Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Beispiele für Tricksterfiguren in verschiedenen Teilen der Welt 2
1.1. Nordamerika 2
1.2. Südamerika 4
1.3. Afrika 4
1.4. Ozeanien 5
1.5. Asien 6
1.6. Europa 6
2. Trickster in Mahadev Aptes interkultureller Sicht 7
3. Paul Radins Tricksterkonzeption 9
3.1. Trickster in C. G. Jungs psychologischer Sicht 10
4. Wolfgang Steins Kritik 11
5. Der Aguti-Zyklus der Kuna 12
6. „In Favor of Deceit“ Trickstergestalten bei den Kalapalo 14
7. Schlußbetrachtung 16
Literaturangaben 17
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Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit einer der schillerndsten mythischen Figuren, die in offenbar ähnlicher Form überall auf der Welt in der oralen Literatur auftaucht und besonders in der Gestalt des demiurgischen Tricksters durch ihre widersprüchlich-antagonistischen Charakterzüge besticht. Man kann durchaus behaupten, wie Bernhard Streck in einer seiner Vorlesungen, daß Trickster wohl die menschlichsten unter allen mythischen Figuren sind. Der scheinbare Gegensatz von schöpferischen und zerstörerischen Eigenschaften, in einem Wesen vereint als Kulturheros-Trickster, beschäftigte Heerscharen von Forschern und führte zu den unterschiedlichsten, mehr oder weniger plausiblen Erklärungsversuchen, Definitionen und Kategorisierungen.
Bevor ich einige dieser Forschungsansätze referiere und auf konkrete Beispiele näher eingehe, möchte ich anhand einer Auswahl von regionalen Trickstergestalten, die natürlich nicht einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben soll, die universelle Verbreitung von Trickstermotiven in den verschiedenen Mythologien zeigen. Ich halte mich dabei weitgehend an Mahadev Aptes Zusammenstellung (Apte 1986: 213-224), sowie die Artikel „Trickster“ von Melville J. Herskovits, Erminie W. Voegelin und Alfred Metraux (S. 1123-1125), „Coyote“ von Erminie W. Voegelin (S. 257-258), „Legba“ von Melville J. Herskovits (S. 612) und „Maui“ (S. 693-694) in „Funk & Wagnalls Standard Dictionary of Folklore, Mythology and Legend“.
1. Beispiele für Tricksterfiguren in verschiedenen Teilen der Welt
1.1. Nordamerika
Der Terminus „Trickster“ wurde Ende des 19. Jahrhunderts von US-amerikanischen Ethnologen (zu nennen wären hier besonders Brinton und Boas) für bei den nordamerikanischen Indianern vorkommende Trickstergestalten eingeführt. Die meisten Berichte über Trickster stammen aus diesem Gebiet, daraus folgt, daß auch der Großteil der Untersuchungen zum Thema auf nordamerikanischem Material basiert.
Eine große Anzahl verschiedener therio- und anthropomorpher Tricksterwesen existiert bei den indianischen Stämmen, wobei jedoch die Ähnlichkeit der Motive der einzelnen Erzählungen
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typisch ist.
Der am weitesten verbreitete und Trickster par excellence ist wohl der Kojote. Daneben finden sich allerdings noch unzählige andere theriomorphe Gestalten, wie z.B. Hase, Kaninchen, Rabe, der spinnengestaltige Ikto/ Iktomi/ Inktomi/ Ictinike/ Sitkonski bei den siouxsprachigen Ethnien, der ebenfalls spinnengestaltige Nihansan/ Nixant bei den algonkinsprachigen Arapaho, weiterhin auch noch Nerz und Blauhäher. Die bekanntesten anthropomorphen Wesen sind Nanabozho, Wiskedjak, Wakdjunkaga (mit dem ich mich noch näher befassen werde), Gluskabe u.v.a. Die Schreibweise der Namen variiert bei den verschiedenen Autoren stark.
Es gestaltet sich schwierig, allgemeingültige Charakteristika für diese schillernden Gestalten zu formulieren, aber Apte (1986: 214-216) nennt einige der am häufigsten auftauchenden Motive. Kennzeichnend sowohl für die theriomorphen als auch anthropomorphen Figuren ist ihre durchweg männliche Natur.
