Inhaltsverzeichnis
Aufgabenstellung 3
Einleitung 4
1. Lehr-Lern-Forschung 5
1.1 Motivationsforschung 5
1.2 Entdeckendes Lernen und problemlösender Unterricht 9
1.3 Lernen durch Tun (handlungsorientierter Unterricht) 11
2. Schulleistungsmessung: Portfolios 13
Anhang: Stellungnahme zur Begründung für die ausgewählten Inhalte und die Form
(einschl. Adressatenbezogenheit) 17
Zitierte und konsultierte Literatur 23
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Aufgabenstellung
Sie sind als externe Beraterin / externer Berater an eine Grundschule eingeladen worden, um die Lehrerschaft über aktuelle Konzepte der Lehr-Lernforschung sowie über ausgewählte Aspekte zur Schulleistungsmessung zu informieren. Bitte entwerfen Sie für die Einladung ein ca. 10seitiges Handout, in dem Sie - zusammenfassend und detailliert - die Ihrer Ansicht nach wichtigsten Informationen geben. Berücksichtigen Sie dabei den speziellen Adressatenkreis.
Die Hausarbeit sollte im Anhang auf ca. 4-5 Seiten den Dozentinnen zusätzliche Informationen geben über die Kriterien, nach denen Sie die vorliegende Darstellung (Auswahl der Inhalte, Form einschl. Adressatenbezogenheit) entwickelt haben. Die Gestaltung der Seiten obliegt Ihnen!
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Einleitung
Sehr geehrte Grundschullehrerin, sehr geehrter Grundschullehrer, zunächst möchte ich mich recht herzlich für Ihr Interesse und die Einladung an Ihre Grundschule bedanken. Als Ihr externer Berater möchte ich Ihnen auf den Folgeseiten eine detaillierte Zusammenfassung über aktuelle Konzepte der Lehr-Lernforschung sowie ausgewählte Aspekte zur Schulleistungsmessung geben. Zuvor jedoch noch kurze Anmerkungen und Erläuterungen meinerseits:
Aktuell verdeutlichen die Ergebnisse der nationalen und internationalen Studien zur Schulleistung (PISA, IGLU) die Notwendigkeit, Prozesse des intentionalen Lernens und Lehrens noch genauer zu erforschen, auszuwerten und als Konsequenz die Ergebnisse zur Verbesserung schulischer Lehr- und Lernprozesse der didaktischen Unterrichtsforschung bereit zu stellen. Hierbei unterstützen vor allem neue technische Verfahren der Neurowissenschaften die Forschungsarbeit.
Bei der Untersuchung der Bedingungen, Prozesse und Auswirkungen des Lehrens und Lernens in der Schule geraten neben kognitiven, sozialen und emotionalen Aspekten zunehmend motivationale Komponenten in den Fokus. Daher wird Ihnen der erste Teil des Handouts einen Überblick über die Motivationsforschung geben. Unmittelbar daran anschließen wird sich eine Darstellung über „entdeckendes Lernen/problemlösender Unterricht“ als eine Konsequenz der Motivationsforschung für schulische Lernprozesse. Es soll für Sie als Grundschullehrer(in) ersichtlich werden, wie Sie die Ergebnisse der Motivationsforschung im Hinblick auf die Einleitung und Förderung von Lernprozessen und die Verwirklichung von Lernzielen nutzen können. Zur Verdeutlichung werden auch praktische Beispiele gegeben.
Im zweiten Teil möchte ich Ihnen mit Bezug zum vorherigen Themenkomplex das im Kindergarten und in der Grundschule immer häufiger, insbesondere in offenen Lernformen zum Einsatz kommende Portfolio-Konzept als eine Alternative zu gängigen Formen der Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung vorstellen. Anlass hierfür gibt die nicht abreißende Diskussion um das gegenwärtige Beurteilungssystem, die insbesondere den Einsatz von Ziffernnoten infrage stellt. Die Grundschule nimmt im Schulsystem eine Schnittstellenposition zwischen vorschulischem und weiterführendem Lernen ein: An den Übergängen „Elementarbereich - Primarbereich - Sekundarbereich“ müssen die Verantwortlichen die Entwicklung und Leistung des Kindes feststellen und bewerten. Um
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Fehleinschätzungen zu vermeiden, bedarf es daher eines gerechten und aussagekräftigen Beurteilungssystems.
