Inhaltsverzeichnis
VORWORT 3
1. EINFÜHRUNG 4
2. KONZEPT DES FRAGENS 6
2.1 Geschichte Entwicklung der systemischen Fragen 6
2.2 Systemische Fragen 7
2.2.1 Zirkuläre Fragen 8
2.2.2 Skalierungsfragen 10
2.2.3 Fragen nach Ausnahmen 11
2.2.4 Wunderfrage 12
2.2.5 Abschlussfragen 13
2.3 Systemische Grundprinzipien 14
3. DAS SYSTEMISCHE GESPRÄCH 16
3.1 Vorbereitung 16
3.2 Zusammenfassung 17
3.3 Auswertung und Reflexion 19
4. SCHLUSSBEMERKUNG 26
5. LITERATURVERZEICHNIS 27
6. ANHANG 29
2
Vorwort
Was war der Anlass, dass ich mich entschieden habe eine Hausarbeit über die Methode des systemischen Fragens zu schreiben?
Mit einer technischen Ausbildung und langjähriger Berufserfahrung als Mechaniker und Ausbilder kam ich 2002 zum Studium der Sozialen Arbeit nach Merseburg. Und wurde dort, für mich damals überraschend, mit einem mir sehr vertrauten System konfrontiert, dem Steuer- und Regelkreis, aus dem das Konzept der Zirkularität entwickelt wurde. 1
Heute, nach zwei Seminaren Systemische Praxis (2003 und 2006), meinen Erfahrungen aus den Studienpraktika und der Nebentätigkeit als Erzieher in einer therapeutischen Wohngruppe, habe ich das systemische Arbeiten als Methode der sozialen Arbeit mehr und mehr schätzen gelernt.
Waren es zu Beginn die Grundhaltungen und die Arbeit mit dem Genogramm, richtet sich mein derzeitiges Interesse vor allem auf die Technik des Fragens.
1 Herwig-Lempp (2002a), S.166 ff
3
1. Einführung
Ziel dieser methodenorientierten Hausarbeit ist die theoretische und praktische Auseinandersetzung und Diskussion der Methode des systemischen Fragens anhand der Fachliteratur und eines von mir durchgeführten Gesprächs.
Ich habe die Hausarbeit in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten, dem theoretischen Teil, werde ich kurz einen Überblick über die Geschichte der Entwicklung systemischer Fragen geben und anschließend einige vorstellen und diskutieren. Es handelt sich dabei um eine Auswahl der für mich bei dieser Arbeit wichtigen Fragen. Neben dem Konzept des Systemischen Fragens und dessen Anwendung hängt der Erfolg eines Gespräches, nach meiner Meinung, auch von der Haltung und Einstellung des Beraters ab. Daher möchte ich am Ende des theoretischen Teils auch die systemischen Haltungen erwähnen.
Ich habe mich aus Interesse und dem besseren Verständnis des systemischen Ansatzes mit der Systemtheorie und der Geschichte der systemischen Therapie und Beratung im Zuge der Erstellung dieser Hausarbeit beschäftigt. Abgesehen von einer Ausnahme werde ich jedoch nicht gesondert darauf eingehen.
Die Begrenzung des theoretischen Teiles auf die obengenannten drei Punkte ist in dem Rahmen dieser Arbeit begründet. Dieser würde durch die Ausweitung der theoretischen Beschäftigung mit dem gesamten systemischen Ansatz gesprengt. Dies wird zum Beispiel bei einem Blick in die Literatur zum Thema Systemtheorie deutlich.
4
Die Aussagen von Steve de Shazer: „Im Diskurs der Familientherapie erscheint der Begriff System wohl häufiger als jedes andere Wort.“ 2 , und von Esther Weber: „In den meisten helfenden und beraterischen Berufen wird heute der Systembegriff in irgendeiner Form verwendet.“ 3 , machen die vorliegende Breite zu diesem Begriff deutlich.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich als praktisches Beispiel ein von mir durchgeführtes Gespräch vorstellen. Inhaltspunkte sind hier, die Vorbereitung, Zusammenfassung und Reflexion dieses Gesprächs. Das ausführliche Skript befindet sich im Anhang dieser Arbeit.
Aus Datenschutzgründen habe ich die realen Namen durch Kode-Namen ersetzt und für sonstige Angaben die zur Erkennung von Personen führen können, Abkürzungen oder ebenfalls Kode-Namen verwendet. Die von mir während des Gespräches auf Mini-Disc gemachte Aufzeichnung wurde aus diesen Gründen nach der Transkription des Gespräches gelöscht.
In der Regel verwende ich aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form, gemeint sind jedoch immer Frauen und Männer.
