2
Vorwort
In meiner Jugendzeit hörte ich sehr viel deutsche Punk-Musik und war der festen Überzeugung, dass ein Skinhead ein Nazi ist. Wie sollte es denn auch anders sein, wenn Eltern, Lehrer und Medien das immer erzählen.
War ja auch recht praktisch. Ich musste nicht groß nachdenken, wenn ich einen mit Bomberjacke und kurzen Haare sah, ich konnte einfach eine Schublade aufmachen und ihn dort hinein stecken. Das erspart jede Menge Zeit und Energie, anstatt sich mit demjenigen auseinander zu setzen.
Doch eines Abends, an dem ich mit meiner Clique wieder zu unserem angestammten Platz ging, schaute ich etwas verunsichert, als auf einmal ein Skinhead an unserem Treffpunkt saß. Gedanken schossen mir in den Kopf, was der denn nun da wollte? Es hieß mal, das die „Faschos“ wissen, wo wir uns immer treffen und dass sie mit Baseballschlägern vorbei kommen wollten, aber warum da nun einer saß, wollte nicht in meinen Kopf hinein.
Etwas verunsichert gingen wir auf ihn zu, als plötzlich eine „Punkette“ (weiblicher Punk) sich zu ihm saß. Nun gut. es sah zumindest friedlich aus.
An diesem Abend war es natürlich etwas besonderes, einen Skinhead hier zu haben und nach weiterem Nachfragen stellte sich heraus, dass er keineswegs rechts ist geschweige denn ein Nazi, sondern dass er selbst früher Punk war, ihm das aber nicht mehr passte. Er erzählte uns von der Geschichte der Skinheads und so wurden uns nach und nach die „Augen geöffnet“.
Es kam dann soweit, dass sich eine Freundschaft entwickelte und viele von unserer Clique ließen sich auch anstecken vom Skinhead-Kult. Natürlich anfangs, ohne sich wirklich noch mal damit auseinander zu setzen, was es mit „Skinhead“ auf sich hatte.
Während meines Studiums war ich mir schon bald sehr sicher, dass ich mich in meinem späteren Berufsleben auf den Bereich der Jugendarbeit konzentrieren möchte. Aus diesem Grund habe ich auch, so weit es möglich war, meine Vorlesungen zu verschiedenen Themen der Jugendarbeit ausgesucht.
3
Im 7. Semester belegte ich ein Seminar zum Thema „Jugendkulturen“, in dem verschiedene Jugendkulturen vorgestellt wurden. Als wir zum Thema „Skinheads“ eine kleine Diskussion darüber hatten, was Skinheads sind und ob sie in der Offenen Jugendarbeit überhaupt noch eine Rolle spielen, habe ich gemerkt, dass viele angehende Sozialarbeiter ein total falsches Bild von Skinheads haben und dass sie ihrer Meinung nach nur im Osten Deutschlands noch eine Thema sind.
Nach vielen Diskussionen mit Kommilitonen und Kommilitoninnen ist mir aufgefallen, dass dies ein Thema für mich in meiner Diplomarbeit sein könnte. Zum einen, weil mich die Geschichte der Skins und ihr „Skinhead-Kult“ sehr interessiert und zum anderen, weil ich mir sicher bin, dass ich in meinem späteren Berufsleben irgendwann mit ihnen in Kontakt kommen werde und ich mich dann mit ihnen besser arbeiten kann. Außerdem möchte ich durch meine Diplomarbeit versuchen, einigen „Unwissenden“ einen Einblick in die Subkultur „Skinhead“ zu geben.
