Inhaltsverzeichnis
TABELLENVERZEICHNIS IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
2. NOTWENDIGE DEFINITORISCHE ABGRENZUNGEN UND GRUNDLEGENDE DARSTELLUNGEN 1
2.1 LIQUIDITÄT 1
2.1.1 Begriffsbestimmung 1
2.1.2 Kennziffern und Methoden zur Beurteilung der Liquidität 2
2.1.2.1 Kennziffern 2
2.1.2.2 Methoden 3
2.1.3 Liquiditätssicherung 4
2.1.4 Restriktionen der Liquidität 6
2.2 MITTELSTAND 6
2.2.1 Begriffsbestimmung 6
2.2.2 Zur Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen 7
2.3 LEASING 10
2.3.1 Begriffsbestimmung 10
2.3.2 Arten des Leasings 11
2.3.3 Abgrenzung zu anderen Finanzierungsformen 13
2.3.3.1 Eigenfinanzierung 13
2.3.3.2 Kreditfinanzierung 14
2.3.3.3 Mietkauf 15
2.4 FACTORING 15
2.4.1 Begriffsbestimmung 15
2.4.2 Arten des Factorings 17
2.4.3 Abgrenzung zu anderen Finanzierungsformen 18
2.4.3.1 Zessionskredit 18
2.4.3.2 Warenkreditversicherung 19
3. LIQUIDITÄTSSICHERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN DURCH LEASING UND
FACTORING 19
3.1 BEISPIELUNTERNEHMEN 20
3.2 MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER LIQUIDITÄTSSICHERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN DURCH
LEASING 21
3.2.1 Möglichkeiten von Leasing 21
3.2.1.1 Leasing als Finanzierungsalternative bei einer Investition 21
3.2.1.1.1 Quantitative Aspekte des Leasings im Vergleich zur Eigenkapital- und zur
Kreditfinanzierung 21
3.2.1.1.1.1 Liquiditätswirkung von Leasing 22
3.2.1.1.1.2 Liquiditätswirkung von Leasing gegenüber der Eigenfinanzierung 24
3.2.1.1.1.3 Liquiditätswirkung von Leasing gegenüber der Kreditfinanzierung 26
3.2.1.1.2 Qualitative Aspekte für die Entscheidung der Leasingfinanzierung 28
3.2.1.1.3 Abschließende Zusammenstellung der Erkenntnisse beim Einsatz von Leasing als
Finanzierungsalternative 30
3.2.1.2 Sale-and lease-back 30
3.2.1.3 Schonung/Ausweitung des Finanzierungsrahmens durch Leasing 32
3.2.2 Grenzen der Liquiditätssicherung beim Leasing 33
3.2.2.1 Grenzen beim Leasing als Finanzierungsalternative für Investitionen 33
3.2.2.2 Grenzen von Sale-and lease-back 35
3.2.2.3 Grenzen bei der Schonung/Ausweitung des Finanzierungsrahmens 36
II
3.2.2.4 Grenzen von Leasing durch die Prüfung des Leasingobjektes und des Leasingnehmers 37
3.2.3 Kritische Abwägung des Einsatzes von Leasing zur Liquiditätssicherung mittelständischer
Unternehmen 39
3.2.3.1 Eignung von Leasing zur Liquiditätssicherung mittelständischer Unternehmen 39
3.2.3.2 Gründe die gegen Leasing sprechen 40
3.2.3.3 Fazit des Einsatzes von Leasing bei einem mittelständischen Unternehmen zur
Liquiditätssicherung 41
3.3 MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER LIQUIDITÄTSSICHERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN DURCH
FACTORING 42
3.3.1 Möglichkeiten der Liquiditätssicherung durch Factoring 42
3.3.1.1 Optimierung der Liquidität durch Factoring 42
3.3.1.2 Verringerung des Forderungsausfalls 44
3.3.1.3 Nutzung der Dienstleistungsfunktion 45
3.3.1.4 Kosten/Nutzen-Vergleich 46
3.3.2 Grenzen der Liquiditätssicherung durch Factoring 48
3.3.3 Grenzen bei der Wirkung auf den Cashflow 49
3.3.3.1 Allgemeine Grenzen des Factorings 49
3.3.4 Kritische Abwägung 52
3.3.4.1 Eignung von Factoring zur Liquiditätssicherung mittelständischer Unternehmen 52
3.3.4.2 Gründe die gegen Factoring sprechen 53
3.3.4.3 Fazit des Einsatzes von Factoring bei einem mittelständischen Unternehmen zur
Liquiditätssicherung 53
4. SCHLUSSBETRACHTUNG 54
ANHANG 57
5. DARSTELLUNGEN UND SCHEMEN 57
