Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Begriff „Gesundheit“ 2
2.1. Die wissenschaftlichen Ansätze 2
2.1.1. Der Gesundheitsbegriff in den Naturwissenschaften und der Medizin. 2
2.1.2. Der Gesundheitsbegriff in der Psychologie 3
2.1.3. Der Gesundheitsbegriff in der Soziologie und der Sozialepidemiologie. 3
2.1.4. Das integrative Gesundheitsverständnis. 4
2.2. Die WHO und ihre Definition von Gesundheit. 4
2.3. Modellvorstellungen von Gesundheit und Krankheit 5
2.3.1. Das Risikofaktorenmodell. 5
2.3.2. Lebensweise- und Lebensstilmodelle. 6
2.3.3. Salutogenese-Modell. 6
2.3.4. Gesundheit und soziale Ungleichheit. 6
3. Gesundheitsfürsorge, Prävention und Gesundheitsförderung 7
3.1. Abgrenzung der Begriffe. 7
3.1.1. Gesundheitsfürsorge. 7
3.1.2 Prävention. 8
3.1.3. Gesundheitsförderung 8
3.2. Die Ottawa Charta 9
3.3. Setting-Ansatz in der Gesundheitsförderung 10
3.4. Möglichkeiten und Grenzen der Gesundheitsförderung 11
4. Kommunikation. 12
4.1. Theorien 12
4.1.1. Die vier Seiten einer Nachricht 12
4.1.2. Third-Person-Effekt 12
4.1.3. Wissenskluft 12
4.2. Positive und negative Botschaften 13
5. Kommunikationskonzepte in der Gesundheitsförderung und Prävention. 13
6. Resümee 15
Literaturverzeichnis II
Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention
1. Problem- und Fragestellung
Gesundheitsförderung ist ein noch junges Arbeitsfeld innerhalb des Gesundheitswesens, das sich auch in Deutschland immer mehr etabliert. Es entwickelte sich schrittweise im Kontext der inzwischen 30jährigen Geschichte des Programms „Gesundheit für Alle“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Als eigentliche Geburtsstunde gilt die 1986 formulierte Ottawa-Charta.
Präventionskampagnen im Gesundheitsbereich haben bereits Tradition. Es gibt dazu auch zahlreiche Evaluationen und theoretische Grundlagen aus mehreren Disziplinen. Anders steht es um die Gesundheitsförderung. Will man nicht Menschen davon abhalten, etwas Ungesundes zu tun, sondern sie dazu führen, sich gesundheitsförderlich zu verhalten, dann meint man damit nicht einfach die Umkehrung der Sichtweise auf dasselbe Phänomen, sondern eine Fokussierung anderer Verhaltensweisen. Wie bringt man Menschen dazu, ihre Gewohnheiten zu ändern? Der Mensch ist ein ökonomisches Wesen und versucht, lieb gewordene Einstellungen und Verhaltensmuster beizubehalten. Der Mensch ist aber auch ein neugieriges Wesen und eines, das nach Lust strebt. Ungewohntes hat aber auch seinen Reiz. Dabei ist es entscheidend, dass das Ungewohnte nicht als bedrohlich oder allzu anstrengend, sondern als angenehm und machbar erscheint.
