Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ausgangslage (1915-1918) 4
2.1. Husain-McMahon-Korrespondenz 4
2.2. Sykes-Picot-Abkommen 5
2.3. Balfour-Deklaration. 6
3. Prozionistische Mandatsphase (1918-1935) 6
3.1. Von der Militärverwaltung zum Völkerbundmandat. 6
3.2. Arabische Aufstände und Passfield-Weißbuch. 8
4. Politikwechsel Großbritanniens (1935-1945) 9
4.1. Arabische Unruhen, Peel-Plan und MacDonald-Weißbuch 9
4.2. Zweiter Weltkrieg und Biltmore-Konferenz. 10
5. Ende des britischen Mandats (1945-1948) 12
6. Analyse. 13
6.1. Abkommen 13
6.1.1.Widersprüchlichkeit der Abkommen 13
6.1.2. Formulierung der Abkommen 13
6.2. Prozionistische Phase 14
6.3. Proarabische Phase. 15
6.4. Ende des Mandats. 16
7. Fazit 16
8. Ausblick. 18
9. Anhang 19
10. Literaturverzeichnis. 20
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1. Einleitung
Der Wahlsieg der radikalen Hamas in Palästina im Januar diesen Jahres und die immer wieder kehrenden Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gegen das jüdische Volk sind in der aktuellen Politik brisante Themen, die die internationale Staatengemeinschaft in Atem halten. Wie der Presse zu entnehmen ist, fordert der iranische Präsident den Westen auf, den durch ihn geschaffenen jüdischen Staat zu beseitigen. Der Hamas-Sprecher Muschir al-Masri verweigert dem Staat Israel die Anerkennung und kündigt an, dass die Hamas-Bewegung alles in ihrer Macht stehende unternehmen werde, um Israel zu vernichten und einen unabhängigen Palästinenserstaat zu errichten (Spiegel-Online: 12.02.2006). Der noch junge israelische Staat erlangte seine Unabhängigkeit durch den Sieg im ersten israelischpalästinensischen Krieg in den Jahren 1948/49 (Timm/Glasneck 1992: S.69). Großbritannien, welches bis dato als Hegemon für Palästina verantwortlich war, hatte aufgrund des sich zuspitzenden Konflikts zwischen den dort lebenden Arabern und Juden das Palästina-Problem im Februar 1947 an die Vereinten Nationen übergeben. Diese arbeiteten daraufhin einen Teilungsplan 1 für Palästina aus (Ben-Sasson 1980: S.406f.). Infolgedessen beschlossen die Briten, ihr Mandat am 15. Mai 1948 zu beenden (Timm/Glasneck 1992: S.55). Noch vor dem endgültigen Abzug der britischen Truppen aus dieser Region, verkündete der spätere israelische Ministerpräsident, David Ben-Gurion, am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit des Staates Israel. Als die britischen Truppen nun Palästina verließen, marschierten in der Nacht vom 14. auf 15. Mai 1948 arabische Truppen in Israel ein, um die Entstehung des jüdischen Staates zu verhindern. Sie betrachteten Palästina als arabisches Land und dementsprechend sollten die Palästinenser allein das Recht haben, über dessen Zukunft zu entscheiden (Timm/Glasneck 1992: S.62f.). Dies war der Beginn des ersten israelisch-palästinensischen Krieges (1948-1949), der mit dem militärischen Sieg Israels endete. Durch diesen sicherte sich der israelische Staat seine Unabhängigkeit und Existenzberechtigung. Am 11. Mai 1949 wurde Israel schließlich in die Vereinten Nationen aufgenommen (Timm/Glasneck 1992: S.69,71) und somit auch von der internationalen Staatengemeinschaft als souveräner Staat anerkannt.
