Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Schule neu denken 4
2.1 Zusammenfassung 4
2.1.1 Kapitel 1: Schlechte Nachrichten 4
2.1.2 Kapitel 2: Schwierige Veränderungen 5
2.1.3 Kapitel 3: Untaugliche Deutungen 8
2.1.4 Kapitel 4: Verfehlte Antworten 10
2.1.5: Kapitel 5: Notwendige Denkübungen 11
2.1.6 Kapitel 6: Stützende Gründe 12
2.1.7 Kapitel 7: Minima Paedagogica 14
2.1.8 Kapitel 8: Notwendige Übergänge 15
2.1.9 Kapitel 9: Mögliche Einwände 17
2.1.10 Kapitel 10: Epilog: Civilitas 18
2.2 Resümee 19
3. Ein fiktiver Brief an Hartmut von Hentig 22
4. Eine fiktive Buchempfehlung: Hartmut von Hentigs Die Schule neu denken 25
5. Eine rückblickende Besinnung 27
6. Quellenangaben 29
1. Einleitung
Der Pädagoge Hartmut von Hentig schrieb 1993, also wenige Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands sein Buch „Die Schule neu denken – Eine Übung in pädagogischer Vernunft“ das bis heute nichts von seiner Aktualität uns Aussagekraft verloren hat und in welchem er zu einem Umdenken der heutigen Schule auffordert, da sie ihre Schüler von sich entfremdet hat, ihren Auftrag nach Hartmut von Hentig nicht erfüllen kann. Dieses Buch soll Gegenstand meiner Hausarbeit sein.
Um Hartmut von Hentigs Theorien aus diesem Buch möglichst klar und ausführlich darszustellen, werde ich in meinem ersten Kapitel „Die Schule neu denken“ zusammenfassen. Anschließend wende ich mich in einem fiktiven Brief an den Autor des Buches selbst, um in diesem Rahmen einige Fragestellungen und Fakten des Buches zu diskutieren. (Damit der Brief nicht fiktiv bleibt, habe ich ihn bereits an Hartmut von Hentig verschickt.). Im nächsten Kapitel meiner Hausarbeit versuche ich einen Text zu verfassen, eine Art „Buchempfehlung“ oder „Buchvorstellung“, der das Buch in seinen Grundzügen darstellt und vorstellt.
Zum Abschluss der Hausarbeit möchte ich in einer „rückblickenden Besinnung“ noch einmal darstellen, welche Theorien mich von Hartmut von Hentig am meisten erstaunt und interessiert haben, wie ich darüber denke und was sich in meinem Denken durch die Beschäftigung mit diesen Theorien vielleicht verändert hat.
2. Die Schule neu denken
2.1 Zusammenfassung
2.1.1 Kapitel 1: Schlechte Nachrichten
Hartmut von Hentig weist im ersten Kapitel „Schlechte Nachrichten“ seines Buches „Die Schule neu denken“ darauf hin, dass Gewalt unter Kindern und Jugendlichen, Kindermord durch Kinder, Erpressungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Raub und dergleichen mehr, in den letzten Jahrzehnten angestiegen und zum Alltag geworden sind. Auch die Schule bleibt davor nicht verschont: Störungen, Unverschämtheiten, Bedrohungen und Chaos stehen hier oftmals auf der Tagesordnung, selbst die sogenannten „Nobelinstitute“ bilden oft keine Ausnahme.
Alarmierend sind auch die häufigen Ausschreitungen gegen Minderheiten wie zum Beispiel Ausländer, Behinderte, Obdachlose oder Homosexuelle, ebenso wie gegen deutsche Juden. Die Täter sind oftmals zwischen 12 und 18 Jahren alt, ein Sachverhalt, der die Öffentlichkeit nachhaltig verstört: Einmal, weil solche Taten nicht zu jener Vorstellung passen, die man sich von der Jugend macht: Sorglos, großzügig, neugierig, tatbereit und dem Fremden gegenüber aufgeschlossen sollte sie sein. Aber auch, weil man keine Antworten, keine Lösungen dafür findet und weil man ahnt, dass man dieses Unglück mitverschuldet hat – durch die eigene gewollte und zu verantwortende Lebensweise.
