Friedemann Bringt, Dresden
Hausarbeit Modul A 2: “Individuum Weltgesellschaft“ (Soziologie)
Inhalt :
0. EINLEITUNG 4
1. ALLGEMEINE SYSTEMTHEORIE 5
1.1 GRUNDLEGENDE UNTERSCHIEDE DER SYSTEMTHEORETISCHEN ANSÄTZE NACH LUHMANN
UND BUNGE 6
1.2 GRUNDZÜGE DER SYSTEMTHEORIE BEI M. BUNGE 7
2. SYSTEMTHEORIE UND SOZIALE ARBEIT 8
2.1 SOZIALE ARBEIT ALS SYSTEMISTISCHE HANDLUNGSWISSENSCHAFT SOZIALER PROBLEME
(OBRECHT/STAUB-BERNASCONI) 9
3. HABITUS UND SOZIALRÄUMLICHE DIFFERENZIERUNG NACH PIERRE BOURDIEU9
3.1 SOZIALER RAUM. 10
3. 2 HABITUS. 11
3. 3 KAPITALFORMEN. 12
3. 3. 1 Ökonomisches Kapital. 12
3. 3. 2 Kulturelles Kapital. 13
3. 4 SOZIALE MILIEUS ALS MACHTZENTREN IM SOZIALEN FELD. 13
3. 4. 1 Soziale Klassen 14
3. 4. 2 Wertewandel und Prestigepositionen sozialer Milieus im sozialen Feld. 15
Masterstudiengang : Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession 2
ZPSA Berlin 2006
4. VERBREITUNG RECHTSEXTREMER EINSTELLUNGEN IN DER BEVÖLKERUNG
DER BRD.............................................................................................................................................16 4.1 ERKLÄRUNGSANSÄTZE...............................................................................................................18 4.1.1 Sozialisationstheoretische Ansätze .....................................................................................18
4.1.2 Gesellschaftliche Einflüsse .................................................................................................19
4.1.3 Desintegration, Standort und Globalisierung ....................................................................22
4.1.4 Rechtsextremismus als Erbe der DDR ...............................................................................25 4.1.4.1 Objektorientiert: DDR-Alltagskultur - nationalistischer Diskurs im ................................... 25 antifaschistischen Gewand ..................................................................................................... 25 4.1.4.2 Subjektorientiert: „Der Untertan“ - seine realsozialistischen Sozialisationsinstanzen und das kurze Aufleuchten einer anderen Identität............................................................. 27
4.2 INTEGRATIVER ERKLÄRUNGSANSATZ: SOZIALRÄUMLICHE MILIEUSTUDIEN .............................28 4.2.1 Typisierung und sozialräumliche Darstellung der BRD nach Bourdieu - Dispositionen
für rechtsextreme Werteorientierungen ......................................................................................29
4. 2. 2 Das national-konservative Block: rechtsextreme sozio-kulturelle Werte........................30
4. 2. 3 subjektorientierte rechtsextreme Praktiken: die Schaffung individueller Angsträume
(No-Go-Areas) ..............................................................................................................................32
4. 2. 4 objektorientierte rechtsextreme Praktiken: Zerstörung der Zivilgesellschaft................33
5. (SYMBOLISCHE) MACHT ALS STRATEGISCHE RESSOURCE IM KAMPF UND DEUTUNGSHOHEIT IM ÖFFENTLICHEN (SOZIAL-)RAUM = ZIVILGESELLSCHAFT ......34 5.1 LEGITIME UND ILLEGITIME MACHTAUSÜBUNG IN DER SOZIALPROFESSIONELLEN ARBEIT:
DAS SPANNUNGSFELD ZWISCHEN MACHT UND BEDÜRFNISSEN ....................................................35
5. 2 MACHTDISPOSITIONEN (RESSOURCEN) UND IHRE ANALYSE: DIE PROZESSUAL-SYSTEMISCHE
DENKFIGUR (PSD) NACH STAUB-BERNASCONI........................................................................37
5. 3 DIE DURCHSETZUNG DER MENSCHENRECHTE FÜR JEDERMENSCH IM ALLTAG .................38
5. 4 KULTURELLE HEGEMONIE DEMOKRATISCHER UND HUMANISTISCHER WERTE - WAS IST DAS?