Dennoch führte die Aufnahme Israels in die UN nicht zur Beruhigung des Konflikts zwischen Juden und Arabern. Die eingangs zitierten Standpunkte machen deutlich, dass der israelisch-palästinensische Konflikt immer noch existent ist. Die arabische Seite akzeptiert den jüdischen Staat keineswegs und möchte diesen sogar vernichten. Folglich muss man sich fragen, warum dieser Konflikt heute noch eine derartige Relevanz besitzt, dass er die internationale Staatengemeinschaft in bedeutender Weise beschäftigt. Außerdem ist es wichtig, nach Möglichkeiten für die Beendigung des Nahost-Konflikts zu suchen. Hierfür müssen dessen Entstehungsgründe genau erforscht und verstanden werden. Es reicht nicht aus, nur gegen die aktuellen Symptome der Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern, wie beispielsweise die eskalierende Gewalt, vorzugehen. Vielmehr muss man versuchen, den Konflikt an seinen Wurzeln zu bekämpfen. Erst wenn man die Konfliktursache wirklich genau erforscht und verstanden hat, können auf dieser Grundlage erfolgsversprechenden Lösungsansätzen gesucht werden.
1 UN-Resolution 181 vom 29.11.1947; sie sah die Teilung Palästinas in einen unabhängigen jüdischen und einen
unabhängigen arabischen Staat vor, wobei Jerusalem als neutrale Enklave gedacht war; das dreigeteilte Palästina sollte in
einer Wirtschaftsunion zusammengefasst werden (Timm 2003: S.10)
3
Der erste israelisch-palästinensische Krieg ist eine wichtige Zäsur in der Geschichte des jüdisch-arabischen Konflikts, allerdings nicht dessen Ursprung. Er ist Folge eines immer größer werdenden Gegensatzes zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung Palästinas, welcher in diesem Krieg manifest wird, eskaliert und schließlich eine neue Phase des Konflikts einleitet: Die Palästinenser sehen sich nun einem international anerkannten jüdischen Staat und nicht mehr nur ‚den in ihrem Land lebenden Juden’ gegenüber. Die Auswirkungen des Ausgangs dieses Krieges reichen also bis in die aktuelle Politik hinein. Will man nun die Ursachen für den heutigen Nahost-Konflikt verstehen, muss man sich fragen, wie es zum ersten israelisch-palästinensischen Krieg gekommen ist. Was sind die Gründe dafür, dass der Konflikt zwischen Juden und Arabern sich immer weiter zugespitzt hat, bis er schließlich in einem Krieg eskalieren musste? Welche Akteure waren an diesem Krieg beteiligt? Welche Motive hatten die jeweiligen Akteure für ihre Handlungen? Da Großbritannien in der Zeit von 1915-1948 Hegemonial- und Mandatsmacht in Palästina war und somit die Geschicke dieses Landes maßgeblich mitbestimmte, liegt es nahe, deren Palästina-Politik genauer zu untersuchen. Wie verhielten sich die Briten gegenüber Arabern bzw. Juden? Welche wichtigen Abkommen, Entscheidungen trafen sie und inwieweit beeinflussten diese die Entwicklung des Konflikts zwischen beiden Bevölkerungsgruppen? Oder allgemein: Wie ist die britische Palästina-Politik im Hinblick auf die Entwicklung des jüdisch-arabischen Konflikts zu bewerten?
Ziel meiner Arbeit ist es zu zeigen, dass die britische Palästina-Politik maßgeblichen Anteil am Verlauf des Konflikts zwischen Juden und Arabern hatte. Hierfür werde ich zunächst in einem deskriptiven Teil die britische Politik in Palästina zwischen 1915 und 1948 erläutern. Die Auswahl des Zeitraums liegt darin begründet, dass Großbritannien mit Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) im Nahen Osten zur führenden Hegemonialmacht aufstrebte, schließlich Mandatsmacht in Palästina wurde und das Ende des Mandats (1948) den Beginn des ersten israelisch-palästinensischen Krieges bedeutete. Die Palästinapolitik der Briten innerhalb dieser 33 Jahre lässt sich in vier Phasen einteilen. Die erste Phase umfasst die Zeit von 1915-1918, in der die Briten zur führenden Macht im Nahen Osten aufstiegen und mit ersten Abkommen die Grundlage für ihre folgende Herrschaft in dieser Region legten. Die zweite Phase erfasst die prozionistische Politik von 1918-1935. Ab 1935 bis 1945 lässt sich dann ein Politikwechsel Großbritanniens zu Gunsten der arabischen Seite verorten, welcher in der dritten Phase beschrieben wird. Schließlich werde ich das Ende des britischen Mandats in Palästina und der damit verbundene Beginn des ersten israelisch-palästinensischen Krieges kurz darstellen. In einer sich daran anschließenden Analyse wird die britische Palästina-Politik kritisch bewertet und dadurch gezeigt, dass diese den Konfliktverlauf im Nahen Osten erheblich beeinflusste.
