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Inhalt Seite
1 Einleitung. 3
2 Chronologischer Überblick. 3
2.1 Ausgangssituation 3
2.2 Publikationszeit 4
2.3 Ausklang 6
3 Ideologie und Inhalte 7
3.1 Der Neue Nationalismus 7
3.2 Einflüsse. 12
3.3 Nationalsozialismus und Judenfrage. 14
4 Resümee 17
5 Bibliographie 18
3
1 Einleitung
Diskussionen über das Werk Ernst Jüngers rufen in der Regel zunächst Assoziationen mit dessen literarischen Arbeiten hervor und diese sind es auch denen in der Interpretation meist Rechnung getragen wird. Aufgrund des Umfangs und der Bedeutung dieser literarischen Beiträge ist dies sicherlich legitim und nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz darf bei einer solchen Analyse auch Jüngers politische Publizistik der 20er und 30er Jahre nicht vergessen werden, die unter den vielen Veröffentlichungen des Autors sicherlich eine besondere Rolle einnimmt. Auch wenn Jünger nach eigenen Aussagen auf eine Trennung von Politischem und Literarischem Wert legt, muss berücksichtigt werden, dass diese Phase als radikaler politisierender Autor nicht nur biographisch einen prägenden Abschnitt darstellt, sondern auch Ausgangspunkt für die folgende literarische Karriere ist. Nicht zuletzt vollzieht sich der entscheidende Schritt - die Niederschrift von Das Abenteuerliche Herz - in Jüngers radikalster Phase. Im Sinne dieser Bedeutsamkeit soll diese Arbeit nun zunächst eine Übersicht über die Rahmenbedingungen jener Publikationszeit vermitteln, um im Anschluss daran in einem zweiten Teil die inhaltlichen Aspekte, die Jünger hier vertrat, genauer zu durchleuchten.
2 Chronologischer Überblick
Dieser erste Teil der Arbeit beschreibt den Verlauf von Ernst Jüngers Karriere in der Domäne der politischen Publizistik in chronologischer Abfolge. Der Schwerpunkt liegt hier weniger bei inhaltlichen Aspekten als vielmehr darin, sich einen Überblick zu verschaffen über die Art der politischen Veröffentlichungen und deren Anzahl, die Publikationsmittel, den zeitlichen Rahmen und ähnliche Hintergrundinformationen.
2.1 Ausgangssituation
Um den Weg Ernst Jüngers in die Welt der politischen Veröffentlichungen nachvollziehen zu können, ist es nötig, sich ein Bild von der Ausgangssituation des jungen Soldaten zu machen. Anfang der 20er Jahre ist Jünger noch nicht der große Schriftsteller, als den wir ihn heute kennen. Nach der Niederlage im Krieg, der Enttäuschung durch die Reichswehr und seinem darauf folgenden Ausscheiden aus derselben immatrikuliert sich Ernst Jünger im Oktober 1923 an der Universität Leipzig und beginnt ein Studium der Zoologie, das er allerdings bereits 1926 wieder abbricht. 1
Als seine Karriere als politischer Publizist 1925 richtig beginnt, ist Ernst Jünger ein frisch verheirateter, hochdekorierter Leutnant, der durch seine drei veröffentlichten Kriegsbücher aber allenfalls jungen Frontsoldaten, die sich wie Jünger selbst um eine geistige Bewältigung des Krieges bemühen, ein Begriff ist. Nichtsdestotrotz hat er eine klare Zielsetzung vor Au-
1 vgl. Martus 2001:39
4
gen. Er will einen Glauben, eine Botschaft verkünden: die Ideen des „neuen Nationalismus“. Diese Zielstrebigkeit und dieses Selbstbewusstsein legen auch den Schluss nahe, dass das Abwenden vom Heer und der damit einhergehende Eintritt in die Publizistik in der offenkundigen Unmöglichkeit verankert sind, in seiner Position als Teil der Reichswehr eine wie von ihm erwünschte und erhoffte Wirkung zu entfalten. 1
Aus dieser Situation heraus entsteht die Karriere Jüngers als politischer Publizist.
