Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Darstellung der Theorie Huntingtons 4
2.1. Zivilisation und Kulturkreis 4
2.1.1. Begrifflichkeit 4
2.1.2. Religion als Hauptabgrenzungskriterium 5
2.1.3. Zivilisationen als kulturelle Einheiten 5
2.2. Zentrale These 6
2.3. Der Zusammenprall der Zivilisationen 6
2.3.1. Die Einteilung der Welt in Zivilisationen. 6
2.3.2. Gründe für den Zusammenprall der Zivilisationen. 7
2.3.2.1. Kulturunterschiede 7
2.3.2.2. Globalisierung 7
2.3.2.3. Fundamentalisierung 8
2.3.2.4. Regionale wirtschaftliche Blockbildung 8
2.3.2.5. Indigenisierung 8
2.3.2.6. Universalitätsanspruch des Westens 9
2.3.2.7. Immigration 9
2.3.3.8. Fazit 10
2.4. Schlussfolgerungen Huntingtons für den Westen 11
3. Kritik an Huntingtons Theorie 12
3.1. Methodik und Empirie 12
3.2. Zivilisationen als Wertegemeinschaften 12
3.3. Zivilisationen als Solidargemeinschaften 13
3.4. Überlebenskampf des Westens 14
3.5. Fazit 15
4. Globale Konfliktanalyse 15
4.1. Globales Konfliktpanorama 15
4.2. Konfliktgegenstände 16
4.3. Konfliktbearbeitungsmaßnahmen 17
5. Analyse 17
6. Schlussbetrachtung 19
7. Ausblick 20
8. Abkürzungsverzeichnis 22
9. Literaturverzeichnis 23
2
1. Einleitung
Mit dem Beginn des postkommunistischen Zeitalters fängt eine neue Ära in der Weltpolitik an. Während des Kalten Krieges von 1944-91 war die Welt bipolar geordnet, d.h. sie war in eine westliche - unter der Führung der USA stehende - und eine östliche Hemisphäre eingeteilt, in der die SU die Vorherrschaft hatte. Diese beiden Machtblöcke grenzten sich aufgrund unterschiedlicher machtpolitischer Interessen und konträren, sich wechselseitig gegeneinander definierenden Ideologien, voneinander ab. So bezeichnete der Westen das sowjetische Regime beispielsweise als eine totalitäre Diktatur, der es an jeglichem Liberalismus mangelte, und stellte diesem ein politisches System entgegen, in der der Wert ‚Freiheit’ eine zentrale Rolle spielt. Der Osten sah dagegen im westlichen Kapitalismus einen Mechanismus, welcher die Menschen ausbeutete. Im Gegensatz dazu verstand er sich selbst als System, dass dem Menschen, im Kommunismus die Chance zur allseitigen Entfaltung bot. Somit war aufgrund der beiden extremen Ideologien, die jeweils von einer der beiden Weltmächte (USA bzw. SU) angeführt wurden, die weltpolitische Ordnung klar: Entweder man sympathisierte mit dem Westen, und damit der USA oder mit der SU, und schloss sich somit dem Ostblock an (Wikipedia 2005a; Wikipedia 2005b). Das Wissen um eine weltpolitische Ordnung ist also hilfreich, um die Situation, in der sich die Welt befindet, besser einschätzen und damit die richtigen Strategien, um sich in ihr zurechtzufinden, wählen zu können. Der Zerfall der SU im Jahre 1991 und das damit verbundene Ende des Kalten Krieges läuteten den Beginn einer neuen weltpolitischen Ordnung ein. Die Staaten des ehemaligen Ostblocks mussten nach dem Zeitalter der Diktatur versuchen, eigene, funktionierende und stabile politische Regime zu schaffen. Im Zuge der Globalisierung wird der dominante Konflikt zwischen der westlichen und der östlichen Hemisphäre immer mehr durch andere Konflikte, wie z.B. dem Kampf gegen den Terror, regionale Auseinandersetzungen etc., ersetzt. Folglich muss man sich fragen: Wie kann man die aktuelle weltpolitische Lage zutreffend beschreiben? Von welcher Art sind die Konflikte in der heutigen Zeit und welche Handlungsalternativen bieten sich den Akteuren, um sich in der aktuellen Situation richtig zu verhalten?
Viele Wissenschaftler versuchen Antworten auf diese Fragen zu finden. Die gewählten Ansätze sind sehr unterschiedlich. Manche denken, dass die Rivalität zwischen Nationalstaaten wiederkehrt, andere halten einen Rückgang der Nationalstaatlichkeit als Konfliktursache bei gleichzeitiger Zunahme von regionalen Konflikten für wahrscheinlich (Huntington 1993: S.22). Einen völlig neuen Ansatz entwickelt 1993 der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington 1 in seinem Aufsatz ‚The Clash of Civilizations?’ in der Zeitschrift ‚Foreign Affairs’. Drei Jahre später führt er diesen in seinem Buch ‚The Clash of Civilizations and Remaking of World Order’ detaillierter aus und versucht, ihn in mit einer Fülle von Beispielen realer Konflikte zu untermauern. Die Welt im 21. Jahrhundert ist seiner Meinung nach in kulturelle Einheiten eingeteilt und die zukünftigen Konflikte werden kultureller und nicht mehr ideologischer oder wirtschaftlicher Natur sein. Aufbauend auf dieser Behauptung, beschreibt er die weltpolitische Ordnung und gibt den Akteuren auch mögliche Strategien an die Hand, um sich in dieser aktuellen Situation gut zurechtfinden zu können.