2 de Shazer (2004), S. 36 3 Weber (2003), S. 14
5
2. Konzept des Fragens
2.1 Geschichte – Entwicklung der systemischen Fragen
Unter diesem Punkt will ich einen kleinen Exkurs in die Geschichte unternehmen. Wie oben bereits erwähnt, lässt sich die Breite des Systembegriffes in dieser Hausarbeit nicht erfassen und diskutieren.
Dies gilt auch für die systemtherapeutischen Modelle, sowie für die Modelle die daraus für die Soziale Arbeit entwickelt wurden. Es gibt nicht die systemische Therapie oder Beratung, sondern es entwickelten sich verschiedene Richtungen. Stellvertretend möchte ich daher zwei Modelle nennen, die auf die Entwicklung der systemischen Fragen entscheidenden Einfluss hatten.
Große Bedeutung für die Entwicklung der systemischen Therapie und Beratung hatte das Mailänder Modell. Dieser Name steht für eine Arbeitsgruppe von vier Therapeuten: Mara Selvini Palazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata. Die Gruppe arbeitete von 1971 bis 1982 zusammen und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Behandlung von Schizophrenen. Aufbauend auf die Kybernetik erster Ordnung, wurde versucht einen systemisch-konstruktivistischen Ansatz zu verwirklichen. In dieser Zeit wurden wichtige Grundhaltungen und Methoden erarbeitet, die für die gesamte systemische Praxis von Bedeutung sind, zum Beispiel: Zirkularität, Neutralität, Hypothetisieren und das zirkuläre Fragen (vgl. S. 7). 4
Das zweite Modell, das ich nennen möchte, ist die lösungsorientierte Kurztherapie, die zu den narrativen Ansätzen der Systemtherapie zählt.
4 Pisarsky (2000), S. 16ff
6
An der Entwicklung des Modells waren in den 1980/90er Jahren mehrere Mitglieder des Brief Family Therapy Center in Milwaukee (USA), unter anderem Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, beteiligt. Der Unterschied zu anderen Modellen besteht in der Erarbeitung der Lösung von Beginn an. 5 Als Kernzitat von de Shazer gilt: „Problem talks creates problems, solution talk creates solutions“. Eine der entwickelten und bekanntesten Methoden ist die Wunderfrage, die in der Arbeit noch ausführlich beschrieben wird (vgl. S.10). 6
2.2 Systemische Fragen
In allen Bereichen der sozialen Arbeit wird mit Fragen gearbeitet. Diese auf den ersten Blick sehr harmlose und einfache Methode dient als wichtiger Schlüssel zu Informationen über die Klienten. Aber auch bei scheinbar unwichtigen Gesprächen, die beispielsweise nicht in einer Beratungssituation stattfinden, sind sie ein wichtiges Hilfsmittel um mit Klienten in Beziehung zu treten. Diese können durch Fragen in die Situation versetzt werden, von eigenen Erlebnissen zu berichten und ein Interesse an ihrer Lebenswelt zu verspüren. Da Fragen in unserem alltäglichen Sprachgebrauch eine ganz normale Rolle spielen, kann ihre Wichtigkeit für ein Gespräch unterschätzt werden.
Doch wie sich die Beziehung zwischen Sozialarbeiter und Klient entwickelt, hängt von der Kompetenz des Sozialarbeiters ab die passenden Fragen zu stellen. Es kommt darauf an, wie er in der Lage ist, dass Gespräch zu gestalten und durch die Formulierung von Fragen zu lenken. 7
(Anm. d. A.: Die Verwendung der Bezeichnung Klient im theoretischen Teil der Arbeit, habe ich aufgrund ihrer weiten Verbreitung und Verwendung in den beratenden Institutionen und der Literatur gewählt.)
5 v. Schlippe / Schweitzer (1999), S. 35
6 v. Schlippe / Molter / Böhmer (1995), S.14 7 Weber (2003), S. 33
7
Die systemische Gesprächsführung basiert auf der Überlegung, das dass Verhalten in einem sozialen System auch als kommunikatives Angebot verstanden werden kann.
Darunter ist zu verstehen, dass jedes gezeigte Verhalten immer auch eine Funktion in den wechselseitigen Beziehungsdefinitionen hat. Schlippe / Schweitzer grenzen diese Überlegung auf das zirkuläre Fragen ein. 8 Ich denke jedoch, sie gilt für die gesamten systemischen Fragen. Die systemischen Fragen sind eine der verbalen Methoden der systemischen Arbeit und können nach Ritscher in drei Gruppen unterteilt werden.
