„Lebenssinn verliert, wer sich selbst aufgibt, wer nur auf andere wartet, wer im Fühlen und Denken die Gegenwart verlässt. Die Frage des Lebenssinns ist also unabhängig vom Alter.“
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis.................................................................................................................. 4
1 Einführung 5
2 Suizidalität 6
2.1 Epidemiologie zur Suizidalität in Deutschland 6
2.1.1 Suizidalität im Alter 7
2.1.2 Suizidmethoden 8
2.2 Vorboten und Zeichen einer Suizidgefährdung 9
3 Ursachen von Suizidalität im Alter 10
3.1 Theorien des Alter(n)s 10
3.2 Entstehungsmodell von Suizidalität im Alter 11
3.3 Belastende Lebenssituationen Krisen und Kränkungen im Alter 12
3.3.1 Psychische Erkrankungen im Alter 13
3.3.2 Physische Erkrankungen und Syndrome mit ihren Auswirkungen auf den Selbstwert
und die Selbstständigkeit 16
3.3.3 Soziale Instabilität und Isolation 17
3.3.4 Verlust der Selbstständigkeit und Autonomie 17
4 Die suizidale Krise 18
4.1 Krisenhilfe 19
4.2 Therapeutische Angebote 19
4.2.1 Therapeutische Grundhaltung 21
4.2.2 Psychotherapie Unterbringung und Betreuung 21
4.2.3 Pharmakotherapie 22
4.3 Zukünftige Versorgungsstrukturen geriatrische Leitsätze und Forschungsstand 22
5 Suizidprävention 24
6 Resümee 27
7 Literaturverzeichnis 31
3 NA
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:Suizidrate in Abhängigkeit vom Lebensalter 7
Abbildung 2: Suizidmethoden 8
Abbildung 3: Theorien des Alter(n)s 10
Abbildung 4: Entstehungsbedingungen von Suizidalität im Alter 11
Abbildung 5: Risikogruppe für Alterssuizide 12
Abbildung 6: Verteilung der bedeutsamsten psychischen Erkrankungen bei Männern
und Frauen in Bezug auf einen Suizidversuch 14
Abbildung 7: Depression und Suizidalität in Überschneidung und Abgrenzung 15
Abbildung 8: Diagnostisch bedeutsame Aspekte von Suizidalität 20
Abbildung 9: Therapeutische Richtlinien 21
Abbildung 10: Empfehlung zur Vernetzung für Suizidprävention und
Versorgungsstrukturen 24
Abbildung 11: Dimensionen der Suizidprävention 27
4 NA
1 Einführung
In Verbindung mit dem vermehrten Auftreten des Phänomens der Suizidalität im Alter stellt sich die Frage, ob das Alter schwerer zu ertragen ist, als die Lasten vorhergegangener Le- bensabschnitte? Gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen Suizidalität in jüngeren und älteren Lebensphasen? Was führt Menschen im hohen Lebensalter dazu, sich selbst das Leben zu nehmen? Und vor allem, was bewahrt andere davor, scheinbar selbstent- schlossen in den Tod zu gehen? Welche Faktoren machen das Leben alter Menschen so mühsam, die Menschen verzweifelt und hoffnungslos – nachdem das Leben bislang ge- meistert werden konnte? Will der alte Mensch wirklich aus freiem Willen sterben – gibt es den Bilanzsuizid tatsächlich? Oder gibt es Erklärungen für Suizidalität im Alter, die einen Ansatzpunkt für Prävention und Therapie bieten können? Das lebenslange Spannungsfeld zwischen innerer Wirklichkeit und äußerer Realität zeigt insbesondere im höheren Lebens- alter seine Wirkung. Dieser Tatsache muss die Gerontolgie und deren Schwesterprofessionen in Anbetracht der steigenden Lebenserwartung stellen.
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit sollte als Einstieg in das Thema Suizidalität (im Alter) eine kurze Begriffsdefinition mit anschließender epidemiologischer Darstellung erfolgen. Was macht den Suizid und im Speziellen die Suizidalität im Alter aus. Welche Ursachen und Einflussfaktoren gibt es? Ein Erklärungsmodell für Suizidalität und eine Auswahl der klassischen Theorien des Alter(n)s sollen einen Einblick in diese Fragestellung geben. Im Anschluss werden die Ursachen und Einflüsse die das Risiko der Alterssuizidalität beför- dern können eingehend betrachtet. Denn nur wenn klar ist, welche Ursachen zu Alterssuizidlität führen können, kann auch ein Ansatzpunkt für Prävention, Krisenhilfe, Dia- gnostik und Therapie gefunden werden.