Hartmut von Hentig erwähnt ebenfalls, dass die eigentliche Gefahr nicht von jugendlichen Tätern ausgeht, sondern von jenen Mitbürgern, welche zuschauen, selbst nichts tun, aber öffentlich oder geheim applaudieren. Diese Gruppe ist nicht nur zahlreicher und stellt daher die größere Gefahr dar, sie verschafft außerdem den Tätern ein gutes Gewissen. Von Hentig bemerkt, dass in einer Demokratie die Gesinnung durch das Verhalten und die Wachsamkeit der Mehrheit gesichert wird. Wenn diese jedoch nicht weiß, wie sie das machen, soll, so ist nach von Hentig die Demokratie bereits verloren. Er stellt fest, dass sich immer mehr Menschen von den Mitteln und Möglichkeiten unserer „polis“ abwenden, die „Politikverdrossenheit“ , welche als Gefahr für unsere Demokratie ausgemacht wurde, da die großen Parteien durch die Nichtwähler um die handlungsfähige Mehrheit gebracht werden, hat Einzug erhalten. Hartmut von Hentig sieht den Grund für diese Abkehr der Bürger von der Politik zum großen Teil darin, dass sich viele Menschen von der Demokratie und von der ihnen zugedachten Rolle überfordert fühlen und diesen Sachverhalt nicht zum Gegenstand demokratischer Politik machen.
Er befürchtet, dass der Glaube an die Politik eben nicht in den eigentlich entscheidenden ersten
zwei Lebensjahrzehnten eines Menschen angelegt wird und werden kann, da er diese nicht in der polis verbringt, sondern, laut von Hentig, in der Schule, in einem Ghetto, in dem andere Verhältnisse und Ordnungen herrschen als im Leben „draußen“, an einem Ort, an dem man die Antworten anderer auf Probleme, die einem selbst noch fremd sind, erfährt und lernen muss. Was diese Schule jedoch nicht ist, was sie jedoch nach Hartmut von Hentig sein sollte, ist die polis – das kleine Abbild der eigentlichen großen.
Hartmut von Hentig fordert die Zuständigen, welche sich so erschrocken über die Ergebnisse einer zehn- bis dreizehnjährigen Schulbildung ohne Lebenserziehung zeigen, auf, die Gelegenheit zu nutzen und umzudenken. Er weist darauf hin, dass sich diese Gelegenheit bereits für Ostdeutschland nach der Wende geboten hat, da dort das gesamte politische System zusammengebrochen war und man ohnehin neu über das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft nachdenken musste. Damals wurde die Chance zum Umdenken nicht genutzt, die Verantwortlichen waren in erster Linie besorgt darum, wie man vorgehen müsse, um den Anschluss an den Westen nicht zu verpassen.
Manche Pädagogen fühlen sich von den Anforderungen ihres Berufs überfordert: Sie schlagen vor, die Schule solle sich nur noch auf die Vermittlung von Basiswissen und Kulturtechniken beschränken und der Erziehungsauftrag solle von anderen geeigneten Einrichtungen übernommen werden. Hartmut von Hentig betont jedoch, dass es der Auftrag der Schule in der Demokratie sei, Kinder und Jugenliche zu politikfähigen, politikbereiten und verantwortungsbewussten Bürgern zu machen; sie muss der nächsten Generation dabei helfen, in der Welt, in der sie lebt, erwachsen zu werden.
2.1.2 Kapitel 2: Schwierige Veränderungen
Zu Beginn des nächsten Kapitels weist Hartmut von Hentig auf die unterschätzte Gefahr des übermäßigen Fernsehkonsums hin: Die freie Zeit wird häufig nicht dazu genutzt, sich mit anderen zu unterhalten, nachzudenken oder sich anderen zuzuwenden, sondern es wird stattdessen ferngesehen. Außerdem erwähnt Hartmut von Hentig, dass das Fernsehen erstens das Verhältnis von Bürger und Öffentlichkeit verändert, zweitens das Verhältnis von primärer zu sekundärer Erfahrung, von eigener Wahrnehmung und „Wirklichkeit aus zweiter Hand“ 1 und drittens das Verhältnis von Vorstellung und Handeln.
