Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 2
1 Autismus 3
1.1 Definition 3
1.2 Entdeckung des Autismus 4
1.3 Symptome des Autismus 5
1.3.1 Gestörtes Verhalten 5
1.3.2 Sprachliche Besonderheiten 7
2 Musiktherapie 9
2.1 Was ist Musiktherapie? 9
2.2 Welche Wirkung hat die Musik im Allgemeinen? 10
2.3 Einrichtung des Therapieraumes 11
2.4 Welche Instrumente können verwendet werden? 12
3 Musiktherapie mit autistischen Kindern 14
3.1 Wirkung von Musiktherapie bei autistischen Kindern 14
3.2 Welche Fähigkeiten muss der Therapeut besitzen? 15
3.3 Anwendung der Musiktherapie 16
3.4 Beispiel aus der Praxis 19
3.5 Musik-, Bewegungs- und Sprachspiele 23
3.6 Ziel der Therapie 26
Res ümee 27
Literaturverzeichnis 28
Erkl ärung zur Selbständigkeit
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Einleitung
In dieser Arbeit werde ich mich mit „Musiktherapie mit autistischen Kindern“ befassen.
Dieses Thema interessiert mich im Besonderen, weil bei meinem vier-jährigen Bruder früher Autismus vermutet wurde. Er spielte liebend gern mit Autos, ließ sich ganz selten von seinem Spiel ablenken und reagierte kaum auf äußere Reize wie z.B. Schmerz. Ihm schien fast alles egal zu sein. Meine Stiefmutter hatte Probleme zu ihm durchzudringen. Daraufhin wurde er für einige Wochen in einer Klinik untergebracht, um herauszufinden, was er hat. Ich war damals aber noch zu klein, um richtig zu verstehen, was Autismus wirklich ist und hatte viele Fragen. Vorher hatte ich noch nie davon gehört und kannte auch niemand Anderen, der unter dieser Krankheit leidete. Später sah ich in den Medien öfters autistische Kinder. Entweder in Filmen oder in den Nachrichten. Es war sehr komisch aber gleichzeitig interessant, zu sehen, dass sie von ihrer Umgebung kaum etwas wahrnehmen und in ihrer eigenen Welt leben. Den Menschen um sie herum fällt es oft schwer, richtig mit ihnen um zu gehen. Doch wie können autistische Kinder erreicht werden? Eine Möglichkeit bietet die Musiktherapie. Mit ihrer Hilfe kann man zu den autistischen Kindern durchdringen.
Ich wähle das Thema „Musiktherapie mit autistischen Kindern“ für meine wissenschaftliche Arbeit, da ich nun die Möglichkeit habe, mir über das, was mich schon lange interessiert, Informationen einzuholen. Im ersten Kapitel wird zunächst die Störung des Autismus behandelt. Die zentralen Fragen meiner Arbeit sind: Wie wendet man Musiktherapie bei autistischen Kindern an? Welche Wirkung hat Musik auf autistische Kinder? Was ist das Ziel der Musiktherapie?
Am Ende meiner Wissenschaftlichen Arbeit werde ich dann die Ergebnisse vorstellen und persönlich Stellungnahme beziehen.
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1. Autismus
Im folgenden Kapitel werde ich mich intensiv mit dem Krankheitsbild des Autismus auseinandersetzen. Als erstes wird der Begriff definiert, um einen ersten Eindruck zu bekommen, für diejenigen, die mit dem Begriff „Autismus“ nichts anfangen können. Der Leser soll ja schließlich verstehen, um was es überhaupt geht.
Außerdem wird auf die Geschichte bzw. die Entdeckung des Autismus näher eingegangen, da es einige Zeit gedauert hat, bis diese Krankheit entdeckt wurde. Des weiteren wird ein Überblick über die Symptome gegeben, wie zum Beispiel das gestörte Verhalten und die sprachlichen Besonderheiten des Autismus.
1.1 Definition
Man kann nicht von Jedem verlangen, dass er weiß, was der Begriff „Autismus“ bedeutet. Deswegen sollte zunächst geklärt werden, was Autismus überhaupt ist und wie sich dieses Krankheitsbild äußert.
„Wenn man das Wort Autismus hört, denkt man sogleich an Automobil, das von selbst, ohne Pferde, fährt, und an Automat, der selbst - ohne Personal- bedient.“ (Kehrer 1995: 9)
Das Wort „Autismus“ kommt von „autos“, das aus dem Griechischem stammt und „selbst“ bedeutet (vgl. Kehrer 1995: 9). Die Wortschöpfung selbst geht aber auf den bekannten Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zurück, der 1914 die Begriffe „autistisch“ und „Autismus“ prägte. Er meinte damit einseitig auf sich selbst bezogenes Denken, das er vor allem bei Schizophrenen beobachten konnte (vgl. Kehrer 1995: 9). Bleuler bezeichnete den Autismus aber auch als Loslösung von der Wirklichkeit und Zurückgezogenheit auf sich selbst, verbunden mit relativen oder absoluten Überwiegen des Binnenlebens gegenüber der Realität (vgl. Wilker 1989: 1).