5.1 SCHEMATISCHE DARSTELLUNG DER DEFINITIONEN VON UMLAUFVERMÖGEN, MONETÄREN UMLAUFVERMÖGEN,
FLÜSSIGEN MITTELN UND KURZFRISTIGEN VERBINDLICHKEITEN 57
5.2 EIGENKAPITALAUSSTATTUNG DES MITTELSTANDES IN DEUTSCHLAND IM VERHÄLTNIS ZUR BILANZSUMME 1999
2005 57
5.3 SCHEMATISCHE DARSTELLUNG VOM DIREKTEN UND INDIREKTEN LEASING 58
5.4 SCHEMATISCHE DARSTELLUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN BETEILIGTEN BEIM FACTORING AM BEISPIEL
DES OFFENEN FACTORINGS 58
5.5 UNTERNEHMENSFINANZIERUNG - DER FINANZIERUNGSMIX 58
5.6 AUSGANGSDATEN DER FIRMA HOLZBAU 59
5.7 DARSTELLUNG DER BILANZVERÄNDERUNGEN BEIM EINSATZ VON FACTORING IN VERBINDUNG MIT DER
SCHULDTILGUNG ODER DER BILDUNG EINER BARRESERVE 59
6. MODELLRECHNUNG LEASING-KAUF 59
6.1 ALLGEMEINES UND GETROFFENEN ANNAHMEN 59
6.2 ZUSAMMENSTELLUNG ALLER ANNAHMEN 61
6.3 DAS LEASINGMODELL 61
6.4 DAS EIGENFINANZIERUNGSMODELL 62
6.5 DAS KREDITKAUFMODELL 64
6.6 WIRTSCHAFTLICHKEITSVERGLEICH 65
6.7 WIRTSCHAFTLICHES ENTSCHEIDUNGSMODELL EFFEKTIVZINS 65
6.8 LIQUIDITÄTSVERGLEICH 66
LITERATURVERZEICHNIS 68
III
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Gegenüberstellung von Bruttoertrag und Leasingrate 22
Tabelle 2 : Auszahlungen der Eigenfinanzierung im Vergleich zum Leasing 24
Tabelle 3 : Auszahlungen der Kreditfinanzierung im Vergleich zum Leasing 26
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Direktes und indirektes Schema zur Ermittlung des Cashflows 4
Abbildung 2 : Grundsätze der Liquiditätssicherung 5
Abbildung 3 : Konfliktsituation im Finanzmanagement 6
Abbildung 4 : Eigenkapitalquoten des Mittelstandes 8
Abbildung 5 : Anteil der Unternehmen mit Eigenkapital 9
Abbildung 6 : Leasing-Arten 11
Abbildung 7 : Factoring nach den unterschiedlichen Funktionen 18
Abbildung 8 : Kennzahlen der Firma Holzbau 21
Abbildung 9 : Veränderung der Kennzahlen der Firma Holzbau bei dem Einsatz von Leasing als
Finanzierungsalternative und Bilanzierung bei der Firma Holzbau 23
Abbildung 10 : Kumulierte Kapitalbindung bzw. freisetzung beim Leasing im Vergleich zur Eigenfinanzierung
(Kauf) 25
Abbildung 11 : Veränderung der Kennzahlen der Firma Holzbau bei dem Einsatz von Eigenkapital als
Finanzierungsalternative 25
Abbildung 12 : Kumulierte Kapitalbindung bzw. freisetzung beim Leasing im Vergleich zum Kreditkauf27
Abbildung 13 : Veränderung der Kennzahlen der Firma Holzbau bei dem Einsatz vom Kredit als
Finanzierungsalternative 28
Abbildung 14 : Veränderung der Kennzahlen der Firma Holzbau bei dem Einsatz vom Sale-and lease-back zur
Tilgung von Schulden und zur Erhöhung der Barreserve 32
Abbildung 15 : Veränderung der Kennzahlen der Firma Holzbau bei dem Einsatz vom Factoring zur Tilgung
von Schulden und zur Erhöhung der Barreserve 44
Abbildung 16 : Parameter der Kosten-Nutzen Rechnung mit Delkredere am Beispiel der Firma Holzbau47
Abbildung 17 : Kosten des Factorings 47
Abbildung 18 : Nutzen von Factoring im Bezug auf den Skonto für die Firma Holzbau 48
Abbildung 19 : Nutzen von Factoring im Bezug auf die Einsparung von Kosten bei der Firma Holzbau 48
Abbildung 20 : Kosten/Nutzen Vergleich für die Firma Holzbau 48
V
1. Einleitung