2. Ausgangslage (1915-1918)
2.1. Husain-McMahon-Korrespondenz
Im 19. Jahrhundert gab es bereits mehrere Länder, die Interesse an Gebieten im Nahen und Mittleren Osten hatten und diese durch unterschiedliche Strategien und Partner zu verwirklichen suchten. Zu diesen gehörten neben Großbritannien auch Frankreich, Russland, der Vatikan und im wachsenden Maße auch die USA und Preußen (Krämer 2002: S: 168). Der in Europa ausgebrochene Erste Weltkrieg wirkte sich folglich auch auf das heutige Palästina aus, welches zu dieser Zeit dem Osmanischen Reich angehörte, an dessen Spitze Sultan
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Mehmed V. Reshad stand (Krämer 2002: S.175,181). Als der Sultan im September 1914 (Ullmann 1964: S. 245) aufgrund des deutsch-osmanischen Bündnisvertrags in den Krieg eintrat, versuchten die Alliierten im Kampf gegen das Osmanischre Reich, Verbündete im Nahen und Mittleren Osten zu finden. Da der Sharif von Mekka, Husain b. Ali, schon vor dem Kriegseintritt des Sultans Kontakt zu den Briten gesucht hatte, um herauszufinden, wie sich diese im Falle eines Aufstands der Araber gegen eben diesen verhalten würden, erschien Husain den Briten als Bündnispartner durchaus geeignet. Zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme seitens des Sharifen hatten die Briten allerdings diesbezüglich noch keine Stellungnahme abgegeben. Der Kriegseintritt des Osmanischen Reiches veranlasste sie nun aber dazu, diesen zu einem Aufstand gegen den Sultan zu bewegen. In einem Briefwechsel sicherte der britische Hochkommissar in Ägypten, Sir Henry McMahon, Husain Unterstützung bei der Erlangung arabischer Unabhängigkeit als Gegenleistung für dessen militärische Hilfsdienste gegen das Osmanische Reich zu. Infolgedessen rief der Sharif zum Aufstand gegen den Sultan auf (Krämer 2002: S.172f.,176). Die arabisch palästinensische Bevölkerung sah im Kampf der Engländer gegen das deutschosmanische Bündnis und in der Rebellion gegen den Sultan den ersten Schritt in Richtung eines unabhängigen arabischen Staates. Eine gemeinsame Erklärung der Briten und Franzosen vom 17. November 1918, in der den Bewohnern der ehemals vom Osmanischen Reich besetzten Gebiete vollständige Emanzipation und freie Wahlen nationaler Regierungen versprochen wurden, nährte diese Hoffnung zusehends (Schölch 1993: S.43). In den Geschehnissen dieser Zeit liegt also eine der Wurzeln der palästinensischen Nationalbewegung (Flores 1993: S.89).
2.2. Sykes-Picot-Abkommen
Allerdings hatten die Briten bereits im Mai 1916 mit Frankreich das sogenannte Sykes-Picot-Abkommen abgeschlossen. Dies sollte die Interessen beider Kolonialmächte im Nahen und Mittleren Osten sichern (Krämer 2002: S.176). Die Briten, interessiert an den irakischen Ölvorkommen (Shephard 1999: S.7), wollten eine britische Einflusszone vom Mittelmeer bis zum Irak schaffen und auch nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches eine Pufferzone zwischen ihrer und der russischen Einflusssphäre garantiert wissen. Diese Aufgabe sollte ein französisch besetztes Gebiet übernehmen. Da die Franzosen religiös-kulturelle Bindungen und wirtschaftliche Interessen in Syrien, Libanon und Palästina hatten, erhoben sie zunächst Anspruch auf dieses Gebiet als Ganzes, verringerten diese Ansprüche aber im Laufe der Verhandlungen. Im Sykes-Picot-Abkommen teilten Großbritannien und Frankreich nun den Nahen und Mittleren Osten unter sich auf 2 . Das heutige Nordgaliläa, Syrien und der Libanon gingen an Frankreich; der heutige südliche und mittlere Irak gingen an Großbritannien, der größte Teil Palästinas wurde einer internationalen Verwaltung unterstellt, deren Form Briten, Franzosen und Russen nicht sofort festlegten (Krämer 2002: S.176f.).
