Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Vergleichsstudie 4
2.1 Auswahl und Methode. 4
2.2 Auswertung. 5
2.2.1 Lokalisierung in der Alltagswelt: Scherze. 6
2.2.2 Fernsehen als Kristallisationspunkt von Erinnerungen: Erzählungen. 8
2.2.3 Alltagsweltliche Werte: Bewertungen, Lästern. 11
2.2.4 Fernsehaneignung als gemeinsames Erleben von Vergnügen. 17
2.2.5 Besonderheit von DSDS. 20
3 Vergleich und Fazit 23
Verzeichnis der Transkriptionssymbole 26
Literaturverzeichnis 27
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1 Einleitung
Trotz neuester medialer Entwicklungen nimmt der Fernsehzuschauer die unangefochtene Spitzenposition unter den Untersuchungsobjekten der Mediennutzungsforschung ein. Er „bleibt König und zieht, wie es sich für Könige gehört, eine Menge Volk an seinen Hof: Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Psychologen und Soziologen, Linguisten und Frauenforscherinnen“ (Meyen 1999, S.109).
Fernsehen als fester Bestandteil des Alltagslebens von Menschen hat auch das Interesse des Linguisten Andreas Hepp aus Trier geweckt. In seiner Untersuchung „Fernsehaneignung und Alltagsgespräche“ (1998) widmet er sich der Frage, wie dieses Medium in das Alltagsleben der Zuschauer integriert wird. Er betrachtet die kommunikativen Prozesse, die beim Fernsehen stattfinden und möchte zeigen, dass das alltägliche Sprechen über Fernsehen die Grundlage für den produktiven Umgang mit dem Medium darstellt. Die Kernthese seiner Untersuchung lautet, dass sich Rezipienten Fernsehen auf unterschiedliche Weise aneignen (Hepp 1998, Vorwort).
Andreas Hepp stützt sich in seinen Ausführungen auf das Material des DFG- Projektes „Über Fernsehen sprechen- Die kommunikative Aneignung von Fernsehen in alltäglichen Kontexten“. Dafür wurden im Sommer und Herbst 1995 in sechs Lebensgemeinschaften die Gespräche beim Fernsehen über zwei Wochen hinweg mit Audio-Aufnahmegeräten aufgezeichnet. Gleichzeitig wurden die Fernsehsendungen und das Zapping mit Videorecordern erfasst. Die Gesamtaufnahmen hatten einen Umfang von 150 Stunden, wurden protokolliert und an exemplarischen Stellen transkribiert. In seiner eigenen Untersuchung nutzt Hepp die Aufnahmen aus zwei Lebensgemeinschaften und die beiden dazugehörigen offenen Interviews. Daneben zieht er fünf weitere Rezeptionsgruppen heran. Alle Gruppen sehen gewohnheitsmäßig gemeinsam fern und waren über die Aufzeichnungen informiert (Hepp 1998, S.16-17). Seiner Auswertung der Gespräche liegt der Aneignungsbegriff Michel de Certeaus (1988) zugrunde, von dem ausgehend Andreas Hepp eine Theorie der Fernsehaneignung entwirft (Hepp 1998, S.18). Hepp beschreibt die Fernsehaneignung als einen „Prozess der Vermittlung von den Alltagsdiskursen der Zuschauer mit denen des Fernsehens“ (S.40, Hervorhebung Hepp). Der Prozess ist gekennzeichnet durch `Räume der Aneignung´ auf Zuschauerseite, die durch ihr Handeln, etwa durch Gespräche, entstehen. Hepp räumt ein, dass Fernsehaneignung nicht nur im Gegensatz zum hegemonialen Diskurs steht, sondern sich auch im Rahmen eines solchen bewegen kann. Gleichzeitig bedeutet dies aber nicht, dass Fernsehaneignung einfach nur die Übernahme des Zeichenmaterials des Fernsehdiskurses in den Alltag meint. Er sieht
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Fernsehaneignung als einen „in hohem Maße heterogenen und interferenten Prozess“ (S.40) (S.40). Der Fernsehdiskurs wird mit Hilfe des mustergeleiteten, sprachlichen Handelns der Zuschauer in deren eigenen alltagsweltlichen Diskurs integriert. Die Formen der Fernsehaneignung erweisen sich laut Hepp als zentrales Bindeglied zwischen Medien- und Alltagsdiskursen. Es sind die primären Thematisierungen, Gespräche während dem gemeinsamen Fernsehen, die Hepp empirisch untersucht (S.45).