Aus diesem Grund ändert sich laut Hartmut von Hentig auch die Rolle der Schule, da das Fernsehen
1 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 28.
als eine Art Rivale und Gegenpart zur Schule auftritt: Der „heimliche Unterricht des Fernsehens“ 2 vermittelt dem jungen Zuschauer, alles durch das Fernsehen selbst gesehen zu haben und daher alles darüber zu wissen. Er vermittelt, dass all das, was im Fernsehen gezeigt wird, enorm aufregend, wichtig, fürchterlich oder glanzvoll ist und das eigene Leben eher unbedeutend und langweilig. Außerdem wird vermittelt, dass alles, wenn es im Fernsehen erscheint, bereits ohne den Zuschauer geschehen ist, dass es weiterläuft, dass es zu immer mehr Problemen ohne Lösungen kommt, auch wenn das Gerät abgeschaltet ist.
Der „offene Unterrichtsauftrag der Schule“ 3 lautet nach Hartmut von Hentig nun recht gegensätzlich:
„Auswahl und Schärfung der Wahrnehmung; Verstehen durch Vergleich,
Es ist nun nach Hartmut von Hentig Sache und Problem der Schule, mit diesem starken Konkurrenten zurechtzukommen: Für Kinder und Jugendliche ist das Fernsehen ein normaler Bestandteil ihres Lebens, womit sie groß geworden sind und nichts, wovor man sich in Acht nehmen sollte.
Ebenso problematisch empfindet Hartmut von Hentig „die Computerisierung unserer Gesellschaft“ und befürchtet, dass der Computer die bereits Schlauen noch schlauer macht als jene, die die schlechteren Starvoraussetzungen haben: Menschen mit einer besseren Bildung profitieren mehr von den Medien als Menschen mit geringerer Bildung. Durch den Computer wird laut von Hentig eine Vorstellung von Wissen vermittelt, die das Wissen als eine beliebig anhäufbare Sache erscheinen läßt. „Wissen“ wird auf „Information“ reduziert, die einfach übernommen oder übermittelt wird. Dass ein Mensch durch die Beherrschung und Ausübung des Rechnens, Schreibens und Lesens auch Selbstvertrauen erwirbt, die Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem und die Bemühung um den Sinn lernt, scheint vom öffentlichen Bewusstsein vergessen worden zu sein.
Hartmut von Hentig ist der Auffassung, dass die Erfahrungen mit der natürlichen, gegenständlichen Welt in der Kindheit bestärkt werden müssen und dass daher der Computer in die Schule eher spät
2 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
3 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
4 Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 30.
eingeführt werden sollte, etwa in der 9. oder 10. Klasse. Er ist der Überzeugung, dass durch den Eintritt in die Computer-Kultur die Aufgabe der Pädagogen vielfach schwerer geworden sind.
Ebenfalls als eine „schwierige Veränderung“ sieht Hartmut von Hentig die Verwirklichung Europas für die Schulen der Mitgliedstaaten. Nach ihm stellt die europäische Gemeinschaft die Schule überall erneut vor die alte Wahl, ob die Schule entweder der Reproduktion von Wissen dienen und zu einer Auslese- und Paukanstalt werden soll oder ob jeder nach seinen Möglichkeiten gefordert und gefördert wird, die Verfahren und Ergebnisse der Schule sich der Standartisierung entziehen; die Bewährung der Absolventen an der Anforderungen der Sache, der Lebenslage, der weiterführenden Einrichtung geschieht.
Ernstzunehmende Veränderungen sieht Hartmut von Hentig auch im Bereich der multikulturellen Gesellschaft. Er glaubt, dass weder die absolute noch die relative Zahl von Migranten in Deutschland das Problem oder Phänomen der multikulturellen Gesellschaft ausmachen, sondern das Bewusstsein davon – auf beiden Seiten. Dieses Bewusstsein wird nach Hartmut von Hentig durch eine Reihe von Faktoren bestimmt: Durch die Funktion der Einwanderer, ihre Verteilung, ihre Dynamik, ihre äußere Erscheinung, ihr ethnisches, kulturelles, religiöses, politisches Selbstbewusstsein wie das des Gastlandes.
Als problematisch sieht Hartmut von Hentig auch an, dass mittlerweile Milliarden von Menschen vor Krankheit, Krieg und Katastrophen geschützt werden müssen und dass diese Zahl weiter wächst. Viele Menschen fühlen sich diesen Problemen nicht gewachsen und suchen Antworten und Trost im Zurückfallen in archaische Denk- und Lebensformen. Hartmut von Hentig ist der Meinung, dass die Schule hier entgegenwirken muss und zunächst eines tun kann: Die junge Generation zu größerer Klarheit und Bewußtheit ihrer eigenen Position anleiten.