Der Bereich der Prävention, Krisenhilfe, Diagnostik und Therapie in Verbindung mit der Darstellung der Entwicklungsnotwendigkeiten der Versorgungsstrukturen werden im letzten Teil dieser Arbeit eingehend betrachtet, um so den Bogen zwischen Theorie und Praxis spannen zu können und letztlich auch die Risikosenkung von Suizidalität und Therapierbar- keit zu thematisieren.
Auf das vertiefte Eingehen auf spezielle suizidfördernde Krankheitsbilder psychischer und physischer Natur wird in dieser Arbeit verzichtet, um die Suizidalität im Alter im Mittelpunkt
5
der Ausführungen zu belassen. Vertiefte Informationen z.B. zu Depression und Demenz sowie anderer somatischer Erkrankungen und Syndrome, können der einschlägigen Litera- tur (siehe Literaturverzeichnis) entnommen werden.
2 Suizidalität
„Der Begriff ‚Suizid‘ geht auf das lateinische ‚sui caedere‘ zurück und heisst soviel wie ‚sich selbst töten‘. Er umschreibt (...) den Akt der Selbsttötung.“ (Hirzel-Wille 2002, S.17). Suizi- dalität wird in der Literatur als das Ausmaß beschrieben, welches der Betroffene in Bezug auf die Motivation sich selbst zu töten hat. Der Begriff der Suizidalität umfasst allgemein Suizide und Suizidversuche aber auch deren Phantasien, Gedanken und Ankündigungen (vgl. Hirzel-Wille 2002, S.19). Der Suizid wird als ein durchgeführter Akt mit dem Ziel der Beendigung des Lebens mit dem vollen Wissen um die Folgen der Handlungen definiert (vgl. Wächtler 2003, S.449). Der Suizidversuch ist in seinem nicht tödlichen Ausgang vom Suizid abzugrenzen 1 . Bleibt ein Suizident am Leben, wird von einem Suizidversuch (Para- suizid) gesprochen. Überlebt der Suizident nicht, ist der Suizid die passende Klassifikation (vgl. Erlemeier 2002, S.19).
2.1 Epidemiologie zur Suizidalität in Deutschland
Im Jahr 1999 nahmen sich in der BRD insgesamt 11.157 Menschen, davon 8.080 Männer und 3.077 Frauen das Leben 2 . Die Suizidziffer 3 liegt bei Männern bei 20,6 und Frauen bei 7,3 (vgl. Erlemeier 2002, S.30). Die Altersverteilung der Suizidziffern folgt in Deutschland dem „ungarischen Muster“. Danach nimmt die Suizidgefährdung mit steigendem Alter deut- lich zu. Im Jahr 2000 waren 35% der Männer, die sich das Leben nahmen über 60 Jahre. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug jedoch nur 20%. Bei den Frauen waren sogar 50% der Suizidenten über 60 Jahre, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag bei 27% (vgl. Weinacker u.A. 2003, S.1). Auf Grund der hohen Dunkelziffer werden Suizidversuche auf 1 Der Suizidversuch fasst also verschiedene Schweregrade der Ernsthaftigkeit der Selbsttötung zusam- men. Neben misslungen Suiziden kann ein Suizidversuch auch ohne das Ziel der Selbsttötung angelegt sein (vgl. Hirzel-Wille 2002, S.19). Erlemeier (2002, S.20) beschreibt die Motive von Suizidversuchen nach Bronisch als: „Die parasuizidale Pause mit dem Motiv der Zäsur, die parasuizidale Geste mit dem Motiv des Appells, die parasuizidale Handlung mit dem Motiv der Autoaggression.“.
2 In Europa liegt der Suizid unter den zehn häufigsten Todesursachen, wobei das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 2:1 liegt (vgl. Nigg, Steidl 2005, S.121.) 3 Suizide je 100.000 Einwohner.
6
das vier- bis zehnfache höher eingeschätzt, als die Zahl vollendeter Suizide 4 (vgl. Heuft
1992, S.120).
Seit den 1970er Jahren nimmt die Suizidziffer aller Altersgruppen ab. Jedoch ist davon
auszugehen, dass insbesondere die Suizide alter Menschen oftmals nicht als solche er-
kannt werden. Dies ist unter anderem darin begründet, dass diese zumeist „weiche“
Suizidmethoden 5 anwenden und die Todesursache als „unklar“ zugeordnet wird. Daher
kann angenommen werden, dass die Abnahme besonders in dieser Altersgruppe, nicht so
eindeutig angenommen werden kann, wie es die statistischen Zahlen zeigen (vgl. Wein-
acker u.A. 2003, S.1).
