I
In nh ha al lt ts sv ve er rz ze ei ic ch hn ni is s I
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS II
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG. 1
1.2 ZIELSETZUNG 1
1.3 VORGEHENSWEISE 2
1.4 BRANCHENPORTRAIT. 2
1.5 BEGRIFFSABGRENZUNG 3
2 GRUNDLAGEN DER INTERNATIONALEN STANDORTWAHL 4
2.1 FORMEN DER DIREKTINVESTITION 5
2.2 BRANCHENSPEZIFISCHE ARTEN 6
2.3 MOTIVE DER DIREKTINVESTITION 8
2.4 THEORIEN DER DIREKTINVESTITION. 9
3 EINFLUSSFAKTOREN DER INTERNATIONALEN STANDORTWAHL 10
3.1 STANDORTTHEORIEN 10
3.1.1 Standortbestimmungslehre. 10
3.1.2 Standortplanungslehre. 12
3.1.3 Internationale Standortlehre. 13
3.2 POTENTIELLE STANDORTFAKTOREN 15
3.2.1 Unternehmensexterne Faktoren 15
3.2.2 Unternehmensinterne Faktoren. 17
4 PROZESS DER INTERNATIONALEN STANDORTWAHL 19
4.1 INITIATIVPHASE 20
4.2 KONZEPTPHASE. 21
4.3 BEWERTUNGSPHASE 21
4.3.1 Länderauswahl. 23
4.3.2 Grobanalyse. 23
4.3.3 Feinanalyse. 24
4.4 ENTSCHEIDUNGSPHASE 25
5 SCHLUSSBEMERKUNG. 26
5.1 FAZIT 26
5.2 AUSBLICK 26
ANHANG 28
LITERATURVERZEICHNIS 30
Ab bk kü ür rz zu un ng gs sv ve er rz ze ei ic ch hn ni is s A
VDA = Verband der Automobilindustrie OSSE = Occupant Safety Systems Europe
Ab bb bi il ld du un ng gs sv ve er rz ze ei ic ch hn ni is s A
ABBILDUNG 1: STUFENKONZEPT DER INTERNATIONALISIERUNG 4
ABBILDUNG 2: THEORIEN DER DIREKTINVESTITION 9
ABBILDUNG 3: PHASEN DER INTERNATIONALEN STANDORTWAHL 19
ABBILDUNG 4: BEWERTUNGSVERFAHREN 21
1 E 1 Ei in nl le ei it tu un ng g
1.1 Problemstellung
Die Wahl von Standorten für Betriebsstätten stellt, wie die Wahl einer Rechtsform oder der Form eines Unternehmenszusammenschlusses, eine konstitutive unternehmerische Entscheidung dar, die den Aufbau des Betriebes mit langfristiger Wirkung mitbestimmt und im Allgemeinen nur schwer revidierbar ist. 1 Bedingt durch die politische und ökonomische Öffnung der osteuropäischen Staaten, die Schaffung eines EU-Binnenmarktes mit gemeinsamer Währung sowie das Emporstreben südamerikanischer und asiatischer Schwellenländer wurde die Diskussion des Themas Standort neu belebt.
Aufgrund dieser Entwicklung sind die Unternehmen der Automobilbranche gezwungen, Standortfragen zunehmend unter globalen Aspekten zu behandeln. Hinzu kam der Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt, wodurch sich in den letzten Jahrzehnten die Zielsetzung in einem Unternehmen stark verändert hat. Während in den Verkäufermärkten in erster Linie eine hohe Kapazitätsauslastung verfolgt wurde, sind heute neben den Kostensenkungspotenzial vor allem die Qualität der angebotenen Leistungen, kurze Lieferzeiten, Erschließung neuer Märkte sowie eine hohe Termintreue als strategische Wettbewerbsvorteile zu nennen. 2
Diese Thematisierung lässt erkennen, dass die internationale Standortwahl ein sehr komplexes Thema darstellt, welches durch unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten und eine Vielzahl von relevanten Faktoren gekennzeichnet ist. Diese Komplexität spiegelt sich in der Tatsache wieder, dass viele Stand-ortentscheidungen heutzutage immer noch mit einem subjektiven Bauchgefühl getroffen werden. 3
1.2 Zielsetzung
Vor dem Hintergrund der zuvor beschriebenen Problematik ist das Ziel der vorliegenden Arbeit die Ermittlung der Kerninhalte der internationalen Standortwahl. Zu diesem Zweck erfolgt die theoretische Darstellung des komplexen Standortwahlprozesses und seiner Determinanten aus den Problembereichen der Direktinvestition und der Standorttheorie aus dem Blickwinkeln der Automobilbranche. Dabei soll zum einen ein Überblick aller relevanten Standortfaktoren für die Automobilbranche geschaffen werden und zum anderen die Bedeutung der einzelnen Einflussfaktoren vorgestellt werden. Des weiteren werden die Zielverfolgung und die Entwicklungstendenzen der Branche beleuchtet.
