Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort S 3 4
2. Die Tradition vor den Kreuzzügen S 4 5
3. Wallfahrt vs Kreuzzug S 5 6
4. Die Definition des mittelalterlichen Kreuzzugs S 6
5. Einklang des Vorhabens Kreuzzug mit der christlichen Friedensbotschaft der Kirche S 7 10
6. Geschichtliche Fakten zur Entstehung der ersten Kreuzzüge S 10
7. Definition Jerusalem S 11
8. Die Synode von Piacenza (1 7 März 1095) der Hilferuf Kaisers Alexios I und die
Entstehung von Urbans II Kreuzzugsplan S 11 15
8.1. Die Situation des Papsttums im Investiturstreit S 11 12
8.2. Schisma zwischen Rom und Konstantinopel S 12
8.3. Annäherung zwischen Ost- und West bis 1095 S 12
8.4. Geschichtstheologie Urbans II S 13
8.5. Rezeption der Reconquista in der Gesellschaft S 13
8.6. Position Urbans zu Beginn des Jahres 1095 S 13
8.7. Synode von Piacenza (1 7 März 1095) S 14
8.8. Byzantinische Gesandtschaft und Aufruf des Papstes S 14
8.9. Entstehung des Kreuzzugsgedankens S 14 15
9. Die Rede Urbans II in Clermont S 15 19
10. Kreuzzugsmotive Papst Urbans II S 19 20
10.1. Religiöse Ziele S 19
10.2. Wirtschaftliche Ziele S 19
10.3. Politische Ziele S 20
1
11. Motive für die Kreuzzugsteilnahme S 20 29
11.1. Das Motiv Jerusalem S 20
11.2. Wirtschaftliche und gesellschaftliche sowie demographische und
ökonomische Motive S 21 22
11.3. Das Motiv Standesethos S 23 27
11.3.1. Die begriffliche Entwicklung von miles S 23
11.3.2. Die militärische Komponente S 23
11.3.3. Die gesellschaftliche Komponente S 23 24
11.3.4. Die kirchliche Komponente S 25
11.3.5. Fazit S 25 27
11.4. Der religiöse Faktor S 27 29
11.4.1. Der Ablass S 27 28
11.4.2. Die Theorie der Buße S 28
11.4.3. Der Sündenablass Urbans II S 28 29
11.4.4. Kreuzzugswerbung S 29
12. Kreuzzugsdichtung S 30 33
12.1. Das französische und das deutsche Rolandslied S 32
12.2. Das Chanson de Roland S 32
12.3. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad S 32 33
13. Schlusswort S 33 34
2
Die Entstehung der Kreuzzüge
1. Vorwort
Am Beginn der Arbeit soll ein kurzer Überblick über die damalige Gesamtsituation des Mittelmeerraumes gegeben werden, bevor später genauer auf Einzelheiten eingegangen wird. Anfangs des 11. Jahrhunderts kannten die Menschen in Europa von der Erde nicht sehr viel. Das Mittelmeer stellte für sie das Zentrum der Welt dar. Dort regierte der Papst als der oberste Herr der Christenheit. Zudem lagen die Hauptstädte des alten römischen Reiches, Rom und Konstantinopel (heute Istanbul, Türkei) 1 , am Mittelmeer.
Das alte römische Reich war um das Jahr 400 in zwei Teile zerbrochen, in einen westlichen und einen östlichen. 2 Man bezeichnete das griechische Ostreich als Orient oder auch Morgenland (weil im Osten die Sonne aufgeht); das lateinische Westreich stellte das Abendland oder auch Okzident dar (weil im Westen die Sonne untergeht).
