II
Abstract
Harvey Leibenstein entwickelte aus seiner Kritik an der neoklassischen Mikroökonomie heraus einen Ansatz mit dem er versucht, klassische Elemente mit seinen neuen Erkenntnissen zu verbinden. Ansatzpunkt seiner Theorie sind die Entscheidungen der Individuen und ihre Auswirkungen auf die durch sie gebildeten Entscheidungseinheiten Unternehmen und Haushalte. Er untersucht innerhalb dieser Entscheidungseinheiten die Effizienz mit der Entscheidungen getroffen und Aufgaben bewältigt werden; aber auch die Zusammenarbeit auf den Märkten liegt in seinem Blickfeld. Mit einer Analyse der einzelnen Wirtschaftssubjekte beginnend geht er systematisch über Märkte und Marktbeziehungen zu Aussagen über, die die gesamte Volkswirtschaft betreffen. Er sieht die Möglichkeit erheblicher Produktivitätssteigerungen ohne zusätzlichen Kapitalbedarf allein durch eine bessere Organisation der Betriebe gegeben. Anstöße zur Verbesserung der Produktivität innerhalb der Unternehmen kommen in der Regel aus intensivem Wettbewerb zwischen den Unternehmen heraus.
III
Thesenpapier
• Leibensteins X -Effizienztheorie wird in Bereich der verhaltensorientierten Ansätze der Theorien der Unternehmung eingeordnet.
• Es werden Elemente der neoklassischen Sichtweise der Wirtschaftstheorie in Frage gestellt. Im Wesentlichen kritisiert er
• X-Ineffizienzen ergeben sich aus vollständigem oder teilweisen Fehlen an Motivation, vorhandene wirtschaftliche Möglichkeiten am effizientesten zu nutzen.
• Leibenstein will Phänomene erklärbar machen, die mit Methoden der Neoklassik nicht erklärbar sind.
• Bild des Marktes als Netz mit
• Der Unternehmer als treibende innovative Kraft durch den sich Wachstum und Wohlstand
der Volkswirtschaft mehren.
• Ca. ¼ des Zuwachses im Bruttosozialprodukt sind durch den Abbau von X -Ineffizienzen
innerhalb der Unternehmen zu erklären.
IV
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINFÜHRUNG 1
1.1. EINE KURZE VORSTELLUNG DER PERSON UND SEINER ARBEIT 1
1.2. EINORDNUNG IN DIE THEORIEN DER UNTERNEHMUNG 1
2. LEIBENSTEINS THESEN ZUR KRITIK AN DER NEOKLASSISCHEN
SICHTWEISE 2
3. DIE THEORIE DER X-EFFIZIENZ. 2
3.1. WAS SIND X-INEFFIZIENZEN? 2
3.2. KERNAUSSAGEN DER X-EFFIZIENZ-THEORIE. 3
3.3. ENTWICKLUNG DER X-EFFIZIENZ-THEORIE 3
3.4. X-INEFFIZIENZEN INNERHALB DER UNTERNEHMEN 4
3.4.1. Das Konzept der Leistungsposition 4
3.4.2. Das Konzept der Trägheitsbereiche. 5
3.4.3. Das Konzept der Leistungsentropie 5
3.4.4. Folgerungen aus diesen Konzepten 5
3.5. X-INEFFIZIENZEN AUF DEN MÄRKTEN 6
3.5.1. Das Bild des Netzes. 7
3.5.2. Die Funktion des Unternehmers im Wettbewerb. 7
3.5.3. Persönlichkeitsmerkmale des innovativen Unternehmers 8
3.5.4. Der Markt für Unternehmertum. 9
3.6. BETRACHTUNG DER VOLKSWIRTSCHAFT 10
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG. 10
5. ZUSAMMENFASSUNG 11
1
1. Einführung
1.1. Eine kurze Vorstellung der Person und seiner Arbeit
Harvey Leibenstein (geb. 21.02.1900) wird in der Literatur mehrfach als „abtrünniger Ökonom“ bezeichnet. Zu erklären ist dies mit seiner kritischen Einstellung gegenüber der neoklassischen Mikroökonomie, die er zwar nicht gänzlich in Frage stellt aber entscheidende Elemente kritisch hinterfragt und als in seinen Augen falsch bezeichnet. Er forschte und lehrte an der Harvard University in den USA.
Leibenstein arbeitete vor allem mit einem Ziel: er wollte einen Ansatz finden, der erklären kann, wie sich das Verhalten von Individuen auf das Verhalten der durch sie gelenkten Wirtschaftssubjekte (Haushalte und Unternehmen) auswirkt. Seine Theorie der X -Effizienz setzt an diesem Ansatz an. Sie wurde erstmals 1966 vorgestellt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt, in ihren wesentlichen Bestandteilen jedoch unverändert gelassen. Mit seiner Theorie will Leibenstein eine realistische Abbildung der wirtschaftlichen Realität schaffen, es sollen vor allem solche Phänomene analysierbar gemacht werden, die sich den Analysemethoden der Neoklassik entziehen. Er selbst schätzte seine Arbeit einmal sinngemäß so ein: die Theorie ist eine Neuformulierung der mikroökonomischen Theorie, welche die neoklassische Sichtweise als Spezialfall einschließt.
1.2. Einordnung in die Theorien der Unternehmung
Leibensteins Arbeiten fallen in den Bereich der verhaltenstheoretischen Ansätze der Theorien der Unternehmung. Diese analysieren die Unternehmung als komplexes Mehrpersonen-Gebilde. Wichtige Voraussetzung ist, dass es keine exogen vorgegebenen Unternehmensziele mehr gibt, diese sind vielmehr das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses unter Berücksichtigung der Individualziele der Unternehmensmitglieder. Die Unternehmung wird als Koalition betrachtet, die d urch Anreize für ihre Mitglieder und Beiträge von den Mitgliedern aufrechterhalten werden muss. Die positive Differenz zwischen den Anreizen durch die Unternehmung und den durch die Unternehmensmitglieder geleisteten Beiträgen wurde bereits in früheren Arbeiten durch March/Simon 1 in deren Anreiz-Beitrags-Theorie als „organizational slack 2 “ herausgearbeitet. An der Erkenntnis, dass Unternehmen unter diesen Voraussetzungen nicht effizient arbeiten, setzt Leibenstein an. Eine Abweichung von der Minimalkostenkombination bezeichnet er als X - 1 Vgl.Leibenstein 1966
2 Hier verstanden als mangelnde Effizienz innerhalb der Unternehmung.
Arbeit zitieren:
Stefan Kunz, 2001, Zur Kritik der neoklassischen Theorie - Die Kritik von Leibenstein: X-Inefficiency, München, GRIN Verlag GmbH
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