Diese sind: Typus der Fragen (linear oder zirkulär), Wirklichkeitsstatus auf den sich die Frage richtet (Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktionen) und die Absichten die der Fragende verfolgt. 9
Da die systemischen Fragen in der Literatur bereits ausführlich beschrieben sind (vgl. de Shazer 1998, Herwig-Lempp 2001, Kim Berg 1998, Ritscher 2002, Schlippe / Schweitzer 1995 und 1999, Weber 2003), möchte ich im Folgenden nur einige ausgewählte Fragen anhand von Fragebeispielen vorstellen.
2.2.1 Zirkuläre Fragen
„Was meinen Sie, denkt ihre Mitarbeiterin, wie Sie sich auf Arbeit fühlen?“
Im Gegensatz zu den linearen Fragen, richten sich die zirkulären an die Gesprächspartner, ohne sich direkt über sie zu erkundigen. Ziel ist, die Sicht auf andere zu lenken. So sollen neue Sichtweisen auf die betreffende Situation entstehen.
8 v. Schlippe / Schweitzer (1999), S. 138
9 Ritscher (2002), S. 272ff
8
Würde die obengenannte Frage direkt formuliert: Wie fühlen Sie sich auf Arbeit?, wird der Antwort kein Denkprozess vorausgehen. Gut oder schlecht könnten die Befragten antworten und dies eventuell noch durch eine Beschreibung aus ihrer persönlichen Sicht ergänzen. Es wird ihnen schwer fallen – falls es ihnen überhaupt möglich ist – die nötige Distanz zu entwickeln, die zur Erarbeitung verschiedener Lösungsmöglichkeiten zum vorliegenden Problem erforderlich ist. Bei der Antwort auf eine zirkulär gestellte Frage, muss die befragte Person ihr gewohntes Denkmuster verlassen, um sich in eine andere Person hinein zu versetzen.
Auch dritte lassen sich bei dieser Fragetechnik einbeziehen. So kann gefragt werden: Was meinen Sie, denkt ihre Mitarbeiterin Frau U., wie sich Ihr drittes Teammitglied Herr D. auf Arbeit fühlt?
Bei mehreren Beteiligten am Gespräch entsteht der Effekt, dass diese erfahren, wie ihre Mitarbeiter das Problem / die Situation sehen und beschreiben. „Mit dieser Fragetechnik entsteht neue Information im System“ schreiben Schlippe / Schweitzer und meinen damit die Rückmeldungen über das Verhalten aus der Sicht der anderen. 10
Doch auch für die Beratenden selbst hat das zirkuläre Fragen große Bedeutung. Esther Weber hierzu: „Den Beratenden vermitteln die zirkulären Fragen nicht nur inhaltliche Antworten, sondern auch Informationen über unterschiedliche Bewertungen und Beziehungsmuster in einem System. Gleichzeitig schützen sie die Beratenden davor, in inhaltliche Diskussionen hineingezogen zu werden.“ 11
10 v. Schlippe / Molter / Böhmer (1995), S.25
11 Weber (2003), S. 35
9
Arbeit zitieren:
Torsten Linke, 2006, Systemische Fragen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Systemische Ansatz in Theorie und Praxis
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Der Umgang mit Ersatzgefühlen in Beratungssituationen
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Handlungskonzepte und Methoden für die soziale Beratungsarbeit auf sys...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 73 Seiten
Erste Bindungserfahrung und ihre Bedeutung für die Beziehungsfähigkeit...
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Beitrag der Bindungstheori...
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hauptseminararbeit, 30 Seiten
Erziehungsberatung - Aufgaben und Aspekte des Beratungsprozesses
Hauptseminararbeit, 16 Seiten
Grundlagen des Bindungsverhaltens im Kleinkindalter und ihre Auswirkun...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 15 Seiten
Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Si...
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Studienarbeit, 17 Seiten
Methoden der systemischen Therapie und Beratung
Psychologie - Beratung, Therapie
Hausarbeit, 17 Seiten
Die reflexive (enttraditionalisierte) Moderne
Demographische Verschiebungen ...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Wissenschaftlicher Aufsatz, 9 Seiten
Visualisierung sozialer Systeme mit Hilfe zirkulärer Fragen
Hausarbeit, 36 Seiten
Bedeutung der Peer-groups für den Erwerb der Identität im Jugendalter
Hausarbeit, 29 Seiten
Familienberatung - Überblick über verschiedene Beratungsansätze und St...
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Systemische Beratung - eine kritische Auseinandersetzung mit dem syste...
Ein kurzer Überblick
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Essay, 10 Seiten
Torsten Linke's Text Systemische Fragen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Torsten Linke hat den Text Systemische Fragen veröffentlicht
Torsten Linke hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare