Einleitung
Julien Offray de La Mettrie gilt als einer der ersten neuzeitlichen Vertreter eines kruden Materialismus, der etikettiert und leider in den Annalen abgelegt wurde. Das Werk „L’homme machine“ wurde daher auch als sein Hauptwerk angesehen, was jedoch in den letzten Jahren von wenigen Kennern widerrufen wurde. 1 Der französische Philosoph hatte zu seiner Lebzeit mit Verfolgungen, Verspottungen und Abschiebungen ins Exil zu kämpfen, wodurch der Bekanntheitsgrad seiner Bücher nur gering war. Er wurde in Frankreich teilweise verboten und zählt dementsprechend auch nicht zu den bekanntesten Philosophen, denn bei La Mettrie rückt der Mensch in den Mittelpunkt des Geschehens und nicht Gott, der sich über die Menschen stellt und diese führt.
La Mettrie ging davon aus, dass nur Ärzte, er selbst war Leibarzt beim Herzog von Grammont (Paris), gute und richtige Philosophen sein könnten, wenn sie sich mit dem Thema der Seele auseinanderzusetzen versuchten. Als Mediziner war es ihm nämlich erlaubt, in den menschlichen Körper hineinzuschauen und diesen dementsprechend dann auch zu untersuchen. Dadurch ist natürlich auch seine starke Verbindung zur Seele und dem Menschen an sich zu erklären, die in allen seinen Werken zu entdecken und wiederzufinden sind. Die Lüste des Lebens beschäftigen ihn ebenso, wie die Kunst des Genießens und der Zustand des Rausches. Es ist deutlich sichtbar, dass für de La Mettrie der Mensch in den absoluten Vordergrund rückte und zum Thema seiner philosophischen Schriften geworden war. Er richtet sich auch in seinen Werken an die Menschen, die es eigentlich betreffen sollte, nicht an die großen Philosophen seiner Zeit, sondern an jeden Menschen. „Il ne suffit pas à un sage d’étudier la Nature et la Vérité; il doit oser la dire en faveur du petit nombre de ceux qui veulent et peuvent penser:“ 2
1 vgl: http://www.lsr-projekt.de/verlag.html#lsrqu1 vom 17.04.2006
2 J.O.de La Mettrie: L’homme machine- Die Maschine Mensch, Übersetzt & herausgegeben von Claudia Becker,
Felix Meiner Verlag, Hamburg, 1990 (Im Folgenden nur noch unter „DMM“ und Seitenzahl aufgelistet) S. 20
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Semesterbericht
De La Mettrie beginnt sein Werk mit der Feststellung, dass die Erkenntnisse an die kleine Anzahl von Leuten gerichtet werden muss, die denken wollen und können. Es geht ihm also hauptsächlich um die Wahrheitsfindung in seinem Werk, welche er versucht, durch die verschiedensten Ursachen zu beweisen. Der Ausdruck „oser de la dire“ 3 heißt für ihn, dass man sich nicht zurückziehen, sondern reden und Ergebnisse mitteilen soll. Denn wenn die Philosophen, die Denker seiner Zeit, sich nicht trauen die Ergebnisse zu erläutern und bekannt zu geben, dann kann die Wahrheit nicht erkannt werden. De La Mettrie war der Ansicht, dass die Denker seiner Zeit nicht in der Lage waren zu denken. Er übt also in seinem Werk an den verschiedensten Stellen eine Kritik an anderen Philosophen, deren Meinung de La Mettrie nicht vertritt oder sich nicht erläutern kann und dementsprechend für falsch hält. Bei der Untersuchung der Seele bezieht er sich auf zwei wesentliche Richtungen. Zum einen auf den Materialismus und zum anderen auf den Spiritualismus.