Aufgrund des Schwerpunktes der Internationalen Standortwahl spielen in dieser Arbeit im weiteren Verlauf die Internationalisierungs- und Marktbearbeitungsstrategien im Detail keine Rolle. Nicht näher
1 Vgl. Wöhe (2002), S.320
2 Vgl. Adam (1997), S.28
3 Expertengespräch: Herr Steigerwald TRW Automotive
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
betrachtet wird die Gewinnung und Charakterisierung der Informationsquellen in Primärquellen und Sekundärquellen, sowie im Einzelnen mögliche Bewertungsverfahren und das Standortcontrolling. Die Arbeit soll letztendlich nicht aus der des Standortes als solches, geschildert werden, sondern aus der Sicht der Unternehmen der Automobilbranche.
1.3 Vorgehensweise
Der Aufbau der Arbeit erfolgt in folgenden Schritten. Kapitel 2 dient der Veranschaulichung der Grundlagen für die vorliegende Arbeit. Es erfolgt eine Einführung aus dem relevanten Problembereich der Direktinvestition, wobei Formen, branchenspezifische Arten, Motive und Theorien der Direktinvestitionen unterschieden werden.
Kapitel 3 widmet sich einer Darstellung der Einflussfaktoren. Dabei werden, neben einem kurzen Überblick über die bekanntesten Standorttheorien, vor allem die für die Arbeit bedeutenden Standortfak-toren in Bezug auf die Automobilbranche behandelt.
Kapitel 4 geht auf den Prozess der Internationalen Standortwahl ein. Die Ausführungen veranschaulichen, dass der Prozess in die Initiativphase, die Konzeptphase, Bewertungsphase und abschließend in die Entscheidungsphase unterteilt ist. Dabei wird aufgezeigt, wie und in welchen Phasen die einzelnen herausgearbeiteten Einflussgrößen die internationale Standortwahl beeinflussen.
Abschließend werden im letzten Kapitel die wichtigsten Anforderungen hierfür zusammengefasst sowie ein kurzer Ausblick für zukünftige Standortentscheidungen abgeleitet.
1.4 Branchenportrait
Eine vertiefte Beschäftigung mit einer Branche bedarf einer Analyse ihrer Struktur und Entwicklung. Während 1950 noch kein Fahrzeug deutscher Hersteller von Personenkraftwagen im Ausland produziert wurde, erfolgten 1970 bereits 13% der Gesamtproduktion an ausländischen Standorten. Der heutige Anteil beträgt ca. 44%. 4 Weltweit hatte die Branche 2005 1959 Auslandsstandorte, was einer Steigerung seit 1996 um 77% bedeutet. 5 Die Automobilbranche ist aus globaler Sicht eine Schlüsselindustrie. Sie umfasst 39 Hersteller, wobei die Top 15 einen Marktanteil von ca. 86% untereinander aufteilen. Die Zulieferindustrie der Branche besteht aus über 100 „Systemlieferanten“ 6 , welche wiederum, durch niedrige Fertigungstiefen, von eine Vielzahl von Zulieferbetrieben untermauert werden. 2004 wurden ca. 64 Mio. Fahrzeuge auf allen Kontinenten der Welt produziert. 7
4 Vgl. VDA (2005), o.S.
5 Vgl. VDA (2005a), S.13
6 Ein Systemlieferant liefert nicht einzelne Komponenten, sondern komplette Systeme und übernimmt Tätigkeiten, z.B. Qualitätssi-
cherung und Vormontage. Vgl. hierzu Kluck (2002), S. 25). Die Eingruppierung in Systemlieferanten erfolgt am Umsatz von mind. 1
Mrd. US $ 2004.