4
1 Einleitung
Mittlerweile gibt es sowohl in der Boulevard-Presse als auch in vermeintlich wissenschaftlichen Magazinen ähnliche Ansichten und Definitionen zum Begriff „Skinhead“. Hier möchte ich ein paar Vorstellen:
Skinheads [ engl. –hedz „Hautköpfe“], gewalttätige Jugend-Banden m. kurz geschorenen Haaren od. m. Glatze; rechtsextremist. und rassist. Tendenzen (Knaurs Lexikon, Ausgabe 1995)
Skinhead [ -hed ], Angehöriger einer Gruppe gewalttätiger,
rechtsextremistischer Jugendlicher mit kurz oder kahl geschorenem Kopf u. bes. Kleidung
(Bertelmann Universal Lexikon, aktualisierte Ausgabe 2003)
Skinheads [skinhedz; engl., zu Skin >Haut< und head >Kopf<],
Sg. Skinheads der, -s, zumeist jugendl. Angehörige einer Subkultur, die sich durch kurzgeschorene Haare, Lederstiefel und militantes Auftreten von anderen demonstrativ abheben. S. kamen zunächst in den großen Industriestädten Englands im Laufe der 70er Jahre auf und rekrutierten sich v.a. aus arbeitslosen oder sonst von Deklassierung bedrohten Jugendlichen.
Aussehen und Verhalten der S. wurden bald auch in anderen Ländern übernommen, in Dtl. (auch in den neuen Bundesländern) zumeist bei Jugendlichen mit sozialen Abstiegsängsten, die außerdem bestimmte Aspekte des sozialen Wandels, z.B. das selbstbewusstere Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit oder die als Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt empfundenen Kinder ausländ. Familien, nicht akzeptieren. Sie reagieren hierauf mit der Betonung von traditionell als spezifisch männlich bestimmten Verhaltensstilen und dem rigiden Festhalten an Gruppengrenzen, was sich in einer ausgeprägten Fremdenfeindlichkeit niederschlägt. Die Gewaltbereitschaft vieler S. wird v.a. als Reaktion auf Chancenlosigkeit und Statusängste gesehen; ihr Verhalten ist
5
verbunden mit traditionellen Mustern der Erziehung (Männerdominanz). Eine beträchtl. Anfälligkeit der S. für rechtsextreme und neofaschist. Vorstellungen und Verhaltensweisen ist zu beobachten. (Brockhaus Enzyklopädie 1993)
Meiner Meinung nach werden hier den Skinheads typische Werte zugeordnet. Sobald irgendwo ein Angriff auf Ausländer verübt wurde, ist es sehr einfach, das Bild des rechtsradikalen Skinheads in den Medien zu zeigen.
Aber bisher gab es nur wenige Beiträge, in denen auch linke oder unpolitische Skinheads gezeigt wurden.
Aus diesem Grund möchte ich versuchen, möglichst ohne Wertung die Jugendkultur der Skinheads zu beschreiben, so dass sich der Leser seine eigene Meinung machen kann. Wichtig ist mir nur, dass der Leser offen ist. Dass er seine bisherigen Erfahrungen und Meinungen so wie sein bisheriges Wissen für kurze Zeit zurücksetzen kann. Auch für meine spätere Arbeit in der Offenen Jugendarbeit ist mir dies sehr wichtig. ich möchte nicht jede/n Jugendliche/n beim ersten Blick in irgendwelche Jugendkulturen und entsprechende Vorurteile kategorisieren, sondern mich so verhalten, wie ich die Offene Jugendarbeit verstehe: Offenheit gegenüber dem Klientel und sie kennen lernen; nicht in eine „Schublade stecken“.
6
2 Definition
Bevor ich jedoch auf die Geschichte der Skinheads eingehe, möchte ich noch kurz auf ein paar Definitionen zum Thema der Jugendkultur der Skinheads eingehen, die meiner Meinung nach wichtig sind, um spätere Schlagwörter in der Diplomarbeit zu verstehen.
