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Inhalt Seite
1 Einleitung 3
2 Sprachliche Normen 3
2.1 Individuelle Norm 5
2.2 Statistische Norm 6
2.3 Präskriptive Norm. 6
3 Normierung und Kodifizierung 8
3.1 Historischer Überblick 8
3.2 Sprachpflege 12
3.3 Aktuelle Tendenzen 14
4 Normdurchbrechung 17
4.1 Sprachliche Varietäten 17
4.2 Registerwahl als gruppenspezifische Stilmarkierungen. 21
5 Fazit 23
6 Bibliographie 24
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1 Einleitung
Der Umgang mit der Sprache ist alltäglich, scheint jedem vertraut und die meisten Sprecher würden den Eigenen sicherlich - wenn auch eventuell unreflektiert und spontan - als natürlich und normal bezeichnen. Die Sprachwissenschaft sieht dies differenzierter und stellt sich seit langem immer wieder der Frage, was eigentlich normal ist. Was zeichnet eine Norm aus? Existiert eine solche nur auf dem Papier oder auch in der Realität? Wer legt sie nach welchen Kriterien fest? Was ist der Unterschied zum Standard? Welche Rolle spielen Schriftlichkeit und Mündlichkeit in dieser Diskussion? Und welche Folgen kann eine Missachtung der Norm haben? Diese und ähnliche Fragen stellen sich im Kontext der Normdiskussion fast allgemeingültig für alle Sprachen. Die eindeutige Beantwortung fällt im Französischenwie wohl auch in den meisten anderen Sprachen - einigermaßen schwer, da die Forschungsliteratur keineswegs nur Einigkeit zeigt. Vor diesem Hintergrund soll in dieser Arbeit dennoch versucht werden, einige Antworten zu finden und sowohl die umstrittensten Punkte als auch diejenigen, bei denen weitest gehend ein Konsens vorherrscht, darzustellen. Hierfür sollen zunächst im ersten größeren Teil der Arbeit einige terminologische Fragen geklärt werden, um anschließend auf den Normierungs- und Kodifizierungsprozess einzugehen. Dabei soll einerseits zum besseren Verständnis der (historischen) Legitimation der Norm beigetragen, andererseits auch Fragen zum aktuellen Stand und Geschehen im Normierungsprozess erörtert werden. Im dritten Teil schließlich soll durch Darstellung dessen, was nicht der Norm entspricht und somit in Opposition zu dieser steht, die Abgrenzung noch verdeutlicht werden und eine Einbettung der Norm in einen erweiterten Kontext erfolgen, um so eine bessere Übersicht zu erhalten.
2 Sprachliche Normen
Eine Norm ist ihrer allgemeinen Bedeutung nach eine als verbindlich anerkannte Regel oder Richtschnur. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Norm) Normen bestimmen die Existenz und das Verhalten eines jeden Einzelnen und ohne sie wäre ein gemeinschaftliches Leben nicht möglich. Als Teil dieser sozialen Normen, die unser ganzes Dasein bestimmen, fungieren auch die sprachlichen Normen. Sie sind nach Winkelmann definiert als „gedankliche Festsetzungen, die den Vollzug sprachlicher Interaktion regeln, kollektive Verbindlichkeit beanspruchen und deren Nichtbefolgung zu Sanktionen […] führen kann.“ (Winkelmann 1990:335) Ob sie im Französi- schen „nur“ gedanklich festgelegt sind, wie hoch die Verbindlichkeit ist und wie