7 Vgl. o.V. (2005), S 4-8
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
Die Unternehmen der Branche umfasst gemäß der Definition des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) die „...Hersteller von Kraftwagen und deren Motoren, von Straßenzugmaschinen, Anhängern, Aufbauten, Kraftfahrzeugteilen und - Zubehör.“ 8
In der Automobilbranche lassen sich Standortverlagerungen, Neuerrichtungen im Rahmen einer Expansionsstrategie oder Verlagerung von Wertschöpfungsaktivitäten innerhalb eines bestehenden Stand-ortnetzwerkes beobachten. Sei es aufgrund hoher Lohnkosten, mangelnder Innovationsattraktivität eines Standortes oder zur Erschließung neuer Märkte. 9
1.5 Begriffsabgrenzung
Um ein Verständnis der weiteren Ausführungen im Rahmen dieser Arbeit zu gewährleisten, werden zunächst die grundlegenden Begriffe erläutert und abgegrenzt.
Die Unternehmenspolitik umfasst alle grundlegenden Leitlinien, Grundsätze und generellen Ziele, 10 deshalb kann die Standortentscheidungen nicht losgelöst von der gesamtstrategischen Ausrichtung und Philosophie eines Unternehmens analysiert werden.
Die Standortentscheidung ist dadurch gekennzeichnet, dass es sich um ein mehrstufiges, langfristiges, strategisches, konstitutives und semistrukturiertes Entscheidungsproblem handelt, in das mehrere Personen mit zum Teil unterschiedlichen Zielsetzungen involviert sind und im wesentlichen schwerer revidierbar ist. 11 In der Entscheidungsfindung sollte daher neben der gegenwärtigen Situation auch zukünftige Umweltveränderungen alternativer Standorte berücksichtigt werden.
Wesentliche Unterscheidungsmerkmale zwischen der nationalen und internationalen Standortwahl stellen die unterschiedlichen länderspezifischen Ausprägungen externer Umweltbedingungen dar. Während auf nationaler Ebene bspw. die wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen relativ festgelegt sind, werden sie bei der internationalen Standortwahl zu variablen Entscheidungsparametern. Die Begriffe Standortwahl und Standortentscheidung werden im weiteren Verlauf synonym verwendet und werden deshalb keiner detaillierteren Betrachtung unterzogen. 12
Definitionen für den Begriff Standort sind in der Literatur in unterschiedlich weitem Umfang vorzufinden. Diese Arbeitet betrachtet den Begriff Standort als den geographischen Ort, an dem die Unternehmensleitung Produktionsfaktoren zur betrieblichen Leistungserstellung einsetzt. 13 Diese Begriffsdefinition lässt die Möglichkeit offen, dass ein Unternehmen mehrere Standorte im In- und Ausland unterhält.
8 VDA (o.J.), o.S.
9 Vgl. Hintz (1998), S.548-560
10 Vgl. Hahn (2006a), S.29-35
11 Vgl. Hummel (1997), S. 23
12 Standortwahl und Standortentscheidung wird von vielen Autoren ähnlich definiert, ausführlich vgl. Behrens (1971), S.42f; Goette
(1994), S.1; Lüder/Küpper (1983), S.4
13 Vgl. Hansmann (1974), S.15
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
2 G 2 Gr ru un nd dl la ag ge en n d de er r i in nt te er rn na at ti io on na al le en n S St ta an nd do or rt t- -
wa ah hl l w
Der Begriff der Direktinvestition wird in der Literatur nicht einheitlich und eindeutig definiert. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass die Direktinvestitionen, in Abgrenzung zur Portfolioinvestition, mit der Absicht durchgeführt wird, materielle und immaterielle Vermögensgegenstände dauerhaft im Aus-land zu investieren, um einen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapitalnehmenden Unternehmens zu gewinnen. 14 Werden Direktinvestitionen als Form der Auslandsmarktbearbeitung gewählt, so ergibt sich zugleich die Notwendigkeit eine internationalen Stanortwahlprozesses.
Zur Abgrenzung der Direktinvestition gegenüber anderen Formen der Auslandsmarktbearbeitung findet in der Literatur das sogenannte „Stufenkonzept der Internationalisierung“ 15 Verwendung, welches den in Abbildung 1 dargestellten Ablauf unterstellt.
Dieses Konzept ist keineswegs überschneidungsfrei, so vermeidet die vorliegende Arbeit diese, indem sie die Direktinvestitionen nach der Form und nach der branchenspezifischen Art differenziert. Des weiteren werden im folgenden Abschnitt die Motive und Theorien der Direktinvestition erläutert.
14 Vgl. Perlitz (2000), S.98-99
15 Zu den verschiedenen Formen der Internationalisierung der Unternehmen vgl. Meffert/Bolz (1994), S.118-129; Stahr (1979), S.