2 eine Übersichtskarte über Palästina befindet sich im Anhang
5
2.3. Balfour-Deklaration
Im Jahre 1917 kam es schließlich zu einem dritten wichtigen Abkommen, der Balfour-Deklaration. In diesem, für die Juden bedeutenden, Dokument heißt es:
„(…)Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei klar verstanden werde, dass nichts getan werden soll, was die bürgerlichen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Land beeinträchtigen könnte. (…)“ (Arthur James Balfour: 1917 zitiert nach Timm 2003: S.7)
Hiermit versprachen die Briten nun auch den Juden, bei der Errichtung einer ‚nationalen Heimstätte’ behilflich zu sein. Dies hatte zur Folge, dass die Zionisten, deren Zielen diese Erklärung eindeutig entsprach, unter dem Schutz des britischen Empire motiviert wurden, stärker auf Verwirklichung ihres Traums hinzuarbeiten (Timm 2003: S.7). Die Erfüllung des Baselers Programms 3 von 1897 schien zum Greifen nahe.
3. Prozionistische Mandatsphase (1918-1935)
3.1. Von der Militärverwaltung zum Völkerbundmandat
Nachdem Großbritannien im Zuge des Ersten Weltkrieges bis 1918 den größten Teil Palästinas erobert hatte, stellte sich heraus, dass weder Briten, noch Franzosen (als zweite Hegemonialmacht im Nahen und Mittleren Osten), aber auch nicht die Akteure auf arabischer Seite, klare Vorstellungen bezüglich des weiteren Vorgehens in Palästina hatten. Die Zionisten wollten dagegen zielstrebig auf die Verwirklichung der Balfour-Erklärung hinarbeiten. Nach dem Einmarsch der Alliierten in Syrien, Libanon, Palästina und dem Irak wurden zunächst Militärverwaltungen eingerichtet, die nicht mit den vorher im Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelten Grenzlinien übereinstimmten. Nach längeren Verhandlungen teilten Briten und Franzosen die tatsächlich besetzen Gebiete unter sich auf. Zionisten und Araber versuchten vergeblich in ihrem Sinne auf diese Gebietsaufteilung einzuwirken. Die Verhandlungen gingen sehr stark zu Gunsten der Briten aus, so dass diese wie gewünscht Palästina als Ganzes besetzen konnten (Krämer 2002: S.184f.).
Von 1918-1920 stand Palästina also unter alliierter Militärverwaltung. Die Briten versuchten nun zunächst die Lebensbedingungen der einheimischen, vom Krieg heimgesuchten Bevölkerung zu verbessern und Ruhe und Ordnung herzustellen. Dies war keine leichte Aufgabe, da die osmanischen Truppen abgezogen waren und die Unterlagen bezüglich der Verwaltung der ehemals besetzten Gebiete vernichtet hatten. Zudem wurden in der Bevölkerung sehr bald politische Forderungen laut: die einheimischen Bewohner wollten politische Mitspracherechte erhalten und sich lokal selbst verwalten. Auch die zunehmende jüdische Einwanderung und der damit verbundene steigende Landkauf durch Juden wurde immer mehr zum politischen Thema. In der Folgezeit waren sowohl Araber als auch Juden von den Briten enttäuscht. Die Juden, weil die Briten aus ihrer Sicht in
3 Auf Theodor Herzl (1860-1904), den Begründer Zionismus zurückgehende Leitlinie zionistischen Wirkens; beinhaltete als zentrales Ziel
die Schaffung einer ‚öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte (für die Juden) in Palästina (Timm 203: S: 6)
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Arbeit zitieren:
Alexander Pinz, 2006, Die britische Politik in Palästina von 1915-1948, München, GRIN Verlag GmbH
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