Für ihn ist der Materialismus in dem Sinne mit der Seele des Menschen verbunden, als dass sich darin sich die Materie befindet, welche für ihn die Substanz der Wirklichkeit ist. Es ist die Anschauung die in der Materie den Grund und die Substanz aller Wirklichkeit sieht. Der Spiritualismus stellt für ihn den Geist/ Gott dar, welcher nicht religiös ist, sondern als transzendentale Wahrheit, als übernatürliches Wesen einzustufen ist. Er befolgt die Theorie, dass Leib und Seele nicht vom Menschen zu trennen sind, also eine direkte Verbindung zwischen diesen beiden herrscht, was er auch später noch erläutert und genauer vertieft. Nach dieser Erkenntnis kritisiert er sofort die Methaphysiker, die Theologen, die den Begriff Materie verwenden, ohne diese neu definiert zu haben. Die Aussage, dass Materie denken kann, ist also falsch. „Les Métaphisiciens, qui ont insinué que la Matière pourroit bien avoir la faculté de penser, n’ont pas deshonoré leur Raison. Pourquoi ? C’est qu’ils sont un avantage (car ici c’en est un,) de s’être mal exprimés. En effet, demander si la Matière peut penser, sans la considérer autrement qu’en elle-même, c’est demander si la Matière peut marquer des heures. On voit d’avance que nous éviterons cet écueil, où Mr. Locke a eu le malheur d’échouer.“ 4 Er richtet sich hier auch noch einmal an Locke, der diese Theorie ebenfalls vertrat und in den Augen La Mettries falsch urteilte. La Mettrie versucht, nun sich ganz genau bezüglich der Materie auszudrücken und nichts mehr unerklärt zu lassen.
3 DMM S. 20
4 DMM S. 20
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Die Materie ist für ihn nicht nur Mensch, dementsprechend heißt es in Bezug auf seine Äußerung, dass er sich falsch ausgedrückt habe, dass auch nicht alles denken kann. Materie ist alles, aber das Denken ist dem Menschen vorbehalten, denn der Stein, der auch Materie ist, verfügt nicht über die Kapazität des Denkens.
Er erklärt dieses noch einmal in Bezug auf die Theologen und die Philosophen, die Fehler in ihrer Erkenntnis haben bezüglich des oben genannten Gottes, der sich ja in der Materie widerspiegelt und sich dementsprechend auch in dieser offenbart. Daher kann man keine Spaltung von Geist und Materie vornehmen, wenn ich an Gott glaube. Der Mensch zieht auch alle seine Erfahrung aus dieser Offenbarung. Wenn die Menschen also der Erfahrung nicht trauen, dann glauben sie auch nicht an Gott.
Im weiteren Verlauf des Werkes untersucht er nun die Seele und ihre Eigenschaften. Die Seele ist Sitzt der Vernunft, die sich durch ihre Stärke, Weite und Hellsichtigkeit auszeichnet. „L’execellence de la Raison ne dépend pas d’un grand mot vuide de sens (l’immaterialité) ; mais de sa force, de son étendüe, ou de sa Claire-voyance.“ 5 Die sogenannte Schlammseele kann eine Unendlichkeit an Ideen haben, welche für La Mettrie positiv gedacht, von Pluche jedoch negativ geprägt waren. Es handelt sich hierbei um eine Seele, die aus der Erde kommt, welche aber aus dem wertvollstem Element gemacht wurde. Für La Mettrie ist völlig egal, aus welcher schändlichen Herkunft der Mensch kommt, denn er ist das vollkommenste Wesen. Im weiteren Abschnitt des Textes verwendet er dann erstmals den Ausdruck, dass der Mensch eine Maschine ist. „ L’homme es tune machine si composée, qu’il est impossible de s’en faire d’abord une idée claire, et conséquemment de la définir“ 6 Dieses Zitat beschreibt also, dass über den Menschen à priori nichts ausgesagt werden kann, à posteriori jedoch alles über den Menschen, die Seele gesagt werden kann. Er wendet sich noch einmal an die Philosophen, die nur à priori denken, denn es würde sich hierbei um absolute Eitelkeit handeln zu sagen, dass ich nicht aus der cause première lerne. Alle Erfahrung stammen aus der cause secondaire, welche nichts mit dem Lernen zu tun hat.
Die Erfahrung symbolisiert er mit einem „batôn de l’expérience“ 7 . Im nächsten Abschnitt erklärt La Mettrie die 4-Säfte-Lehre von Galien, welche durch die Säfte des Melancholikers, des Cholerikers, des Phlegmatikers und des Sanguinikers beschrieben werden. Auf Grund der Zusammensetzung dieser verschiedenen Säfte in unterschiedlichen Mengen bilden sich verschiedene Temperamente, verschiedene Charaktere heraus. „Il est vrai que la Mélancolie, la Bile, le Phlegme, le Sang, etc. suivant la nature, l’abondance et la diverse combinaison de
5 DMM S. 22
6 DMM S. 26
7 DMM S. 28
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Arbeit zitieren:
Kevin Rautenberg, 2006, Julien Offray de La Mettrie: L'homme machine, München, GRIN Verlag GmbH
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