Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Metapher
2.1 Metaphertheorien
2.1.1 Die Substitutionstheorie
2.1.2 Die Vergleichstheorie
2.1.3 Die Interaktionstheorie
2.1.4 Weinrichs Metapherntheorie und die Bedeutung des Kontextes
2.1.5 Objekt, Bild und Sinnes
2.1.6 Earl MacCormacs Metapherntheorien
2.1.7 Der Verstehensprozess
2.1.8 Die Kognitive Ebene
2.1.9 Scenes and Frames
2.1.10 Metaphernfelder
2.1.11 Die Oberflächenstruktur der Metapher
2.1.12 Kühne Metaphern
2.1.13 Lexikalisierung
3. Metaphernübersetzung
3.1 Dimension und Perspektive
3.2 Foregrounding
3.3 Die unterschiedlichen Kategorien translatorischen Handelns
4. Metaphernübersetzung - Andreas Gryphius - Es ist alles eitel
4.1 Biographie Andreas Gryphius
4.2 Metaphernübersetzung
4.2.1 Texte: Es ist alles eitel
4.2.2 Ergebnisse
4.3 Fazit
5. Quellenangaben
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1. Einleitung
Und heraus konnten wir nicht, denn es lag in unserer Sprache. 1 “
Den Gegenstand dieser Seminararbeit stellt die Metapher dar, speziell jedoch soll auf die Metaphernübersetzung, einem eher wenig erforschten Bereich der Übersetzungswissenschaft, eingegangen werden. Die Vernachlässigung dieses Themenbereichs seitens der Übersetzungswissenschaft hat zu einem Mangel an Sensibilisierung für die Metapher als Übersetzungsproblem geführt.
Ausgangspunkt sind die Resultate und Erkenntnisse der allgemeinen Metaphernforschung, einem Bereich, der gerade in den Achtzigerjahren reges Interesse auf sich zog und zahlreiche Untersuchungen nach sich gezogen hat.. Trotzdem herrscht bis heute eine auffallende Uneinigkeit über den Begriff der Metapher. Einige Autoren grenzen ihn gegen benachbarte rhetorische Figuren wie Metonymie und Synekdoche ab, während ihn andere auf große Teile der Sprache ausweiten, insbesondere innerhalb der kognitiven Psychologie.
Anselm Haverkamp formulierte diesen Umstand folgendermaßen:
„Es gibt keine einheitliche Metaphernforschung und eine Theorie der Metapher nur als Sammelnamen konkurrierender Ansätze.“ 2
Zu Beginn der Seminararbeit werde ich zunächst das Wesen der Metapher behandeln, indem ich auf unterschiedliche Metapherntheorien eingehen und dabei unter anderem auch den Verstehensprozess behandeln werde, der sich zum großen Teil auf der kognitiven Ebene abspielt. In diesem Kapitel wird außerdem die Oberflächenstruktur der Metapher angesprochen werden, ebenso wie das Phänomen ihrer Lexikalisierung.
1 Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1982, S. 7.
2 Haver, Anselm: Theorie der Metapher. Darmstadt 1974. In: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main 1995, S. 10.
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Im Anschluß werde ich mich den unterschiedlichen Theorien der Metaphernübersetzung widmen, um zum Abschluss dieser Hausarbeit eine eigene, wenn auch kleine, Metaphernübersetzungsanalyse durchzuführen, anhand eines Gedichtes von Andreas Gryphius.
2. Die Metapher
2.1 Metapherntheorien
Seit die Menschheit über Sprache nachdenkt, hat die Metapher immer wieder ein besonderes Interesse auf sich gezogen. Nicht wenige sehen in der Metapher sogar das Prinzip der Sprache überhaupt. Gerade in den letzten 50 Jahren ist dieses Interesse außerordentlich gewachsen und eine große Anzahl von Abhandlungen wurde publiziert. Stark vereinfacht können hier zwei Richtungen unterschieden werden: Die Substitutionstheorie und die Interaktionstheorie 3 .
2.1.1 Die Substitutionstheorie
Die Substitutionstheorie ist die älteste und immer noch verbreitetste Metapherntheorie und geht auf den griechischen Philosophen, Logiker und Naturforscher Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurück. Diese Auffassung definiert die Metapher als bloße Ersetzung (Substitution) eines „eigentlichen“ Wortes durch ein anderes, „uneigentliches“, fremdes Wort. Die Substitutionstheorie sieht die Metapher als Zierde, als Redeschmuck an, nach ihr sind alle Metaphern reduzierbar auf wortwörtlichen Gebrauch, da sie entweder rein stilistische Bedeutung haben oder als Ausdrücke mit verblasster Bildlichkeit (z.B. „Tischbein“) Lücken im Wortschatz füllen.
