Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung
2.1 Erklärung des Begriffs
2.2 Neoliberale Globalisierung
2.3 Die Entwicklung vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbsstaat im Zuge der
neoliberalen Globalisierung
2.4 Auswirkungen der Globalisierung
2.4.1 Produktionsverlagerungen
2.4.2 Lohn und Umweltdumping
2.4.3 Flexibilisierung und Informalisierung von Arbeit
2.4.4 Ausschluss ganzer Weltregionen vom globalen Markt
2.4.5 Migration und Irreguläre Migration
2.5 Kulturelle Globalisierung
3. Globalisierung aus Frauensicht
3.1 Die Feminisierung der Arbeit und der Armut
3.2 Globalisierung als geschlechtsspezifischer Prozess
3.3 Die Aushölung des fordistischen Geschlechterarrangements
3.4 Die Delegation von Reproduktionsarbeit
4. Schlussbetrachtung
5. Quellenangaben
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1. Einleitung
Im Zuge der „neoliberalen Globalisierung“ findet eine Umstrukturierung von Zugängen zu Daseinsvorsorge und Ressourcen statt, von Markt- und Einkommenschancen, von sozialen und ökologischen Verantwortlichkeiten. Solidarität und kollektive Verantwortung weichen dem Konzept des eigentverantwortlichen Individuums. Die Liberalisierung der Waren- und Finanzströme und eine Steigerung des internationalen Konkurrenzdrucks werden als universelle Lösung gesellschaftlicher Probleme gepriesen – der Markt selbst wird zum Leitprinzip des Staates. Es zeigt sich jedoch, dass die Globalisierung nicht generell und überall die gleichen Auswirkungen hat, dass sie nicht zu einer homogenen und gobalen Weltgesellschaft geführt hat. Vielmehr scheint sie die Gegensätze zwischen Arm und Reich global sowie innerhalb der verschiedenen Länder und Regionen zu vergrößern.
In unserer Hausarbeit möchten wir nun darstellen, inwieweit und auf welche Art und Weise speziell Frauen von der Globalisierung betroffen und beeinflusst sind und wie unterschiedlich sich Globalisierung nicht nur auf das Leben von Frauen und Männern, sondern auch auf das Leben von Frauen untereinander auswirken kann. Außerdem möchten wir untersuchen, welche Bedeutung die Geschlechterverhältnisse in der Globalisierung einnehmen, wie sie von ihr beeinflusst werden, wie sie einerseits festgeschrieben aber auch flexibilisiert werden. Wir werden zu Beginn unserer Hausarbeit zu klären versuchen, was man unter der heutigen „neoliberalen Globalisierung“ versteht und welchen Dynamiken diese unterworfen ist. Anschließend werden wir erörtern, welche globalen und nationalen Veränderungen die Globalisierung mit sich zieht, beispielsweise die ökonomischen Umstrukturierungen der Arbeitsverhältnisse und den Abbau der sozialen Sicherungssysteme, und welche Auswirkungen diese Veränderungen mit sich ziehen.
Darauffolgend werden wir zeigen, wie verschieden die Globalisierung das Leben von Frauen aus ökonomisch starken und Frauen aus ökonomisch schwachen Ländern beeinflussen kann, wie erstere ihre Emanzipation im Zuge der Globalisierung auf Kosten und mithilfe von Migrantinnen ermöglichen.
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Mit unserer Hausarbeit möchten wir aufzeigen, dass aufgrund dieser Probleme ein veränderter Genderdiskurs notwendig ist, der berücksichtigt, dass Frauen keine homogene Gruppe bilden, ein Diskurs der mindestens den Modus „Ethnie“ miteinbeziehen muss.
2. Globalisierung
2.1 Erklärung des Begriffs
Unter „Globalisierung“ versteht man einen vielschichtigen und widersprüchlichen Prozess politischer Veränderungen, in deren Mittelpunkt die wachsende Verflechtung von Ländern und Regionen über den Weltmarkt steht 1 . Das heißt, Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Verflechtung von Handel und Produktion, Dienstleistungen und Warenströmen. Im weiteren Sinn umfasst „Globalisierung“ die Auswirkung dieser Verflechtungen auf soziale Beziehungen, politische Herrschaftsverhältnisse und kulturelle Deutungsmuster. „Globalisierung“ beschreibt kein neues Phänomen, vielmehr gab es bereits in der historischen Vergangenheit zeitweise engere weltweite wirtschaftliche Verflechtungen, so zum Beispiel zur Zeit des Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Begriff beschreibt einen Prozess, der mindestens bis zur Entfaltung und Durchsetzung industrieller kapitalistischer Verhältnisse im 19. Jahrhundert, sogar bis zum Beginn der europäischen Expansion und der Ausbildung eines kapitalistischen Weltsystems seit Anfang des 16. Jahrhunderts zurückreicht, wie der Gesellschaftswissenschaftler Christoph Görg bemerkt. „Beträchtliche Kapitalexporte, ein expandierender Welthandel, transnationale Unternehmen und Bankhäuser, weltumspannende Finanzkrisen und Migrationsströme“ 2 sind für Wirtschaftshistoriker daher keine unbekannten Erscheinungen mehr.
1 Lemke, Christiane: Gender und Globalisierung.
http://www.fu- berlin.de/gpo/pdf/christiane_lemke/christiane_lemke.pdf#search=`christiane%20lemke%20gender%2 0und%20globalisierung` 2 Müller, Klaus: Globalisierung. Frankfurt am Main 2002, S. 16.