Bereits gegen Ende des 5. Jahrhunderts ging das westliche Reich unter. Die östliche Reichshälfte, Byzanz, existierte noch weiter. In der Hauptstadt Konstantinopel 3 regierte noch immer ein Kaiser. Beide Teile des ehemaligen großen Reiches lagen nördlich des Mittelmeeres. Die Nordküste dieses langgestreckten Beckens bewohnten Christen; im südlichen Bereich herrschten die Völker, die sich zum Islam bekannten, die sogenannten Muslime. Diese hatten ab dem siebten Jahrhundert Zentralanatolien besetzt und dem ursprünglichen Reich Kreta, Sizilien und das gesamte Syrien, Ägypten und Nordafrika genommen; dennoch kam das Reich zwischen 976 und 1025 wieder zu Kräften und wehrte sich gegen die Einfälle. Die Christen waren wieder dabei die Vorherrschaft der Muslime zurückzudrängen. Letztendlich wurden die Araber nach Jerusalem zurückgetrieben und Kreta, ebenso wie Zentralanatolien, zurückerobert. 4 Allerdings muss man beachten, dass die Muslime eine ständige Gefahr für das gesamte Reich blieben. Die Seldschuken machten sich 1055 selbst zu Herren von Bagdad, marschierten auf Konstantinopel zu und nahmen letztendlich den Kaiser als Gefangenen. 5
Betrachtet man die Lage im religiösen Bereich der damaligen Welt, muss man diese ebenfalls als sehr angespannt sehen. Die Christenheit selbst war sich in vielem uneinig. Es gab Streitigkeiten zwischen Rom, das den Sitz des westlichen Oberhauptes der Kirche darstellte und Konstantinopel, dem Sitz des östlichen Oberhauptes der Kirche. Das Resultat waren massive Spannungen zwischen den beiden „Parteien“ der Christen. Dies ist als Ergebnis aus der Tatsache zu sehen, dass sich im
1 Vgl. Jones, Die Kreuzzüge, S. 23; Die mittelalterliche Landkarte zeigt einen Erdkreis, in dem das Wasser t-förmig Europa, Afrika und Asien trennt. Jerusalem befindet sich in der Mitte des Kreises.
2 Jones, Die Kreuzzüge, S. 12.
3 Ebd., S.13.
4 Ebd., S.13.
5 Ebd., S. 14.
3
Verlauf der Jahrhunderte die beiden römischen Reichshälften zu verschiedenen Kulturen fortentwickelt hatten. Der Bischof von Rom beanspruchte allein für sich selbst, als Papst, Anführer der gesamten Christenheit zu sein; dies wiederum beklagten die Christen im Osten, welche in ihm nur einen der vier Oberhäupter der Christen sahen. Als einen der Höhepunkte der Krise lässt sich der Zeitpunkt nennen, als eine päpstliche Gesandtschaft, die mit der Kirche des byzantinischen Reiches über strittige religiöse und politische Probleme verhandelte, zu keinem Ergebnis kam, woraufhin der Papst im Jahre 1054 den Patriarchen, also das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche von Byzanz, ausschloss. Die Kluft zwischen beiden Kirchen vertiefte sich weiterhin.
2. Die Tradition vor den Kreuzzügen
Der starke Glaube der Christen im Mittelalter hatte die Konsequenz, dass die Menschen sich in ihrem ganzen Leben auf ihn stützten, und ihre zum Teil einzige Hoffnung das Leben nach dem Tod war. Durch die miserablen Lebensverhältnisse dieser Zeit (Armut, Seuchen, härteste Arbeiten, etc.) setzten vor allem die unteren Schichten alles daran, vom schlechten Leben weg zu entfliehen und wenigstens im Himmel glücklich zu sein. Dies war natürlich nach damaliger Auffassung nur möglich, wenn man schuldenfrei und gottgefällig gelebt hatte.
Die andere Art bestand darin, Buße zu tun und sich auf diese Art von seinen Schulden rein zu waschen.