Ähnlich beschreibt auch Kehrer das Syndrom des Autismus:
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„[...] Der kindliche Autismus ist eine schwere chronische Verhaltensstörung, bei der die Einschränkung des Kontakts, die Bezogenheit auf sich selbst im Vordergrund steht.“ (Kehrer 1995: 11)
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Autismus ein Krankheitsbild ist, bei dem die Betroffenen zurückgezogen in ihrer eigenen Welt leben. Es dauerte viele Jahre, bis diese Krankheit zum erstenmal entdeckt wurde.
1.2 Entdeckung des Autismus
Zum Erstenmal wurde das Syndrom des Frühkindlichen Autismus im Jahr 1943 von Leo Kanner, damals Direktor der Child Psychiatry Clinic am Johns Hopkins Hospital in Baltimore, USA, beschrieben (vgl. Kanner, zit. in: Wilker 1989: 1). Er und der Wiener Pädiater Hans Asperger lenkten ihr Augenmerk auf eigenartige Verhaltensweisen bei Kindern, bei denen Kontaktstörungen und extreme Bezogenheit auf sich selbst die am meisten hervorstechenden Merkmale waren. Dieses Erscheinungsbild nannte Kanner „frühkindlichen Autismus“ und Asperger „autistische Psychopatie“ (=Persönlichkeitsstörung) (vgl. Kehrer 1995: 9). Es erregte immer mehr Aufmerksamkeit der Fachleute, trotz der relativen Seltenheit dieser Störung (vgl. Wilker 1989: 1).
Nach dieser Erstbeschreibung wurden zahlreiche Versuche unternommen, um Ätiologie (Lehre von den Ursachen der Krankheiten) und Pathogenese (Entstehung einer physischen oder psychischen Erkrankung) des frühkindlichen Autismus zu klären (vgl. Wilmert 1991: 11). Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich dann ein breit gefächertes Behandlungsangebot, bei dem die Konzepte verfeinert und weiterentwickelt wurden. Außerdem kamen viele andere Methoden hinzu (vgl. Kehrer 1995: 10). Diese sind z.B. Familientherapie, Psychotherapie, Heilpädagogik, Verhaltenstherapie, Sprachtherapie, Entwicklungstherapie, Reittherapie, Musiktherapie usw. (vgl. Bender,
Bettelheim, Dratman, Bartak und Rutter, Ruttenberg, Savage, Schopler und Reichler, Kiphard, Wing und Wing, Lovaas, Alvin, McCalley, zit. in: Wilker 1989: 35).
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Die Verbreitung des Syndroms des frühkindlichen Autismus ist insgesamt größer als die Verbreitung von Blindheit und ein wenig geringer als die Verbreitung von Taubheit. Dies fand Lotter 1966 in seiner berühmt gewordenen Middlesex-Studie heraus, in der er 4-5 autistische Kinder auf 10.000 Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren fand. Dies wurde auch 1970 von Brask und 1973 von Rutter bestätigt (vgl. Lotter, Brask, Rutter, zit. in: Wilker 1989:23).
Autismus ist also mehr verbreitet, als man vermutet. Es gibt auch bestimmte Symptome, die bei dieser Krankheit auftreten. Wann sie sich äußern, wird im nächsten Punkt erklärt.
1.3 Symptome des Autismus
Nach Kehrer werden die ersten Symptome des Autismus beim Säugling und Kleinkind vor dem 30. Lebensmonat beobachtet (vgl. Kehrer 1995: 32). Dieser Meinung ist auch Wilker. Er behauptet, dass diese Störung normalerweise schon vor dem Zeitpunkt beginnt, zu dem der Säugling anfängt, soziale Beziehungen zu entwickeln (vgl. Wilker 1989: 9). Auffälligkeiten werden oft schon nach der Geburt von den Müttern bemerkt, aber nicht bewusst wahrgenommen (vgl. Wilker 1989: 15).
Es gibt verschiedene gestörte Verhaltensweisen bei den autistischen Kindern. Nicht jedes Kind hat die gleichen. Doch welche Verhaltensweisen können auftreten?
1.3.1 Gestörtes Verhalten
Wilker beschreibt in seinem Buch „Autismus“ das Verhalten des autistischen Kind so:
Das autistische Kind scheint keine Reaktion auf seine Umwelt zu zeigen. Es streckt z. B. seiner Mutter nicht die Arme entgegen. Außerdem hat das Kind massive Schwierigkeiten, Routine bei der Nahrungsaufnahme zu entwickeln,
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ebenso beim Schlafen und was die Ausscheidungsfunktionen betrifft (vgl. Wilker 1989:15).
