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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Das sprachliche Bild und die Metapher 4
3. Kriegsmetaphern und militärische Metaphern 6
4. Nationale Einheiten und Stereotypen in metaphorischen 12
Ausdrücken
5. Sensorische Metaphern 15
6. Konkretisierende oder verkörpernde Metaphern 17
6.1 Metaphern des menschlichen Körpers 17
6.2 Naturmetaphern 20
6.3 Technische Metaphern 22
6.4 Essmetaphern 23
6.5 Übertragungen von Bauwerken 24
6.6 Sonstige konkretisierende Metaphern 25
7. Dynamische Metaphern 27
8. Schlusswort 28
9. Bibliographie 29
9.1 Primärliteratur 29
9.2 Sekundärliteratur 31
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1. Einführung
Der Sport im Allgemeinen hat in den letzen Jahren immer mehr an Bedeutung ge- wonnen. Der psychologische Aspekt spielt hierbei eine erwähnenswerte Rolle, da die Menschen danach Streben, einen Ausgleich zum Berufsalltag zu finden; und was bietet sich in dieser Hinsicht besser an, als der Sport? Der Sport führt Männer und Frauen mit demselben Interesse zusammen; er bietet die Möglichkeit des Fachsimpeln, der Diskussion, des Mitfieberns und des Mitleidens. Das Interesse am Profi-Fußball im Besonderen ist seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stetig gewachsen. Diese Entwicklung spiegelt sich, ebenso wie in dem Ausmaß der Berichterstattung über den Fußball, auch in der Sprache dieser Be- richterstattung wider. Die Anforderungen an die Journalisten steigen, denn von ihnen wird erwartet, die Spiele immer wieder mit der entsprechenden Portion Spannung wiederzugeben.
Aufgrund dieser enormen Steigerung des Interesses am Profi-Fußball und seiner aktuellen Stellung in unserer Gesellschaft stellte sich das gewählte Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit für mich als besonders reizvoll dar.
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2. Das sprachliche Bild und die Metapher
Der Blick in ein Universallexikon vermittelt eine erste grobe Vorstellung von dem Begriff des sprachlichen Bildes.
“ […] der realen Welt oder der Fantasie entstammende, anschauliche Aus- drucksweise für einen abstrakten Gedanken oder für einen Gefühlsinhalt.“ 1
Aber wie entsteht ein sprachliches Bild und welchen Zweck soll es erfüllen? Ein einzelner Begriff reicht nicht aus, um der Sprache ein gewisses Maß an Anschaulichkeit zu verleihen. Vielmehr entsteht erst durch die Einbeziehung des Kontexts ein sinnvolles sprachliches Bild.
Eine weitere Notwendigkeit für das Entstehen eines sprachlichen Bildes ist der Rezipient. Ruben Zimmermann erläutert diesen Zusammenhang, indem er das Bild mit der Sprache vergleicht. Er weist darauf hin, dass Sprache erst durch das Mitwirken von Subjekten entstehen kann. Ebenso bedarf es bei Bildern eines Rezipienten, der den Sinn eines Bildes konstruiert und einem Bild somit seine Sprache verleiht. 2
Sprachliche Bilder, auch Tropen genannt, können sich z. B. in dem Grad ihrer Bildlichkeit unterscheiden. Daher wurde der Oberbegriff des Sprach- bildes in mehrere Unterbegriffe geteilt. Dazu gehören u. a. die Metapher, die Metonymie, das Gleichnis und die Synekdoche. Die Metapher ist jedoch der komplexeste Ausdruck unter den sprachlichen Bildern.
Da viele Sprachwissenschaftler den Begriff der Metapher nutzen, um den Begriff des sprachlichen Bildes zu generalisieren 3 , soll auch in der vorlie- genden wissenschaftlichen Arbeit nicht nach anderen Subkategorien des Sprachbildes unterschieden werden.
Aufgrund der bereits erwähnten Tatsache, dass die Metapher derart komplex ist, wie auch im Verlaufe dieser Arbeit gezeigt wird, hat die Sprachfor- schung bis heute nicht zu einer kompletten Klärung des Metaphernbegriffs führen können. 4 Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass die Metapher ei- nem Sprachphänomen entspricht, „ […] bei dem zwei ursprünglich nicht 1 Das neue Bertelsmann Bd. 3, S. 166 2 Zimmermann, Ruben (ed.). 200. Bildersprache verstehen: Zur Hermeneutik der Metapher und anderer bildlicher Sprachformen. München: Wilhelm Fink Verlag. S. 15 3 Ruben S. 92 4 Beckmann, Susanne. 2001. Die Grammatik der Metapher: Eine gebrauchstheoretische Untersuchung des metaphorischen Sprechens. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. S. 2
5 zusammengehörige Sinnbezirke innerhalb eines Textes aufeinander bezogen werden.“ 5 Sie gilt allgemein als veranschaulichendes Stilmittel, das mit Emotionen und subjektiver Auffassung verbunden ist und die Übertragung der Bedeutung eines Begriffes von einem der Sinnbezirke auf den anderen beinhaltet. 6 Dabei ist zu beachten, dass nicht der Begriff an sich die Metapher ist, son- dern der Bedeutungstransfer des jeweiligen Begriffes. Somit stellt die Meta- pher einen Sprachvorgang dar. 7 Basierend auf den vorliegenden Merkmalen des Sprachbildes ‚Metapher’ soll nun im Folgenden versucht werden, die Metaphern in der Sprache der Presseberichterstattung über die Fußball-Europameisterschaft 2004 zu er- kennen, zu interpretieren und ihre Funktion zu erläutern. Dabei werden die Sinnbezirke, aus denen ein Bedeutungstransfer erfolgt, in einzelnen Kapiteln aufgezeigt.