2.1.1 Suizidalität im Alter
Das Risiko von Suiziden steigt mit zunehmendem Alter. Die Rate der Suizidversuche nimmt
mit zunehmendem Alter allerdings ab, daher wird in Bezug auf Suizidversuche älterer Men-
schen meist von einem „Suizidversuch im engeren Sinne“ gesprochen (vgl. Wächtler 2003,
S.450).
Abbildung 1:Suizidrate in Abhängigkeit vom Lebensalter (Suizide pro 100.000 Einwohner)
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0 30-35 50-55 70-75 85-90
(Abb. nach Wettstein u.A. 2001, S.147).
„Suizide im Alter sind wesentlich häufiger als in den jungen Altersgruppen, wenn auch der
prozentuale Anteil an den Gesamttodesursachen zurückgeht.“ (Weinacker u.A. 2003, S.4).
Im Zusammenhang mit der steigenden Lebenserwartung und der Zunahme des Anteils äl-
terer Menschen in der Bevölkerung, wird die Absolutzahl an Suiziden jedoch im Alter
zunehmen. Die kontinuierliche Zunahme der Suizidraten ist ganz besonders bei alten Män- 4 Schmidtke u.A. (1988, S.25) spricht in Bezug auf die Dunkelzifferproblematik bei Suizidversuchen von einer allgemeinen Unterschätzung der tatsächlichen Fallzahlen.
5 Dazu gehören z.B. Vergiftungen, Über- oder Unterdosierung verschriebener Medikamente (vgl. Wein- acker 2003, Kap. Suizidhäufigkeit, Suizidversuch).
7
ner ausgeprägt. Der Anstieg der Suizidraten bei Frauen fällt moderater aus und fällt ab dem
90. Lebensjahr wieder ab (vgl. Wächtler 2003, S.450). Vor dem Hintergrund der oben dar-
gestellten Entwicklung, sollten Suizidpräventionsmaßnahme für diese Altersgruppe zunehmend gefördert werden (vgl. Weinacker u.A. 2003, S.4). Bei suizidalen älteren Menschen wird der Selbstmord in Folge eines häufig negativen Al- tersbildes eher gebilligt als bei jüngeren Menschen. Dies liegt darin begründet, dass durch die negativen Altersstereotype, das Alter und Altern als persönliche und gesellschaftliche Last wahrgenommen wird. Damit einhergehend wird der Suizid am Schluss eines gelebten Lebens als plausibler und akzeptabler wahrgenommen als bei jungen Menschen, deren Leben noch vor ihnen liegt. Diese Wahrnehmung befördert den Gedanken und die Akzep- tanz so genannter Bilanzsuizide (vgl. Arbeitsgruppe 2006, S.3f.).
2.1.2 Suizidmethoden
Die Suizidmethoden differieren zwischen den verschiedenen Altersgruppen sowie zwischen den Geschlechtern.
Abbildung 2: Suizidmethoden
70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0%
(Abb. nach Wächtler 2003, S.449).
Erhängen als die dominierende Suizidmethode, vor allem bei Männer, gewinnt auch mit zunehmendem Alter weiter an Bedeutung. Fast ausschließlich bei Frauen ist dahingehend der Suizid durch Medikamente oder Drogen von großer Bedeutung, mit zunehmendem Al- ter jedoch mit sinkender Relevanz. Die vorhergehenden Aussagen machen den Unterschied der Wahl zwischen „harten“ und „weichen“ Suizidmethoden zwischen Männern und Frauen deutlich 6 . Zu bemerken ist an dieser Stelle nochmals, dass mit höherem Alter 6 Zu den harten Methoden werden u.a. Erhängen, Erdrosseln und Ersticken sowie Erschießen, Sturz aus großer Höhe, Einsenbahnsuizide und Schnitt-/Stichverletzungen gezählt. Die weichen Suizidmethoden werden mit Vergiftung durch Medikamente und andere Stoffe sowie Ertrinken definiert. Männer wählen zu bis zu 80% „harte“ Suizidmethoden, Frauen hingegen zu um die 50%. Mit zunehmendem Alter steigt
8
Quote paper:
Andrea Schulz, 2006, Suizidalität im Alter, Munich, GRIN Publishing GmbH
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