Ich hoffe, die nachfolgende Darstellung kann Sie bei Ihrer Tätigkeit als Grundschullehrer(in) inspirieren und unterstützen. Für Nachfragen stehe ich Ihnen gerne bereit! Mit freundlichen Grüßen Herr Bernhard Meyer (externer Berater)
1. Lehr-Lern-Forschung
1.1 Motivationsforschung
Die pädagogisch-psychologische Motivationsforschung liefert wichtige Erkenntnisse bei der Erforschung der Lehr-Lernprozesse. Sie zeigen welche herausragende Bedeutung Interesse und intrinsische Motivation (s. u.) für intentionales Lernen haben. Interesse und Motivation liegen sehr nahe beieinander. „Der Begriff Lernmotivation bezeichnet in einem allgemeinen Verständnis jene Strukturen und Prozesse, die das Zustandekommen und die Effekte des Lernens erklären.“ 1 Erfahrungsgemäß lässt sich ein Schüler 2 nur schwer motivieren, wenn das Interesse am Thema nicht vorhanden ist. Umgekehrt kann aber das „Interessant-Machen eines Gegenstandes“ 3 , also eine geglückte Motivation, Interessen wecken, die der Lernende vorher gar nicht hatte. Pädagogen wie Dewey sind der Auffassung, „dass das am besten gelernt und behalten wird, für das die ausgeprägtesten Interessen bestehen“. 4 Demnach wird wie bei der intrinsischen Motivation aus einem inneren Antrieb heraus gelernt. Von einer Selbsttätigkeit seitens des Schülers kann schon ausgegangen werden. Die intrinsische Motivation ist z. B. vorhanden, wenn ein Schüler lernt, weil er Spaß an der Sache hat. Lob Ihrerseits oder Anerkennung von den Mitschülern bedürfte ein solcher Schüler kaum. Eine extrinsische Motivation (z. B. Belohnung) wird wegen ihrer Folgen (u. a. das Erreichen guter Zensuren) in Gang gesetzt. Nach Heckhausen/Rheinberg (1980) kann die intrinsische Motivation durch das Einführen solcher Belohnungen geschwächt werden, das zeigte sich anhand einer Fallstudie mit einer zehnten Realschulklasse, deren Ergebnisse im Kern auf die Primarstufe übertragen werden können. Untersuchungen zur Folge nimmt die intrinsische Motivation ab, wenn z. B.
1 Schiefele, 1974, o. S., zitiert nach: Krapp, 1996, S. 88.
2 Die Begriffe „Schüler“ und „Lehrer“ werden im Folgenden zu Gunsten eines flüssigeren Leseflusses stets in
der maskulinen Form verwendet, die feminine ist jedoch stets darin eingeschlossen.
3 Eickhorst, 1998, S. 135.
4 Zitiert nach: Todt, 1978, S. 184.
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Geld oder Auszeichnung als „erwartete fremdvermittelte Folge“ 5 deutlich hervorgehoben wird. Es kommt zu einer so genannten „Überveranlassung aus extrinsischen Gründen“ 6 . Das Zurückgehen der „selbst- und sachbezogenen Bewertungsemotionen“ 7 ist oft die Folge. Dennoch ist eine klare Abgrenzung zwischen intrinsischer und extrinsischer Faktoren kaum möglich: Die meisten Lernmotivationen sind extrinsische, aber gleichzeitig auf die kognitive Verarbeitung der Person angewiesen.
Die Pädagogische Psychologie erklärt die Motivationsform in mehreren Theorien: Das „Eintauchen in ein freudiges Erleben“ ruft nach Csikszentmihaly (1993) ein so genanntes „flow-Erlebnis“ hervor. Die Situation des Spielens sieht er z. B. als typisches flow-Phänomen an. Der Gehalt dieser Theorie ist jedoch umstritten und hinsichtlich der unterrichtlichen Motivation noch nicht ausreichend untersucht. Berlyne (1974) spricht von einem durch Neugier angetriebenen „Explorationsverhalten“ als Basis geistiger Tätigkeit, wie z. B. beim Spielen, Denken und Problemlösen. Nach der Theorie Berlynes strebt das Individuum immer einen Gleichgewichtszustand an. Sobald dieser in Unordnung gerät, wird der Mensch zu vielfältigen Aktivitäten herausgefordert, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Mangellage kann biologisch bedingt sein oder aus einem Konflikt erwachsen, der Neugier zur Folge hat.