5 Ruben S. 31 6 Tilley, Christopher. 2000. Metaphor and Material Culture. Oxford: Blackwell Publishers Ltd. S. 4 7 Ruben S. 78
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3. Kriegsmetaphern und militärische Metaphern
Kriegsmetaphern und Begriffe aus dem Militärwesen sind in der Presseberichter- stattung über den Fußballsport besonders häufig vertreten. Bei dem Versuch, diese metaphorische Einbindung des Militärwesens in die Fußballsprache zu begründen, verweisen viele Sprachwissenschaftler auf die bestehende Analogieebene. Harald Reuter beispielsweise macht darauf aufmerksam, dass sowohl beim Fuß- ball, als auch in kriegerischen Situationen das Aufeinandertreffen zweier Gruppen, die ihren Durchsetzungs- und Siegeswillen präsentieren, die Grundlage bildet. Aufgrund dieser Übereinstimmung scheint es sich anzubieten, die Kriegssprache zu nutzen, um den ‚Kampf’ auf dem Spielfeld zu beschreiben. 8 Diese ähnlichen Grundzüge wurden bereits in früheren Zeiten als Anlass dafür genommen, die Kriegsmetaphorik in die Berichterstattung des Fußballs einzubin- den. Da diese Einbindung früher in einem noch wesentlich stärkeren Maße vollzo- gen wurde, betitelte man Fußballberichte auch oftmals als ‚Kriegsberichte’. Es ist jedoch anzunehmen, dass die übertriebene Verwendung in der Nachkriegszeit das Resultat einer Wechselwirkung war. Denn im Nationalsozialismus wurde die Sportsprache gelegentlich missbrauchst, um den bitteren Ernst des Krieges zu ver- schleiern. 9
Heutzutage wird dem Leser der Gebrauch der Kriegsmetaphorik in den meisten Fällen nicht bewusst. Durch ihre stetige Einbindung in die Berichterstattung ver- säumt der Leser es, ihren Ursprung wahrzunehmen. 10
Diese Behauptungen sollen anhand von zahlreichen Beispielen im Folgenden be- legt und näher erläutert werden.
Sportberichterstatter machen oftmals Gebrauch von dem Verb to struggle, um den agonalen Aspekt des Fußballs zu betonen. So ist vom kämpfenden Stürmer oder vom Kampf eines gesamten Teams die Rede.
[…] defender Marcel Desailly looking doubtful and striker David Trezeguet also struggling. (7) 11 8 Reger, Harald. 1980. Metaphern und Idiome: in szenischen Texten, in der Werbe- und Pressesprache. Hamburg: Helmut Buske Verlag. S. 48f 9 Dankert, Harald. 1969. Sportsprache und Kommunikation: Untersuchungen zur Struktur der Fußballsprache und zum Stil der Sportberichterstattung. Tübingen: Tübinger Vereini- gung für Volkskunde e. V. S. 122 10 Beard, Adrian. The language of Sport. Intertext Verlag, S. 32 11 Die verwendeten Zeitungsartikel wurden im bibliographischen Anhang aufgelistet. Im Verlaufe dieser wissenschaftlichen Arbeit wird jedes Zitat aus Platzgründen nur mit einer Nummer versehen, die auf die entsprechend nummerierte Quelle im Anhang verweist.
7 Given England’s struggle to retain possession anywhere […] (13) United had an edge in technique, yet struggled in the first half to make it count. (8) Euro 2004 hosts Portugal storm into their first major final with a wicked win over a struggling Dutch team. (23, S. 11)
Das dynamische Verb to struggle bringt weitaus mehr zum Ausdruck, als die Tat- sache, dass die Mannschaft auf dem Spielfeld präsent ist. Es vermittelt dem Leser zudem das Gefühl von Einsatz, Anstrengung und Leidenschaft, die von den Spie- lern investiert werden. Dieses Gefühl bietet dem Rezipient die Möglichkeit, emoti- onal mit in das Spiel eingebunden zu werden und ein Gefühl der Teilnahme zu entwickeln. Er kann mit den „kämpfenden“ Spielern mitfiebern, ihnen seine Be- wunderung und seinen Respekt zollen.