...........................................................................................................................................................39
6. AUSBLICK: SYSTEMISCH-SOZIALRÄUMLICHE TECHNOLOGIEN ZUR (SOZIOKULTURELLEN) DEMOKRATISCHEN GEMEINWESENENTWICKLUNG IM
VERSUCHSFELD OSTDEUTSCHLAND.......................................................................................40
7. LITERATUR....................................................................................................................................41
0. Einleitung
Damit die Profession Soziale Arbeit - entsprechend ihrer Definition - am Schnittpunkt zwischen Individuum und Gesellschaft intervenieren kann 1 benötigt sie eine wissenschaftlich begründete Erklärungsbasis und darauf aufbauende Handlungskonzepte. Die von professioneller Sozialer Arbeit angestrebte Veränderung sozialer Wirklichkeit findet Ausdruck im Selbstverständnis der Disziplin Sozialer Arbeit als Handlungswissenschaft. Neben der An-forderung eine Theorie des Handelns zu entwickeln besteht demnach für Sozialprofessionelle die Notwendigkeit, Wissen zu generieren, das die Struktur und Dynamik des Handlungsfeldes, als einer klar definierten Sphäre zwischen Individuum, seinen Zusammenschlüssen (Familie, Peergroup, Arbeitskollektiv, etc.) und der es umgebenden (Welt-)Gesellschaft) erklärt. Soziale Arbeit, die sich zum Ziel setzt, planvoll sozialen und damit gesellschaftlichen Wandel herbeiführen zu können, 2 muss notwendiger Weise auch Erklärungs- und Handlungswissen für alle Systemebenen bis hin zu interregionalen und internationalen Systeme, ein Bild gesellschaftlicher Strukturen bis hin zur Weltgesellschaft anbieten.
In dieser Arbeit will ich beschreiben, warum und in welcher Wiese rechtsextreme Werteeinstellungen und Orientierungen in ostdeutschen Regionen ein soziales und gesellschaftliches Problem darstellen und somit ein für die Profession und Praxis Sozialer Arbeit relevantes Handlungsfeld sind. Dabei ist es ein Anliegen von mir, die angestrebte nachhaltige Veränderungsabsicht sozialer Wirklichkeit transparent zu machen und zu begründen und somit erste Handlungsempfehlungen für sozialprofessionelles Handeln zu geben. Um diesen Anspruch erfüllen zu können, benötige ich transdiziplinäres wissenschaftliches Bezugswissen, mit dem ich einerseits die Struktur und Dynamik gesellschaftlicher Wirklichkeit analysieren und beschreiben kann. Hierzu nehme ich Bezug auf systemtheoretische Überlegungen von Sylvia STAUB-BERNASCONI, die sich ihrerseits an Mario BUNGEs „emergentistischem Systemismus“ orientiert, der im Folgenden näher vorgestellt und mit den ethnologisch/soziologisch gespeisten milieutheoretischen Überlegungen BOURDIEUs in Zusammenhang gestellt werden soll. So gewinne ich ein Verständnis der Dynamik und der Interaktionsprozesse von Individuen und Gruppen innerhalb von Gesellschaften. Drittens benötige ich für eine für Soziale Arbeit notwendige Beschreibung von Veränderungsperspektiven und gesellschaftlichem Wandel ein Verständnis von Macht und Machtquellen bzw. Ressourcen im Sozialen Raum. Auch hier beziehe ich mich auf STAUB-BERNASCONI, erweitere Aber die Auseinandersetzung mit dem analytischen Begriff Macht um die kulturpolitische Perspektive Antonio GRAMSCIs um schließlich in einer Zusammenfassung Handlungsperspektiven für Soziale Arbeit in rechtsextrem dominierten Sozialräumen aufzeichnen zu können.
Diese Arbeit legt ihren Schwerpunkt auf die Theorielage und die notwendige Verknüpfung der beschriebenen wissenschaftlichen Paradigmen und bleibt in den handlungstheoretischen Aussagen knapp. Für eine intensivere Auseinandersetzung mit handlungstheoretischen Perspektiven Sozialer Arbeit in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen Dominanzerscheinungen verweise ich auf meine Ausführungen andernorts. 3
1 vgl. Definition Soziale Arbeit der IFSW, http://www.ifsw.org/en/p38000409.html (eingesehen am: 10.1. 2006)
2 vgl. ebd.
