Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Marsilius von Padua Defensor pacis
2.1. Historischer Kontext und biographischer Hintergrund
2.2. Wissenschaftliche und anthropologische Grundlagen
2.3. Betrachtung des Menschenbildes
3. Thomas Hobbes Leviathan
3.1. Historischer Kontext und biographischer Hintergrund
3.2. Wissenschaftliche und anthropologische Grundlagen
3.3. Menschenbild und Naturzustand
4. Defensor pacis und Leviathan Ein Vergleich der Betrachtung der
Menschen im Naturzustand
5. Abschließende Betrachtung
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die folgende Hausarbeit soll einen Überblick über die Hauptwerke zwei der wichtigsten Phi- losophen des Mittelalters geben: Marsilius von Padua und Thomas Hobbes. Beide Philoso- phen beschäftigen sich in ihren Hauptwerken mit der politischen Philosophie und der Staats- theorie.
Marsilius von Padua beschreibt in seinem 1324 veröffentlichten Werk „Defensor pa- cis“ die Zurückdrängung der klerikalen Gottesstaatideologie und ersetzt diese durch die For- derung, der Herrschende habe sich selbst an die Gesetze zu halten und der menschliche Ge- setzgeber, das Volk, habe das Recht ihn zu korrigieren und ihn gegebenenfalls abzusetzen.
In Thomas Hobbes 1651 erschienen Hauptwerk „Leviathan“ begründete er, dessen Denken stark von den Schrecken des englischen Bürgerkriegs geprägt war, seine Lehre von der absoluten Staatsautorität.
Im „Defensor pacis“ legt Marsilius besondere Beachtung auf die vorstaatliche Be- trachtung der Menschen, ebenso wie Thomas Hobbes im „Leviathan“ - auch hier wird dem Naturzustand des Menschen größte Beachtung geschenkt. Ein Vergleich dieser Ansichten scheint notwendig, wenn man die Geschichte der Werke betrachtet. Marsilius scheint hinter dem übermächtigen „Leviathan“ des Thomas Hobbes, in den Hintergrund gedrängt worden zu sein und dies meiner Meinung nach zu Unrecht.
Zunächst wird bei beiden Werken eine Einordnung in den historischen und biographi- schen Kontext des Werkes und des Autors gegeben. Eine Darstellung der Betrachtung des Menschen vor der Verfassung bzw. dem Vertragsschluß wird im Mittelpunkt der Hausarbeit stehen. Abschließend soll ein Vergleich der Menschen im Naturzustand aufgezeigt werden - somit werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Werken deutlich.
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2. Marsilius von Padua – „Defensor pacis“
2.1. Historischer Kontext und biographischer Hintergrund
Marsilius von Padua wurde vermutlich zwischen 1275 und 1280 in Padua geboren. So wenig gesichert diese Angabe ist, so wenig sind es auch die übrigen wenigen Kenntnisse über Marsi- lius von Padua. Wahrscheinlich besuchte Marsilius eine Universität in seiner Heimatstadt. Im Jahr 1312 lehrte er als Magister Artium in Paris an der Sorbonne. Dort war er von Dezember 1312 – März 1313 Rektor. 1318/1319 war Marsilius in politischer Mission auf Rei- sen 1 . Die Mission scheiterte jedoch und Marsilius kehrte zurück an die Sorbonne. Im Jahr 1324 beendete Marsilius seine Schrift „Defensor pacis“, die er dem deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern widmete. Es war sein Ziel mit dieser Schrift das Papsttum als Quelle allen Un- friedens bloßzustellen.
Das historische Umfeld, in dem der „Defensor pacis“ entstand, wird bereits mit der Widmung deutlich. Der Konflikt zwischen Ludwig dem Bayer und der Kurie, die sich seit 1309 in Avignon befand, bildete den letzten Höhepunkt in den ständigen Auseinandersetzun- gen zwischen deutschen Kaisern und den Päpsten, die mit dem Investiturstreit begannen.
Im Jahr 1314 begannen die Probleme Ludwigs mit der Doppelwahl – die habsburgi- sche Partei hatte Friedrich den Schönen von Österreich, die luxemburgische Ludwig von Bay- ern zum deutschen König gewählt. Ludwig konnte sich in der Schlacht von Mühldorf (1322) durchsetzen.
Im lombardischen Reichsitalien war die Situation jedoch weiterhin ungeklärt - dort standen sich die Interessen des deutschen Reiches und die päpstlichen Ambitionen unversön- lich gegenüber 2 .
1 Im Auftrag der Ghibellinischen Liga, insbesondere der Papstgegner Matteo Visconti ( Signore von Mailan, den Marsilius im „Defensor pacis“ zum Gegenspieler des Papstes Johannes XXII. in Italien hochstilisiert) und Can Grande Della Scalla (kaiserlicher Vikar in Verona seit 1311 und Generalkapitän des lombardischen Ghibellinen- bundes) versuchte er einen französischen Prinzen, den späteren Karl IV., als Anführer zu gewinnen. Vgl. M. Runge, Marsilius von Padua, Politik und Tugend im politischen Denken des ausgehenden Hochmittelalters, Hannover, 1996, S. 20.
2 Papst Johannes XXII. vertrat die Ansicht, daß während der Vakanz des Kaiserthrones ihm die rechtmäßige Vertretung des Kaisers zustehe und dies erst mit der Wahl des deutschen Königs zum Kaiser durch den Papst ende.