Der Bestand an finanziellen Mitteln entscheidet in der Wirtschaft über das „Leben“ und das „Sterben“ von Unternehmen. Doch gerade im Bereich der mittelständischen Unternehmen zeichnet sich dort ein Engpass und somit eine Problemsituation ab. Mittelständische Unternehmen weisen in ihrer Eigenheit eine sehr dünne Eigenkapitaldecke, eine hohe Abhängigkeit von Bankkrediten und hohe Außenstände in Form von Forderungen aus Lieferung und Leistungen gegenüber ihren Abnehmern auf. Doch die Situation der mittelständischen Unternehmen scheint sich an dieser Stelle nicht zu verbessern. Die schlechte Zahlungsmoral und die verstärkte Nutzung von Lieferantenkrediten deuten weiterhin auf einen Anstieg bzw. auf einen Verbleib der Außenstände auf hohem Niveau hin. Die mittelständischen Unternehmen gehören schon Heute zu den größten Kreditgebern in Deutschland und müssen somit ihren Umsatz durch Eigen- und Fremdkapital vorfinanzieren. Sie belasten somit ihre eigene Liquidität. Gerade dieses Bild macht sie sehr empfindlich gegenüber der aktuellen Einengung ihres Finanzierungsspielraumes durch die restriktive Kreditvergabe der Banken. Auslöser sind dabei die neuen Vorschriften aus der Neuen Baseler Eigenkapitalübereinkunft (Basel II) und die allgemeine vorsichtige Kreditvergabepolitik der Kreditinstitute. Die Banken fordern immer mehr Sicherheiten zur Absicherung von Krediten, die die mittelständischen Unternehmen einfach nicht bieten können.
Doch andererseits brauchen die mittelständischen Unternehmen Kapital und daraus liquide Mittel um ihre Zahlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Nur so können sie die laufenden Betriebskosten decken und weitere Investitionen und Expansionen tätigen. Der Begriff der Liquiditätssicherung wird für mittelständische Unternehmen immer wichtiger.
Im Fortfolgenden soll somit untersucht werden, in wie weit die Instrumente des Leasings und des Factorings die mittelständischen Unternehmen bei der Liquiditätssicherung unterstützen. Speziell werden dabei die Möglichkeiten und die Grenzen beider Formen betrachtet und abschließend dargestellt.
2. Notwendige definitorische Abgrenzungen und grundlegende Darstellungen
2.1 Liquidität
2.1.1 Begriffsbestimmung
Der Begriff Liquidität stammt von dem lateinischen Begriff „liquidus“ ab und bedeutet übersetzt „flüssig“. Eine eindeutige Definition ist jedoch in der Betriebswirtschaft nicht zu finden. 1 Ein Ansatz ist die Unterscheidung nach der zeitlichen Ausrichtung. Einerseits ausge-
1 Vgl.Niggemann 1980, S.7
1
richtet auf einen Zeitraum 2 definiert sie sich als „die Fähigkeit eines Unternehmens, die … zwingend fälligen Zahlungsverpflichtungen [jederzeit und] uneingeschränkt zu erfüllen“. 3 Sie beschreibt somit die Eigenschaft eines Wirtschaftssubjektes.
Bezieht sich der Begriff der Liquidität anderseits auf einen Zeitpunkt, so ist sie eine Be-standsangabe an geldnahen Vermögensgegenständen. Sie beschreibt somit die Eigenschaft eines Vermögensgegenstandes. Nach dieser Definition lassen sich die Bilanzpositionen nach absteigender Liquidität folgendermaßen gliedern:
- Eswird deutlich, das bei dieser Betrachtung die Fungibilität bzw. Liquidierbarkeit im Vor-dergrund steht. 5
2.1.2 Kennziffern und Methoden zur Beurteilung der Liquidität
2.1.2.1 Kennziffern
Um die Liquidität eines Unternehmens zu beurteilen, werden in der Praxis verschiedene Kennziffern verwendet. Drei dieser möglichen Kennziffern stellen die Grade der Liquidität dar. Im Zentrum ihrer Ermittlung steht die Frage, ob die vorhandenen liquiden Mittel ausreichen, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. 6 Das Ergebnis sollte immer größer gleich eins sein, d.h. langfristige Mittel sollten ebenfalls zur Finanzierung von kurzfristigen Vermögen verwendet werden. 7
Die Liquidität ersten Grades (=Barliquidität) ergibt sich aus: Flüssige Mittel 8 ≥ 1 .