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Sanktionen aussehen können, wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer betrachtet werden. Fest steht indes, dass das, was für die sozialen Normen gilt, auch für die sprachlichen seine Gültigkeit behält und somit eine geordnete Kommunikation ohne die Befolgung von normativen Regeln unmöglich wäre. Das Ziel sprachlicher Normen ist also vor allem, größtmögliche Verständigung innerhalb der Kommunikation zu gewährleisten. Sie dienen jedoch auch als Verhaltensregler, insofern als deren Missachtung schädigend auf den Verursacher zurückfällt - durch Strafe 1 , Zurechtweisung, Statuseinbußen, soziale Deklassierung oder ähnliches. Sprachliche Normen können sich auf praktisch alle Teilbereiche der Kommunikation beziehen: auf morpho-syntaktische oder grammatische Phänomene ebenso wie auf phonetisch-phonologische oder semantische Aspekte. (vgl. Kolboom 2002:68, Müller 1975:216f, Winkelmann 1990:335) Kolboom bezeichnet die Norm als komplexes Regelsystem, das den korrekten Gebrauch der Standardsprache festlegt, woraus sich die Frage nach dem Begriff der „Standardsprache“ ergibt. In der Essenz dessen, was verschiedene Definitionen und Abgrenzungen vom Normbegriff ergeben, lässt sie sich wohl am besten als die Realisierung der Norm beschreiben. Die Standardsprache erhält ihre Legitimation entweder durch historisches Wachsen oder einen bewussten Akt der Sprachplanung, wobei im Französischen ersteres zutreffend ist. Vor allem durch höheres Prestige und größere kommunikative Reichweite zeichnet sich der Standard aus und lässt sich so von den übrigen Varietäten abgrenzen, denen er auch aufgrund dieser Merkmale übergeordnet ist. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der Gebrauch der Standardsprache üblicherweise durch das Bildungssystem vermittelt und kontrolliert wird. Im Französischen kannte die sogenannte Standardsprache im Laufe der Zeit zahlreiche verschiedene Bezeichnungen wie bon usage, langue zéro, langue de référence, français référentiel und français standard, bis 1967 die Académie française schließlich vorschrieb français standard durch norme zu ersetzen. Seitdem wird die Gesamtheit der kodifizierten Regeln als norme bezeichnet, während man, bezieht man sich explizit nur auf die gesprochene Standardsprache, auf den Begriff langage normalisé zurückgreifen muss. (vgl. Kolboom 2002:68, Winkelmann 1990:334f)
Versuche den Begriff der Norm zu unterteilen und klassifizieren, gibt es zahlreiche. So ist die u.a. von Winkelmann angeführte Unterscheidung von impliziten und expliziten Normen eine durchaus sinnvolle und gängige. Als implizit werden dabei
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Bei sprachlichen Normen werden reguläre Strafen üblicherweise nur im Unterrichtswesen verhängt. Bei sehr puristischer Sprachlenkung, wie es z.B. in Frankreich der Fall ist, kann
dies jedoch auch Journalisten, Schriftsteller, Publizisten u.ä. treffen. Vgl. auch Punkt 3.3 der
vorliegenden Arbeit.
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solche Sprachnormen bezeichnet, die in Form von bestimmten Erwartungen in die Kommunikation miteinfließen. Diese Erwartungen formieren sich durch ein gewisses Kontingent an Vorerfahrungen gepaart mit einem auf stillschweigendem Konsens der Sprachgemeinschaft basierenden Wissen. Unter expliziten Normen hingegen versteht man die Mittel, die zur Standardisierung und Kodifizierung einer Sprache verwendet werden, das heißt öffentlich vorgenommene und für verbindlich erklärte Regulierungen.
Dieser Aufteilung entspricht inhaltlich auch die von Koch/Oesterreicher vorgenommene weitgehend, wobei hier die Bezeichnungen deskriptive Normanstelle von impliziter - und präskriptive Norm - statt explizite - gewählt wurden. (vgl. Koch/Oesterreicher 1990:15f, Winkelmann 1990:335) Eine etwas divergierende, meines Erachtens jedoch sehr sinnvolle Untergliederung der verschiedenen sprachlichen Normen, findet man bei Müller, der die individuelle, die statistische und die präskriptive Norm unterscheidet. Diese Begrifflichkeit soll daher hier aufgegriffen und näher beleuchtet werden.