1 Huntington, Samuel P. (geb. 1927), Politikwissenschaftler und Leiter des John M. Olin Instituts für
strategische Studien an der Universität Harvard
3
Huntingtons Theorie ist in der Politikwissenschaft sehr umstritten. Sie findet zum einen große Zustimmung, da sie durchaus plausibel erscheint. Zum anderen jedoch wird sie heftig kritisiert. Martin Riesbrodt 1 bezeichnet sie als im höchsten Maße irritierend (Riesebrodt 2000: S. 15) und Wolfgang Schluchter 2 wirft Huntington gar „uniformierte Willkür“ (Schluchter 2001: S. 20) vor.
Die Debatte um Huntingtons Theorie nehme ich zum Anlass, sie auf folgende Fragen hin zu untersuchen: Stellt sie die aktuelle weltpolitische Situation richtig dar? Eignet sie sich dazu, die Entwicklungen im postkommunistischen Zeitalter richtig zu erfassen? Kann man sie folglich verwenden, um aus ihr Handlungsalternativen für die jeweiligen Akteure in der Weltpolitik abzuleiten? Für meine Untersuchung werde ich zunächst die zentrale Argumentation Huntingtons darstellen. In einem nächsten Schritt werde ich die wichtigsten Kritikpunkte auf theoretischer Ebene zusammenfassen, um danach anhand der Konfliktbarometer des HIIKs die globale Entwicklung der Konflikte in den Jahren 1996-2004 auf drei Kriterien hin zu untersuchen: Zunächst einmal werde ich das globale Konfliktpanorama darstellen und damit zeigen, wie sich die Konflikte in diesem Zeitraum entwickelt haben. Hierbei geht es insbesondere darum, festzustellen, ob die Konflikte innerhalb oder zwischen kulturellen Einheiten stattfinden. Danach werde ich die Konfliktgegenstände auf die Frage hin untersuchen, ob kulturelle Faktoren als alleinige oder sogar dominante Konfliktursache identifiziert werden können oder ob sie für Konflikte lediglich mit verantwortlich sind. Als drittes werde ich die Konfliktbearbeitungsmaßnahmen genauer betrachten. Hierdurch gilt es herauszufinden, ob die Art, wie Akteure global mit Konflikten umgehen, zu einer immer kleiner werdenden Welt, d.h. zur Bildung einer Weltgemeinschaft, führt oder ob sie bewirkt, dass sich kulturelle Einheiten immer mehr voneinander abschotten und somit eine multikulturelle Weltordnung entsteht, in der verschiedene Kulturen nur minimal miteinander kommunizieren.
Die Auswahl des Zeitraums von 1996-2004 für die Untersuchung liegt zum einen darin begründet, dass für diese Zeit ausreichend Datenmaterial zur Verfügung steht. Zum anderen lässt sich analysieren, wie sich die weltweiten Konflikte nach Huntingtons Buchveröffentlichung entwickelt haben. Folglich ist es möglich, seine Theorie auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.
2. Darstellung der Theorie Huntingtons 2.1.Zivilisation und Kulturkreis
2.1.1. Begrifflichkeit
Die bereits erwähnte kulturelle Einheit stellt ein Kernelement von Huntingtons Theorie dar. Er bezeichnet diese als „Zivilisation“ (Huntington 1993: S. 24). Seinem Begriffverständnis liegt hierbei die Bedeutung des Begriffs ‚Kulturkreis’ zugrunde. Unter diesem versteht man eine Ansammlung von Völkern und Nationen, die sich in ihrer Kultur ähneln oder dieselbe Kultur besitzen (Wikipedia 2005c).
Auf dieser Grundlage führt Huntington nun den Begriff ‚Zivilisation’ ein. Seiner Meinung nach beschreibt eine Zivilisation die höchste Ebene, auf der man Menschen gruppieren kann. Sie stellt also den höchsten Level der kulturellen Identität von Menschen dar. Menschen einer Zivilisation sprechen eine gemeinsame Sprache, haben
1 Riesebrodt, Martin, Professor für Soziologie an der University of Chicago
2 Schluchter, Wolfgang (geb. 1938), Professor für Soziologie an der Universität Heidelberg
4
eine gemeinsame Geschichte und Religion, dieselben Gewohnheiten und Institutionen. Außerdem definieren sie sich gemeinsam mit ihrem und über ihren Kulturkreis (Huntington 1993: S. 24). Die Zivilisation wird also als Werte- und Solidargemeinschaft im Sinne von kultureller Einheit angesehen (Riesebrodt 2000: S. 17, 20f.). Huntingtons Definition geht somit mehr ins Detail als die allgemeine Kulturkreisdefinition. In meiner Arbeit werden die Begriffe Zivilisation und Kulturkreis aufgrund ihrer fast identischen Bedeutung jedoch äquivalent verwendet.