Kurzfristige Verbindlichkeiten 8
Die Liquidität zweiten Grades (=einzugsbedingte Liquidität) ergibt sich aus: Monetäres Umlaufvermögen 8 ≥ 1 .
Kurzfristige Verbindlichkeiten 8
Die Liquidität dritten Grades (=umsatzbedingte Liquidität) ergibt sich aus: Umlaufvermögen 8 ≥ 1 .
Kurzfristige Verbindlichkeiten 8
2 Vgl. Wöhe 2002, S.667
3 Ertl 2000, S.1
4 Vgl. Wöhe 2002, S.667-668
5 Vgl. Ertl 2000, S.144
6 Vgl. Wöhe 2002, S.673
7 Vgl. Eickemeyer 2003, S.7; Wobei es in der Praxis unterschiedliche Ansätze gibt. So zum Beispiel definiert Haas als Grenzwerte für die Liquidität 3. Grades einen Wert > 120 % als Optimum und einen Wert von 110 % als Minimum. Vgl. Haas 1996, S.200
8 Schematische Darstellung der Definitionen siehe Anhang Punkt 5.1
2
Die Definition der Liquidität dritten Grades entspricht der Zielsetzung der Kennzahl „Working capital“. 9 Das „Working capital“ ergibt sich aus: Umlaufvermögen 10 abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten 10 . Alle vier Kennzahlen können auf einen Finanzierungsbedarf und auf Liquiditätsprobleme hinweisen. 11 Ein Problem dieser Kennziffern ist jedoch ihre Vergangenheits- und Stichtagsbezogenheit, d. h. zum Zeitpunkt der Ermittlung und der Analyse haben sie nur eine Aussagekraft über die zurückliegende bzw. gegenwärtige Liquiditätspolitik und die Fehler dieser Perioden. Darum werden sie um weitere Methoden ergänzt. 12
2.1.2.2 Methoden
Die Methoden der Liquiditätsbeurteilung bauen auf einer dynamischen Planung auf und ergänzen die statischen Kennziffern um eine Betrachtung der zukünftigen Entwicklung der Liquidität. Die erste Möglichkeit ist, wenn über Bestandsgrößen an Zahlungsmitteln und Schulden auf zukünftige liquide Mittel und Zahlungsspielräume geschlossen wird (=Bestandsgrößenorientierte Methode). Die zweite Möglichkeit ist, wenn Stromgrößen in Form von zukünftigen Ein- und Auszahlungen und ihre Wirkungen auf die liquiden Mittel betrachtet werden (=Stromgrößenorientierte Methode). Diese Methode soll an dieser Stelle genauer dargestellt werden. Der Cashflow und die Kapitalflussrechnung stellen dabei geläufige Ansätze dar. Unter Cashflow wird in der Finanzwissenschaft der erwartete Mittelzufluss aus dem Umsatzprozess, der nicht kurzfristig zu Auszahlungen führt, verstanden. 13 Dabei wird betrachtet, ob die aus Betriebseinnahmen erwirtschafteten Zahlungsmittel zur Begleichung der Betriebsausgaben ausreichen. 14 Der Cashflow beschreibt somit die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens und kann unter Ausschluss von Ausschüttungen für die Investitionsfinanzierung und die Rückführung von Verbindlichkeiten eingesetzt werden. 15
9 Vgl. Ertl 2000, S.604-605; Haas 1996, S.200
10 Schematische Darstellung der Definitionen siehe Anhang Kapitel 5.1
11 Vgl. Haas 1996, S.200
12 Vgl. Niggemann 1980, S.22
13 Vgl. Wöhe 2002, S.671
14 Vgl. Niggemann 1980, S.23
15 Vgl. Wöhe 2002, S.1066-1067
3
Die Berechnungen erfolgen nach den in Abbildung 1 dargestellten Schemen.