Für mich sind in diesem Bereich folgende Definitionen von Bedeutung: Jugend, Jugendkultur, Subkultur
2.1 Jugend
Jugend, im alltägl. Sprachgebrauch ein bestimmter Lebensabschnitt oder ein gruppenspezifisches Verhaltensmuster dieser Phase, auch die jeweilige Generation in diesem Lebensalter; im Rahmen einer genaueren Begriffsbestimmung ist J. eine komplexe Erscheinung, die sowohl historisch, sozial und kulturell (auch religiös und ökonomisch) geprägt als auch in ihrer Existenz selbst an bestimmte Formen sozialer Evolution gebunden ist; in sofern ist J. keineswegs anthropologisch gegeben oder universal anzutreffen. (Brockhaus Enzyklopädie 1993)
2.2 Jugendkultur
Jugendkultur. Der Begriff schließt an G. A. Wyneken und die Jugenddiskussion der 1920er Jahre an und betrachtet Jugend – im Rahmen einer zum Teil auch an K. Marx orientierten Kultursoziologie (R. Williams) – unter dem Aspekt, inwieweit sich Verhaltensweisen, Lebensstile, Kommunikationsformen, Symbolbildungen,
Selbstdarstellungen und Konfliktpotentiale Jugendlicher als eigenständige kulturelle Praxis auffassen lassen. Die geschieht in Absetzung von herkömml. Auffassungen, die Jugend v.a. unter dem Aspekt biolog. Reifung, als Teil eines Generationenverlaufs, als Durchgangsstadium (zw. Kindheit und Erwachsensein) oder unter dem Aspekt der Abweichung betrachten, und ohne dabei die Abhängigkeit einer J. von gesamtgesellschaftl. Lebensbedingungen zu vernachlässigen. Neben den Veränderungen der Industriegesellschaften i.a. sind für das Heraustreten von J. vor allem das Vorbild der amerikan. Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg (Beat generation; J. Kerouac u.a.) und die inzwischen weltweite Verbreitung der Popkultur (engl. popular culture) sowie die wachsende ökonom. Bedeutung der Jugendlichen als Konsumträger (Freizeitindustrie)
7
und nicht zuletzt die kulturelle und ökonom. Durchdringung und z.T. Funktionalisierung der gesellschaftl. Teilkulturen durch Massenmedien, Werbung und
Konsumgüterindustrie verantwortlich zu machen; hier kann J. auch die Funktionen eines Markenartikels und sozialen Leitbilds übernehmen. J-Forschung betrachtet daher J. als „Teilmarkt“ und >potentielle Gegenkultur< (H. Hartwig), fragt nach ihrer Abhängigkeit von dominierenden Kulturen, ebenso aber auch nach ihrem Innovationscharakter (nicht zum wenigsten für die dominanten Kulturen) sowie nach der Bedeutung von J. für die Abneigung sozialer, histor. und ökonom. Strukturen, mit denen Jugendliche in Familie, Schule, sozialer Schicht usw. konfrontiert sind. (Brockhaus Enzyklopädie 1993)
2.3 Subkultur
Subkultur 2) Soziologie: Bez. für Lebensformen, die sich als Teil- oder Gegenkultur von der Gesamtkultur einer Gesellschaft unterscheiden. Träger der S. sind mehr oder weniger große Gruppen von Menschen, die sich durch gemeinsame Merkmale (Einstellungen, Werte, Normvorstellungen, Bedürfnisse, Wünsche oder Lebensstile) und einen mehr oder weniger eigenständig ausgebildeten Handlungszusammenhang (Verhaltensmuster, Lebensformen, Organisationen, Institutionalisierungen, Traditionen) von den kulturellen und sozialen Normen der jeweiligen Gesamtgesellschaft abheben. Es gehört zu den Merkmalen differenzierter Gesellschaftssysteme, dass sich zw. unterschiedl. S. und der in dieser Gesellschaft dominanten Kultur ein Konkurrenz- und Kompensationsverhältnis entwickelt, was dazu führt, dass sich die gesamte Gesellschaft auch in der Pluralität unterschiedl. S. verstehen und ausdrücken lässt. Der begriff S. diente zunächst, v.a. in den amerikan. Sozial-wissenschaften seit den 1940er Jahren, dazu, die Lebensverhältnisse von Jugendlichen im Zusammenhang schichten- und alterspezif. Kriminalität und abweichenden Verhaltens dazustellen…Ebenso verweisen bestimmte Gruppenzusammenhänge auf möglicherweise zukunftsweisende, in späteren Zeiten die Gesamtgesellschaft prägende Lebens- und Verhaltensformen, die aber zunächst in der Form einer S. in Erscheinung treten…In einer zweiten Klassifizierung lassen sich unfreiwillige und freiwillige S. unterscheiden. Unfreiwillige S. sind solche, deren Träger zwar an der Integration in der Gesellschaft orientiert sind, aber wie Kriminalisierte, Obdachlose oder Drogenabhängige von dieser ausgegrenzt werden. Anders als diese zielen freiwillige S. auf den Ausbau einer anderen, der dominierenden
8
Gesellschaft entgegengesetzten und unter Umständen diese veränderte Lebensführung (
2. 4 Subkultureller Stil
Ein wichtiger zentraler Punkt einer Subkultur sind die verschiedenen subkulturellen Stile. Diese tragen einen wichtigen Teil zur Identifikation von Menschen zu einer Subkultur bei.