2.1.2 Die Vergleichstheorie
Eine Form der Substitutionstheorie ist die Vergleichstheorie, welche auf den römischen Rhetoriklehrer, Redner und Schriftsteller Quintilian (ca. 35 bis ca. 96 nach Christus) zurück geht. Ihr zufolge ist die Metapher ein um die Partikel „wie“ gekürzter Vergleich. Die Vergleichstheorie setzt immer eine Ähnlichkeit oder Analogie zwischen den verglichenen Gegenständen voraus. Nach ihr sind alle Metaphern reduzierbar auf wortwörtlichen Gebrauch, da sie lediglich einen Vergleich ausdrücken.
3 Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1982, S. 7f.
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Doch diese Auffassungen greifen zu kurz, da sich Metaphern nicht nur auf Wirkliches beziehen, reale Ähnlichkeiten und Analogien aufgreifen, sondern auch Ähnlichkeiten erzeugen. Sie schaffen neue Wirklichkeiten, alternative Wahrnehmungsmöglichkeiten, indem sie Sprach- und Ordnungskonventionen sprengen und scheinbar Unvereinbares verschmelzen.
2.1.3 Die Interaktionstheorie
Erst in der Interaktionsthorie wird die wortsemantische Betrachtungsweise der Metapher mit ihrer fehlenden Differenzierung zwischen lexikalischer Bedeutung und Bedeutung im Text überwunden. Die Interaktionstheorie setzt voraus, dass es für einen metaphorischen Ausdruck keinen „eigentlichen“ Ausdruck gibt. Der metaphorische Ausdruck ist nicht ersetzbar, außer um den Preis eines Verlusts an Bedeutung. Untersucht werden nun Stellung und Funktion einer Metapher in einem Kontext, in einer Äußerung. Zwischen der Metapher und ihrem Kontext besteht semantische Inkongruenz. Ein wechselseitiger Interpretationsprozess von Metapher und Kontext muss daher einsetzen (deswegen: Interaktion).
Max Black veranschaulicht diesen Prozess mit seinem Modell von Fokus und Rahmen. Eine Metapher besteht aus Fokus (Wort) und Rahmen (Satz), die zusammenwirken, interagieren 4 . Der Fokus reagiert auf den ungewöhnlichen Rahmen mit einer anderen als der üblichen Bedeutung. Die Bedeutung des Wortes wird jedoch nicht verändert, sondern nur erweitert. Auch Max Black unterscheidet nicht deutlich genug lexikalische Bedeutung und textuelle Bedeutung, denn erstere ist nicht mehr als ein Ausgangspunkt für die Interpretation des metaphorischen Ausdrucks. Die textuelle Bedeutung der Metapher zehrt zwar aus der lexikalischen Bedeutung von Kontext und metaphorisch verwendetem Ausdruck, ist aber keine bloße Bedeutungserweiterung, sondern etwas qualitativ Neues.
2.1.4 Weinrichs Metapherntheorie und die Bedeutung des Kontexts
Metaphern stehen nach Harald Weinrich immer im Zusammenhang mit dem Kontext: Entfernt man sie aus ihrem Kontext, so wird die Metapher zerstört. Eine Metapher ist für Weinrich nie ein einzelnes Wort, sondern immer ein, wenn auch ein kleines, Stück Text. Eine Metapher ist immer ein Stück Text, metaphorisch verwendetes Wort plus Kontext. 5
4 Black, Max: Models and Metaphors. Essays in Language and Philosophy. Ithaca 1962. In: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main 1995, S. 92.
5 Weinrich, Harald: Sprache in Texten. Stuttgart 1976, S. 319. In: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main 1995, S. 89.
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Auf der paradigmatischen Ebene benennt Weinrich den metaphorisch beschriebenen Gegenstand und den verwendeten Ausdruck als „bildempfangendes“ bzw. „bildspendendes“ Element 6 (siehe Abb. 1): Dem Bildempfänger „Vergessenheit“ werden durch den Bildspender „Meer“ bestimmte Eigenschaften wie z.B. Weite, Unüberschaubarkeit zugeschrieben. Die beiden Metaphernbestandteile verbinden sich zu einer neuen Bedeutungseinheit, die als Vorstellung mehr als die Summe ihrer Teile darstellt.