Abbildung 1: Direktes und indirektes Schema zur Ermittlung des Cashflows 16
Durch diese Vorgehensweise werden Teile möglicher Manipulationen im Jahresabschluss aufgehoben und die große Bedeutung bezüglich der Aussagekraft für die Praxis unterstrichen. 17 Wird die Aussage des Cashflows über die Mittelherkunft um die Mittelverwendung erweitert, so ergibt sich die Kapitalflussrechnung. 18
Unter der Kapitalflussrechnung wird eine Analyse von Bilanzpositionsveränderungen ver-standen. Wichtig ist dabei, dass die Veränderungen bezüglich ihres Umfangs und ihrer Fristigkeit der Mittelherkunft bzw. der Mittelverwendung betrachtet werden. 19 Eine Form ist die Bewegungsbilanz. Sie stellt zahlenmäßige Abweichungen der Bilanzpositionen von einem Stichtag zum anderen dar und berücksichtigt die Finanzierungskraft aus erwirtschafteten und geplanten Gewinnen. Nach Saldierung des Bedarfs und des Angebots an finanziellen Mitteln ergibt sich eine Über-/Unterdeckung, die durch Maßnahmen gesteuert werden muss. 20
Die Cashflow-Methoden und die Bewegungsbilanz in Ergänzung mit den Kennziffern werden genutzt, um Liquiditätsrisiken in einem Unternehmen zu verdeutlichen und ein System zur Liquiditätssicherung aufzubauen.
2.1.3 Liquiditätssicherung
Die Liquiditätssicherung stellt neben den Hauptzielen, wie z. B. Gewinn- und Umsatzmaximierung, eine Nebenbedingung für Unternehmungen dar, d. h. neben der Rentabilität muss insbesondere die Zahlungsfähigkeit und somit das finanzielle Gleichgewicht gewähr-
16 Ertl2000, S.69; Bitz, Terstege 2002 S.297-299
17 Vgl. Niggemann 1980, S.24-25
18 Vgl. Wöhe 2002, S.1067
19 Vgl. Niggemann 1980, S.25
20 Vgl. Ertl 2000, S.64-65; Niggemann 1980, S.25-27
4
leistet sein. 21 Wenn die geplanten Zahlungsmittel zur Bedienung der fälligen Verbindlichkeiten ausreichen, ist Liquidität gegeben. Sollten jedoch die Mittel nicht ausreichen, besteht Illiquidität und das Unternehmen besitzt einen Finanzierungsbedarf, der unmittelbar behoben werden sollte. 22 Kann die Illiquidität nicht ausgeglichen werden, besteht die Gefahr der Insolvenz. 23 Dies bestätigt sich vor allem in den letzten Jahren, in denen sich die Zahlungsunfähigkeit (Illiquidität) als eine der häufigsten Gründe für Unternehmens-Insolvenzen herausstellt. 24 Die Liquiditätssicherung lässt sich dadurch als Existenzsicherungsbedingung bezeichnen. 25
Um somit erfolgreich am Markt tätig zu sein, kommt der Bewirtschaftung der Liquidität eine enorme Bedeutung zu. Einerseits muss das Unternehmen fähig sein, seinen Zahlungsverpflichtungen aus dem operativen Geschäft jederzeit nachzukommen und andererseits liquide Mittel im ausreichenden Umfang für Investitionen sowie Expansion zur Verfügung zu stellen.
Die Praxis setzt dafür unter anderem die Instrumente der Liquiditäts-, der Finanz- und der Finanzreserveplanung ein. 26 Ausgerichtet wird die Planung dabei auf einen laufenden Ausgleich des Kapitalbedarfs im Bezug auf Fristigkeit und Kündbarkeit sowie die Schaffung von finanziellen Freiräumen. 27 Diese Punkte finden sich in den Grundsätzen der Liquiditätssicherung, dargestellt in der Abbildung 2, wieder.
Abbildung 2: Grundsätze der Liquiditätssicherung 28
21 Vgl. Niggemann 1980, S.70; Ertl 2000, S.53-57; Haas 1996, S.11; Waldhelm 1990, S.6-7; Waldhelm 1990, S.68
22 Vgl. Waldhelm 1990, S.6-7; Niggemann 1980, S.9-23
23 Vgl. Ertl 2000, S.1, S.53-57; Waldhelm 1990, S.6-7; Niggemann 1980, S.70; Haas 1996, S.11
24 Vgl. Ertl 2000, S.53
25 Vgl. Waldhelm 1990, S.6; Haas 1996, S.11
26 Vgl. Ertl 2000, S.53-54
27 Vgl. Ertl 2000, S.71
28 Vgl. Haas 1996, S.171-172
5
Die angegebenen Werte stellen Orientierungsgrößen dar, wobei in der Praxis betriebs- und branchenspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden müssen. 29 Als Instrumente der Liquiditätsschöpfung und dem Ausgleich des Kapitalbedarfs stehen den Unternehmen in der Praxis grundsätzlich alle Möglichkeiten der Finanzierung zur Verfügung. Dabei kann das Unternehmen die Wege der Eigen- oder Fremdfinanzierung nutzen.