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Da der deutsche König Ludwig zudem die Ghibellinen im Kampf gegen den Papst unterstütz- te, eröffnete dieser 1323 einen Prozeß gegen den deutschen König. 1324 wurde Ludwig von Bayern exkommuniziert und seine Untertanen wurden mit Bann und Interdikt bedroht, sollten sie ihm weiterhin die Treue halten.
1326, nach Bekanntwerden seiner Autorenschaft, floh Marsilius mit Johannes Jandum, der lange Zeit als Mitverfasser des Werkes galt, nach Nürnberg an den Hof Ludwigs 3 . 1327 kam Ludwig den Bitten seiner Berater, darunter auch Marsilius von Padua, nach, und be- schloß selbst nach Rom zu reisen. In diesem Jahr wurde Marsilius mit dem Bann belegt.
In Rom ließ Ludwig sich am 17. Jan. 1328 vom römischen Senat und Volk in Abwe- senheit des Papstes und gegen dessen Willen, zum Kaiser ernennen 4 . - Ludwigs Vorgehen scheint durch die Vorstellungen Marsilius` beeinflußt worden zu sein. Nach dem Italienzug 1327/1328 wurde es ruhiger um Marsilius, er wird wahrscheinlich bis zu seinem Tode 1343 am Hofe Ludwigs tätig gewesen sein.
2.2. Wissenschaftliche und anthropologische Grundlagen des „Defensor pacis“
Marsilius von Padua beschäftigt sich in seinem Werk „Defensor pacis“ mit dem Aufbau und dem Funktionieren des Staates. Betrachtet man das Werk in der aristotelischen Tradition, so wird deutlich, daß Marsilius eine Wende vollzog. Bis 1324 diente das aristotelische Gedan- kengut dazu, die relative Eigenständigkeit politischen Handelns zu begründen und seinen Ak- tionsraum abzustecken 5 . Dabei nahm die philosophische Legitimierung in Anbetracht der theologischen Tradition und die Abgrenzung der einzelnen „Gewalten“ den Vorrang ein. Dann erst wurde der politische Handlungsbreich erörtert. - Für Marsilius werden aber die Wirkursachen wichtiger als die Zweckursachen.
Diese Art der politischen Philosophie war nun nicht mehr auf einen Frieden stiftenden Kaiser zugeschnitten - Marsilius dachte an die Städte Oberitaliens, wenn er politische Philo- sophie betrieb.
3 Vgl. Kusch (Hrsg.), Der Verteidiger des Friedens, Berlin, 1958, S. XVI.
4 Im April erklärte Ludwig von Bayern Papst Johannes XXII. als abgesetzt und ernannte den Gegenpapst Niko-
laus V.
Zur Geschichte des Reiches : Vgl. U. Dirlmeier, Kleine Deutsche Geschichte, Stuttgart, 1995, S. 90-92.
5 Vgl. Hans Fenske (Hrsg.), Geschichte der politischen Ideen, Von der Antike bis zur Gegenwart, 6.Auflage,
Frankfurt/Main, 2001, S. 223.
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Und als das soll sein Werk auch verstanden werden. Marsilius wollte in der damaligen politischen Situation nicht nur ein politisches Werk schreiben, sondern er wollte beweisen und somit als Philosoph intervenieren. Er wollte logische Notwendigkeit in seinen Theorien schaf- fen.
„In der durch die Aristoteles-Rezeption geschaffenen Situation konnte man sie nicht gut bestreiten – dies machte sein philosophisches Werk so gefährlich 6 “.
Marsilius wollte offensichtlich begreifen, was um ihn herum geschah. Er wollte seinen Grunderfahrungen eine wissenschaftlich – strenge Form geben und konsequent bei der Rezep- tion des Aristoteles sein. Marsilius wollte jedoch bei aller Verehrung für Aristoteles keine Abhängigkeit von ihm, sondern auf seine Gegenwart positiv einwirken.
Demnach hatte er auch moralisch – politisches Pathos und einen solchen Anspruch: Die Wissenschaft sollte dazu dienen, das Leben der Menschen zu verbessern. Die Wissen- schaft sollte das gute, ruhige Zusammenleben fördern. Das in sich ruhende Leben wird nur möglich durch Frieden. Die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst führt demnach also zu Unfriede und Unruhe, die es zu bekämpfen gilt. Er sah „in den Oberherrschaftsideen der Päpste den größten Feind des Friedens“ 7 .
Das Methodenproblem scheint bei Marsilius nicht die Größe einzunehmen, wie es dies bei Hobbes tut 8 . Jedoch eröffnete Marsilius eine „neue Epoche der politischen Wissen- schaft“ 9 , indem sein Werk das `gute Leben` zum Ziel innehatte und dieses Ziel konsequent verfolgte.
6 Kurt Flasch, Das philosophische Denken im Mittelalter, Von Augustin zu Machiavelli, 2. Auflage, Stuttgart, 2001, S. 529.
7 Kurt Flasch, Einführung in die Philosophie des Mittelalters, Darmstadt, 1987, S. 147. 8 Vgl. 3.2. Methodische und anthropologische Grundlagen.
9 Kurt Flasch, Darmstadt, a.a.O., S. 145.
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M.A. Melanie Carina Schmoll, 2002, Der Staatsgründung vorausgehende Betrachtung der menschlichen Bedin-gung - Marsilius von Padua und Thomas Hobbes im Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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