3 vgl. dazu Bringt/Korgel 2004 In: Borrmann 2004, oder Bringt 2004 In Bilke, N.: Der Wind weht nach Rechts“ http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/6/0,1872,2183110,00.html (aufgefunden: 5. 1. 2006)
1. allgemeine Systemtheorie
ein Gebilde, dessen wesentliche Elemente so aufeinander bezogen sind, dass sie eine Einheit abgeben. Systeme organisieren und erhalten sich durch Strukturen. ‚Struktur’ bezeichnet das Muster der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte, durch die ein System funktioniert (entsteht und sich erhält). 6
Der Begriff dient zur Bezeichnung beliebiger Gegenstände; es wird von Gedankens., Theories., sozialem S., psychischem S. usf. gesprochen. Dabei handelt es sich stets um theoretische Konstruktionen. Etwas als ein S. aufzufassen bedeutet nicht mehr, als sich dem jeweiligen Gegenstand mit bestimmten Begriffen und unter einem bestimmten Gesichtspunkt zu nähern (nämlich die Elemente und ihre Beziehungen, etwa ihre Interaktion, mit der Umwelt zu verknüpfen). 7
Die Grundidee der Systemtheorie ist, alles als System zu betrachten, d.h. unter dem Aspekt seiner inneren Organisation und seiner Interaktion mit der Umwelt zu analysieren. Der jeweils interessierende Gegenstand wird mit Hilfe einer besonderen Methode als System rekonstruiert und bestimmten Analyseverfahren unterworfen. Wesentlich für die Methode der S. ist das Analogieprinzip, nämlich die Vergleichbarkeit von Prozessen in verschiedenen Materialien. Darüber hinaus beharrt die S. auf der Analyse von Einzelbeziehungen unter dem Aspekt ihrer Funktionen für das umfassende Ganze. Ihre Erklärungsmodelle sind daher oft nicht kausal, sondern teleologisch konstruiert, meist durch Angabe der Bedingungen des Systemgleichgewichts. [...]. 8
LUHMANN (1927-1998) ist der bekannteste Vertreter der Systemtheorie. Er erweiterte sein Theoriegebäude Mitte der 80er Jahre und entwickelte so eine wissenschaftliche Theorie über soziale Systeme. Seine beiden zentralen Thesen lauten, dass soziale Systeme ausschließlich aus Kommunikation bestehen (nicht aus Subjekten bzw. Akteuren) und sich in
4 Miller 1999: 26
5 e.b.d.
6 vgl. Internetlexikon „wikipedia“: http://de.wikipedia.org/wiki/System (aufgefunden am 31. 1. 2006)
7 Lexikon zur Soziologie 1994: 661
8 e.b.d.: 666
einem ständigen, nicht zielgerichteten autokatalytischen Prozess quasi aus sich selbst heraus erschaffen. Daher bezeichnet Luhmann Systeme als autopoietisch.
"Ein soziales System kommt zustande, wann immer ein autopoietischer Kommunikationszusammenhang entsteht und sich durch Einschränkung der Kommunikation gegen eine Umwelt abgrenzt. Soziale Systeme bestehen demnach nicht aus Menschen oder Handlungen, sondern aus Kommunikationen." 9
Kommunikation verläuft, LUHMANN zufolge, in sozialen Systemen wie bei der Selbstreproduktion lebender Organismen: wie diese nur Stoffe aus der Umwelt aufnähmen, die für ihre Selbstreproduktion relevant seien, nähmen auch Kommunikationssysteme in ihrer Umwelt nur das wahr, was zu ihrem "Thema passe", was an den Sinn der bisherigen Kommunikation "anschlussfähig" ist. "Sinn" ist für LUHMANN ein Mechanismus zur Reduktion von Komplexität: In der unendlich komplexen Umwelt wird nach bestimmten Kriterien nur ein kleiner Teil herausgefiltert; die Grenze eines sozialen Systems markiert somit eine Komplexitätsdifferenz von außen nach innen. Die Kommunikation bezieht sich nur scheinbar direkt auf die Umwelt. Tatsächlich bezieht sie sich nur auf die von ihr nach ihren eigenen Gesetzen wahrgenommene innere Abbildung der Umwelt, also letztlich auf sich selbst. Diese Selbstbezüglichkeit (Selbstreferenzialität) betrachtet LUHMANN als typisch für jede Kommunikation und analog zum Phänomen der Autopoiesis in der Biologie. Die Begriffe selbstreferenzielles System und autopoietisches System sind daher in den meisten Fällen austauschbar.