Doch bei allem Streben nach Liquidität und Sicherheit, bleibt eine Frage ungeklärt. Wie viel Liquidität sollte ein Unternehmen haben?
2.1.4 Restriktionen der Liquidität
Stellt sich ein Unternehmen der Aufgabe der Liquiditätssicherung und der Schaffung von liquiden Mittel, ergibt sich eine Konfliktsituation (Vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Konfliktsituation im Finanzmanagement 30
Das Unternehmen kann sich nicht nur für das Ziel der Liquiditätssicherung entscheiden, sondern muss einen ausgewogenen Mix aller Zielstellungen erreichen. Über- und Unterliquidität bedeuten für ein Unternehmen Mehrkosten. So z. B. muss das Unternehmen bei Überliquidität Ertragseinbußen aufgrund von nicht getätigten Investitionen in hoch rentierliche Anlageformen hinnehmen. Im Gegensatz dazu treten, z. B. bei Unterliquidität, Einbußen aufgrund der fehlenden Nutzung von Skonto auf. Es drängt sich in der Konsequenz dem Unternehmen die Frage nach der optimalen Liquidität auf. Optimale Liquidität besteht dann, wenn minimale Kosten bei gegebener Zahlungsbereitschaft erreicht werden, d. h. zwischen Rentabilität und Sicherheit muss ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. 31
2.2 Mittelstand
2.2.1 Begriffsbestimmung
Der Begriff des Mittelstandes ist ein Phänomen zur Umschreibung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland. Weder in der ökonomischen, noch in der rechtlichen Literatur sind einheitliche und allgemeinverbindliche Definitionen zu finden. Um trotz dieser Unterscheidungsschwierigkeiten eine Zuordnung zu ermöglichen, werden gewisse quantitative und qualitative Faktoren verwendet. 32 Die quantitativen Faktoren stellen messbare Größen, z. B. in Form von Beschäftigungszahl, Umsatzes und Bilanzsumme, dar.
29 Vgl. Haas 1996, S.171
30 Vgl. Ertl 2000, S.2
31 Vgl. Ertl 2000, S.78
32 Vgl. Krimphove, Tytko 2002, S.4; Grichnik 2003, S.78 - 79
6
Die anerkannte Unterteilung des Bonner Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) 33 definiert dabei alle Unternehmen mit einer Beschäftigungszahl bis 499 und einem Umsatz von 50 Mio. € pro Jahr als mittelständisch. 34 99,7 % aller Unternehmen gehören laut dieser Definition im Jahr 2002 dem Mittelstand an. 35
Vergleiche anhand dieser Vorgaben machen deutlich, dass branchenspezifische und betriebswirtschaftliche Eigenheiten von Unternehmen vernachlässigt werden. 36 Ein Ansatz zur Lösung findet sich dafür in der erweiterten Definition von Umsatzgrößen nach Branchen durch das IfM in Bonn. 37
Auf internationaler Ebene ist herauszustellen, dass die Definitionen von kleinen und mittelständischen Unternehmen sehr stark heterogen sind und nicht so weit wie der in Deutsch-land gebräuchliche Begriff des „Mittelstandes“ reichen. Sie berücksichtigen oft nur die quantitativen Faktoren, die in Deutschland neben den qualitativen Faktoren zweitrangig sind sowie zur Definition von Fördergrenzen angewandt werden. 38 Die Europäische Gemeinschaft geht dabei einen Schritt weiter und betrachtet ebenfalls qualitative Faktoren. 39 Die qualitativen Faktoren stellen „psychologische und gesellschaftliche Aspekte“ 40 dar und erweitern die begrenzte Aussagekraft der quantitativen Faktoren. 41 Vor allem Personenbezogenheit und somit die enge Verzahnung zwischen dem Inhaber und der Leitung, der Haftung und dem Risiko rücken neben der vollen und weitgehenden Unabhängigkeit in das Zentrum der Betrachtung. Die Entscheidungen des Inhabers sind maßgeblich für die Existenz der Unternehmung sowie für die quantitativen Faktoren, wie z.B. die Zahl der Beschäftigten, der Umsatz und die Bilanzsumme. Weiterhin werden Merkmale, wie die Rechtsform, die Stellung der finanziellen Mittel des Unternehmens durch den Eigentümer, die mangelnde Emissionsfähigkeit und die Nutzung von Teilen der Erträge für den Lebensunterhalt des Inhabers betrachtet. 42
2.2.2 Zur Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen
Die Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen in Deutschland ist charakterisiert durch einen hohen Anteil an Fremdkapital in Form von Hausbankkrediten und einer niedrigen Eigenkapitalquote. 43 Im Jahr 2005 besitzen 22,2 Prozent der Unternehmen (Vor-