Die Herkunft bzw. Geburt des Tricksters ist oft unklar oder ungewöhnlich. Manchmal wird er als von Anfang an existent gedacht.
Weiterhin typisch ist die Verwandlungsfähigkeit des Tricksters in Objekte, Tiere und Menschen jeden Alters und Geschlechts.
Der Trickster ist unsterblich und besitzt göttliche oder mythische Qualitäten. Er wandert durch eine mythische Welt und agiert dabei sowohl als tölpelhafter Narr, wie auch als Kulturheros, der den Menschen so wichtige Dinge wie z.B. Feuer, Kulturpflanzen oder Wild bringt, allerdings meist zufällig oder unbeabsichtigt, als Folge seiner egoistischen, triebgesteuerten Handlungen.
Ein weiteres Merkmal ist die groteske physische Erscheinung des Tricksters. So heißt es von ihm, daß er seinen Darm oder überlangen Penis um seinen Körper geschlungen trägt, bzw. letzteren zusammengerollt in einem Kästchen auf dem Rücken.
Außerdem besitzt er keine Kontrolle über seine Körperausscheidungen, kann seine Körperteile nicht koordinieren oder verleiht ihnen Eigenleben bzw. spricht mit ihnen. Er verletzt sich selbst und ißt ausversehen Teile von sich.
Besondere Eigenschaften sind auch sein ständiger Hunger sowie sein unstillbarer sexueller Drang, der auch vor Inzest und anderen Tabubrüchen nicht zurückschreckt. In beiden Fällen ist er aber oft frustrierend erfolglos.
Der Trickster verletzt, verspottet und trickst andere aus, was ihm umgekehrt aber ebenfalls häufig
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wiederfährt. Dabei ist er oft grundlos grausam, gleichzeitig schlau und dumm und kennt keine Norm von Gut und Böse.
Er imitiert andere, besonders deren magische Tricks, bleibt aber dabei, wie so oft, erfolglos. Weil er Warnungen ignoriert, gerät er in Schwierigkeiten. Ständig bricht er Tabus und verletzt Heiligtümer. Der Trickster lacht über andere und über sich selbst.
Alle diese Eigenschaften sind bei den einzelnen Stämmen verschieden stark vertreten; manche fehlen einer Trickstergestalt, die woanders wieder stärker betont werden. Allerdings besitzen Kojote und Wakdjunkaga die meisten dieser Attribute.
Viele dieser Charakteristika treffen auch auf außeramerikanische Beispiele zu, besonders die starke Betonung der sexuellen Komponente und des ständigen Hungers. Apte hat dazu ein vergleichendes Sytem konstruiert, auf das ich weiter unten eingehe.
1.2. Südamerika
Hier ist der Trickster meist einer der mythischen Zwillinge, wobei der andere die Rolle des Schöpferwesens spielt. Oft wird dieses antagonistische Zwillingspaar mit Sonne und Mond identifiziert.
Daneben existieren allerdings auch zahllose theriomorphe Trickstergestalten, wie z.B. das Aguti. Zwei konkrete Beispiele für bei südamerikanischen Indianern vorkommende Trickstermythen werde ich weiter unten referieren.
1.3. Afrika
In Afrika finden sich besonders südlich der Sahara zahlreiche, vor allem tiergestaltige, Trickster. Einer der bekanntesten ist allerdings der anthropomorphe Legba bei den Ewe. Legba ist der Gott der Eingänge und Kreuzungen und jüngster Sohn der Schöpfergottheit Mawu. Seine Aufgabe ist es, die Königreiche seiner Brüder zu besuchen und Mawu darüber zu berichten. Er fungiert somit als Mittler zwischen Menschen und Göttern. Legba besitzt große Weisheit und Schläue, schafft magische Dinge und ist der Schöpfer von solchen Tieren wie Hund und Schlange. Allerdings stellt er Mawu durch seine Taten oft bloß. Aufgrund seines unstillbaren sexuellen Verlangens (auch Inzest), wird er mit einem dauerhaft
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Arbeit zitieren:
Kay Ramminger, 2001, Trickster, München, GRIN Verlag GmbH
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