Inhalt
1. Einleitung. 2
2. Ökologische Modernisierung: Theoretische Perspektiven 3
2.1 Definitorisches: Ökologische Modernisierung 3
2.2 Zielsysteme der Unternehmung. 5
2.2.1 Ziele der ökologischen Modernisierung im Zielsystem der Unternehmung. 6
2.3 Theoretische Konzepte. 11
2.3.1 Stakeholder-Ansatz. 11
2.3.2 Stichwort Unternehmenskultur (Makroperspektive) 16
2.3.3 Stichwort Leitbilder (Mikroperspektive) 19
3. Ökologische Modernisierung: Empirische Beobachtungen. 21
3.1 Bestandsaufnahme. 21
3.2 Reduzierung der Kohlenwasserstoff-Emissionen 22
3.3 Innovation Drei-Liter-Auto. 25
3.4 Das politischen Engagement bei der Einführung und der Diffusion des Drei-Liter-
Autos 26
4. Ausblick: Rahmenbedingungen für eine ökologische Modernisierung. 28
4.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen. 28
4.2 Politische Rahmenbedingungen. 30
4.3 Ökonomische Rahmenbedingungen. 32
5. Fazit 34
Abk ürzungsverzeichnis: 35
Abbildungsverzeichnis : 36
Literaturverzeichnis : 37
1
1. Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit soll die Fragestellung sein ob, und wenn ja, in welchem Maße, unternehmerische Akteure an einer ökologischen Modernisierung interessiert sind und wie sie diese möglicherweise vorantreiben.
Der Schutz der Umwelt ist im gesellschaftspolitischen Diskurs kein revolutionäres Thema, wenngleich seine Bedeutung in den letzten Jahren merklich zugenommen hat.
Grund hierfür ist die Erkenntnis, dass Umweltschädigungen nicht nur auf lokaler Ebene auftreten sondern mit einem globalen Wirkungskreis die Gänze des natürlichen Gleichgewichts gefährden können. 1 Eine weitere Ursache für diese verstärkte Sensibilisierung ist die Tatsache, dass Umweltschädigungen in ihrer zeitlichen Dimension kaum zu überschauen sind. Das bedeutet, dass die Konsequenz eines verantwortungslosen Umgangs mit der Umwelt bzw. ein unterlassenes Handeln heute gleichermaßen das Erbe der Generationen von morgen darstellt. Diese Verantwortung für einen zukunftsorientierten Umgang mit den endlichen nicht-regenerativen Ressourcen obliegt jedem Einzelnen innerhalb des Wirtschaftskreislaufs hinsichtlich der Konsumtion aber auch hinsichtlich der Produktion der sozioökonomischen Organisationen innerhalb unserer Wirtschaftsordnung.
In einem ersten Teil dieser Arbeit sollen die theoretischen Grundlagen hinsichtlich der Fragestellung aufgezeigt und analysiert werden. Das Stakeholder-Modell soll Aufschluss darüber geben, welche Kräfte auf die Unternehmung im Einzelnen wirken und wie diese eine ökologisch verpflichtete Unternehmensführung tangieren. Des Weiteren werden unternehmerische Zielsysteme hinsichtlich Kompatibilität bzw. Konfliktträchtigkeit umweltverpflichteter Unternehmensstrategien durchleuchtet.
1 vgl. Schwarze, J. (1997), S.18
2
Im zweiten Teil werden empirische Beobachtungen der Entwicklung in der Automobilbranche denen sowohl Erfolge als auch Misserfolge im Rahmen einer ökologischen Modernisierung zu Grunde liegen, beschrieben.
Der dritte Teil beschäftigt sich mit gesellschaftlichen, politisch-rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und soll aufzeigen, unter welchen Vorraussetzungen eine ökologische Modernisierung denkbar wäre. Die Arbeit endet mit dem Fazit im vierten Abschnitt.
2. Ökologische Modernisierung: Theoretische Perspektiven
2.1 Definitorisches: Ökologische Modernisierung
Um die Relevanz ökologischer Modernisierung im unternehmerischen Handlungsrahmen eingrenzen zu können, ist es zunächst notwendig ökologische Modernisierung genauer zu bestimmen und die Unterschiede zu dem eher traditionellen nachsorgenden Umweltschutz aufzuzeigen.