Als eine der ersten Bußformen im Zuge der Thematik der Kreuzzüge entwickelte sich die sogenannte Pilgerreise. Sie entstand als eine der geläufigsten Buße-Methoden. Heilige Orte, wie Jerusalem oder Santiago di Compostella waren Ziele dieser Reisen. Die Pilgerreisen waren extrem gefährlich und anstrengend. Es drohten viele Gefahren, beispielsweise Ausraubung - nichts Unübliches an Pilgerstrassen - oder Krankheiten, bedingt durch die extrem schweren Reisebedingungen. Die Pilgerstrassen führten durch ganz Europa und waren gespickt mit Herbergen und vielen berühmten Kirchen, so dass die Pilger meist auch ihr gesamtes Vermögen während einer Pilgerreise ausgeben mussten.
Ähnliches kann man auch schon im 2. Jahrhundert beobachten. Ab dem Jahr 333 gab es erste Berichte über Pilgerfahrten. 6 Mit der Zeit entstanden mehr und mehr dieser Fahrten, was sich zu einer regelrechten Pilgermode ausbildete. Es herrschte ein andauernder Strom von Pilgern zu Heiligen Orten, auch während der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert, welcher Andachtscharakter hatte.
6 Mayer, Die Geschichte der Kreuzzüge, S. 18.
4
Im 10. Jahrhundert bildete sich aus der Pilgerreise allmählich die Bußwallfahrt aus. Wie der Name schon vermuten lässt, besteht das Hauptziel dieser Reise in der Buße des Gläubigen. Sie stellte die kanonische Strafe für Kapitalverbrechen dar und hatte oft eine Dauer bis zu sieben Jahren. 7 Im 11. Jahrhundert prägte die Wallfahrt ein noch tieferer religiöser Charakter. Die Reise diente nun auch als letzte Reise, als Erreichen des höchsten Zieles des Menschen. Man verband dies mit der Vorstellung, dass man, einmal in Jerusalem angekommen, dort bis zum Tod blieb. Der Pilgerstrom ins Heilige Land nahm weiter im Laufe des 11. Jahrhunderts zu, trotz der erschwerten Bedingungen der Reise, da das Heilige Land von den Arabern besetzt war und diese die christlichen Wanderer nur äußerst ungern in ihrem Land sahen. Diese Situation spitzte sich derart zu, dass die christlichen Pilger nicht mehr ins Land gelassen oder sogar verfolgt wurden.
3. Wallfahrt vs. Kreuzzug
Das Thema der Seminararbeit behandelt die Entstehung der Kreuzzüge. Damit die Differenzierung zu Punkt 2 klarer wird, werden nun die Begriffe Kreuzzug und Pilgerreise bzw. Wallfahrt voneinander abgegrenzt.
Im Gegensatz zu den Kreuzfahrern reisten die Pilger gänzlich ohne Waffen. Es herrschte die Auffassung, dass Pilger nicht bewaffnet sein dürfen und ihre Reise ohne dieselben antreten sollten. Ritterlicher Kampf und Wallfahrt hatten sich somit ausgeschlossen. 8 Diese durchgehende Vorstellung hatte erst Urban II. bezüglich des ersten Kreuzzuges entschlossen über Bord geworfen. 9 Kreuzfahrer waren im Gegenzug zur Wallfahrt bzw. den Pilgern bewaffnet. Auch wurde der Kreuzzug oftmals als eine Art bewaffnete Wallfahrt 10 mit geistigen Privilegien und als besonders verdienstvoll gesehen. 11 Urban II. sprach jedem besondere Entlohnung (siehe Punkt 11.4.) aus, der zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem zieht. Das entscheidende hier waren nicht die versprochenen Entlohnungen, sondern die auf den hier behandelten Punkt bezogene Festsetzung des militärischen Zwecks für die Bußfahrt. Man konnte bezüglich des Vorhabens Urbans II. es nun als kirchenrechtlich anerkannt sehen, dass Pilger Waffen trugen und unterwegs Krieg führen durften. Die kirchenrechtliche Absicherung durch Urban stellt ein Novum in den damaligen Traditionen dar. Durch Urban II. wurde zum ersten Mal die Idee der bewaffneten Wallfahrt nach außen hin proklamiert. 12 Somit kann der Kreuzzug als eine konsequente Weiterbildung der Pilgeridee gesehen werden.