In der Folge definiert LUHMANN soziale Systeme - anders als PARSONS - nicht als mit ihrer Umwelt in Austausch stehend, sondern als "autopoietisch geschlossen". Es kann seine selektive Wahrnehmungsweise der Umwelt nicht ändern, ohne seine spezifische Identität zu verlieren. Eingriffs- bzw. Steuerungsversuche eines Systems in ein anderes sind demnach kaum möglich: Die Wirtschaft kann von der Politik nur sehr bedingt gesteuert werden; die Moral kann die Politik nur bedingt steuern usw. Das Gesetz der Autopoiesis setzt laut LUH-MANN den Bemühungen einer rationalen, ethisch gerechten Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse enge Grenzen - daher gilt Luhmann im Vergleich zu HABERMAS, BECK oder Werner OBRECHT als politisch konservativ.
1.1 Grundlegende Unterschiede der systemtheoretischen Ansätze nach Luhmann und Bunge
Während BUNGE von der Vorstellung ausgeht, „es gebe die real existierende Welt, ohne dass man sie beobachtet und man könne diese demnach auch explorieren 11 postuliert LUH-MANN entgegengesetzt, „es gebe zwar eine reale Welt, ihre Existenz könne jedoch niemand eindeutig beweisen“ und folglich bestünde keine Notwendigkeit, seine Theorie empirisch zu überprüfen“ 12 . Demnach versteht LUHMANN Wahrheit lediglich als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium während BUNGE ‚Wahrheit’ als psychobiologische Erkenntnis-theorie und „annähernde Korrespondenz zwischen Fakten und Aussagen über Fakten“ (faktische Wahrheiten) begreift, welche niemals vollständig ist, deren Wahrheitsgehalt aber durch weiteres (empirisches) Forschen und die Korrektur von Fehlerquellen stetig gesteigert
9 Luhmann 1986: 269
10 e.b.d.: 12f.
11 e.b.d.: 13
12 e.b.d.: „Luhmanns Projekt der Gesellschaftstheorie [...] mit einer Laufzeit von 30 Jahren sah keine empirische Forschung vor: „Ich versuche, die empirischen Methoden durch Milieukenntnis zu ergänzen [...]. Was plausibel ist oder nicht, sehe ich, wenn ich mich erinnere, oder wenn ich mitmache’ (Luhmann in: Hoster: 1997, 35)“ (zit. In Wobbe: 2000, 56)
werden könne. 13 Im BUNGEschen Ansatz ist Wissen ein Produkt von reellen Erkenntnisprozessen.
BUNGE zufolge sind soziale Systeme Ergebnis konkreter Handlungen menschlicher Individuen, werden durch sie in Gang gehalten, verändert oder zerstört, wobei diese Handlungen durch konkrete emotio-kognitive Prozesse angetrieben werden. Die Befriedigung biologischer, (bio)psy-chischer oder (biopsycho)sozialer Bedürfnisse bzw. deren Gefährdung (durch äußere Gegebenheiten) sind Auslöser für solche Prozesse. Demgegenüber definiert Luhmann:
„Soziale Systeme bestehen aus Kommunikation und aus nichts als Kommunikation - nicht aus menschlichen Individuen, nicht aus bewussten mentalen Zuständen, nicht aus Rollen und nicht einmal aus Handlungen.“ Solche Systeme „produzieren Kommunikation durch sinnhafte Referenz auf Kommunikation“. 14
1.2 Grundzüge der Systemtheorie bei M. Bunge
13 vgl. Klassen 2004 : 53
14 Luhmann, 1987b: 113
15 Bunge 1983: 83
16 vgl. Bunge 1983: 90
17 vgl. Bunge 1983: 84
18 vgl. Obrecht 1996: 134
19 Obrecht 1996: 132
