Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Was ist der Mensch? - Ein Erklärungsansatz nach Jürgen Moltmann 4-6
2.1. Der Mensch im Vergleich zum Tier
2.2. Der Mensch im Vergleich zu anderen Menschen
2.3. Der Mensch im Vergleich mit dem Göttlichen
3. Biblische Anthropologie 7-9
3.1. Anthropologische Aussagen im Alten Testament
3.2. Anthropologische Aussagen im Neuen Testament
4. Didaktische Ansätze zur Anthropologie 9-15
4.1. Anthropologische Themen im RU allgemein
4.2. Anthropologische Inhalte der Klassenstufen 5/6
4.3. Anthropologische Inhalte der Klassenstufen 7/8
4.4. Anthropologische Inhalte der Klassenstufen 9/10
4.5. Anthropologische Inhalte der Klassenstufen 11/12
5. Schlussgedanke 15
6. Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
Anthropologie - Wissenschaft vom Menschen, besonders unter biologischem, philosophischem, pädagogischem und theologischem Aspekt. 1
Die Lehre vom Menschen ist ein vielschichtiges Gebiet, wie sich bereits an der kurzen Definition des Fremdwörterbuchs erkennen lässt. Es ist keine lineare Richtung, auf die eine einfache Antwort gefunden werden kann. Stattdessen versuchen die verschiedensten Wissenschaften seit Jahrhunderten eine Erklärung zu finden. Doch genauso, wie sich die Menschen im Laufe der Zeit ändern, muss auch die Anthropologie immer wieder neu reflektiert werden. Einerseits kann dies durch empirische Sachverhalte, wie sie in der Biologie, der Medizin oder der Wirtschaft vertreten sind, geschehen. Andererseits versuchen gesellschaftswissenschaftliche Strömungen, wie die Pädagogik und die Theologie, die „grundsätzliche Frage nach der Bestimmung des Menschseins“ 2 zu deuten. Gerade diese letzten beiden Richtungen sollen im Folgenden besonders von Bedeutung sein. Grundsätzlich gilt jedoch festzuhalten, dass die Anthropologie ein „Thema aller wissenschaftlichen Disziplinen“ 3 ist. Dies impliziert somit, dass keine Wissenschaft allein eine universelle Antwort auf die Frage nach dem Menschen geben kann. Ein derart weites Verständnis von Anthropologie hat sich erst in diesem Jahrhundert herausgebildet. 4 Laut Wolfhart Pannenberg leben wir in einem Zeitalter der Anthropologie, welche als umfassende Wissenschaft ein Hauptziel der geistigen Bestrebungen unserer Gegenwart ist. 5 Der Mensch macht sich selbst zum Problem und setzt immer mehr daran das Rätsel seiner Person zu entschlüsseln. Ein Grund dafür liegt in der Tatsache, dass Gott und der Glaube nicht mehr, wie noch im Mittelalter, vorrangige Orientierungspunkte in unserer Welt sind. Wir leben viel mehr in einer religiös unentschlossenen Gesellschaft. 6 Neue Orientierung boten eine Zeit lang die Errungenschaften der Naturwissenschaften, die in den letzten Jahrzehnten erstaunliche Fortschritte gemacht haben. Dennoch konnten auch diese dem Menschen bisher keine befriedigende Antwort auf die Frage nach sich selbst
1 Duden. Fremdwörterbuch, 7. neu bearbeitete und erweiterte Aufl., Bd.5, Mannheim 2001, S. 71.
2 Adam, Mensch, in: Theologische Schlüsselbegriffe. Biblisch - systematisch - didaktisch, hrsg. von Lachmann/Adam/Ritter, S. 226.