Für Mike Brake gibt es hierbei drei wichtige Hauptkomponenten:
a) Image Es wird über das Erscheinungsbild transportiert z.B. über
b) Haltung Sie setzt sich aus dem körperlichen Ausdruck, der Art und
c) Jargon Gemeint ist ein spezielles Vokabular, ein Slang und dessen Entwicklungsgeschichte
(Brake, Mike: Soziologie der jugendlichen Subkulturen, S. 20)
Auf die genauere Wirkung von Image, Haltung und Jargon werde ich im späteren Teil, wenn ich die Ästhetik der Skinheads vorstelle, eingehen.
9
3 Entstehung und Entwicklung der Skinheads
3.1 Die Vorläufer der Skins: Teds, Mods und Rocker
In vielen Büchern wird geschrieben, dass die erste Szene, die man Jugendkultur beschreibt, die Teds waren. Ihre Anfangszeit wird im Jahre 1954 fest gemacht. Dies liegt daran, dass in diesem Jahr Elvis Presley seinen ersten Song „that’s all right (mama)“ aufnahm. Dies war die Geburtsstunde des Rock’n’roll, der die Jugendliche sehr begeistert hat.
Zum ersten mal in der Geschichte gab es eine Musikrichtung, die die Jugendliche aufwühlte und die viele Eltern erschrocken hat, da ihre Kinder auf einmal auf der Straße „rumlungerten“ und sich nicht mehr als zu viel von den Erwachsenen sagen ließen.
Ebenfalls wurden zum ersten Mal Klamotten gezielt ausgewählt, um die Einstellung auch nach Außen hin offen kund zu geben. „Zu dreiviertellangen Jacketts mit Samtkragen trugen sie enge Röhrenhosen, grellfarbige Wildlederschuhe mit fetten Kreppsohlen und extrabreite Schnürsenkeln – eine karikaturistisch verzerrte Imitation der Kleidung von König Edward, dem berüchtigten schwarzen Schaf der britischen Monarchenfamilie, dessen protzig-exzentrischer Stil auch in großbürgerlichen Kreisen hoch im Kurs stand.“ 1 Verwunderlich war jedoch, dass gerade diese sog. Teddy-Boys eher der unteren Schicht der Bevölkerung angehörten und sich solch eine Kleidung eigentlich kaum leisten durften.
Doch schon nach ein paar Jahren ging diese erste Ära zu Ende. Dies lag zum einen daran, dass die Musik kommerzionalisiert wurde und anstatt dem rebellischem Flair bald nur die Hitparaden Ziel der Musiker waren, zum anderen wurden die Teds erwachsen, so dass es Zeit für eine neue Bewegung war.