„Eine Gesellschaft ist (...) ein System von untereinander verbundenen Individuen". 20 Dabei kann die Gesellschaft nicht auf ihre Individuen einwirken. Nur die Individuen als solche können dies. Individuen haben eine bestimmte Funktion in der Gesellschaft, die neben der genetischen Ausstattung hauptsächlich ihr Handeln bestimmt. Eine Funktion ist immer an einen Funktionsträger gebunden. „Die spezifische Funktion von X ist die Menge der Aktivitäten von X, die keine Einheit ausführen kann, die nicht zur selben Klasse gehört wie X". 21 In ihrer spezifischen Funktion interagieren Individuen einer Gesellschaft mit Individuen einer anderen Gesellschaft. Soziales Handeln ist demnach hauptsächlich durch die Funktion bestimmt. Da Individuen Komponenten eines Gesellschaftssystems sind, löst eine individuelle Veränderung in jedem Fall eine soziale Veränderung aus. Beispielsweise ändert sich das Gruppenverhalten, wenn zu einer bestehenden Gruppe neue Mitglieder hinzukommen. BUNGE spricht von Subsystemen (juristisches System/Bildungssystem), wenn ein System in Zusammensetzung, Umwelt und Struktur im übergeordneten System enthalten ist. 22 Subsysteme erfüllen eine bestimmte gesellschaftliche Funktion, „die wichtigsten sind das ökonomische, das kulturelle und das politische. Alle übrigen sind Komponenten von diesen 23 ". Menschen gehören gleichzeitig mehreren ihrer Subsysteme an.
2. Systemtheorie und soziale Arbeit
In den 90er Jahren fanden systemtheoretische Ansätze Eingang in die Debatte um eine eigenständige, auf wissenschaftlicher Basis professionell agierende Soziale Arbeit (z.B. Lüssi 1992, Hollstein-Brinkmann 1993, Baecker 1994, Staub-Bernasconi 1995, Merten/Sommerfeld/Koditek 1996, Kleve 1999, Miller 1999, Merten 2000). Durch das abstrakte Theoriegebäude der Systemtheorie sollte die komplexe Wirklichkeit der verschiedenartigen Sachverhalte menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Strukturen besser erklärt werden können.
20 Bunge 1983: 153
21 Bunge 1983: 95
22 vgl. Bunge 1983: 159
23 Bunge 1983: 160
24 Obrecht 1996: 141
25 Sommerfeld 1996: 33
26 vgl. Staub-Bernasconi 1995: 173-193 und Geiser 2000
27 Obrecht 1996: 141 In: Arnegger/Moser, 2004, 25
2.1 Soziale Arbeit als systemistische Handlungswissenschaft sozialer Probleme (Obrecht/Staub-Bernasconi)
a) ein praktisches Problem, das
b) ein sozialer Akteur
c) mit seiner interaktiven Einbindung und Position (Rollenstatus)
in die sozialen Systeme hat, deren Mitglied er faktisch ist. Ein soziales Problem äußert sich als Spannungszustand (=Bedürfnis) innerhalb des Nervensystems als Folge der Differenz zwischen einem im Organismus registrierten ISTwert in Form eines Bildes/ internen Modells des Individuums in seiner jeweiligen Situation und einem organismisch repräsentierten SOLLwert (Bedürfnisbefriedigung), die mit den verfügbaren internen (kulturelles Kapital) und externen (ökonomisches und symbolisches Kapital) Ressourcen nicht ausgeglichen werden kann. 31 „Bedürfnisse sind mit anderen W orten der dynamische Ausdruck der Existenz organismischer Werte" und daher universell. 32
3. Habitus und sozialräumliche Differenzierung nach Pierre BOURDIEU
Mit Milieutheorie und Habituskonzept entwirft BOURDIEU ein sozialräumliches Analyseinstrumentarium in dessen Fokus die strukturelle und symbolische Reproduktion sozialer Ungleichheit und die Frage der aktiven Einbindung von Individuen in diesen Reproduktionsprozess stehen. Diesem gesellschaftsanalytischen Modell gelingt es in beindruckender Weise,
28 Obrecht, 1996, 123
29 Obrecht, 1996, 134
30 vgl. Obrecht, 1996, 144 und Textrahmen auf dieser Seite
31 Obrecht, 2001: 63f.
32 Obrecht, 1996, 142
Arbeit zitieren:
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