2.1 Individuelle Norm
So individuell die Persönlichkeit jedes Einzelnen ist, so einzigartig ist auch das je eigene sprachliche Subsystem. Diese Norm des Individuums wird auch als usage personnel oder Idiolekt bezeichnet. Es handelt sich um Sprachverwendungen, die der Einzelne ungeachtet sozialer Sprachnormen bewusst auswählt oder die er so gewohnheitsmäßig realisiert, dass sie für ihn spezifische Regularitäten bilden. Diese manifestieren sich häufig in negativ bewerteten Erscheinungen wie Sprach“fehlern“ oder sprachlichen Ticks. Es ist die Norm des Einzelnen, die sein rein persönliches Sprachverhalten steuert, die seinen persönlichen Stil markiert. Indessen kann eine individuelle Norm durchaus im komplexen und kollektiven System der Sprache eine Rolle spielen und Einfluss nehmen. So geht etwa Sprach-wandel in der Regel von einer individuellen Norm aus, der sich andere Sprecher aus verschiedenen Gründen - ökonomische, prestigegebundene etc. - anschließen. Auf diese Weise können Individualismen durch sukzessive Assimilierungsprozesse wie z.B. beim Lautwandel von der Sprechergemeinschaft übernommen werden und sich zu allgemeinen Gebrauchsnormen ausweiten.
Besonders deutlich treten individuelle Normen und deren Wirkungen bei Autoren hervor: diese kultivieren förmlich ihre eigenen Normen, da die individuelle Sprachwahl hier als Kennmarke schriftstellerischer Leistung betrachtet wird. (vgl. Müller 1975:223ff)
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2.2 Statistische Norm
Im Gegensatz zur individuellen Norm handelt es sich bei der statistischen um eine überindividuelle Regelinstanz, die von einer Gemeinschaft bzw. noch präziser allein vom Sprachgebrauch, vom usage bestimmt wird. Sie wird deshalb auch als Gebrauchs- oder Ist-Norm bezeichnet. Es handelt sich nicht - wie der Name vielleicht vermuten lassen würde - um einen mathematischen Durchschnitt aller usages oder ein rechnerisches Mittel der Äußerungen aller Frankophonen. Vielmehr versteht man darunter ein in einer Sprachgemeinschaft mehrheitlich praktiziertes und/oder mehrheitlich als allgemein „normal“ und verbindlich anerkanntes Subregister: das français commun oder auch usuel, courant oder moyen. Prüßmann-Zemper bezeichnet es treffend als „das gebräuchliche, gängige, allen französischen Sprechern gemeinsame Durchschnittsfranzösisch“. (Prüßmann-Zemper 1990:830) Diese sogenannte Umgangssprache resultiert aus der Wechselwirkung des Französisch der größten Zahl der Sprecher mit dem Französisch des anerkannten Vorrangs, das heißt dem von Paris. Es dient dem Einzelnen als Richtschnur, zur Orientierung, ist jedoch nicht als Maßstab mit Absolutheitsanspruch zu begreifen. Der Einzelne ist in der Regel um Konformität mit der statistischen Norm bemüht, da diese offenbar eine „gute“ Sprache ist, die sich in der Erfahrung der verschiedensten Lebenssituationen bewährt hat.
Die Unterscheidung von statistischer Norm bzw. français commun und Standardsprache ist wohl mit am schwierigsten und in der Forschungsliteratur kommt es hier auch durchaus zu Überschneidungen oder sogar synonymem Gebrauch. Ganz wesentlich ist hier der Unterschied, dass in der statistischen Norm „Verstöße“ bzw. Abweichungen äußerst zahlreich und auch legitim sind. So finden sich beispielsweise in der Lexik unzählige Wörter des français familier, populaire oder des Argot, sowie Dialektismen, Barbarismen, Vulgarismen etc. Die Standardsprache hingegen bewegt sich stets extrem nahe an der norme, das heißt an den kodifizierten Regeln. (vgl. Müller 1975:228ff, Prüßmann-Zemper 1990:830f)
2.3 Präskriptive Norm
Im Gegensatz zu den beiden anderen beschriebenen Normen, die entweder vom Individuum oder von der Gemeinschaft bestimmt werden, handelt es sich bei der präskriptiven Norm um ein Register außengesteuerter Sprachverwendung. Das heißt, man spricht hier von der Norm ‚im klassischen Sinn’: „ein Sprachregister mit spezifischem Regelsystem, das durch normative Akte reguliert und in einer Sprach- gemeinschaft für verbindlich erklärt worden ist.“ (Müller 1975:232)
Arbeit zitieren:
Corinna Truger, 2005, Norm und Kodifizierung der Schriftsprache im Französischen, München, GRIN Verlag GmbH
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