Es gibt viele zentrale Bereiche der Kultur, in denen man die Kommunikationsstrategien beobachten kann, die von Menschen angewandt werden, um andere zu Verhaltensänderungen zu bringen. Eine tragende Rolle kommt in diesem Kontext die Spannung zwischen positiven und negativen Botschaften zu. Die Religionen und politischen Ideologien haben entweder die absolute Glückseligkeit, die Errettung oder den andauernden Frieden versprochen, wenn man ihren Geboten folgt oder dann „den Teufel an die Wand gemalt“, für all diejenigen, die gegen die Gebote verstoßen. In gewissen Phasen einer Bewegung stand jeweils die eine oder die andere Strategie im Vordergrund und mit der Zeit konnte es auch zu einer gemischten Strategie kommen. Vordergründig wurden z.B. die positiven Botschaften („Heilslehre“) betont. Die Drohungen der ewigen Verdammnis wirkten im Hintergrund leise weiter. Neuerdings betrachtet man diese Fragen auch in Bewegungen, bei denen ein gesundheitsschädigendes Verhalten reduziert werden soll. Diese Bewegungen hatten zwischen den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts und heute eine Entwicklung durchgemacht von einer Dominanz der „Warnungen“ zu einer Dominanz der „Versprechungen“. Welche Strategie die beste ist, wurde empirisch allerdings noch kaum untersucht. Negative Botschaften (Angstappelle) werden aber zunehmend als überkommenes Konzept betrachtet, da sie auf der Beziehungsebene nicht zu einem partnerschaftlichgleichwertigen Kommunikationsstil passen. Des weiteren wird erwartet, dass autonome selbstbewusste Individuen auf Druckversuche mit Abwehr und Widerstand reagieren. Es passt nicht zum Bild des mündigen aufgeklärten Menschen, dass er durch Drohungen zu dem gewünschten Verhalten gebracht werden soll. Diese Arbeit beschäftigt sich zu Beginn mit dem Thema Gesundheit. Hier wird zunächst ein Überblick der unterschiedlichen Begrifflichkeiten aus den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gegeben. In einem nächsten Schritt wird sich dem Thema Gesundheitsförderung und Prävention genähert. Insbesondere die Verbindung zur Ottawa-Charta und deren Bedeutung im Bereich ihrer Handlungsfelder stehen dabei im Mittelpunkt um schließlich in einem weiteren Kapitel den Kontext zwischen
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Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention
Gesundheitsföderung und Prävention und Kommunikationswissenschaften aufzuzeigen. Dabei wird deutlich, welche Kommunikationsstrategien in der Gesundheitsförderung und Prävention den größten Erfolg versprechen. Es stellt sich folgende Frage: Welche Art von Botschaft bringt den Menschen dazu, seine Einstellung und sein Verhalten bezüglich Gesundheit zu ändern oder zu optimieren?
Der Fokus wird in dieser Arbeit dabei auf die Wirkungsweise von positiven und negativen Botschaften gerichtet.
2. Der Begriff „Gesundheit“
Der sprachliche Ursprung des deutschen Worts Gesundheit liegt in dem germanischen Wort (ga)sund, was soviel bedeutet wie „stark, kräftig und geschwind“. (vgl. Opper 1998). Tatsächlich wird Gesundheit häufig über somatische Merkmale, vor allem durch die Leistungsfähigkeit des Körpers, bestimmt. Dies ist allerdings keine allgemeingültige Bedeutung. Von der WHO wird Gesundheit als Zustand körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens definiert. Gesundheit ist demnach nicht nur ein naturwissenschaftlich-medizinisch bestimmter Begriff, sondern nimmt auch Bezug auf psychische und soziale Faktoren. (vgl. WHO 1986). Gesundheit und Krankheit werden in Abhängigkeit von soziokulturellen Werten definiert, die von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren. Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit sind somit dem sozialen Wandel unterworfen. Ihr Verständnis ist an kulturelle und individuelle Bedingungen geknüpft und hängt mit Werten zusammen, die in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedliche Bedeutungen haben. (vgl. Hillmann 1994).
Demnach verändert sich die Bedeutung von Gesundheit mit dem Blickwinkel oder der Epoche, bzw. mit der wissenschaftlichen Perspektive, aus der sie betrachtet wird. „Gesundheit ist in der kapitalistischen Gesellschaft Erwerbsfähigkeit, unter den Griechen war sie Genussfähigkeit, im Mittelalter Glaubensfähigkeit.“ (vgl. Bloch zit. nach Trojan 1992, S.9) Im Folgenden sollen die naturwissenschaftlich-medizinische, die psychische und die soziologische Definition von Gesundheit dargestellt werden, um schließlich einen integrativen Gesundheitsbegriff im Sinne der Weltgesundheitsorganisation zu entwickeln.