Auch Kehrer erwähnt Essstörungen der Kinder:
„Nicht selten beobachtet man bei autistischen Kindern Störungen, die mit
der Nahrungsaufnahme und der Darmentleerung zusammenhängen. [...]
gestörtes Essverhalten: mangelndes Kauen, eigentümliche Vorlieben, viel
Trinken [...].“ (Kehrer 1995: 41)
Im Bereich der sozialen Beziehungen fallen Wilker mangelnder Blickkontakt, reduzierte oder fehlende Lächelreaktion, reduzierte oder fehlende Voraussicht von Ereignissen oder Entwicklungen, eine Abneigung gegenüber körperlicher Berührung, eine Tendenz, nur auf einen Teil der Person zu reagieren, Desinteresse an Spielen mit Anderen und eine verzögerte, nicht vorhandene oder übermäßige Angst bzw. Scheu vor fremden Personen auf (vgl. Wilker 1989: 10). Außerdem zeigen sie Widerstand gegen Veränderungen in der Ordnung der familiären Umgebung, enges Verhaften an rituellen und fixierten Routinehandlungen sowie stereotypes „Spielen“ (vgl. Wilker 1989: 8). Das Kind zeigt ungewöhnliche Reaktion auf Laute bzw. Geräusche. Mögliche Reaktionen sind: Gleichgültigkeit, Faszination, Angst, überschießende Reaktion. Auch die Reaktionen auf Schmerz, Kälte und Berührungsreize sind ungewöhnlich (vgl. Wilker 1989:20). Kusch und Petermann liefern auch einige interessante Erkenntnisse zum Thema gestörtes Verhalten bei autistischen Kindern.
Sie berichten, dass das Kind seine Gefühle nicht verschiedenartig ausdrücken und es diese auch nicht zu gegebenen Anlässen äußern kann (vgl. Kusch, Petermann 1990:21).
„Es kann bei einer Verletzung manchmal gar keine Anzeichen von Schmerz
zeigen und ein anderes Mal bei geringen Anlässen laut klagen und weinen. Das
Kind zeigt mehr Ängste, wenn sich Dinge oder die Anordung von Dingen in
seiner Umgebung verändern, als wenn es von bekannten Personen verlassen
wird.“ (Kusch, Petermann 1990:21)
Asperger erwähnt sadistisches Verhalten, die Neigung zum Sammeln, fetischartigen Umgang mit Lieblingsgegenständen, Bevorzugung von sauren,
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salzigen und scharfen Speisen und Ordnungszwang (vgl. Asperger, zit. in: Kehrer 1995: 31).
Es ist zu erwähnen, dass nicht alle genannten Symptome beim autistischen Kind auftreten müssen. Je nach Kind sind sie unterschiedlich. Auch im Bereich Sprache/Kommunikation können erhebliche Störungen auftreten.
1.3.2 Sprachliche Besonderheiten
40 % aller autistischen Kinder sind mutistisch, d.h. sie haben keine aktive Sprache und manchmal auch kein Sprachverständnis und auch der größte Teil der restlichen 60 % hat irgendwelche Sprachabnormitäten (vgl. Kehrer 1995: 32). Eine der sogenannten Sprachabnormitäten ist z.B. die „Echolalie“, bei der vorgesprochene Wörter oder Sätze wiederholt werden. Bei der Frage, ob das Kind ein Bonbon haben will, wiederholt es den gleichen Satz und spricht diese Sätze im gleichen Tonfall aus, wie sie vorgesprochen wurden (vgl. Kehrer 1995: 32). Außerdem hat das autistische Kind oft Schwierigkeiten, eine ganze Reihe von Sprachregeln richtig zu verstehen:
Manche Autisten haben Probleme mit der Anwendung von Präpositionen, kommen mit den Zeiten ( Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) nicht zurecht oder beherrschen die Grammatik nicht richtig. Des weiteren kommt die pronomiale Umkehr - (du statt ich), hinzu. Sie entwickelt sich im Zusammenhang mit der Echolalie (vgl. Kehrer 1995: 33). Aber nicht nur Kehrer, auch Wilker berichtet von Echolalie und schildert Störungen der Sprache, wie komplettes Versagen oder Fehlen der Sprachentwicklung ( vgl. Wilker 1989:9). Es kann auch oft nicht den Inhalt von Äußerungen verstehen, besonders, wenn das, was gesagt wurde, im Zusammenhang mit dem situativen Kontext steht (vgl. Kusch, Petermann 1990:21).
„Ein anderes Sprachphänomen ist die variable oder falsche Anwendung von
Wörtern, die mehrere Bedeutungen haben. So werden z.B. übertragene
Bedeutungen konkret benützt. Beispiel: Der 7jährige Tristan hat in der Schule die
Äußerung der Lehrerin gehört: ‚Jetzt schreiben wir das aus dem Kopf (ohne
Vorlage auf).‘ Er fragte seine Mutter, wie man aus dem Kopf schreiben könne.
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Arbeit zitieren:
Kristin Ott, 2006, Musiktherapie mit autistischen Kindern, München, GRIN Verlag GmbH
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