2.1.2. Religion als Hauptabgrenzungskriterium
Für Huntington ist die Religion in einer Zivilisation dass wichtigste gemeinsame Merkmal, welches sie von einer anderen Zivilisation grundsätzlich unterscheidet. Dies wird durch folgendes Zitat verdeutlicht:
Religionen haben in der Praxis immer einen gewissen Absolutheitsanspruch, d.h. sie beanspruchen eine jede für sich, die allgemeine Wahrheit bezüglich der Welt zu kennen. Dies führt dazu, dass sie auch ihre Werte und Normen als vollkommen und unumstößlich darstellen. Wenn das jedoch der Fall ist, kann man über unterschiedliche Standpunkte nicht debattieren und auch nur schwer oder sogar gar keine diesbezüglichen Kompromisse finden (Huntington 1993: S. 27). Zwar erweist sich die Religion folglich als homogenisierend im Inneren einer Zivilisation (Huntington 1993: S. 26), da sie gemeinsame Werte und Normen hervorhebt; sie verstärkt aber gleichzeitig die Trennung nach außen und die damit verbundene kulturelle Blockbildung.
2.1.3. Zivilisationen als kulturelle Einheiten
Obwohl diese kulturellen Blöcke dynamisch sind und sich daher ständig weiterentwickeln (Huntington 1993: S. 24), stellen sie dennoch kulturelle Einheiten dar. Dies kann man sehr gut an Auseinandersetzungen zwischen Gruppen unterschiedlicher Zivilisationen erkennen: Wenn sich Gruppen oder Staaten einer Zivilisation mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis in Konflikt befinden, werden die jeweiligen Konfliktparteien immer Unterstützung von Gruppen/Staaten ihres eigenen Kulturkreises erhalten. Somit werden politische Ideologie und das traditionelle Machtgleichgewicht als Basis für Kooperation und Koalition durch eine kulturelle Komponente ersetzt. Huntington spricht in diesem Zusammenhang in Anlehnung an H.D.S. Greenway vom „Kin-Country-Syndrom“ (Huntington 1993: S. 35):
„A world of clashing civilizations, however, is inevitable a world of double standards: people apply one standard to
Staaten einer Zivilisation haben ein demnach besseres Verhältnis untereinander als Staaten verschiedener Zivilisationen. Zivilisationen wirken also, wie in Abschnitt 2.1.2. bereits erwähnt, homogenisierend. Konflikte
5
innerhalb eines Kulturkreises können zwar auftreten, sind aber eher unwahrscheinlich und auch nicht so gefährlich wie Konflikte zwischen Zivilisationen (Huntington 1993: S. 38).
2.2. Zentrale These
Diese Annahme führt zur zentralen These von Huntingtons Theorie:
„The great divisions among humankind and the dominating source of conflict will be cultural. Nation states will remain the most powerful actors in world affairs, but the principal conflicts of global politics will occur between nations and groups of different civilizations. The clash of civilizations will dominate global politics. The fault lines
Huntington geht davon aus, dass zukünftig nicht mehr wirtschaftliche oder ideologische Gründe die Hauptursache für Kriege sein werden. Er verneint auch die Tatsache, dass Staaten Kriege führen werden, um ihr Territorium zu erweitern. Seiner Meinung nach gibt es heutzutage klare Grenzen zwischen Kulturen bzw. Kulturkreisen. Und diese klaren Grenzen, welche in der Praxis schließlich Unterschiede bzgl. der Lebensweise, den Werten, Normen etc. bedeuten, werden im nächsten Jahrhundert die Hauptursache für Konflikte und damit auch für kriegerische Auseinandersetzungen sein (Huntington 1993: S. 22f.).
2.3. Der Zusammenprall der Zivilisationen 2.3.1. Einteilung der Welt in Zivilisationen
Fasst man die bisherige Argumentation zusammen, erkennt man, dass laut Huntington Konflikte genau an den Grenzlinien zwischen unterschiedlichen Zivilisationen entstehen werden (Huntington 1993: S. 25), da dort zwei miteinander nicht vereinbare kulturelle Einheiten aufeinanderprallen. Somit gibt es in solchen Gebieten ein enormes Konfliktpotential.
Huntington unterteilt die Welt in sieben bzw. acht Zivilisationen. Er führt an, dass jeder dieser Kulturkreise ein (potentielles) Machtzentrum besitzt. Unter diesen Machtzentren versteht Huntington Staaten, die den jeweiligen Kulturkreis führen können. Er bezeichnet sie als Kernstaaten. Folglich unterscheidet er die in folgender Tabelle dargestellten Kulturkreise, mit ihren jeweiligen Kernstaaten:
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Arbeit zitieren:
Alexander Pinz, 2005, Huntingtons 'Clash of Civilizations' als Beschreibung der weltpolitischen Ordnung des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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