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Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Der Quilt und seine Tradition 4
3. Der Quilt und Bone Black im Vergleich 5
4. Die Motive des Quilts und ihre Bedeutung 8
4.1 Das Motiv der Mutter-Tochter-Beziehung 8
4.1.1 Das Motiv der Ehe 8
4.1.2 Das Motiv des Problemkindes 10
4.1.3 Das Motiv der Entfremdung 11
4.2 Das Motiv der Literatur 13
4.3 Das Motiv der der Höhle 15
5. Die Auswahl der Quilt-Stücke 17
6. Schlusswort 18
7. Bibliographie 20
3 1. Einleitung
Im Anschluss an das Hauptseminar Autobiography and Ethnicity standen vordergründig eine wissenschaftliche Arbeit zur Autobiographie von Richard Wright oder Bell Hooks zur Auswahl.
Bereits nach dem Verschaffen eines generellen Überblicks über die Sekundärliteratur zu den genannten Autoren stellte sich heraus, dass zu Richard Wright im Besonderen, aber auch zu seiner Autobiographie Black Boy schon zahlreiche Literatur verfügbar ist.
Anders stellte sich die Situation in Bezug auf Bell Hooks dar. Nicht nur, dass es kein einziges Buch zu geben scheint, welches sich ausschließlich mit ihrer Person als Autorin und ihrer Autobiographie beschäftigt; selbst in allgemeiner Literatur über afroamerikanische Autorinnen und ihre Werke sucht der Interessierte vergebens. Bell Hooks, so scheint es, wird durch die Konzentration der Literaturkritiker auf – zweifelsfrei ebenso bedeutende – Bücher von beispielsweise Maya Angelou, Toni Morrison, Audre Lordes oder Zora Neale Hurston oftmals in den Hintergrund gedrängt. Genau aus diesem Grund fasste ich den Entschluss, meine Aufmerksamkeit Bell Hooks zu widmen.
In Bone Black erzählt sie von ihrer Kindheit im rassistischen und sexistischen Süden der USA der 50er Jahre. Da sich Hooks’ Kindheitserinnerungen besonders durch eine ungewohnte Erzählstruktur und den Einfluss des mütterlicherseits bedingten indianischen Erbgutes von den Autobiographien der meisten anderen afroamerikanischen Autorinnen und Autoren absetzt, soll im Verlaufe dieser wissenschaftlichen Arbeit ein Zusammenhang zwischen der Tradition der Quilt-Herstellung und Bone Black, bzw. dem sich vollziehenden Identitätsprozess Bell Hooks’ hergestellt werden.
Zu diesem Zweck werde ich zunächst einen Einblick in die Geschichte des Quiltings geben. Danach werden die wesentlichen Bestandteile von Hooks’ Quilt herausgefiltert, interpretiert und ihre Bedeutung für den Quilt, bzw. den Identitätsprozess von Bell Hooks als Ganzes erläutert. Am Ende dieser Arbeit soll gezeigt werden, ob sie auf der Suche nach ihrer Identität erfolgreich war.
4 2. Der Quilt und seine Tradition
Erfahrungsgemäß haben die meisten Menschen, wenn überhaupt, nur eine sehr vage Vorstellung davon, was ein Quilt wirklich ist. Ein Blick in ein gängiges Wörterbuch verrät, dass es sich hierbei um eine Steppdecke handelt.
In Deutschland dürfte jedoch der Begriff des Patchworks eher bekannt sein. Dazu sei an dieser Stelle zunächst eine Definition herangezogen:
„[…engl., ‚Flickwerk’], ursprünglich von amerikan. Siedlerfrauen aus Stoffresten in verschieden Farben u. Designs zusammengeflickte Stoffbahnen für Decken, Vorhänge u. Ä., wobei teilweise kunstvolle neue Muster entstanden[…]“. 1
Allein auf Grundlage dieser Definition erweist es sich jedoch als schwierig, einen geeigneten Bezug zwischen einem Quilt und der Autobiographie von Bell Hooks herzustellen. Die beiden scheinen auf den ersten Blick nicht allzu viel gemeinsam zu haben, außer dass es sich sowohl bei dem einen, als auch bei dem anderen um ein Kunstwerk handelt.
Daher muss ein tieferer Einblick in die Tradition des Quilts und seinen Zweck gewagt werden.
Das Quilting an sich beschreibt den Prozess des Zusammennähens und war damals unter afroamerikanischen Frauen und Eingeborenen eine beliebte und weit verbreitete Tätigkeit. Die meisten Frauen erlernten diese Tätigkeit durch ihre Mütter oder Großmütter.
