Interkulturelle Unterschiede
Gliederung
Gliederung ................................................................................................................... I
Abkürzungsverzeichnis II
1. Einführung - 1 -
2. Hofstedes Dimensionen - 2 -
2.1. Machtdistanz - 5 -
2.1.1. Unterschiede zwischen Gesellschaften mit geringer und hoher
Machtdistanz - 8 -
2.2. Individualismus vs Kollektivismus - 11 -
2.2.1. Unterschiede zwischen kollektivistischen und individualistischen
Gesellschaften - 14 -
2.3. Maskulinität vs Femininität - 17 -
2.3.1. Unterschiede zwischen maskulinen und femininen Gesellschaften - 21 -
2.4. Unsicherheitsvermeidung - 23 -
2.5. Konfuzianische Dynamik - 28 -
2.5.1. Unterschiede zwischen Gesellschaften mit Kurzfristiger bzw
Langfristiger Lebensorientierung - 31 -
3. Schlussfolgerung - 32 -
4. Literaturverzeichnis - 41 -
I
Abkürzungsverzeichnis
MDI Machtdistanzindex
IDV Individualismusindex
MAS Maskulinitätsindexwert
UVI Unsicherheitsvermeidungsindex
LTO Index der Langfristigen Orientierung
II
1. Einführung
Warum ist es heutzutage so wichtig über Kultur nachzudenken?
Ausschlaggebend hierfür sind wohl die Globalisierung und das Internet. Unternehmen müssen sich immer stärker mit Ihren Konkurrenten im Ausland auseinandersetzen. Nicht nur die Konkurrenten spielen hierbei eine Rolle, auch weitere Faktoren wie ausländische Arbeitskräfte, Fusionen, Import, Export, Verlagerung der Produktionsstätten etc. zwingen uns dazu, uns mit kulturellen Unterschieden zu befassen, um auf dem Markt bestehen zu können.
Doch wo muss hierbei angesetzt werden? Welche Faktoren zeigen uns, dass ein Unternehmen global ausgerichtet ist?
In meinen Augen muss dies in der Unternehmensphilosophie gelebt werden und den Mitarbeitern vermittelt werden. Die Führungsebene sollte aus Menschen bestehen, die sich gerne auf neue Situationen einstellen und auch in der Lage sind sich anzupassen.
Das interkulturelle Management stellt zur Lösung solcher Probleme ein Instrument dar. Man muss sich dabei mit den kulturbedingten Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Mitarbeitern aus verschiedenen Kulturkreisen beschäftigen, da Führungs- und Arbeitsverhalten variieren. Möglichst sollten auch Führungskräfte aus verschiedenen Kulturen beschäftigt werden.
Im Verlauf meiner Arbeit werde ich auf den Begriff Kultur und das Kulturmodell von Hofstede näher eingehen. Geert Hofstede hat dieses Modell mit seinen verschiedenen Dimensionen aufgrund empirischer Untersuchungen in der Firma IBM entwickelt.
- 1 -
2. Hofstedes Dimensionen
Zunächst möchte ich auf Hofstedes Auslegung von Kultur und alles was damit im
Zusammenhang steht eingehen.
Geert Hofstede beschreibt Kultur als:
• Mentales Training bzw. mentale Verfeinerung. Kurz Zivilisation. Diese Bedeutung wird als „Kultur Eins“ bezeichnet.
• Die kollektive mentale Programmierung, die die Mitglieder der einen Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. Diese
Bedeutung entspricht dem in der Anthropologie verwendeten Begriff von
„Kultur“ und findet bei Hofstede durchgehen Anwendung. 1
Die mentalen Programme beschreibt Hofstede hierbei als Denk-, Fühl- und
Handlungsmuster, die auf dem sozialen Umfeld und der Lebenserfahrung basieren.
Das Wort Kultur stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wie oben beschrieben
Zivilisation oder auch Verfeinerung des Geistes.
In Zusammenhang mit der oben beschriebenen „Kultur Eins“ wird vor einem
kulturellen Relativismus gewarnt. Das bedeutet, dass keine Kultur über ein absolutes
Kriterium verfügt. Man sollte daher davon absehen eine Kultur einer anderen
gegenüber als besser einzustufen. Außerdem sollte man die Normen einer
Gesellschaft nicht leichtfertig auf eine andere übertragen.
Es ist unerlässlich sich über die Gründe und Ursprünge einer Kultur zu informieren,
wenn man sich in ihr bewegen möchte.
Doch woran lässt sich eine Kultur fest machen?
Der Gesamtzusammenhang lässt sich gut durch vier Begriffe beschreiben:
• Symbole
• Helden
• Rituale
• Werte
1 Hofstede 1997, S.401
- 2 -
Hierbei stellen die Symbole eine oberflächliche und die Werte eine tiefgehende Manifestation von Kultur dar. Die Helden und Rituale sind hierbei dazwischen einzuschätzen.
Hofstede beschreibt Symbole als Gesten, Worte, Bilder oder Objekte. Beispiele hierfür sind:
• Flaggen
• Kleidung
• Statussymbole
• Sprache All diese Merkmale lassen sich von anderen nachahmen, daher wurde das Symbol als oberflächliches Manifestationsmerkmal eingestuft.
Helden dienen in Kulturen als Verhaltensvorbilder. Sie können aus der Historie hervorgegangen sein oder auch noch in der Gegenwart aktiv sein. Im heutigen Zeitalter entspringen viele Helden auch den Medien. Beispiele hierfür:
• Batman (USA)
• Asterix (Frankreich)
Rituale werden als kollektive Tätigkeiten beschrieben. Beispiele hierfür:
• Form des Grüssens
• Soziale bzw. religiöse Zeremonien Diese drei beschriebenen Begriffe bezeichnet Hofstede als Praktiken.