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2.2 Neoliberale Globalisierung
Allerdings ist anzumerken, dass sich der Prozess der Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert durchaus enorm beschleunigt und verändert hat. Der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Klaus Müller erkennt, dass die Dynamik der Globalisierung auf mehreren sich wechselseitig verstärkenden Faktoren basiert: Einerseits auf einer „kommunikativen Infrastruktur“, die durch Satellitennetzwerke und das Internet möglich wird, sowie auf „sinkenden Transportkosten, der Intensivierung grenzüberschreitender Kontakte sowie exponentiell zunehmenden Finanztransaktionen“ 3 . Außerdem beruht die Dynamik der Globalisierung auf einer Ausdehnung neoliberaler wirtschaftlicher und politischer Leitvorstellungen: Man spricht heute daher von der „neoliberalen Globalisierung“. Hieran wird deutlich, dass sie politisch intendiert ist und somit auch die Möglichkeit zu ihrer potentiellen politischen Umgestaltung gegeben sein muss 4 . Globalisierung ist demnach kein irreversibler Zustand, sondern ein Ergebnis von Marktzprozessen, geopolitischen Konstellationen und staatlichen Entscheidungen, die international operierenden Banken und Unternehmen erweiterte Betätigungsfelder eröffnen 5 . Moderne globale Finanzmärkte entstehen weder aus sich selbst heraus, noch hätten sie andauernden Bestand ohne anhaltende politische Interventionen. eine Haltung, welche von Globalisierungskritikern häufig vertreten wird. Diese Position widerspricht und kritisiert deutlich das von Margaret Thatcher geprägte TINA („There Is No Alternative“)-Prinzip 6 , nachdem die gesellschaftliche Entwicklung alternativlos und nicht aufzuhalten oder veränderbar scheint.
2.3 Die Entwicklung vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbsstaat im Zuge der
Christoph Görg stellt fest, dass die neoliberale Globalisierung einen Übergang zu einer neuen Phase kapitalistischer Entwicklung markiert, die sich von der der Nachkriegszeit erheblich unterscheidet. Der Kern dieser Veränderungen stellt eine Verschiebung der sozialen Kräfteverhältnisse dar.
3 Müller, Klaus: Globalisierung. Frankfurt am Main 2002, S. 8.
4 KP÷Bundesvorstand: Globalisierung aus Frauensicht.
http:www.kpoenet.at/frauen/0002.html 5 Müller, Klaus: Globalisierung. Frankfurt am Main 2002, S. 14f.
6 Wichterich, Christa: Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung. Soziale Reproduktion und Livelihood-Rechte in der neoliberalen Globalisierung. Wuppertal 2004, S. 22.
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Diese Transformationen zielen nach Görg auf ein neues Verhältnis von Politik/Staat und Ökonomie sowie von Natur und Kultur und streben eine Liberalisierung der Waren- und Finanzströme und eine Steigerung des internationalen Konkurrenzdrucks an. Michel Foucault zufolge beschreibt eine neoliberale Regierungsperspektive das Verhältnis von Markt und Staat auf eine neue Art und Weise: Es ist nicht mehr der Staat, welcher die Marktfreiheit überwacht, vielmehr wird der Markt selbst zum organisierenden Prinzip des Staates.
Die deutsche Variante des Wohlfahrtstaats beruhte nach dem 2. Weltkrieg auf dem Solidaritätsprinzip des rheinischen Kapitalismus:
„wird die Risikoabfederung durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge finanziert, findet eine Quersubventionierung statt zwischen Arbeitsplatzbesitzern und Erwerbslosen, Gesunden und Kranken, Jungen und Alten, besser und schlechter Verdienenden. Auf diese Weise setzen gesellschaftliche Solidarität und Umverteilung das Prinzip wechselseitiger Versorgung und Verpflichtung in der Familie und das Prinzip des Teilens und Verteilens in moralischen Ökonomien fort.“ 7
Die sogenannte „fordistische Familie“ galt zu dieser Zeit als gesellschaftliche Keimzelle, da sie der Ort der Nachwuchsproduktion, der sozialen Reproduktion und der gegenseitigen Sorge war. Frauen wurde hier die volle Vor- und Fürsorgearbeit überlassen, der Mann war der außer Haus arbeitende „Familienernährer“. Die Wohlfahrts- und Sozialstaatlichkeit des rheinischen Kapitalismus wird nun vom Wettbewerbsstaat als Standort- und Wachstumsgarant verdrängt 8 . Kollektive Haftung wird durch die individuelle Verantwortung ersetzt 9 , ein wertvolles Gesellschafts- mitglied ist man nicht, wenn man Sorgeanteile und Risikoverantwortung für andere übernimmt, sondern indem man sich eigenverantwortlich um die individuellen Risiken kümmert und so nicht der Gesellschaft zur Last fällt.
7 Wichterich, Christa: Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung. Soziale Reproduktion und Livelihood-Rechte in der neoliberalen Globalisierung. Wuppertal 2004, S. 22.
8 Wichterich, Christa: Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung. Soziale Reproduktion und Livelihood-Rechte in der neoliberalen Globalisierung. Wuppertal 2004, S. 21.
9 Pühl, Katharina und Schultz, Susanne: Gouvernementalität und Geschlecht – Über das Paradox der Festschreibung und Flexibilisierung der Geschlechterverhältnisse. In: Geschlecht und Globalisierung. Ein kulturwissenschaftlicher Streifzug durch transnationale Räume.Hrsg. von Sabine Hess und Ramona Lenz. Königstein/Taunus 2001, S. 102 ff.
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Arbeit zitieren:
Christina Schmitt, Peter Debes, 2005, Globalisierung und Geschlecht, München, GRIN Verlag GmbH
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