Ein Teil der Jugendlichen hörten noch immer gern den alten Rock’n’roll, jedoch wurde das Outfit stark verändert. Viel wurde jetzt in Leder getragen. Besonders eine Lederjacke war neben den Motorrädern fast schon Pflicht bei den Rockern. Ein anderer Teil der Jugendlichen jedoch verfeinerte das Outfit der Teds. Vor allem fand die Mode aus Italien mit feinen Stoffen großen Zuspruch in den Kreisen der Mods, was als Abkürzung für das Wort „modernists“ stand. Weitere „mod-typische“ Accessoires
1 Farin, Klaus: Die Skins. Mythos und Realität. Links, Berlin, 1997,S 14
10
waren spitze Schuhe, bei jedem Wetter einen Regenschirm und, sofern es das Geld zuließ, einen Motorroller. Jedoch wusste man bei den Mods wie schon früher bei den Teds nicht genau, wo man bei ihnen dran war. Viele Mods kamen ebenfalls aus der unteren Schicht und somit war es verwunderlich, dass sie sich so schicke Kleidung überhaupt leisten konnten. Jedoch stellte sich heraus, dass viele Jacketts, die sie trugen, auch gestohlen waren. Außerdem hörten die Mods auch nicht den rebellischen Rock’n’roll, sondern viel lieber den original schwarzen Rhythm & Blues.
Somit gab es nun also zwei Jugendkulturen, die unterschiedlicher fast nicht sein konnten. Dies führte auch dazu, dass sich die verschiedenen Vertreter ihrer Szene nicht gut leiden konnten. Die Rocker mit ihren schweren Motorrädern konnten über die Mods mit ihren kleinen Rollern nur belächeln und auch das Outfit der Mods erschien den Rockern als „weibisch“ oder „schwul“.
Die Mods hingegen fanden das sehr maskuline Auftreten der Rocker abartig. Außerdem wollten die Mods, obwohl sie aus der gleichen Schicht wie die Rocker kamen und somit wahrscheinlich auch einen ähnlichen Job später bekommen würden, nie ihren Traum nach gesellschaftlichem Aufstieg aufgeben.
Da die Mods jedoch einen sehr konsumfreudigen Lebensstil an den Tag legten, wurde auch ihre Mode und ihre Musik bald im großen Stil vermarktet, so dass ein jeder Teil dieser Kultur sein konnte.
Somit stand eine im Underground geborene Jugendbewegung wieder vor dem aus. Viele Mods schauten danach ihren Traum zu verwirklichen und ergriffen verschiedene Studiengänge. Andere wiederum fanden eine Freundin und gingen einem ganz normalen Arbeiterleben nach.
Und dann gab es wiederum ein paar, denen der teure Kleidungsstil der Mods schon eine lange Zeit kaum möglich war und besonnen sich nun auf ihre Herkunft, dem Arbeitermilieu. Anstatt den Modetrends der Mittelschicht hinterher zu laufen, trugen sie nun die Bergarbeiterschuhe, Jeans und Baumwollhemden.
11
3.2 Der Ska
Das Element, das die Verbreitung des Skinhead-Kults wahrscheinlich am meisten beeinflusste, war die Musik, der Ska. Der Ska, der ungefähr im Jahre 1960 entstand, war eine sehr junge Stilrichtung. Ursprungland des Skas ist Jamaika. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Skinheads trotz ihrer Angst um Arbeitsplätze sehr gut mit den westindischen Jugendlichen, den so genannten Rude Boys, sehr gut verstanden haben. Dies lag auch daran, dass die Rude Boys im selben Wohngebiet wohnten und ebenfalls wie die Skins in Gangs organisiert waren. Auch die typischen Einstellungen eines Arbeiterjugendlichen hatten die Rude Boys verinnerlicht. Die Skins gingen sogar so weit, dass sie verschiedene Stilelemente der westindischen Jugendlichen übernahmen. Seit dem sieht man sehr oft Skinheads mit Hosenträgern, langen Mänteln und so genannten „pork pie hats“, also Filzhüte.
Mit ihrem Outfit, ihrem schweren Schritt und stetige Bereitschaft, Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen, waren sie neben den Teds und Mods ein weiterer Wegbereiter der Skinheads.
Trotz all dieser Stilelemente war Ska die treibende Kraft für den Siegeszug des Skinhead-Kults. Ska ist ein von Offbeat der Blasinstrumente gekennzeichneter Musikstil, der aus den Musikrichtungen Calypso und Jazz entstand. Gerade durch den Charakter des Offbeats war der Ska eine wunderbare Tanzmusik. Und Ska hatte noch einen Vorteil: er wurde vom Mainstream-Publikum nicht gemocht. Das war auch der Grund, warum die Musik nur in jamaikanischen Clubs gehört wurde in die Skins in diesen Clubs anzutreffen waren.