Man unterscheidet generell zwischen zwei Arten von Quilts, dem so genannten ‚everyday’ oder ‚common’ Quilt und dem ‚fancy’ Quilt. Viele Frauen haben damals wie heute im Verlaufe ihres Lebens mehrere ‚common’ Quilts hergestellt. Andere Frauen wiederum haben aber auch ihre gesamte Mühe und Zeit über die Jahre hinweg nur einem einzigen Liebhaberstück, also einem ‚fancy’ Quilt, gewidmet. 2 Wie bei anderen handwerklichen und künstlerischen Tätigkeiten auch, hängt das Ergebnis, bzw. die Qualität des Quilts von der Zeit und der Vorsicht ab, die in die Herstellung investiert wurden. Da ein Quilt traditionsgemäß mit den Händen hergestellt wird, verwundert es nicht, dass allgemein behauptet 1 Das neue Bertelsmann, Bd. 16, S. 315
2 www.louisianafolklife.org/LT/Articles_Essays/creole_art_quiltmaking_tra.html, S. 2
5 wird, dass das Quilting viel Geduld erfordert und oftmals mit Qualen verbunden ist. 3 Aufgrund der Tatsache, dass die Herstellung ökonomisch gesehen nicht wirklich als ertragreich zu bezeichnen ist, erscheint es offensichtlich, dass die Quilts für afroamerikanische Frauen also in erster Linie einen hohen persönlichen Wert ausmachen.
Diese hohe Wertschätzung resultiert zum einen aus der Tatsache, dass ein qualitativ guter Quilt in der Regel seine Herstellerin überlebt und an die nächste Generation weitergegeben wird. Somit stellt nicht nur die Kunst seiner Herstellung, sondern auch der Quilt an sich eine Verbindung zwischen den einzelnen Generationen her. 4 Zum anderen wird dem Quilt in der afroamerikanischen Kultur nachgesagt, dass jeder seiner Bestandteile etwas zu erzählen hat. Genau genommen bedeutet dies, dass man glaubt, jede neue Kombination aus Farben und jede Nebeneinanderstellung von Mustern und Formen könne eine eigene Geschichte wiedergeben; sei es nun die Geschichte des Quilt-Machers oder die des Empfängers. 5 Zusammenfassend lässt sich aufgrund der soeben gewonnenen Kenntnisse sagen, dass der Quilt eine Möglichkeit darstellt, scheinbar unbrauchbare Einzelstücke in ein wertvolles Ganzes zu transformieren.
3. Der Quilt und Bone Black im Vergleich
Nach näherer Auseinandersetzung mit der Tradition des Quilts kann nun in diesem Kapitel das Handwerk des Quiltings wie eine Art Schablone auf die Autobiographie Bell Hooks’ gelegt werden.
Im Hinblick auf die generelle Struktur von Bone Black ergeben sich bereits erste offensichtliche Parallelen. Bell Hooks teilt ihr Werk in 61 gleich große Kapitel auf, von denen jedes 3 Seiten umfasst.
Die Aneinanderreihung der einzelnen Teile, bzw. Kapitel, ergibt am Ende ein Ganzes, das Buch als solches. Wie auch bei einem Quilt erzählt jedes
3 ibid, S. 3
4 ibid, S. 3
5 Jerde, E. A. African American Quilts and African Textiles. S.1f. http://ias.berkeley.edu
6 Kapitel eine eigene kleine Geschichte. Dabei fällt zunächst auf, dass die Episoden aus Hooks’ Kindheit in keiner Weise chronologisch angeordnet sind. Diese Art der Erzählung ist in der afroamerikanischen Literatur keineswegs ungewöhnlich, da Frauenliteratur generell eher assoziativ als linear, eher unchronologisch als chronologisch ist. 6 Auch in dieser Hinsicht gleicht Bone Black daher einem Quilt. Denn als Autorin, bzw. ‚Herstellerin’ bestimmt Hooks die Anordnung ihrer Geschichte individuell ohne äußere Einflüsse oder Vorgaben, wie z. B. den realen Zeitablauf der erzählten Ereignisse.
Allgemein lässt sich weiterhin feststellen, dass die Geschichte Hooks’ durch ihre eigenen Hände verfasst wurde und somit wie ein Quilt eine an Persönlichkeit und Individualität nicht zu übertreffende Note verliehen bekommt.
Wendet der Leser sich nun von der allgemeinen Erzählstruktur ab und widmet seine Aufmerksamkeit dem Inhalt der Autobiographie, so erscheint es offensichtlich, dass auch hier Parallelen bestehen.
Im ersten Kapitel wurde darauf verwiesen, welche Qualen die Herstellung eines Quilts mit sich bringen kann. Auch Bell Hooks hat emotionale Überwindung und Anstrengungen beweisen müssen, um die Ereignisse aus ihrer Kindheit zu Papier zu bringen. Sie musste sich erneut mit schmerzhaften Erinnerungen, wie z. B. der Abweisung durch die Mutter, der permanenten Titulierung als Problemkind oder den elterlichen Bestrafungen in Form von physischer Gewalt auseinandersetzen. Um bei der Wiedergabe der qualvollsten Erinnerungen zumindest eine gewisse Distanz zu wahren, hat Bell Hooks in einigen Kapiteln ihrer Autobiographie ihre Erlebnisse anstatt in der 1., in der 3. Person wiedergegeben. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Hooks aufgrund der weiblichen Unterdrückung von ihrer Abneigung gegen die Ehe und den Bestrafungen für freche Widerworte berichtet.
„Whatever joy there was in marriage was something the women kept to themselves, a secret they did not share with another or their daughters. She never
6 Lennox Birch, Eva. 1994. Black American Women’s Writing: A Quilt of Many Colours.
New York; London; Toronto; Sydney; Tokyo; Singapore: Harvester Wheatsheaf, S. 43
Quote paper:
Jennifer Braun, 2005, In pursuit of wholeness: Bell Hooks-Bone Black as a crazy quilt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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