33 Vgl.Krimphove, Tytko 2002, S.4
34 Vgl. IfM Bonn, Mittelstand - Definition und Schlüsselzahlen. http://ifm-bonn.org/dienste/daten.htm, eingesehen am 01.04.2006, S.1
35 Vgl. IfM Bonn, Mittelstand - Definition und Schlüsselzahlen. http://ifm-bonn.org/dienste/daten.htm, eingesehen am 01.04.2006, S.2
36 Vgl. Krimphove, Tytko 2002, S.5; Grichnik 2003, S.79
37 Vgl. IfM Bonn, Mittelstand - Definition und Schlüsselzahlen. http://ifm-bonn.org/dienste/daten.htm, eingesehen am 01.04.2006, S.1-2
38 Vgl. Grichnik 2003, S.78-81
39 Vgl. Günterberg, Wolter 2002, S.3
40 Grichnik 2003, S.79
41 Vgl. Ahrweiler, Börner 2003, S6-7; Günterberg, Wolter 2002, S.6
42 Vgl. Grichnik 2003, S.81-82; Günterberg, Wolter 2002, S.3-4
43 Vgl. Ahrweiler, Börner 2003, S. 12
7
jahr: 19,9 Prozent) eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent und 36,6 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 36 Prozent) eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent 44 (Vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Eigenkapitalquoten des Mittelstandes 45
Die Zahl der solide finanzierten mittelständischen Unternehmen (Eigenkapitalquote über 30 %) hat sich um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr verbessert und folgt dem Trend, der sich seit 2002 abzeichnet. Bei den Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 % setzt sich ebenfalls ein Trend seit 2003 fort und es kam zu einer Erhöhung um 0,6 % (Abbildung siehe Anhang Kapitel 5.2). 46
Ingesamt stellt sich die Eigenkapitalbasis der mittelständischen Unternehmen in Deutsch-land als sehr schwach dar. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 2,5 Mio. € und somit 88,3 % aller Unternehmen 47 besitzen eine Eigenkapitalausstattung von 8,8 % 48 . Die restlichen Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2,5 Mio. € und 50 Mio. € entsprechen 11,4 % aller Unternehmen 49 und weisen einen Eigenkapitalausstattung von 25,1 % 50 auf. In den letzten Jahren hat sich diese Quote jedoch verbessert und die Unternehmen haben erkannt, dass es unabdinglich ist ihr Eigenkapital zu stärken bzw. Eigenkapital aufzubauen (Vgl. Abbildung 5).
44 Vgl. Creditreform 2005, S.19
45 Vgl. Creditreform: Eigenkapitalquoten nach Hauptwirtschaftsbereichen.
46 Vgl. Creditreform 2005, S.21
47 Vgl. Mind 2004b, S.16
48 Vgl. Deutsche Bundesbank 2005, S.18
49 Vgl. Mind 2004b, S.16
50 Vgl. Deutsche Bundesbank 2005, S.18
8
Abbildung 5: Anteil der Unternehmen mit Eigenkapital 51
Alles in allem wird deutlich, dass mit steigendem Umsatz die Eigenkapitalquote zunimmt. Dieser Trend zeigt sich umgekehrt proportional bei den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (kurzfristig und langfristig). Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 2,5 Mio. € verzeichnen im Vergleich zur Bilanzsumme eine Quote von 40,5 % und Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2,5 Mio. € und 50 Mio. € eine Quote von 22 % bei den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. 52 Dem Bankkredit kommt somit eine starke Bedeutung hinsichtlich der Finanzierung im Mittelstand zu. Bei neuen Investitionen erachten 27,5 % bzw. 33,9 % der Unternehmen den Bankkredit als unverzichtbar bzw. sehr wichtig. Deutlich wird aber, dass der Bankkredit zunehmend seine Rolle als Hauptfinanzierungsinstrument verliert und die Unternehmen bereit sind Finanzierungen aus eigener Kraft durchzuführen. 60 % der Unternehmen wollen maximal 20 % des Finanzierungsbedarfs über Bankkredite decken. 53 Voraussetzung ist aber dafür, dass die Unternehmen durch den Einbehalt von Gewinnen ihr Eigenkapital verbessern. Ein Problem für kleine und mittlere Unternehmen. 54 Weiterhin kommen hohe Außenstände bei den mittelständischen Unternehmen hinzu. Gerade mal zwei Drittel der Kunden begleichen fristgerecht ihre Rechnungen innerhalb von 30 Tagen und 2,3 % zahlen erst nach mehr als 90 Tagen. 55 Die Zah-lungsmoral der Abnehmer gestaltet sich als sehr schlecht und die Unternehmen müssen meist lange auf ihr Geld warten.