2.2 Publikationszeit
Nach dem Verlassen der Armee setzte Ernst Jünger seine Hoffnungen in außerstaatlich organisierte soldatische Kräfte und schloss sich so dem stärksten Kampfbund der Weimarer Republik an: dem Stahlhelm. Bis 1923 handelte es sich hierbei um eine freikorpsähnliche Organisation, die dann aber ihre Strukturen änderte und zum einflussreichsten militaristischen Massenverband und größten Nachwuchsformation der Reichswehr wurde. Mit fast einer Million Mitglieder in Blütezeiten ließ dieser Zusammenschluss mehr Hoffnungen zu, wenn es um den Versuch ging, nationalistische Ideen durchzusetzen, als jede andere zeitgenössische politische Organisation. Die programmatische Basis des Stahlhelm war der ‚Frontgeist’ und die Haltung des Kampfes gegen ‚Versailles’. Trotz des erklärten Ziels eines von Frontsoldaten geführten Großdeutschland blieb die Hauptaufgabe die ‚Rüstung der Geister’, da man sich organisationsintern nie auf ein eigenes, einheitliches und von allen Verbandsgruppen akzeptiertes politisches Programm einigen konnte. 2 Zwar war Jünger bereits seit 1920 mit kleineren nationalistischen Beiträgen an die Öffentlichkeit getreten (z.B. „Skizze moderner Gefechtsführung“ vom November 1920 oder „Über Angriffsgeschwindigkeit“ vom Mai 1923, beide im Militär-Wochenblatt erschienen), dennoch ist der eigentliche Beginn der publizistischen Karriere, das heißt die Zeit regelmäßiger Veröffentlichungen, 1925 mit seinen Artikeln in Die Standarte anzusiedeln. 3 Die Stahlhelm- Führunghatte die Herausgabe dieser Sonderbeilage zur wöchentlich erscheinenden Zeitung Der Stahlhelm. Wochenschrift des Bundes der Frontsoldaten. genehmigt, da sie meinte, somit den jungen Radikalen innerhalb des Kampfbundes die Möglichkeit zu geben, ihre oppositionellen Ansichten in relativ harmlosem Rahmen zu äußern. Ernst Jünger als einer der jungen Frontsoldaten, die vom Stahlhelm aufgefordert wurden, ein ideologisches Programm für die Organisation zu formulieren, verpflichtete sich im Zuge dessen dem von Helmut Franke herausgegebenen Blatt mit der Zielsetzung, vor allem der jungen Generation eine Ideologie zu verschaffen. Er fand hier zu Beginn seiner Karriere gleich das größte und mächtigste aller Organe vor, in denen er im Lauf der Jahre publizierte. Mit einer Auflagenhöhe der Stahlhelm- Zeitschriftvon 100 000 - 150 000 Exemplaren erreichten auch die Autoren der Beilage, die vollständig Die Standarte. Beiträge zur geistigen Vertiefung des Frontgedankens hieß, ein
1 vgl. Schwarz 1962:97f
2 vgl. ebd. 99 und Liebchen 1977:126f
3 vgl. Martus 2001:48
5
enormes Publikum und konnten so ihre Ideen im gesamten Bund verbreiten. In der Sonderbeilage, die ab Juni 1925 in Magdeburg erschien, veröffentlichte Jünger 19 Artikel. 1 Bald jedoch stellte sich heraus, dass das Kalkül der Stahlhelm-Spitze, mittels des Kompromisses in Form der Sonderbeilage die verschiedenen Gruppen bei der Stange zu halten, nicht aufging und Die Standarte sich zunehmend als Oppositionsblatt zur Stahlhelm-Führung entpuppte. Infolgedessen wurde die zu radikal gewordene Zeitschrift im März 1926 als untragbar abgeschafft bzw. vom Mutterblatt gelöst. Da man aber einen kompletten Bruch mit den Standarte-Schreibern (noch) nicht wagte, durfte diese nun selbständig und weiterhin vom Stahlhelm finanziert erscheinen. Die vermeintliche Unabhängigkeit erlaubte der Führung des Militärbundes eine Distanzierung von den Inhalten des nun unter dem Titel Standarte. Wochenschrift des Nationalismus erscheinenden Blattes. 2 Für Jünger bedeutete dies auch insofern eine Veränderung, als er nun - zusammen mit Helmut Franke, Franz Schauwecker und Wilhelm Kleinau - zu den Herausgebern der Zeitschrift zählte. Diese reichte jedoch mit einer Auflage von rund 2000 Exemplaren bei weitem nicht an die Größenordnung der einstigen Stahlhelm-Beilage heran. 3
Indessen kam es nach nur fünf Monaten, in denen Jünger insgesamt 11 Artikel beisteuerte, im August 1926 zum Skandal: mit Hans Hansens Artikel „Nationalistische Märtyrer“, in dem die Erzberger- und Rathenau-Mörder gefeiert werden, handelte sich die Standarte ein dreimonatiges Erscheinungsverbot ein. Nach der darauf folgenden Entlassung Helmut Frankes durch die Stahlhelm-Führung verließ auch Jünger das Blatt, um sich in München einer neuen Zeitschrift zu widmen: dem Arminius.
Der Arminius. Kampfschrift für deutsche Nationalisten erschien von November 1926 bis Mai 1927. Auch hier fungierte Jünger - wiederum gemeinsam mit Helmut Franke - als Herausgeber, hinzu kam außerdem Wilhelm Weiss. Jünger sah in der Zeitschrift die Möglichkeit, endlich frei von jeder Organisationsbindung für seine nationalistischen Ideen zu werben. So liest man etwa auf dem inneren Deckblatt des Heftes: „Der Arminius ist die einzige von keinem Bund und keiner Partei abhängige Wochenschrift der Nationalisten - die Zeitschrift der Reformatoren innerhalb der Bünde.“ Die Unabhängigkeit von Organisationen und Interessengemeinschaften war für Jünger stets ein sehr wichtiger Aspekt. 4 Trotz dieser Idealvorstellung bleibt die Tatsache, dass auch der Arminius nicht frei von Abhängigkeiten, sondern an Geldgeber gebunden war. In diesem Fall handelte es sich um den ‚Kapitän Erhardt’ genannten Hermann Erhardt, der in die Rathenau- und Erzberger-Morde verwickelt und einer der bekanntesten und berüchtigtsten Köpfe der radikalen Rechten war. Als jedoch auch diesem die Eskapaden der Redakteure zu bunt wurden, zerbrach die Koalition der Arminius- Herausgeberund Jünger wandte sich ein weiteres Mal einer neuen Zeitschrift zu. Bis zu die-
1 vgl.Schwarz 1962:100ff und 309 und Liebchen 1977:128f
2 vgl. Liebchen 1977:131ff
3 vgl. Martus 2001:48
4 vgl. auch unter 3.1 dieser Arbeit
Arbeit zitieren:
Corinna Truger, 2005, Die politische Publizistik Ernst Jüngers, München, GRIN Verlag GmbH
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