Man kann dies auch belegen indem man darauf hinweist, dass bestimmt niemand ins Heilige Land aufgebrochen wäre, wenn nicht schon über Jahrhunderte hinweg Massen von Gläubigen ins Heilige
7 Mayer, Die Geschichte der Kreuzzüge, S.18.
8 Erdmann, Kreuzzuggedanke, S. 306.
9 Ebd., S. 306.
10 Müller, Kreuzzugsdichtung, S. V.
11 Mayer, Die Geschichte der Kreuzzüge, S. 19.
12 Erdmann, Kreuzzugsgedanke, S. 307.
5
Land gezogen wären. Zudem musste der Pilgerstrom auf Dauer den Wunsch aufkommen lassen, das Grab und das Erbe Christi selbst zu besitzen, da der Gedanke für die Christen unerträglich war, das Erbe Christi und die Heilige Stadt in der Hand der Heiden zu wissen. 13
4. Die Definition des mittelalterlichen Kreuzzugs
Kreuzzüge sind in unseren Augen ein typisches Charakteristikum des Mittelalters. Trotz allem wurde die Bezeichnung erst später, über das Mittelalter hinaus, richtig eingeführt. Daher muss der Begriff geklärt werden.
Der Begriff ,Kreuzzug’ selbst wurde eher spät entwickelt. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts wurde er nur selten gebraucht. Der Name ,Kreuzzug’ erscheint in der deutschen Sprache erst seit der Zeit Lessings. Im frühen Mittelalter selber kannte man diesen Ausdruck nicht. Man benutzte überwiegend Ausdrücke wie expeditio, iter in terram sanctam 14 (Reise ins Heilige Land) oder - vor allem zu Beginn der Kreuzzüge - den Begriff „peregrinatio“, was dem Fachausdruck für Wallfahrt ent-spricht.
In der Zeit des ersten Kreuzzuges sprach man noch von Reise oder Pilgerschaft in Richtung Jerusalem. 15 So gesehen war das, was wir in der Gegenwart als Kreuzzug bezeichnen, kein Novum, da es, wie bereits dargestellt, lange schon Pilgerfahrten ins Heilige Land gegeben hat. Allerdings gab es auch neue Aspekte bezüglich der Thematik. Das Neuartige daran war die Komponente „heiliger Krieg“ 16 , zu dem der Papst aufruft. 17 Es handelt sich um eine von einer höheren Instanz initiierten Bewegung, deren Anhänger nicht mehr nur friedlich pilgern, sondern bewaffnet nach Jerusalem ziehen. Ziel eines Kreuzzuges ist immer die heilige Stadt, die aus dem Besitz der Ungläubigen zurück erobert werden muss, da sie rechtmäßiges Eigentum der Christenheit ist. Inwiefern sich das Vorhaben Kreuzzug mit der christlichen Friedensbotschaft der Bibel in Einklang bringen lässt, soll nun im folgenden Punkt geklärt werden.
5. Einklang des Vorhabens Kreuzzug mit der christlichen Friedensbotschaft der Kirche Das Vorhaben Kreuzzug wirft nun die Frage auf, inwiefern sich dieses Unternehmen mit der christlichen Friedensbotschaft, die Gewalt ablehnt und zur Nächsten- und Feindesliebe auffordert, in Einklang bringen lässt.
Das fünfte Gebot der Bibel lautet „Du sollst nicht töten“. Dagegen spricht die Entsendung von christlichen Kriegern in den Kampf gegen Ungläubige, gegen Muslime. Stellte sich der Papst damit gegen das biblische Gebot? Wie bereits erwähnt verbietet das 5. Gebot eindeutig das Töten von
13 Mayer. Die Geschichte der Kreuzzüge, S. 19.
14 Müller, Kreuzzugsdichtung, S. V.
15 Hehl, Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, S. 298.
16 Krause, Theologische Realenzyklopädie, S.1.
17 Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, S.263.
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Alexander Riediger, 2002, Die Entstehung der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag GmbH
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