Ausfall von Forderungen führen zu einer Verschlechterung der Rentabilität und zu Liquiditätsproblemen. Gerade in der heutigen Zeit gehören Forderungsverluste zum Unternehmensalltag. Die Zahl der Betrieb mit Forderungsausfällen erhöhte sich seit 2004 um 1,5 % auf einen Wert von 18,5 %, wobei die Zahl der Betriebe ohne Forderungsausfälle bei 14,4 % nahezu konstant blieb. 56
51 Vgl. DSGV (Hrsg.) 2006, S.36
52 Vgl. Deutsche Bundesbank 2005, S.18
53 Vgl. Mind 2004a, S.30
54 Vgl. Creditreform 2005, S.21
55 Vgl. Creditreform 2005, S.23
56 Vgl. Creditreform 2005, S.24
9
Die Außenstände betragen bei einem Jahresumsatz bis 2,5 Mio. € durchschnittlich 16,6 % der Bilanzsumme und bei einem Jahresumsatz zwischen 2,5 Mio. € und 50 Mio. € durchschnittlich 17,6 % der Bilanzsumme. 57
Die Finanzierungssituation im Mittelstand stellt sich in der Konsequenz als sehr angespannt dar. Die niedrige Eigenkapitalbasis, das Fehlen von finanziellen Mitteln und die Abhängigkeit von Bankkrediten verursachen vor dem Hintergrund von Basel II ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Die Banken verhalten sich restriktiver bei der Kreditvergabe an den Mit-telstand 58 und es wird immer schwerer finanzielle Freiräume, wenn dies nicht durch Erhöhung des Eigenkapitals geschehen kann, zu schaffen. Der Mittelstand muss sich anderen Finanzierungsalternativen öffnen, um seine Existenz zu sichern und seine Abhängigkeit von einzelnen Finanzierungsinstitutionen wie der Hausbank zu verringern. 59
2.3 Leasing
2.3.1 Begriffsbestimmung
Leasing kann von dem englischen Begriff „to lease“, was soviel bedeutet wie mieten bzw. pachten, abgeleitet werden. Diese Verbindung findet sich in der Rechtswissenschaft wieder, wo der Leasingvertrag mit einem Miet- oder Pachtvertrag verglichen wird. Die Finanzwissenschaft erkennt diese Vorgaben ebenfalls an und umschreibt Leasing als zeitlich begrenzte entgeltliche Überlassung eines Wirtschaftsgutes durch den Hersteller bzw. einen Finanzier zur Nutzung. Der Leasingnehmer muss somit periodisch Leasingraten an den Leasinggeber zahlen und erhält dafür das Nutzungsrecht an dem Objekt. 60 Eine Trennung zum Mietvertrag fällt dadurch im normalen Sprachgebrauch sehr schwer. Werden jedoch die Besonderheiten des Leasingvertrages betrachtet, so wird offensichtlich, dass dieser weit über die bloße Gebrauchsüberlassung hinaus geht und weitere, für den Mietvertrag untypische, Vertragselemente enthält. So werden zum Beispiel Wartungs- und Dienstleistungsfunktion, Andienungsrechte sowie Miet- und Kaufverlängerungsoptionen eingearbeitet. 61 Eine eindeutige Definition eines Leasingbegriffes ist somit aufgrund der Vielzahl von Ausgestaltungs- und Vertragsformen auf diesem Gebiet nicht möglich. 62 Als Orientierung dient viel mehr eine Begriffsdefinition auf der Basis der Erscheinungsformen (Arten des Leasings). 63
57 Vgl. Deutsche Bundesbank 2005, S.18
58 Vgl. Rödl 2005, S.12; o. V. 2004c, S.8
59 Vgl. Grichnik 2003, S.108
60 Vgl. Tacke 1999, S.1; Bitz, Niehoff 2002, S.344; Ertl 2000, S.244; Haunschild 2004, S.12-13
61 Vgl. Bitz, Niehoff 2002, S.344
62 Vgl. Bitz, Niehoff 2002, S.344; Wöhe 2002, S.698; Tacke 1999, S.1
63 Vgl. Tacke 1999, S.1; Haunschild 2004, S.13
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Tino Böhle, 2006, Möglichkeiten und Grenzen der Liquiditätssicherung mittelständischer Unternehmen durch Leasing und Factoring, Munich, GRIN Publishing GmbH
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