich werden ebenfalls die Sender - Empfängerebenen; so war der damalige Sender Jesus und das Volk und seine Jünger die Empfänger. Dies ist somit die textinterne Ebene. Textextern und für uns heute ist Matthäus der Autor und Sender, der die Worte Jesu in seinem Evangelium festgehalten hat, sowie wir als Leser oder aber auch Hörer des Evangeliums die Empfänger der Botschaft sind.
1.6. Textsorte
Bei den Seligpreisungen handelt es sich um einen deskriptiven Text. Dies ist zum einen an der Reihenbildung der Verse und deren Anfängen mit μακαριοι erkennbar. Zum anderen zeigt dies ebenso der in diesen Versen vorherrschende Nominalstil. Der Vers 5,12 hingegen wirkt instruktiv und gibt Anweisungen für zukünftiges Handeln. Erkennbar ist dies auch an dem verwendeten Imperativ in der Anrede.
1.7. Wichtige Wörter des Textes und deren Bedeutung
Im Textabschnitt der Seligpreisungen finden sich bestimmte Wörter, die dort mehrfach auftreten. Diese sollen im Folgenden mithilfe des EWNT kurz etwas näher erläutert werden. Das Wort βασιλεία tritt im Text beispielsweise doppelt auf. Insgesamt gibt es für dieses 162 Belege im Neuen Testament. Bei Matthäus steht βασιλεία mehrheitlich mit dem Zusatz των ουρανων; so auch zweimal im Text der Seligpreisungen. „Βασιλεία ist Kennwort für die Verkündigung Jesu“ 1 und „ kann […] bei Mt auch das den Menschen geschenkte Heilsgut bedeuten (25,34), das die Gerechten „ererben“…“ 2 Am häufigsten taucht im zu untersuchenden Textabschnitt allerdings das Wort μακάριος auf; insgesamt neunmal innerhalb von 12 Versen. Das Wort kann im Neuen Testament glücklich oder gut bedeuten. Von μακάριος werden 50 Belege verzeichnet. Der überwiegende Teil davon findet sich bei den Synoptikern; 13 Belege bei Matthäus, wovon, wie oben bereits erwähnt, allein 9 in der Bergpredigt vorkommen und 15 Belege bei Lukas. 3
Als drittes Beispiel soll an dieser Stelle das Wort ουρανός erwähnt werden, welches insgesamt 274mal im Neuen Testament belegt ist. Auffällig sind hierbei die 91 Pluralformen des Wortes, wovon zwei auch in den Makarismen vorkommen. Bei Matthäus findet sich das Wort allein schon 82mal wieder. Bevorzugte Wendungen sind πατερ ήμον ό εν τοις ουρανοις und βασιλεία των ουρανων. Mit dem Begriff ουρανος wird alles, was im lokalen wie auch im übertragenen Sinne oberhalb der Erde ist, bezeichnet und sich somit über dem Menschen befindet. Das kann z.B. das Himmelsgewölbe oder das Göttliche sein. 4
1.8. Textkohärenz
In diesem Abschnitt der Textkohärenz soll es um die Einheitlichkeit im Textaufbau gehen. Interessant hierbei können vor allem Wiederholungen sein und in welchem Zusammenhang diese auftreten. In den Seligpreisungen lassen sich mit dem Wort μακάριοι neun Stichwortwiederholungen lokalisieren.
1 Luz, Art. βασιλεία, EWNT I, Sp. 487.
2 Luz, a.a.O., Sp. 488.
3 Vgl.: Luz, a.a.O., Sp. 926.
4 Vgl.: Schoenborn, Art. ουρανός, EWNT II, Sp.1328f.
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Anna-Maria Stolze, 2005, Exegese zu Mt 5.1-12 - Die Seligpreisungen, München, GRIN Verlag GmbH
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Endlich......
mal eine Arbeit, die mir gut gefällt! Danke.
am Wednesday, May 13, 2009-