2.1. Die wissenschaftlichen Ansätze
2.1.1. Der Gesundheitsbegriff in den Naturwissenschaften und der Medizin
Die praktische Medizin sieht Gesundheit vom Blickwinkel der Diagnostik und Therapie am individuellen Patienten. (vgl. Trautner et al. 1993). Sie orientiert sich hauptsächlich an mess- und beschreibbaren körperlichen Funktionen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Beschreibung und der Behandlung von Krankheitssymptomen. Gesundheit liegt dann vor, wenn Resultate klinischer Untersuchungen im Bereich vorher festgelegter Normen liegen. Dahinter steckt ein Verständnis von Gesundheit, das mit einem Nichtvorhandensein von körperlichen Beschwerden erklärt wird. (vgl. Moebus et al. 2000). Im allgemeinen Verständnis wird zwischen zwei Zuständen unterschieden: gesund oder krank. Während Gesundheit hauptsächlich als Abwesenheit
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Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention
von Krankheit beschrieben wird, existieren gegenwärtig über 30.000 Definitionen von Krankheiten und Symptomen. (vgl. Schwartz et al. 1998). Der medizinische Ge-sundheitsbegriff orientiert sich hauptsächlich an der Leistungsfähigkeit des Körpers. Subjektive Empfindungen des Krankseins werden dabei häufig vernachlässigt. In der jüngeren Medizin wir ein umfassenderer Begriff von Gesundheit verwendet wird. So lautete die Definition von Gesundheit auf dem Ärztetag 1994: „Gesundheit ist die aus der Einheit von subjektivem Wohlbefinden und individueller Belastbarkeit erwachsene körperliche, seelische und soziale Leistungsfähigkeit des Menschen.“
Im wesentlichen werden im medizinischen Modell vier Ursachen für Krankheit und Tod unterschieden:
N durch Mikroorganismen übertragene Infektionen, N durch Unfälle oder Verhaltensweisen hervorgerufene biochemische Dysfunktionen, N Schädigungen durch die Umwelt, N genetische Dispositionen (vgl. Badura 1993).
2.1.2. Der Gesundheitsbegriff in der Psychologie
Der Gesundheitsbegriff bezieht sich im Rahmen der Psychologie in erster Linie auf die seelische Gesundheit. In Anlehnung an die Medizin definiert die klinische Psychologie Krankheit als Abweichung von der Norm. Normen sind aber, wie Gesundheit selbst auch, stark kulturabhängig und erfahren häufige Veränderungen. Psychische Gesundheit wird demnach immer wieder neu bestimmt; psychische Störungen unterliegen keinen universellen Kriterien. Daher werden Verhaltensweisen, die noch vor wenigen Jahren nicht zu Kenntnis genommen wurden heute als psychische Störungen begriffen. Ein Beispiel hierfür wäre häusliche Gewalt (vgl. Vogt 1993). Innerhalb des Fachs der Psychologie existiert die Gesundheitspsychologie als eigene Teildisziplin, die sich mit den psychologischen Einflüssen auf Gesundheit und Krankheit, den Ursachen von Erkrankungen und den Reaktionen auf das Kranksein befasst (vgl. Zimbardo 1992). Im Gegensatz zur klinischen Psychologie fragt die Gesundheitspsychologie nicht in erster Linie nach den Ursachen von psychischen Leiden und Erkrankungen, sondern nach den Bedingungen für Gesundheit und den Ansätzen zu ihrer Förderung für Gesunde und Kranke. Psychische Gesundheit ist nach den Erkenntnissen der Gesundheitspsychologie abhängig vom Sozialgefüge der Gesellschaft und des eigenen Platzes im sozialen System. Außerdem wird Gesundheit von biopsychischen Dispositionen, der eigenen Lern- und Lebensgeschichte und der Umwelt determiniert (vgl. Vogt 1993).
2.1.3. Der Gesundheitsbegriff in der Soziologie und der Sozialepidemiologie
Der soziologische Gesundheitsbegriff legt als krankheitsstiftende Ursache die Gesellschaft zugrunde. Schon sehr frühe Theorien, etwa das Entfremdungstheorem von Karl Marx oder die kulturtheoretischen Schriften Sigmund Freuds, stellen diesen Zusammenhang fest. Sie stehen damit in der Tradition von Jean-Jacques Rousseau, der in der Zeit der französischen Aufklärung die Ansicht vertrat, die Gesellschaft mute dem Einzelnen Verhaltensweisen zu, die sich mit seinen angeborenen Verhaltenspotentialen nicht ohne weiteres vereinbaren lassen.
Die in den USA nach dem zweiten Weltkrieg entstandene Gesundheitssoziologie legt ihr Hauptaugenmerk allerdings nicht auf die gesundheitlichen Folgen sozialer Verän-
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Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention
derungen, sondern auf die soziale Organisation moderner Medizin. Als Begründer der medizinischen Soziologie gilt Talcott Parsons, der mit seinem 1951 erschienenen Werk „The Social System“ Krankheit als „Störung des ‚normalen’ Funktionierens des Menschen“ definiert. Badura (1993) regt an, die soziologische Gesundheitsforschung in drei Abschnitte zu gliedern: in Sozialepidemiologie, in Gesundheitsförderung und in die Analyse des Gesundheitssystems.
Während sich die Medizin hauptsächlich der naturwissenschaftlich-somatischen Krankheitsentstehung widmet und pathogene Vorgänge im menschlichen Organismus, wie endogene Störungen und exogene Einwirkungen untersucht, beschäftigt sich die Sozialepidemiologie mit soziopsychosomatischen und verhaltensbedingten Krankheitsursachen und den sich daraus ergebenden Interventionsstrategien. Die Sozialepidemiologie sucht nach Zusammenhängen zwischen Gesellschaft, Ge-sundheit und Krankheit. Die Übertragung von Mikroorganismen und die Verbreitung bestimmter Verhaltensweisen und Umweltbedingungen setzen in der Regel ein Verständnis von Lebensstil und sozialem Handel voraus. Kulturelle, politische und ökonomische Rahmenbedingungen sind von zentraler Bedeutung für die Entstehung und die Verbreitung von Krankheiten. Daneben gibt es eine Reihe von unspezifisch wirkenden Sozialfaktoren, wie zum Beispiel Alltagsbelastungen und soziale Beziehungen, die einen großen Einfluss sowohl auf die psychische als auch die physische Verfassung des Menschen haben. Eine wichtige Aufgabe der Sozialepidemiologie ist die Erforschung dieser Faktoren (vgl. Badura 1993).
Unter soziopsychosomatischen Faktoren werden Situationen oder Ereignisse verstanden, die als Verlust oder Bedrohung gedeutet werden und dadurch Ängste und Hilflosigkeitsgefühle auslösen und über das zentrale Nervensystem Immunschwächen, erhöhten Blutdruck oder Blutfettgehalt verursachen können. Unter verhaltensbedingten Faktoren werden Verhaltensweisen oder -gewohnheiten gefasst, die Gesundheit beeinflussen, wie Alkohol-, oder Tabakkonsum oder schlechte Ernährung. Bei der Er-forschung von Gesundheit und Krankheit gibt es einige Determinanten, die für die Sozialepidemiologie besonders wichtig sind. Zu diesen zählen: Soziale Ungleichheit, Alter, Geschlecht, Stress und Soziale Unterstützung (vgl. Badura 1993).
2.1.4. Das integrative Gesundheitsverständnis
In neueren Ansätzen zur Definition von Gesundheit werden die Positionen des medizinischen, des psychischen und des soziologischen Begriffs in einem integrativen, ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit summiert. Gesundheit bezieht sich also auf den physischen, den psychischen und den sozialen Kontext einer Person. Krankheit hat nicht nur medizinische Ursachen! Ganzheitlichkeit heißt Berücksichtigung der sozialen und psychischen Dimensionen von Gesundheit und Krankheit unter Einbeziehung sozialer und lebensweltlicher Aspekte (vgl. Opper 1998). Das integrative Verständnis von Gesundheit, oder auch der „ganzheitliche Ansatz“ entspricht dem Gesundheitsverständnis in dieser Arbeit, so dass weitere wichtige Aspekte dieses Ansatzes noch ausführlicher erläutert werden.
2.2. Die WHO und ihre Definition von Gesundheit
Nach der Satzung der WHO ist Gesundheit allgemein der Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und das für jeden Menschen erreichbare Höchstmaß an Gesundheit eines seiner Grundrechte (vgl. WHO 1986). „Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und
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Daniel Wildner, 2005, Gesundheit und Kommunikation - Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention, München, GRIN Verlag GmbH
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