Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2 . historische Einordnung 3
3 . kritische Quellenbetrachtung 4
4. Zeugnisse der Christenpolitik Konstantins 6
5. Diskussion: Machtkalkül oder Bekehrung? 7
6 . abschließende Zusammenfassung 9
Literaturverzeichnis 10
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit möchte eine Erörterung der Frage nach Motivation und Authentizität der (Traum-)Vision Kaiser Konstantins leisten.
Ausgehend von den durch Laktanz und Eusebius überlieferten Berichten über die Vision soll in einem ersten Teil der Arbeit die historische Authentizität der Quelltexte diskutiert werden, nachdem sie zuvor historisch eingeordnet wurden.
Daran anschließend sollen im Folgenden historische Zeugnisse der Christenpolitik Konstantins zu Rate gezogen werden, um der Frage nachzugehen, ob die vorliegenden Zeugnisse zum Christentum über den Status einer religio licita hinausgehen.
Im Anschluss sollen die so entstandenen Zwischenergebnisse unter Einbeziehung der zuvor erläuterten historischen Umstände in einer zentralen Erörterung der Forschungsmeinungen diskutiert werden.
2. historische Einordnung
Aus politischer Sicht wird Konstantin in das System der Tetrarchie hineingeboren, das jedoch bereits durch die Usurpation des Maxentius zu brechen begann. Vor diesem Hintergrund scheint es einleuchtend, das Toleranzedikt des Galerius als Versuch der Stabilisierung der Reichseinheit aufzufassen. Unmittelbar nach dem Tod des Oberkaisers kam es zu Streitigkeiten zwischen den Ostkaisern Lucinius und Maximin Daia, als Folge ihrer Unzufriedenheit über die jeweilige Gebietszuteilung. Maximin Daia eroberte daraufhin Kleinasien; Steuernachlässe sicherten ihm vorerst die Gunst der Bevölkerung. Zwar unterdrückte Maximin Daia das Toleranzedikt, gab aber mündliche Anweisung, die Verfolgungen einzustellen und die Christen zu schützen, da er ihre Unterstützung zur Festigung seiner Herrschaft benötigte. Erstmals zu diesem Zeitpunkt, ausgelöst durch das Toleranzedikt, wird die Frage nach der Behandlung der Christen zum Machtfaktor. Im Spätherbst 311 jedoch endete die trügerische Duldung der Christen, vermutlich angesichts seiner gefestigter Machtposition ließ Maximin Daia die Christen erneut verfolgen und ausweisen, es kam zur Verbreitung diverser Verleumdungen und Beschuldigungen gegen die Christen. Dieser Rückfall des Maximin Daia blieb auch seinen Mitkaisern nicht verborgen; nach etwas einem Jahr stellte Maximin Daia die Christenverfolgungen wieder ein, vermutlich aufgrund von Vorhaltungen des Licinius und eines energischen Schreiben Konstantins. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte sich die reichspolitische Lage deutlich verändert: Konstantin war in Italien eingefallen und hatte die Truppen des Maxentius vor Rom besiegt; kurz zuvor hatte er die Annäherung an Licinius gesucht, aus der schließlich ein Bündnis beider Kaiser resultierte, ohne welches Konstantins
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Einfall in Italien wohl nicht denkbar gewesen wäre. Auch Licinius kam dieses Bündnis gelegen, da es seine Position gegenüber Maximin Daia stärkte. Im Gegensatz zu Maximin Daia hatte Maxentius das Toleranzedikt eingehalten, vielmehr gewährte er den Christen in seinem Herrschaftsgebiet eine höchstmögliche religiöse Freiheit. Gründe wie die Befreiung der Christen durch Konstantin können bei der Frage nach der Motivation Konstantins demnach außer Acht gelassen werden, näher liegt hier schon die Vermutung politischer Berechnung. Trotz guter Strategie und Vorbereitung war der Sieg Konstantins keine Selbstverständlichkeit: Gegen die ausgezeichnete Festung Rom hatten Konstantins Truppen praktisch kaum eine Chance, auch der Proviant für den Fall eines länger dauernden Belagerungskrieges war nicht ausreichend. Die überlieferten Quellen des Laktanz und Eusebius berichten an dieser Stelle von einer (Traum-)Vision des Konstantin, die ihm den Sieg im Zeichen des Christengottes zusicherte. Und tatsächlich konnte Konstantin den Sieg erringen; aus nicht mehr rekonstruierbaren Gründen eröffnete Maxentius die offene Schlacht, infolge derer die konstantinischen Truppen die des Maxentius vor den Toren Roms vernichtend schlagen konnten. 1
3. kritische Quellenbetrachtung
Offensichtlich gemein ist sowohl dem bei Laktanz geschilderten Traumerlebnis als auch der bei Eusebius beschriebenen Vision, dass jeweils eine subjektive Erfahrung Konstantins dargestellt wird. Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch in der Art der jeweiligen Schilderung der Ereignisse: Laktanz’ Schilderung ist inhaltlich und formal kohärent, zudem sehr knapp und sachlich gehalten 2 : „Da erhielt Konstantin im Traum die Anweisung, das himmlische Zeichen Gottes an den Schilden seiner Soldaten anbringen zu lassen und so den Kampf zu beginnen“ 3 . Die Version des Laktanz erscheint unter diesen Umständen als eher glaubwürdig, zumal sie bereits fünf Jahre nach dem eigentlichen Ereignis verfasst wurde, sich also durch eine deutliche zeitliche Nähe und vermutlich dadurch bedingte sprachliche Nüchternheit auszeichnet 4 . Zudem versucht Laktanz, dem Leser nur sehr subtil zu vermitteln, dass das erwähnte Zeichen dem Gott der Christen zuzurechnen ist, so dass allgemein gefolgert werden kann, dass die beschriebene Szenerie noch nicht als vollkommen theologisiert bezeichnet werden kann 5 . Ein anderes Bild
1 Horst, Eberhard: Konstantin der Große. Eine Biographie. Hildesheim 1993, S. 137-154, im Folgenden zitiert als: Horst: Konstantin
2 Ebd, S. 156
3 Laktanz, de mort. Pers. 44, 5
4 Horst: Konstantin, S. 155f
5 Ritter, Adolf Martin: Constantin und die Christen, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 87 (1996), S 260, 263, im Folgenden zitiert als: Ritter: Constantin und die Christen
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Arbeit zitieren:
Simone Horstmann, 2005, Die konstantinische Wende, München, GRIN Verlag GmbH
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