Hierfür bedient er sich der Musteranalyse, dem Herausarbeiten von Mustern des alltäglichen Handelns. Diese Methode steht in der Sprachpragmatik, Konversationsanalyse und den Cultural Studies im Mittelpunkt. Die Cultural Studies beschäftigen sich dabei mit der Beziehung einzelner Muster zu ihrem kulturellen Kontext, während die Sprachpragmatik und Konversationsanalyse die Analyse von Strukturen von alltäglichen Texten, Gesprächen und Diskursen ermöglichen. Um Fernsehtexte und -diskurse, Alltagsgespräche und kulturelle Zusammenhänge als Bestandteile der kommunikativen Fernsehaneignung analysieren zu können, kombiniert Hepp alle drei Ansätze. Die Ergebnisse seiner Analysen präsentiert er in „Fernsehaneignung und Alltagsgespräche“ exemplarisch (Hepp 1998, S.15-16). Die Schlussfolgerung seiner Untersuchung ist, dass Sprechen über Fernsehen eine zentrale Funktion besitzt, das Gesehene im Bezugsraum der eigenen Alltagswelt zu lokalisieren (Hepp 1998, S.97). „Das Gespräch über Fernsehen fungiert als `Katalysator´ der Fernsehaneignung“ (S.97). Damit schließt er andere Aneignungsformen nicht aus, unterstellt aber mit der Metapher des Katalysators, dass die Gespräche einen im Nachhinein kaum greifbaren Einfluss auf die Aneignung ausüben (S.209).
Zum Thema liegt sehr wenig kommunikationswissenschaftliche Literatur vor. Deshalb sollen in dieser Seminararbeit die Ergebnisse von Hepps Untersuchung auf eine eigene Studie angewendet werden. Anhand der bekannten Fernsehsendung „Deutschland sucht den Superstar“ soll überprüft werden, wie stark der Einfluss des Fernsehtextes auf die primären Thematisierungen ist. Dazu wird gezeigt, wie genau der Fernsehtext aus dem Material der Vergleichsstudie mit der Alltagswelt der Untersuchungsgruppe in Einklang gebracht wird. Es wird die Frage gestellt, ob die Gespräche vorrangig der Lokalisierung des Gesehenen in der eigenen Alltagswelt dienen oder welche anderen zentralen Funktionen denkbar sind. Darüber hinaus soll geklärt werden, inwiefern die Metapher vom Katalysator auf diese Studie zutrifft. Der hohe Arbeitsaufwand für Aufzeichnung, Transkription und Auswertung stellte die größte Herausforderung dieser Seminararbeit dar. Die Vergleichsstudie und ihre Ergebnisse erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen lediglich einen Denkanstoß dafür liefern,
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wie relevant die Erkenntnisse aus „Fernsehaneignung und Alltagsspräche“ (1998) des Linguisten Andreas Hepp für die Kommunikationswissenschaft sind.
2 Die Vergleichsstudie
2.1 Auswahl und Methode
Als Fernsehsendung für die Vergleichsstudie wurde Deutschland sucht den Superstar (DSDS) ausgewählt. Es handelt sich dabei um eine Castingshow, deren Format weltweit verbreitet ist. In Deutschland existieren neben DSDS zwei weitere Sendungen, Popstars (RTL2, später ProSieben) und Star Search (Sat.1), mit sehr ähnlichem Format. DSDS läuft am Samstagabend um 21.15 Uhr bei RTL. Als Unterhaltungssendung spricht DSDS einen breiten Querschnitt der Fernsehgesellschaft in Deutschland an. Am 11.02.2005 beispielsweise erreichte die Sendung eine Einschaltquote von bis zu über 7 Millionen Zuschauern, bei einem Marktanteil von 30,5% in der Zielgruppe der 14-49jährigen (3,97 Millionen) (Krei 2006).
In den Motto-Shows von DSDS treten mehrere Kandidaten mit bekannten Liedern gegen-einander an. Im Anschluss wird jeder einzelne Auftritt der Kandidaten von einer prominenten Jury bewertet. Nach dem ersten Teil der Sendung am Samstagabend stimmen die Zuschauer über ihren Favoriten ab. Der Sänger mit den wenigsten Stimmen muss die Show verlassen. Der Inhalt von DSDS ist demnach nicht-fiktional und ermöglicht mit seinem Wechsel von Spannungs- und Ruhephasen viele Gespräche. Während DSDS wird, wie die Auswertung zeigt, gelästert, bewertet und emotionalisiert. Das sind Kommunikationsformen, auf die Andreas Hepp in seiner Untersuchung einen Schwerpunkt legt. Die Rezeption von DSDS kann als typischer Fall für Gespräche beim Fernsehen angesehen werden und eignet sich für den Vergleich. Die Beschränkung auf ein einziges Format erlaubt es Besonderheiten herauszuarbeiten.