Heckhausen hat aufgezeigt, dass sich das Leistungsmotiv bei Kindern in einem Alter von drei bis acht Jahren herausbildet. Er spricht von einem Leistungsmotiv, wenn ein Kind Erfolge bzw. Misserfolge als persönliche Geschehnisse erlebt. Das Leistungsmotiv wird definiert als das „Bestreben, ‚die eigene Tüchtigkeit in all jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführung deshalb gelingen oder misslingen kann‘“ 8 . Nach Heckhausen ist Leistungsverhalten erlernt.
Innerhalb der Motivationsforschung sind zwei Richtungen von Bedeutung, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Motivation erforschen. Ein Forschungszweig untersucht die Voraussetzungen bzw. die Antezedenzen (individuelle, soziale, situative etc.) für die Entstehung einer Lernmotivation. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, warum Menschen hinsichtlich von Einstellungen, Wertüberzeugungen und Interessen
5 Eickhorst, 1998, S. 126.
6 Ebd., S. 126.
7 Ebd.
8 Heckhausen, 1974, S. 97, zitiert nach: Eickhorst, 1998, S. 127.
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unterschiedliche Ausprägungen besitzen. Die zweite Hauptforschungslinie der Motivationsforschung beschäftigt sich mit den mittel- und langfristigen Konsequenzen motivationaler Faktoren (Person des Lerners, aktualisierte Lernmotivation etc.). Bei der Erforschung der Lernmotivation geraten zunehmend Interessen in den Blickpunkt. Prenzel (1988) bezeichnet in seiner Interessentheorie das Interesse als ein ‚[…] auf Gegenstände bezogenes Tun, das mit einer Handlung oder Aktivität verknüpft ist und mit Wertüberzeugungen, bestimmten Kognitionen und positiven Gefühlen in Verbindung gebracht werden kann.‘ 9 Das Interesse ist gegenstandsspezifisch und „[…] bezeichnet u. a. eine positive Einstellung gegenüber einem Lerninhalt, die Neugierhaltung in einer bestimmten Situation oder den Zustand wacher Aufmerksamkeit“ 10 . Interessen sind ferner gekennzeichnet durch gefühlsbezogene und wertbezogene Valenz sowie Selbstintentionalität und Intrinsität. Interessen sind entscheidend bei der Bildung einer intrinsischen Motivation: Zahlreiche Studien zeigen, dass eine Interesse-Leistungs-Korrelation durchaus vorliegt, aber differenziert zu betrachten ist. So zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich des Zusammenhangs von Leistung und Interesse. Im Gegensatz zu den Mädchen korrelieren die Leistungen der Jungen viel stärker mit ihren Interessen. Die Untersuchungen zeigen zudem, dass sich Jungen mit zunehmendem Alter immer stärker für Naturwissenschaften interessieren, während Mädchen zumeist unabhängig ihrer Interessenlage bereit sind, sich zu engagieren. Die Studien verdeutlichen ferner, dass die Interesse-Leistungs-Korrelation mit Höhe der Klassenstufe zunimmt. Der Grund hierfür könnte in der wechselseitigen Beeinflussung und Konvergenz von Interesse und Leistung im Laufe der Schulzeit liegen. Eine andere Hypothese besagt, dass mit zunehmendem Alter die Stabilität von Interessen zunimmt. Abgesehen vom Sprachunterricht können die Studien keine Abhängigkeit seitens eines bestimmten Schulfaches hinsichtlich des Zusammenhangs von Interesse bzw. intrinsischer Motivation und dem Lernerfolg entdecken. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Schulleistung in nicht geringem Maße von der Interessenlage der Schüler abhängt. Zwar liegt die höchste gemessene Korrelation nur bei r = 30, doch damit hat das Interesse gegenüber anderen nicht-kognitiven Variablen (Neugiermotivation, Aufmerksamkeit, Volition) viel größeren Einfluss auf die Schulleistung. Die Untersuchungsbefunde erlauben zudem Kritik am derzeitigen schulischen Lernen, das die Interessen der Schüler den Anforderungen des Lehrplans unterordnet.
9 Prenzel, 1988, S. 36, zitiert nach: Eickhorst, 1998, S. 138.
10 Krapp, 1996, S. 92.
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Arbeit zitieren:
Jan-Bernd Stahmann, 2006, Aktuelle Konzepte der Lehr-Lernforschung und ausgewählte Aspekte zur Schulleistungsmessung , München, GRIN Verlag GmbH
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