„Ökologische Modernisierung beschreibt in seinem [Fehler i. O.] engeren technischökonomischen Verständnis das große Segment möglicher Umweltverbesserungen, die durch Innovationen jenseits von End-of-pipe-Ansätzen zu erzielen sind“. 2
Sie beschreibt damit einen Paradigmenwechsel weg von der bloßen, wenn auch unverzichtbaren Verwendung so genannter additiver Umwelttechnik
(Abwasserreinigung, Abluftfilterung), hin zu einem ganzheitlichen produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Während sich der nachsorgende Umweltschutz vornehmlich mit der Reduktion bzw. Reinigung von Emissionen beschäftigt, indem vorhandene Produktionsanlagen nachgerüstet werden, setzen die Überlegungen einer ökologischen Modernisierung schon am Anfang der Wertschöpfungskette an.
2 vgl. Jänic ke, M. (2000), S.1
3
Dies setzt wiederum voraus, dass bereits in den ersten Phasen der Produkt- bzw. Produktionsplanung entsprechende Maßnahmen und Vorkehrungen getroffen werden. Im Einzelnen bedeutet dies den Versuch umweltbelastende Produkte, Materialien und Verfahren gegen umweltschonende auszutauschen. 3
So könnte bereits bei der Produktplanung und dem Produktdesign darauf geachtet werden, eine spätere möglichst effiziente Demontage des Produkts zu gewährleisten und eine erneute Verwendung der demontierten Materialien so weit wie möglich zu gewährleisten. Realisierbar würde dies jedoch erst durch den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft mit hochwertigem Recycling. 4 Diese Überlegungen machen den weitreichenden Charakter nachhaltigen Wirtschaftens bereits deutlich: Sie zeigen, dass die Verantwortung der unternehmerischen Akteure für das Produkt nicht beim Eigentumsübergang zum Kunden endet, sondern sich erst mit dem Ende des physischen Produktlebenszyklus schließt und damit umfassender ist als die Überlegungen eines nachsorgenden Umweltschutzes.
Während des Produktionsprozesses im engeren Sinn wird versucht, vorhandene ökologisch unzureichende Technologie durch „sanfte Technik“ 5 auszutauschen. Noch weiter geht das Bestreben, die Nutzungsrate der für den Produktionsprozess notwendigen Ressourcen unterhalb ihrer natürlichen Regenerationsrate zu halten. 6 „Die Produktivität und Verarbeitungskapazität der Natur wird [Fehler i. O.] damit zur Obergrenze für die gesellschaftlichen Austauschprozesse mit ihr.“ 7
3 vgl. Gleich, A. v. (1997), S.27-28
4 Ebd., S.29
5 vgl. Gleich, A. v. (1997), S.27
6 Ebd., S.34
7 Ebd., S.34
4
2.2 Zielsysteme der Unternehmung
Spricht man in einer Unternehmung von einem Zielsystem, so verbindet man damit implizit auch die Zielhierarchie. Mit der Hierarchie wird konzeptionell einerseits die Zielkonkurrenz, also beispielsweise der trade-off zwischen rentabler Produktion und der Sicherung von Arbeitsplätzen, und andererseits die Priorisierung übergeordneter Ziele angesprochen. Von einem multikulturellen Unternehmens- Zielsystem (im Sinne des Stakeholder-Ansatzes) ausgehend, ist das Zielsystem die Abbildung der unterschiedlichen Interessen der Stakeholder. 8 Welche Ziele an welcher Position stehen und welche Mechanismen zur Formulierung einer bestimmten Zielfolge führen, soll nicht Thema dieser Arbeit sein. Anzumerken wäre jedoch, dass das Konzept der Zielformulierung auf der Ebene der Mikropolitik, Schreyögg folgend als eine endlose Folge von Machtspielen betrachtet werden könnte. 9 Dies vor dem Hintergrund der über die letzten Jahrzehnte stetig zunehmenden Machtposition von organisationsexternen Interessenverbänden wie die Umweltverbände, Öffentlichkeit, Staat etc. legt nahe, dass der Prozess der Zielformulierung einen „shift“ durch die veränderte Machtbasis mancher Einflussgruppen erfahren haben muss. Umso interessanter wird die Frage nach der Integration der Interessen dieser Stakeholder in das Zielsystem. Einer allgemeinen Definition folgend, ist ein Zielsystem
ein System, in dem die Zielvorstellungen und Interessen der mit dem Betrieb in Verbindung stehenden Interessengruppen einfließen. 10
Das Zielsystem beinhaltet typischerweise an oberster Stelle der Hierarchie (1) Finanzielle bzw. Wertziele an oberster Stelle der Zielhierarchie, denen (2) Sach- bzw. Leistungszielen und (3) Sozial- und Humanzielen 11 folgen (Abbildung I).