Freizeit und Arbeitslosigkeit ist in der heutigen Gesellschaft nach Hartmut von Hentig auch zu einem Problem geworden . Ihm zufolge müsse es nicht nur zum Auftrag der Schule gehören, den Menschen zu lehren, sein Leben verstehen und selber gestalten zu können, sondern eben auch, wie er sein Leben bestreiten kann. Die Schule sollte Jugendliche davor bewahren, in ihrer freien Zeit der Freizeitindustrie, den Glücksspielautomaten, den Drogen oder der Kriminalität zu erliegen, und sollte sie dazu anleiten, Hobbies nachzugehen, die ihnen Spaß machen, sich in ihrer freien Zeit um gesellschaftliche Aufgaben zu kümmern und eben nicht einfach die Zeit totzuschlagen.
Eine letzte „schwierige Veränderung“ sieht Hartmut von Hentig auch im Altersaufbau unserer Gesellschaft: Im Jahre 2030 wird jeder dritte Einwohner Deutschlands 60 Jahre und älter sein; gleichzeitig wird der Anteil der Jugend auf weniger als 20% schrumpfen. Über die Folgen wurde
laut Hartmut von Hentig vielfach diskutiert, man hat sich jedoch so gut wie keine Gedanken darüber gemacht, was der „unnatürliche Altersaufbau“ 5 für das Aufwachsen von Kindern in ihrer Gesellschaft bedeutet. Er ist der Meinung, dass sich heutige Pädagogen auch Fragen aus diesem Bereich zu ihrer Aufgabe machen müssten.
2.1.3 Kapitel 3: Untaugliche Deutungen
In Kapitel 3, „Untaugliche Deutungen“ merkt Hartmut von Hentig an, dass es immer wieder Stimmen gibt, die die Schuld an der zunehmenden Gewalt, gerade auch der rechtsradikalen Gewalt, die von Kindern und Jugendlichen ausgeht, bei den 68ern suchen, oder vielmehr bei deren progeressiver Erziehung, dem laissez-faire. Der Autor widerlegt diesen Vorwurf jedoch mit zwölf Gründen:
1. Die antiautoritäre Bewegung war eine Studentenbewegung und hat nicht nennenswert auf andere
Bevölkerungsteile übergegriffen.
2. Die antiautoritäre Erziehungslehre hat es meist nur in schwierigen Texten mit relativ geringer
Verbreitung gegeben.
3. Nach Hartmut von Hentigs Einschätzung hat sich kein Drittel der deutschen Professoren und der
deutschen Schulbehörde je den damals neuen Lehren geöffnet. Davon war höchstens die Hälfte in der Lage und bereit, sie zu verstehen. Deren Adressaten wiederum dürften auch nur zu einem Bruchteil dafür empfänglich gewesen sein.
4. Die Lehrerschaft machte nur ein Hundertstel der Gesellschaft aus und hätte zunächst nicht mehr
als 3 Prozent der Deutschen zu den umstrittenen Lebensformen anhalten können.
5. Die Bewegung war etwa nach einem Jahrzehnt aus der Gesellschaft verschwunden.
6. Die Bewegung war ein Großstadt- und Universitätsstadt-Phänomen und hat Kleinstädte und
ländliche Gegenden nur selten erreicht.
7. Die ehemalige DDR war davon gar nicht betroffen.
8. Das Potential zu rechtsradikalem Verhalten unter Jugendlichen der ehemaligen DDR ist laut
Hartmut von Hentig erheblich größer als im Westen.
9. Untersuchungen zufolge hat auch in den USA, in England und in Frankreich die Bereitschaft zur
Gewalt deutlich zugenommen.
10. Die Theorie, dass die Einstellungen der Eltern die entgegengesetzte bei ihren Kindern erzeugen, trifft nicht zu.
11. Hartmut von Hentig bemerkt, dass es einen Unterschied zwischen der wirklichen
5
Hentig, Hartmut von: Die Schule neu denken. Eine Übung in pädagogischer Vernunft. München 1993, S. 98.
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Christina Schmitt, 2005, Zu: Hartmut von Hentig - Die Schule neu denken, Munich, GRIN Publishing GmbH
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