Die Untersuchungsgruppe bestand aus Ingrid Werder, 50 Jahre alt, Angestellte und Mutter, ihrer Tochter Yvonne, 20 Jahre, Sportlerin und Studentin, sowie dem 25-jährigen Ex-Freund von Yvonne, Marco, Ingenieur. Zum Schutz der Untersuchungsgruppe werden Pseudonyme verwendet. Es handelt sich um eine natürliche Gruppe, die häufig zusammen fernsieht. Der Ex-Freund wird trotz der Trennung als Familienmitglied angesehen. Der Samstagabend ist der Fernsehabend der Untersuchungsgruppe. Andere Formate als Shows werden nach eigenen Angaben der Personen kaum kommentiert.
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Die Untersuchung fand am 21.01.2006 in der Wohnung der Werders statt. Es wurde wie üblich im Wohnzimmer vom Esstisch aus ferngesehen. Zusätzlich wurden Getränke und Knabberzeug konsumiert. Während der Untersuchung befand sich der Forscher im Kinderzimmer, um die Ergebnisse nicht zu verzerren.
Die Untersuchungspersonen wurden bei der gemeinsamen Rezeption der Motto-Show „Die größten Rocksongs aller Zeiten“ mit einer Digitalkamera gefilmt. Da Probleme mit dem Ton auftraten, wurde die Position der Kamera einmal gewechselt. Das Aufnahmegerät selbst wurde nie direkt auf die Rezipienten gerichtet, weil es analog zum Material des DFG-Projektes um die Aufzeichnung der sprachlichen Äußerungen ging. Die Digitalkamera wurde aus Gründen der technischen Verfügbarkeit gewählt. Alle Rezipienten wurden aus ethischen Gründen über die Untersuchung informiert, jedoch ohne Detailangaben, um den Gesprächsverlauf nicht zu beeinflussen. Hemmungen der Rezipienten aufgrund der Aufnahmesituation waren nicht zu erwarten. Tochter Yvonne wird als aktive Sportlerin überdurchschnittlich oft gefilmt. Die Familie und ihr nahe stehende Bekannte sind folglich mit der Filmsituation vertraut. Nach anfänglicher Schüchternheit hat sich schnell eine normale Rezeptionssituation eingestellt, die u.a. an Äußerungen über private Angelegenheiten zu erkennen ist. Neben der Tonaufnahme wurde die Sendung zusätzlich mit einem Videogerät aufgezeichnet. Die reinen Tonaufnahmen sind ca. 92 min lang, was der vollen Dauer der Fernsehsendung entspricht. Auf ein Interview wurde verzichtet. Die Aufzeichnungen wurden anschließend auf einen Laptop überspielt und in einer an Andreas Hepps Darstellung anlehnenden Form (vgl. Hepp 1998, S.243) auszugsweise transkribiert, um Vergleichbarkeit herstellen zu können. Die Ergebnisse der Vergleichstudie werden, wie bei Hepp, nur exemplarisch präsentiert.
2.2 Auswertung
Zur Auswertung wurden die Analysen aus „Fernsehaneignung und Alltagsgespräche“ (Hepp 1998) herangezogen. Der Fokus liegt auf Kapitel 5 (S.75-98), das sich mit der Alltagswelt als Bezugsraum der Fernsehaneignung beschäftigt. In wesentlich kürzerer Form wird Kapitel 6 (S.99-116), Fernsehaneignung als gemeinsames Erleben von Vergnügen, aufgegriffen. Wegen mangelnder linguistischer Kenntnisse und dem eingeschränkten Rahmen der Seminararbeit war das Vorgehen bei der Auswertung hermeneutisch-interpretativ. Auf eine Auswertungspassage von DSDS folgt in der Regel zunächst der entsprechende Abschnitt aus der Hepp-Untersuchung, mit dessen Hilfe anschließend ein vorläufiges Fazit für die DSDS-Sequenz gezogen wird. Eine Abstraktion und der direkte Vergleich folgen in Kapitel 3 dieser Seminararbeit.
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2.2.1 Lokalisierung in der Alltagswelt: Scherze
Ingrid, Yvonne und Marco verfolgen die Auftritte der Kandidaten. Der Kandidat Daniel Munoz wird in dieser Sequenz nach seiner Performance von Jurymitglied Dieter Bohlen bewertet. Marco, Ingrid und Yvonne greifen dessen Wortwahl in einem eigenen Gespräch auf.
Beispiel 1
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Arbeit zitieren:
Patrizia Pastuschak, 2006, Deutschland sucht den Superstar im Gespräch - Eine Vergleichsstudie zur kommunikativen Fernsehaneignung, München, GRIN Verlag GmbH
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