8 vgl. Daldrup, H. (2002), S.22
9 vgl. Schreyögg, G. (1999), S.422
10 http://www.fh-trier.de/~b lankenf/stud ium/0bwl/A1Zielsy.doc, am 26.04.2004
11 vgl. Daldrup, H. (2002), S.22
5
Die typischen Shareholder bzw. Kapitalgeber werden vermutlich verstärkt an der Realisierung der finanziellen Ziele interessiert sein, also dem Bild des „homo oeconomicus“ folgend an der Maximierung des Wertes der Unternehmung (Shareholder Value Added). 12 Damit die Aufrechterhaltung zukünftiger Einkommensströme (z.B. in Form von Dividendenauszahlungen) gesichert werden kann, ist die oberste Zielebene der Finanz- und Wertziele durch die Sach- bzw. Leistungsziele zu ergänzen. Diese zweite Zielebene beschreibt das Angebotsportfolio einer Unternehmung, das auf entsprechenden Märkten angeboten und im Idealfall auch abgesetzt wird. 13 Auf dieser Ebene formulierte Ziele sind dann beispielsweise die Steigerung der Produktivität, die Durchsetzung von Kosteneinsparungen oder die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Erreichung dieser Zielebene wird durch die dritte Ebene der Sozial- und Humanziele restringiert. Die Humanziele (z.B. die Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes) legen die erwünschten Verhaltens- und Handlungsweisen der Unternehmung in ihrer globalen Umwelt, die sich aus der ökologischen, technologischen, soziokulturellen, politisch-rechtlichen und makroökonomischen Umwelt zusammensetzt, fest. 14
2.2.1 Zie le der ökologischen Modernisierung im Zie lsystem der Unternehmung
Die Empirie (vgl. Abbildung II) zeigt, dass zwar der Umweltschutz im Zielsystem der Unternehmung keine hohe Priorität besitzt (Position 8, 9 u.11), sie verdeutlicht aber zugleich, dass der Umweltschutz durch eine zielübergreifende komplementäre Beziehung zu den restlichen Zielen gekennzeichnet ist. Ausnahmen stellen die Fokussierung auf die Kostensenkung, die Produktivität und die kurzfristige Gewinnerzielung dar.
12 Ebd., S.134 ff.
13 Ebd., S.24
14 vgl. Schreyögg, G. (1999), S.311
6
Die hier vorliegende Divergenz lässt sich aus den verschiedenen Zeithorizonten, mit denen die unterschiedlichen Ziele erfasst worden sind, erklären. Eher auf einen längeren Zeitraum richtet sich das Ziel einer ökologischen Modernisierung, also der Verzicht auf eine Strategie des „technology push“ mit der Folge von End-of-pipe-Ansätzen zugunsten eines „demand pull“ im Sinne eines Perspektivenwechsels bzw. eines nachhaltigen Wirtschaftens. 16 Im Gegensatz dazu steht das Ziel der Kostensenkungen, die über einen wesentlich kürzeren Horizont erfasst werden. Die empirischen Untersuchungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass die erfolgreiche Implementierung eines Umweltmanagementsystems für Unternehmungen Vorteile generieren kann.
Diese Vorteile, die durch Synergieeffekte entstehen, können durchaus in Wettbewerbsvorteile einfließen, die typischerweise zu einem langfristig stabilen Unternehmenserfolg beitragen sollen.
15 vgl. Daldrup, H. (2002), S.23
16 vgl. Gleich, A. v. (1997), S.27
7
Arbeit zitieren:
Julian Sappelt, 2004, Wollen unternehmerische Akteure wirklich eine ökologische Modernisierung?, München, GRIN Verlag GmbH
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