Alternativ zum ‚Kampf’ auf dem Spielfeld wird zuweilen in der englischen Pres- seberichterstattung auch von einem battle gesprochen.
Eriksson demands cool heads in the heat of battle (7)
Da der Begriff battle ein spannendes und energiegeladenes Fußballspiel vermuten lässt, setzen Berichterstatter ihn gezielt ein, um einen höheren Leseanreiz zu erzeu- gen. Diese gezielte Wortwahl spielt besonders bei den Artikelüberschriften eine Rolle, da der Leser oftmals aufgrund der Überschrift entscheidet, ob es für ihn lohnenswert ist, den folgenden Bericht zu lesen. 12 In dem genannten Bespiel han- delt es sich ebenfalls um die Überschrift eines Artikels.
Allgemein unterstreicht dieser Begriff erneut den kämpferischen Grundzug des Fußballspiels und erlaubt dem Leser die Assoziation mit einer ereignisreichen Aus- einandersetzung zweier rivalisierender Gruppen auf einem Feld. Die Gruppe mit der besseren Taktik, der größeren Ausdauer und dem besseren Durchsetzungsver- mögen wird das ‚Schlachtfeld’ als Sieger verlassen.
In diesem Zusammenhang lassen sich in Anlehnung an Harald Dankert 13 weitere Parallelen zwischen der grundlegenden Terminologie des Militärwesens und der des Fußballs aufzeigen. Bereits die Fachbegriffe im Fußball, die das Umfeld und die teilnehmenden Personen beschreiben, sind vielfach kriegsmetaphorischen Ur- sprungs. Diese Parallelen lassen sich durchaus nachvollziehen, da sowohl der Ab- lauf, als auch die Elemente des Fußballspiels einem Kriegsmanöver in mancherlei 12 Reger S. 45 13 Dankert, S. 121ff
8 Hinsicht ähneln. So besteht eine Fußballmannschaft u. a. aus dem Team der offen- siven Spieler (storm, offense), die den Gegner und das gegnerische Tor angreifen (to attack, to charge) und dem Team der defensiven Spieler (defence), die den ei- genen Feldabschnitt verteidigen (to defend).
Rui Costa and Nuno Gomes came on to try to break the Greek defence […] (23, S. 4) […] he attacks from the right-hand side of midfield (1) We did get pushed back, but we defended well […] (10) They brought little imagination to the task of breaking down a stubborn de- fence […] (8) I wish James had charged the ball when they stopped in their tracks […] (13) […] a speedy Portugal glory boy arrowed in from the left and flashed yet an- other hopeless shot well wide. (13)
Die hier aufgestellte Behauptung, dass militärische Begriffe oftmals mit sportlichen Bereichen, insbesondere dem Gebiet des Fußballs, in Zusammenhang gebracht werden, kann ferner durch einen Blick in ein zweisprachiges Wörterbuch unter- stützt werden. Im Collins German Dictionary beispielsweise, stellen die Verfasser die sinngemäßen Übersetzungen für beide Bereiche in einem Absatz zusammen.
charge
b: (= attack) stürmen; troops angreifen; [...]; (Sport) goalkeeper, player an- gehen; the forwards ~d the defence die Stürmer griffen die Deckung an 14 attack 1 (Mil, Sport, fig) Angriff m 2 vt (Mil) (Sport) (fig) angreifen 15
Die dynamischen Metaphern, welche die Funktion bestimmter Mannschaftsteile ausdrücken, d. h. to attack, to defend, weisen zudem eine starke Substantivierungs- tendenz auf. Der Grund für die Substantivierung etwaiger Verben mithilfe morpho- logischer Mittel (z. B. –er) liegt in dem Bestreben, die Funktion des Spielers kurz und präzise darzustellen. Es wird also nicht berichtet, dass der Spieler A, der in der Position des Angreifers spielt, in Aktion tritt. Stattdessen ist in Zeitungsartikeln und im Allgemeinen verkürzt vom striker oder defender die Rede.
[…] the big striker Charisteas headed (23, S. 4)
14 Collins German Dictionary 21th Century Edition. 4. Auflage 1999. Westerhill Road, Bishopbriggs, Glasgow: HarperCollins Publishers. S. 1160 15 Collins S. 1084
Quote paper:
Jennifer Braun, 2004, Bilder und Metaphern in der Sprache der Presseberichterstattung über die Fußball-EM 2004, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Metaphern in der Fußball-Berichterstattung im Radio und Fernsehen
Eine Fallstudie
Bachelor Thesis, 84 Pages
Jennifer Braun has published the text Bilder und Metaphern in der Sprache der Presseberichterstattung über die Fußball-EM 2004
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