Abb. 1: Der metaphorische Prozess nach Weinrich
An dem Spannungsverhältnis zwischen metaphorisch gebrauchtem Ausdruck und Satzkontext erkennt der Leser die Metapher. Durch einen Mangel an inhaltlicher Geschlossenheit zwischen beiden wird zunächst ein Auseinanderfallen von Kontext und Metapher, dann ein Widerspruch zwischen metaphorischer Verwendung und lexikalischer Wortbedeutung spürbar. Je höher der Grad der Übereinstimmung einer Metapher mit den Kollokationsregeln der Sprache, desto weniger zieht sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich, und desto weiter steht sie im Hintergrund. Je geringer der Grad der Übereinstimmung, desto eher lenkt die Metapher die Aufmerksamkeit auf sich. Verstößt eine Metapher besonders deutlich gegen die Kollokationsregeln, so rückt sie ganz in den Vordergrund. Diesen Mechanismus nennt man „Foregrounding“.
6 http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/rhe_mit_1_5-Dateien/image002.gif
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2.1.5 Objekt, Bild und Sinn
Laut Peter Newmark besteht die einzelne Metapher aus drei Elementen (Dimensionen): Einem durch die Metapher beschriebenen Objekt, einem Bild, d.h. dem Gegenstand, mit dessen Hilfe das Objekt der Metapher beschrieben wird, und ihrem Sinn, den zwischen Objekt und Bild bestehenden oder neugeschaffenen Ähnlichkeiten 7 (siehe Abb. 2 8 ). Es muss, um die Metapher zu verstehen, versucht werden, zwischen Objekt und Bild der Metapher ein Tertium comparationis (Vergleichspunkt) zu finden (siehe Abb. 3). Oft ist jedoch keine offensichtliche Ähnlichkeit zwischen Bild und Objekt vorhanden, so dass der Rezipient die reale oder neugeschaffene Ähnlichkeitsbeziehung erst nachvollziehen muss.
Referenzrahmen der Ausgangssprache und -
Abb.2: Der metaphorische Prozess nach Newmark
7 Newmark, Peter: The Translation of Metaphor. 1980. In: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main 1995, S. 108.
8 Leicht abgeändert übernommen aus: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main
1995, S. 140.
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Abb. 3: Der Vergleichspunkt
2.1.6 Earl MacCormacs Metapherntheorie
Earl MacCormac geht ebenfalls von der Interaktionstheorie aus. Er untersucht die Metapher jedoch nicht als rein sprachliches Phänomen auf der Ebene der Syntax und Semantik, sondern als kognitiven Prozess 9 . Die Interaktion zwischen syntaktischer Struktur und Lexikon bestimmt die Bedeutung des einzelnen Wortes. Die Semantik der Metapher dagegen ist ein interaktiver Mechanismus, der die Sprachoberfläche mit dem Bereich der Kognition verbindet. Indem sie die Referenten sprachlicher Ausdrücke auf überraschende Weise nebeneinanderstellen, sie miteinander in Beziehung bringen, erfüllen Metaphern die kognitive Funktion, neue Bedeutungen zu schaffen. Dieser Prozess geht mit der Erzeugung neuer Einsichten und Hypothesen über die Welt einher.
MacCormac stellt die Metapher in den weiteren Kontext der Kultur, denn der metaphorische Prozess umfasst nicht nur Gehirn und Geist, sondern auch die äußere Welt. Einerseits ist die Metapher abhängig vom Sprachbesitz einer Gemeinschaft, den das einzelne Mitglied erworben und in seinem Langzeitgedächtnis gespeichert hat. Andererseits wirkt sie auf diesen Sprachbesitz zurück, indem neue Metaphern die Sprache einer Gemeinschaft verändern und bereichern.
9 MacCormac, Earl: A cognitive theory of metaphor. Cambridge/Mass. 1988. In: Kurth, Enst-Norbert: Metaphernübersetzung. Dargestellt an grotesken Metaphern im Frühwerk Charles Dickens in der Wiedergabe deutscher Übersetzungen. Frankfurt am Main 1995, S. 92.
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Arbeit zitieren:
Christina Schmitt, 2005, Metaphernübersetzung, München, GRIN Verlag GmbH
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