Inhaltsverzeichnis
1 Kommunikation - eine Einleitung II
2 Ruth Cohn - ein Porträt III
3 Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) IV
3.1 Faktoren der Gruppeninteraktion V
3.2 Struktur der TZI nach R. Cohn V
3.3 Axiome und Postulate der TZI VII
3.4 Hilfsregeln zum Umsetzen von TZI VIII
3.5 Erweitertes Strukturmodell der TZI nach W. Simon X
4 Was heißt TZI für uns - eine Zusammenfassung XI
5 Literaturverzeichnis XIII
II
1 Kommunikation - eine Einleitung
„Sie sah Worte als Brücken, die uns verbinden, und Sätze als Boote, in denen wir uns
einander nähern konnten. Aber sie konnten uns auch leicht voneinander forttreiben.“
(Wagner, A.: Der gläserne Traum, Seite 221)
Worte sind eine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren; weitere Ausdrucksformen, wie die nonverbale Sprache oder die Schrift, vervielfältigen die Modi sich mitzuteilen ebenso, wie das Benutzen verschiedenster Medien.
Kommunikation in seinem ursprünglichen Sinn bedeutet gemeinsam machen, vereinigen, teilen und hat einen befestigenden, stärkenden Charakter (vgl. lat.: com-municare); dies schließt sprachliche Aspekte auf dem Hintergrund des Sich-Besprechens, Zu-Rate-Ziehens bereits mit ein. Dem heutigen Verständnis wohnt vor allem der Mitteilungscharakter inne. Werden gegenwärtig, nicht nur im beruflichen, sondern auch dem privaten Leben, zunehmend kommunikative Fähigkeiten gefordert, so inkludieren diese wieder beidesdas einseitige Mitteilen und das gemeinsame Besprechen. Aus psychologischer Sicht wird der Kommunikation auch ihre stärkende Eigenschaft wieder zuteil. Menschen wirken sich selbst verändernd auf ihre Umwelt ein. Sie beeinflussen damit soziale Prozesse und greifen, auch unbewusst, in gegenwärtige Abläufe ein. Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist eine Möglichkeit, bewusst an diesen Veränderungen in Gesellschaft und Politik teilzunehmen, sie zu unterstützen und mitzutragen und eine ausgewogene Verbindung subjektiver, sozialer und sachlicher Gegebenheiten zu erreichen. (vgl. Löhmer/Standhardt 1995, Flammer 1997)
Entwickelt wurde die TZI von Ruth Cohn für die Arbeit in der Gruppenpsychotherapie; erste Anwender waren Selbsthilfegruppen, darauf folgte die Nutzung in Schulen und Seminargruppen. Theoretisch wurzelt die TZI in der Psychoanalyse sowie der humanistischen Psychologie. (vgl. Simon 2004)
III
2 Ruth Cohn - ein Porträt
Ein facettenreiches Bild über Frau Cohns Haltung gegenüber dem eigenen Leben sowie dessen Gestaltung und die des allgemeinen menschlichen Zusammenlebens zeichnet folgendes Zitat:
„Vieles ist geschehen und vieles geschieht, das Häuser in Flammen verwandelt und Herzen in Rechenmaschinen. Kanäle und Flüsse werden zu Kloaken. Straßen, die von Mensch zu Mensch führen sollten, verwandeln sich zu wogenden Leichentüchern. Und selbst Fernsehschirme weigern sich, das, was sie spiegeln, für Wirklichkeit zu halten und verkaufen es uns zusammen mit Superwasch als bunte Bilderbücher kranker Phantasien.
Das Urvertrauen des Menschen (...) wächst nicht zwischen Bomben und Hunger, noch zwischen angstvollen Karrieren oder in Hochhauseinsamkeit. Manche Menschen haben es viel besser; nicht viele, im Vergleich. Vielleicht können diese wenige - wir? - etwas ändern, humaner werden und Humanität auch dort finden oder hineinbringen, wo Veränderungen gelebt und organisiert werden können.
Vertrauen entsteht, wenn jemand wirklich zuhört, anerkennt, entgegnet, ernst nimmt, weiterführt und nicht recht haben muß.“
(Cohn, R. C.: Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion: Von der Behandlung einzelner zu
einer Pädagogik für alle, Seite 213f) Welchen Weg ging diese Frau, um solche Sichtweise zu erlangen?
Frau Cohn, geb. 1912, lebte als Kind jüdischer Eltern in gesicherten Verhältnissen bis 1933 in Berlin, erlebte die Anfänge der Judenverfolgung, bevor sie im Alter von 21 Jahren mit ihrer Familie in die Schweiz emigrierte. Da sie ihr in Deutschland begonnenes Studium (Literatur, Psychologie) hier nicht abschließen konnte, ging sie 1941 in die USA, wo sie nach Absolvieren des Studiums sowie psychoanalytischer Ausbildung als Therapeutin tätig war und auf Grundlage ihrer Erfahrungen sowie Begegnungen das Modell der TZI entwickelte. Seit 1974 lebt sie in der Schweiz. (vgl. Pfrenger 1999)
IV
Wesentlichen Einfluss auf Frau Cohns persönliche Lebensgestaltung nimmt ihr Erleben des Nationalsozialismus, welchen sie folgendermaßen charakterisiert sowie in die Gegenwart transferiert:
„Eine mächtige Gruppe unterdrückt und tötet eine schwächere. Sie fühlt sich als ‚Wir’ und verachtet ‚Die-da’. - Die Namen der Gruppierungen von Klassen, Schichten, Rassen, Religionen, Stämmen, Nationen wechseln. In ihnen wiederholt sich, was in Schulen oder Familien erlernt worden ist. Das Syndrom des ‚Wir und Die-da’ bleibt.“
(Cohn, R. C.: Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion: Von der Behandlung einzelner zu
einer Pädagogik für alle, Seite 7)
Das Gelingen der eigenen Flucht aus dem hitlerregierten Deutschland, erlebt Frau Cohn als Verpflichtung, humanes Leben zu ermöglichen. Mit dem Konzept der TZI strebt sie vor allem das Gelingen einer humanisierenden Pädagogik an; darunter versteht sie die Eigen-und Fremderziehung zu Achtung vor dem Leben und der Einsicht, lebensnotwendige Mittel mit allen Menschen, allen Lebewesen zu teilen. Sie will dazu anleiten, sich selbst und andere von festgefahrenen bewussten sowie unbewussten Starrheiten zu befreien. (vgl. Cohn 1997)
3 Die Themenzentrierte Interaktion (TZI)
Die Themenzentrierte Interaktion soll ein vertieftes Verstehen von Person, Gruppe und thematischer Aufgabe sowie ihren wechselseitigen Beziehungen fördern. Der Ansatz der TZI ist ein holistischer; Grundlage bildet demnach ein ganzheitliches Menschenbild. Diese Ganzheit betrifft alle Erscheinungen des Lebens, kennzeichnet also den Menschen als Einheit aus Wahrnehmen, Fühlen, Denken inmitten der Bedeutungen von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Mit der TZI betont Frau Cohn die Eigenständigkeit, Freiheit, Verantwortung und Verbundenheit des Menschen. Sie baut auf die Fähigkeit auf, die es dem Menschen ermöglicht seine Grenzen zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Durch themenzentriertes Interagieren kann das Individuum persönlich in seiner sozio-kulturellen Umwelt wachsen. Damit kann er kann verändernd auf sich und die ihn umgebende Welt einwirken. (vgl. Pfrenger 1999)
V
Arbeit zitieren:
Dipl.-Pflegewirtin (FH) Anike Bäslack, 2006, Zur Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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