161-169 und Hilger (2001), S.10-55
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
2.1 Formen der Direktinvestition
Die Formen der Direktinvestition kennzeichnen die Eigentumsverhältnisse und lassen sich unterteilen in
Joint Venture
Das Joint Venture bedeutet in der Übersetzung „gemeinsames Wagnis“. Es liegt vor, wenn die führungsmäßige Verantwortung und das finanzielle Risiko aus einem Vorhaben gemeinsam durch mindestens zwei wirtschaftlich und rechtlich voneinander unabhängiger Partner übernommen werden. 16
Als charakteristische Eigenschaften von Joint Ventures gelten die geteilte Verantwortung
die Risikoteilung
die Beibehaltung der individuellen Unternehmensidentitäten
der kontinuierlichen Ressourcentransfer sowie die Unteilbarkeit des Projektes. 17
Aufgrund der mangelnden Marktkenntnisse, der beabsichtigten Risikoteilung sowie die zunächst aus rechtlichern Gründen fehlenden Alternativformen der Übernahme und Neugründung wählen viele Direktinvestoren, die sich im internationalen Raum engagierten, die Form des Joint Ventures. 18
Akquisition
Eine Akquisition ist definiert als Kauf eines Unternehmens und Integration in Form eine 100%igen Tochterunternehmung in den Unternehmensverbund. Aufgrund des Erwerbes von Verfügungsrechten über bestehende Faktorkombinationen handelt es sich hierbei um externes Unternehmenswachstum. 19
Diese Form wird bei der internationalen Standortwahl von der Automobilindustrie vernachlässigt. Die Begründung liegt in rechtlichen, staatlichen respektive gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen
16 Vgl. Meffert/Bolz (1994), S. 123 und Schenk (1994), S.165f
17 Vgl. Meffert/Bolz (1994), S. 123
18 Vgl. Hilger (2001), S. 39-47
19 Vgl. Seidel (1977), S. 106f
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
Hindernissen, welche im Rahmen der Bewertung potentieller Akquisitionsobjekte erst identifiziert werden müssen. 20
Neugründung
Eine Neugründung tritt als eine 100%ige Tochterunternehmung auf. Aufgrund der originären Kombination von Produktionsfaktoren stellt diese Form der Direktinvestition ein internes Unternehmenswachstum dar. 21
Vor Beginn der Planung einer Unternehmensgründung ist auch hier zu prüfen, ob rechtliche, staatliche oder wirtschaftliche Hindernisse diese Form der Direktinvestition ausschließen. Diese Hindernisse sind im Vergleich zur Akquisition nicht so stark ausgeprägt, so dass die Automobilindustrie vermehrt zu dieser Form greift. 22 Eine Neugründung gewährleistet eine uneingeschränkte Leitung sowie Kontrolle und ist nicht mit der Problematik der Altlasten konfrontiert.
Zusammenfassend beeinflusst die geplante Form der Direktinvestition die internationale Standortwahl einerseits in Bezug auf die Anzahl der zur Auswahl stehenden Standortalternativen. Andererseits reagiert die Unternehmensumwelt auf Joint Ventures, Akquisitionen oder Neugründungen in unterschiedlicher Weise.
2.2 Branchenspezifische Arten
Hinsichtlich der branchenspezifischen Arten der Direktinvestition werden in der Automobilbranche
- Repräsentanz
- Vertriebs-, bzw. Importeurgesellschaft
- Verbundsfertigung
- Fahrzeugmontage sowie
- Fahrzeugproduktion
unterschieden. 23 Diese Arten der Investition repräsentieren die strategischen Funktionen internationaler Standorte im weltweiten Unternehmensverbund. 24 Beabsichtigt ein Unternehmen, einzelne Elemente seiner Wertekette im Ausland durchzuführen, müssen die einzelnen Standorte sinnvoll in das globale Standortsystem der Unternehmung integriert werden. Internationale Standortentscheidungen werden in der Praxis jedoch häufig ohne Berücksichtigung der Integration in dieses Standortnetzwerk getroffen,
20 Vgl. Pausenberger (1994), S.16f
21 Vgl. Pausenberger (1994), S.16f und Seidel (1977), S.106f
22 Vgl. Hilger (2001), S.51-52
23 Expertengespräch: Herr Schneppen TRW Automotive
24 Vgl. Hahn (2006), S.3-25 und Hahn (2006a), S.29-49
Kritische Betrachtung des Prozesses der Internationalen Standortwahl
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Stefan Seiler, 2006, Kritische Betrachtung des Prozesses der internationalen Standortwahl, München, GRIN Verlag GmbH
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