Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung. 1
2. Die deutsche Klassik: Definition und Grundideen. 1
3. Historischer Hintergrund und sein Einfluß auf die Sprachentwicklung. 2
4. Wegbereiter der deutschen Klassik. 3
4.1. Goethe und Schiller als Leitfiguren der Weimarer Klassik. 4
4.2. Adelung und die Sprachnormierung. 4
4.3. Ruckstuhl und der Sprachpurismus. 5
5. Sprachliche Kennzeichen der deutschen Klassik. 7
5.1. Neuhochdeutscher Wortschatz auf dem Weg zur Verhochdeutschung. 7
5.2. Klassizistisch typisierende Wortbildung. 8
6. Zusammenfassung. 8
7. Literaturhinweise 9
1. Einleitung
„Dann las ich zur Abwaschung und Reinigung einiges griechische, davon geb ich Ihnen in einer unmelodischeren und unausdrückernden Sprache, wenigstens durch meinen Mund und
Feder, auch Ihr Teil“ 1 , schrieb Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1780 an Frau von Stein und kritisierte damit die deutsche Sprache hinsichtlich ihrer prosodischen Hindernisse gegenüber der griechischen Sprache.
Goethe war nicht der einzige Sprachmeister, der sich Ende des 18. Jahrhunderts mit der deutschen Sprache auseinandersetzte und versuchte, sie durch einen produktiven Purismus und einer Schrift- und Aussprachenormierung zu verbessern und aufzuwerten. Seine Italienreise von 1786 bis 1788 war das ausschlaggebende Ereignis, welches ihm neue Einsichten über die deutsche Sprache brachte, folglich die Epoche des Sturm und Drang überwand und eine neue Literatur- und Sprachepoche einleitete: die deutsche Klassik. Zwei Ereignisse begrenzen den literaturgeschichtlichen Zeitraum. Goethes Italienreise im Jahr 1786 stellt den Beginn der Weimarer Klassik dar, während diese mit Schillers Tod 1805 (seltener Goethes Tod 1832) endet. Da es in der Literatur- und Sprachgeschichte mehrere deutsche Klassiken gab, wird die Hauptschaffenszeit Goethes und Schillers von 1795 bis 1805 auch Weimarer Hof- und Hochklassik bezeichnet.
2. Die deutsche Klassik: Definition und Grundideen
Als Epochenbegriff zeichnet die deutsche Klassik ein Zeitalter aus, welches sich an dem Humanitäts- und Formideal der Antike orientierte und Begriffe wie Maß, Klarheit, Ruhe, sowie Vollkommenheit, Anmut und Veredelung implizierte. Neben Tugenden wie Toleranz oder Nächstenliebe sollte der Mensch ein Ideal der Totalität und Harmonie anstreben, in dem er alle menschlichen Kräfte und Fertigkeiten wie Gefühl und Verstand, wissenschaftliches Denken und künstlerische Wahrnehmung (= Totalität) ausbildet. Diese Merkmale sollten miteinander vereinbar sein und ein ausgewogenes Gefüge bilden (= Harmonie). Die Vertreter der deutschen Klassik sahen diese Einheit nicht nur in der griechischen Antike, sondern auch in der Natur. Folglich sollte der Mensch objektive Naturgesetze schöpferisch erfüllen. Als Höhepunkt der Nationalliteratur beinhaltet der Wertbegriff „Klassik“ eine harmonische, vorbildliche und zeitlos gültige künstlerische Leistung. __________________________________________________________________________
1 Georg Rausch: Goethe und die deutsche Sprache. Leipzig / Berlin 1909, S. 77.
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3. Historischer Hintergrund und sein Einfluß auf die Sprachentwicklung
Die Französische Revolution (1789 - 1794) war das zentrale politisch-gesellschaftliche Ereignis der formenauflösenden Übergangszeit am Ende des 18. Jahrhundert, deren Ruf nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Weimarer Klassik prägte. Nach anfänglicher Begrüßung, lehnten die Deutschen die Französische Revolution aufgrund ihrer mit Terror und Gewalt ausschreitenden Schreckensherrschaft ab. Die Klassiker waren für Aufklärung und Demokratie und erhofften eine Evolution statt Revolution. Sie forderten, dass der Mensch ein freies und selbstbeherrschtes Leben führen kann, welches er nicht mit Gewalt, sondern durch einen vernunftbestimmten Staat erzielen könne. Man erkannte, dass die Rückständigkeit Deutschlands, hinsichtlich seiner sprachlichen Differenzierung und Ästhetik, nicht durch eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft, sondern durch eine Veränderung des Einzelnen aufzuheben wäre, z.B. in der Kunst und in der Sprache.
Mit dem Wunsch nach kultureller Zusammengehörigkeit erwuchs aus dem provinziell und spießbürgerlich verrufenen Deutschland ein Nationalbewusstsein, welches den Staat überlegener gegenüber anderen Staaten machte. Verknüpft mit einem neuen Bildungsgedanken, der es auf die Ausbildung des humanistischen Bildungsideals und einer Neugestaltung der Bildungsinstitute anlegte, lenkte man die Verbreitung von Sprache und Literatur.
Zentrum dieser unpolitischen, jedoch philosophischen Auseinandersetzung deutscher Intellektueller und Künstler war Weimar, Gründungsort der „Fruchtbringenden Gesellschaft / Palmenorden“, einer Sprachgesellschaft, die ihre Hauptaufgabe in der Gestaltung der Nationalsprache sah. Sie zielte auf eine Sprachkultivierung und einer sprachideologischen Aufwertung der deutschen Sprache ab, die eine Abwendung vom Lateinischen und Französischen als Voraussetzung hatte. Es wurden Forderungen laut, im kirchlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Sprach- und Schriftgebrauch mehr Deutsch statt Latein oder Französisch zu verwenden. Fremdwortverdeutschung störe den Patriotismus und die Vorstellung einer deutschen Kulturnation, daher drängten die Sprachwissenschaftler der Klassik zu einer „maßvollen, vernünftigen Sprachreinigung“², um Deutlichkeit, Angemessenheit und Grundrichtigkeit der deutschen Sprache, ergo die Reinheit der deutschen Muttersprache herzustellen. „Demnach frommet sehr dem Geiste der Zeit, dass mit der Wiederbelebung unserer Nationalkraft die Wichtigkeit der Teutschen Sprache anerkannt und ² Rausch, S. 142.
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Arbeit zitieren:
Solveig Höchst, 2006, Sprachliche Kennzeichen der deutschen Klassik, München, GRIN Verlag GmbH
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