„Plötzlich kamen auch weiße Jungs zu den Auftritten“ erinnert sich Derrick Morgan, der 1962/63 sieben Songs in den jamaikanischen Top Ten platzieren konnte und seitdem regelmäßig durch Großbritannien tourte, ohne dort wirklich heimisch zu werden. „Bisher hatten wir nur schlechte Erfahrungen mit Weißen gemacht. Die Teddy-Boys mochten uns und unsere Musik nicht. Es gab Angriffe auf die Clubs, in denen wir spielten. Dann kamen die Skins, und das waren wirklich nette Jungs. Sie liebten unsere Musik und
12
imitierten begeistert unsere Bewegungen, unsere Tänze. Sie machten uns auch in England wirklich populär.“ 2
Somit dauerte es auch nicht mehr lang, bis die SKA-Musiker ihre ersten Lieder den Skinheads widmeten. Somit galt Ska bald auch als Skinhead-Musik und so wurde durch den Ska die Skins und durch die Skins der Ska sehr beliebt.
Ska wurde nicht nur in den Clubs gespielt. Die DJ’s übernahmen das so genannte Soundsystem aus Jamaika. In Jamaika nahmen einige Ladenbesitzer eine Anlage und ein Mikrophon und installierten dies auf einem LKW. So zogen sie über das Land, um durch die Laute Musik Käufer für ihre Musikplatten zu werben. Und so fuhren nun die DJ’s durch die englischen Arbeiterviertel, um Werbung für ihren Club zu machen. Der Ska wurde so populär, dass immer mehr Jugendliche Skinheads wurden, so dass im Jahr 1969 viele Jugendliche in Skinhead-Gangs engagiert waren. Deshalb sprechen heute noch viele Skinheads vom Legendären „summer of ’69“ – der Sommer der Skinheads.
Doch wie schon bei den Vorläufern der Skinheads liefen viele Jugendliche bald einem neuen Trend hinterher, womit sich die Anzahl der Skins reduzierte. Ein anderer Grund, warum viele den Skins den Rücken zu drehten, war der Wandel des Skas. Er wurde immer langsamer und auch die Texte handelten nun mehr über Religion sowie Herkunft und Unterdrückung der Schwarzafrikaner. Auch der Aufruf von Judge Dread mit dem Lied „bring back the skins“ konnte den Bruch nicht stoppen.
Doch zum ersten Mal war das Wort „Skinhead“ ein stehender Begriff und ein jeder wusste, wie ein Skinhead aussieht.
„Skinhead-Biograph George Marshall zur Entwicklung des Skinhead-Kultes:
„1969 hatte sich eine definitive Uniform entwickelt. In den Anfangszeiten genügte alles, was okay aussah. Sobald du die Stiefel anhattest, konntest du dich selbst Skinhead nennen. Überraschenderweise war die Länge der Haare nicht so wichtig wie heute. Das Wort Skinhead kam von der Tatsache, dass du die Kopfhaut durch die kurzen Haare
2 Farin, K.: Die Skins. Mythos und Realität, Links, Berlin 1998, S. 27
Arbeit zitieren:
Steffen Brodbeck, 2005, Skinheads in der Jugendarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Steffen Brodbeck hat den Text Skinheads in der Jugendarbeit veröffentlicht
Steffen Brodbeck hat einen neuen Text hochgeladen
Russia's Skinheads: Exploring and Rethinking Subcultural Lives
Hilary Pilkington, Al'bina Garifzianova, Elena Omel'chenko
M Hamm
Surfers Soulies Skinheads and Skaters: Subcultural Style from the Fort...
Amy de La Haye, Danny McGrath, Cathie Dingwall
Autobiography of a Recovering Skinhead: The Frank Meeink Story
Frank Meeink, Jody M. Roy, Elizabeth Wurtzel
0 Kommentare