Das Zentrum einer Kultur sind allerdings die Werte. Sie lassen sich nicht so leicht erkennen wie die Praktiken, denn die Werte bleiben meist dem Betrachter verborgen. Sie stellen Gefühle dar. Diese können negativer oder positiver Art sein. Zum Beispiel:
• Böse / gut
• Schmutzig / sauber
• Hässlich / schön
• Anormal / normal
- 3 -
Die einzige Möglichkeit Werte zu erkennen, liegt darin sie aus den Handlungen der
Menschen abzulesen. 2
Die ersten vier Dimensionen entwickelte Hofstede folgendermaßen. Im Jahre 1954 veröffentlichen zwei Amerikaner eine Studie in denen sie folgende Punkte angaben, die weltweit als Grundprobleme zum funktionieren von Gesellschaften galten:
• Verhältnis zur Autorität
• Selbstverständnis, insbesondere o die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft, und o die Vorstellung des Individuums von Maskulinität und Feminität
• Die Art und Weise, mit Konflikten umzugehen, einschließlich der Kontrolle von Aggressionen und des Ausdrückens von Gefühlen. 3
Im den 60er Jahren führte Hofstede eine Studie im Unternehmen IBM durch. Die hierbei erzielten empirischen Ergebnisse deckten sich stark mit der Studie der beiden US Amerikaner.
Auf Grundlage dieser Untersuchungen stellte Hofstede fest, dass eine Kultur durch vier Dimensionen gekennzeichnet ist. Später kam noch eine fünfte Dimension hinzu.
Die fünf Dimensionen:
• Machtdistanz
• Individualismus vs. Kollektivismus
• Unsicherheitsvermeidung
• Feminität vs. Maskulinität
• Kurzfristige vs. Langfristige Orientierung (Konfuzianische Dynamik)
2 Hofstede 1997, S. 6-11
3 Hofstede 1997, S. 16
- 4 -
Alle fünf Dimensionen werden im Folgenden näher erläutert, wobei zu beachten ist, dass sich die meisten Kulturen zwischen den extremen Merkmalsausprägungen befinden. Im Laufe der Untersuchung ordnete Hofstede verschiedenen Ländern Indexpunkte zu jeder Dimension zu. Beachtet werden muss jedoch, dass die Studien Hofstedes sich nur auf das Unternehmen IBM beziehen und die Daten hauptsächlich bis 1972 gesammelt wurden. Eine Einordnung von Kulturen birgt immer auch Gefahren, da eine Kulturgruppe selbst nie völlig homogen sein wird. Als Anhaltspunkt für die Erklärung kultureller Unterschiede zwischen verschiedenen Länder ist diese Studie jedoch trotzdem geeignet, wenn die Ergebnisse nicht unkritisch betrachtet werden.
2.1. Machtdistanz
Machtdistanz ist der Grad, bis zu dem die weniger mächtigen Mitglieder von Institutionen und Organisationen in einem Land die ungleiche Verteilung der Macht erwarten und akzeptieren. (gering bis groß) Um die Machtdistanz der unterschiedlichen Länder vergleichbar und messbar zu machen, entwickelte Hofstede den Machtdistanzindex (MDI).
Dieser ist ein Maß für den Grad der Machtdistanz in der Kultur eines Landes;
basierend auf dem IBM-Forschungsprojekt. 4
Machtdistanz kann sich in der emotionalen Distanz zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter widerspiegeln.
Der oben beschriebene Machtdistanzindex wurde mit Hilfe der drei folgenden Fragen ermittelt:
• „Wie häufig taucht Ihrer Erfahrung nach folgendes Problem auf: Die Mitarbeiter haben Angst, dem Vorgesetzten zu zeigen, dass sie nicht seiner Meinung sind?“ Beantwortung durch nicht leitende Angestellte (Punkteskala 1-5, von „sehr oft“ bis „sehr selten“)
4 Hofstede 1997, S. 402
- 5 -
• Wahrnehmung des Mitarbeiters, wie oft der Vorgesetzte tatsächlich Entscheidungen trifft (Prozent von Mitarbeitern, die entweder den autokratischen oder patriarchalischen Stil von vier möglichen wählen oder die Alternative „keiner von diesen“)
• Bevorzugung des Stiles, wie der Vorgesetzte aus der Sicht des Mitarbeiters Entscheidungen fällen sollte
Die Auswertung dieser drei Frage führte zu folgendem Ergebnis. Wobei die Skala des MDI von 0 – 100 reicht.
Die lateinischen Länder erzielten einen hohe Machtdistanzwerte. Dazu zählen:
• Malaysia
100
• Guatemala
95
• Panama
95
aber auch europäische Länder:
• Frankreich
68
• Spanien
57
• Italien
50
Auch die afrikanischen, asiatischen und indischen Länder sind an der Spitze zu finden.
Niedrige Werte hingegen findet man bei:
• USA
40
• Großbritannien und seinen früheren Kolonialgebieten
35
• Deutschland
35
• Rest Europa
5
5 Hofstede 1997, S. 28-31
- 6 -
Quote paper:
Diplom-Betriebswirtin (FH) Claudia Körber, 2005, Interkulturelle Unterschiede basierend auf den Studien von Geert Hofstede, Munich, GRIN Publishing GmbH
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