3 Vgl.: Ebd.
4 Biehl, Art. Mensch, Menschenbild, LexRP II, Sp.1314.
5 Vgl.: Richardt, Gott wird Mensch, S. 7; nach W. Pannenberg, Was ist der Mensch, 7 Göttingen 1985, S. 5.
6 Vgl.: Ebd.
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geben. Ein umfassendes Verständnis erhofft man sich nun aus der Zusammenführung aller wissenschaftlichen Erkenntnisse, um somit ein Gesamtbild entwerfen zu können, welches dem Menschen helfen soll, „sich selbst zu verstehen und so sein Leben zu meistern.“ 7 Aus den verschiedenen Bereichen der Anthropologie, besonders natürlich aus dem pädagogischen und theologischen Bereich, ergibt sich ebenso eine Bedeutung für den Religionsunterricht. Der Umstand, dass gerade Jugendliche sich in einer Phase der Selbstfindung bewegen, zeigt die pädagogische Aufgabe der Schule auf diesem Gebiet. Schüler in diesem Alter stellen die Frage nach dem Sinn ihres Lebens, kommen möglicherweise in Berührung mit Grenzsituationen des Lebens oder dem Tod selbst und sind oft hin- und her gerissen zwischen Selbstentfremdung und Selbstverwirklichung. 8 Die Schule als ein Hauptbestandteil in der Lebenswelt der Schüler muss demnach auch ein Ort sein, der die Beschäftigung mit bewährten Sinnantworten, Religionen und Weltanschauungen bietet. Biblische Tradition kann zudem mit ihrer Deutung von Mensch und Welt „in einzigartiger Weise einen Beitrag zur pädagogisch angestrebten Selbstfindung der Schüler leisten, indem sie ihnen `Möglichkeiten der Selbstorientierung und eines weiterführenden Selbstverständnisses zur Verfügung´ stellt. 9 Die folgende Seminararbeit ist in drei Abschnitte gegliedert, um die Thematik Anthropologie in ihrer Komplexität näher zu beleuchten. Der erste behandelt die Frage Was ist der Mensch? im Vergleich zum Tier, zum Mitmenschen und zum Göttlichen. Damit soll beispielhaft anhand von Jürgen Moltmann ein möglicher Deutungsentwurf der Gegenwart gezeigt werden, der u.a. Diskussionsgrundlage für den RU in der Klassenstufe 11 sein könnte, da sich daraus, laut Moltmann, die Sonderstellung des Menschen ergibt. Der zweite Abschnitt setzt den Schwerpunkt auf anthropologische Aspekte in der Bibel. Dabei wird zwischen dem Alten und dem Neuen Testament unterschieden. Die Relevanz für diesen Punkt ergibt sich aus der Tatsache, dass die Heilige Schrift ein Grundstein des RU ist. Im letzten Teil der Arbeit wird mithilfe von anthropologischen Schlüsselbegriffen aus dem Thüringer Lehrplan die Bedeutung dieser Thematik für den RU erläutert.
7 Vgl.: Richardt, Gott wird Mensch, S. 7.
8 Vgl.: Adam/Lachmann, Religionspädagogisches Kompendium, S.125.
9 Vgl.: Adam/Lachmann, a.a.O., S. 126; nach K. Wegenast, Orientierungsrahmen Religion, Gütersloh 1979, S. 85.
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Die Frage Was ist der Mensch? ist vermutlich so alt, wie der Mensch, seit dieser sich seiner selbst bewusst wurde. Es ist zudem keine Frage, die eine endgültige Antwort verlangen kann. Vielmehr erfordert diese Fragestellung eine Erklärung, die zu ihrer jeweiligen Zeit passt. Sie ist wie eine Unruhe in der Geschichte der Menschen und Völker und so, wie die Menschen sich ändern, muss auch die Antwort stets der Gegenwart wieder neu angepasst werden. „Wo [diese Antworten] aber geschichtlich gelingen, bieten sie für eine gewisse Zeit eine tragfähige Basis für das persönliche und soziale Leben.“ 10 Die Frage Was ist der Mensch? ist eine Vergleichsfrage und kann nur dann beantwortet werden, wenn man diese in verschiedenen Zusammenhängen betrachtet: „Sie steht nie absolut im Raum, sowenig der Mensch isoliert dasteht.“ 11
2.1. Der Mensch im Vergleich zum Tier
Aus diesem Vergleich heraus entsteht die biologische Anthropologie. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier in einigen wesentlichen Punkten. Bereits zu Urzeiten war er Jäger oder Hirte und die Tiere sicherten sein Überleben. Er erkannte ihre Lebensweise durch Beobachtung; ein wichtiger Faktor bei der Jagd. Dennoch ist der Mensch im Vergleich zum Tier „instinktarm und hat keine feste Umwelt als die eine Lebensphäre, in der er sich bewegt.“ 12 Er ist nicht einer bestimmten Umwelt angepasst und besitzt gegenüber dem Tier nur wenig instinktive Reaktionen. Stattdessen muss er sich eine eigene Umwelt durch Sprache und Kultur erbauen. „Der Mensch ist, rein biologisch gesehen, nirgendwo zu Hause.“ 13 Dieses offensichtliche Fehlen von Eigenschaften, welche den Tieren voraus gegeben sind, zeigt auf der anderen Seite gleichzeitig die besondere Stellung des Menschen auf der Erde. Er besitzt Geist und Vernunft und die Fähigkeit, Fragen zu stellen und nach deren Lösungen zu suchen. „Seine Unspezialisiertheit ist nur die Kehrseite seiner schöpferischen Variabilität. Seine Instinktunsicherheit ist die Kehrseite seiner Fähigkeit zur bewußten Handlung. Seine Weltoffenheit, die ihn einer bestimmten
10 Moltmann, Mensch, S. 15.
11 Vgl.: Ebd.
12 Moltmann, a.a.O., S. 15f.
13 Moltmann, a.a.O., S. 16.
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Arbeit zitieren:
Anna-Maria Stolze, 2005, Anthropologie: 1. Was ist der Mensch - Ein Erklärungsansatz nach Jürgen Moltmann; 2. Biblische Anthropologie; 3. Didaktische Ansätze zur Anthropologie, München, GRIN Verlag GmbH
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