Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Hauptteil 4
Soziale Konstruktion von Geschlecht 4
Weibliches Arbeitsvermögen 6
Empirische Daten: Die häufigsten Berufe der Auszubildenden 2004 7
Auswertung der Daten 8
Diskussion der Daten bzgl des Konzepts des weiblichen Arbeitsvermögens 8
Doppelte Vergesellschaftung 8
Empirische Daten: Unbezahlt geleistete Arbeit von Männern und Frauen 9
Empirische Daten: Zeitbudget von Männern und Frauen 10
Auswertung der Daten 10
Empirische Daten: Erwerbstätigenquote von Männern und Frauen mit Kindern 11
Auswertung der Daten 12
Diskussion der Daten bzgl des Konzepts der doppelten Vergesellschaftung 12
Gender 13
Doing Gender 14
Diskussion der Daten bzgl des Doing-Gender Konzepts 16
Arbeitsmarktsegregation 16
Empirische Daten:
Frauen in den einzelnen Hierarchieebenen des vertikalen Arbeitsmarktes 18
Empirische Daten: Frauen bzw Männerberufe 18
Auswertung der Daten 19
Empirische Daten: Einkommensdifferenz 19
Auswertung der Daten 20
Empirische Daten: Bildungsniveaus von Frauen und Männern 22
Auswertung der Daten 22
Empirische Daten: Arbeitslosenquote 23
Auswertung der Daten 23
Diskussion der Daten bzgl des Konzepts der Arbeitsmarktsegregation 23
Schluss 25
Literaturverzeichnis 26
Abbildungsverzeichnis 27
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Einleitung
Neben diversen Statistiken hat uns vor allem die Erfahrung gezeigt, dass die häuslichen und familiären Pflichten sowie Betreuungs- und Reproduktionsaufgaben nach wie vor überwie- gend von Frauen wahrgenommen werden. Dies wirkt sich nicht nur auf ihre Arbeitsregelun- gen aus, sondern schränkt außerdem ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz ein, der den durch- schnittlichen Arbeitsplätzen für Männer vergleichbar ist.
Die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen sind durch Unterbrechungen gekennzeichnet. Sie arbeiten daher überdurchschnittlich oft in Teilzeitjobs und atypischen Beschäftigungsverhält- nissen. Diese Faktoren wirken sich negativ auf die Laufbahn, das Entgelt und die Rente aus und können auch dazu führen, dass Frauen weniger geneigt sind, einer Beschäftigung nachzu- gehen. Nach wie vor besteht diese traditionelle Aufteilung von Betreuungspflichten und Be- rufstätigkeit zwischen Mann und Frau. Woran liegt es also, dass es bis heute Männern und Frauen nicht möglich ist, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen ihrer Familie und ihrem Beruf zu finden?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit eben dieser Frage und infolgedessen mit der Vorstellung grundlegender und einschneidender Theorien in der feministischen Sozi- alforschung. Zum Zwecke der praktischen Anwendung nutzen wir in diesem Zusammenhang verschiedene empirische Daten, die vom Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt wurden und beziehen sie jeweils auf die vorgestellten sozialwissenschaftlichen Theorien.
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Hauptteil
Soziale Konstruktion von Geschlecht
Neben John Moneys Forschungsergebnissen geht die begriffliche Unterscheidung von Ge- schlecht als biologisches Merkmal (Sex) sowie als Produkt sozialer und kultureller Prozesse (Gender) auf Robert Stoller zurück, der 1968 seine Arbeiten zur Transsexualität veröffentlich-
te. 1 Aufgegriffen und verfeinert wurde sie durch den feministischen Diskurs, der sie in einem antibiologistischen Sinne begriff: Soziale Ungleichheiten wurden nun nicht mehr länger auf biologisch-körperliche Unterschiede zurückgeführt, wie die Theorien und Alltagsannahmen über die Natur, die Geschlechtscharaktere oder das Wesen von Frauen und Männern forder-
ten. 2 Vielmehr wurde die Ursache nun in erweiterter Sichtweise beim kulturellen Geschlecht des Individuums und der Organisation der Gesellschaft gesucht, in der es sich bewegte. Regi- ne Gildemeister und Angelika Wetterer argumentieren mit der sozialen Konstruktion von Ge- schlecht gegen die in Teilen der deutschen Frauenforschung bestehende Präferenz für die Theoretisierung und Positivierung der Zweigeschlechtlichkeit:
„Während in der Gender-Forschung inzwischen subtile Einzelheiten der sozialen Kon- struktion der Differenz diskutiert werden, argumentiert die Frauenforschung hierzulande noch häufig so, als könne man weiter unbesehen von der Zweigeschlechtlichkeit als einer Naturtatsache ausgehen und als wären auch politische Entwürfe nur im Rahmen des vor-
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gegebenen Rasters ‚männlich-weiblich’ möglich.“ Auch im deutschen Raum wurde die Unterscheidung zwischen „Sex“ und „Gender“ aus dem angloamerikanischen Raum übernommen und damit die Unterschiede zwischen den Ge- schlechtern als Ergebnis historischer Entwicklungen und nicht mehr als Ergebnis natürlicher Unterschiede interpretiert.
Natürlich war die Sex-Gender-Unterscheidung der feministischen Argumentation äußerst dienlich und beeinflusste nachhaltig die öffentliche Diskussion über Geschlechtsunterschiede, allerdings wird sie nicht durch empirische Belege gestützt und ist somit erkenntnistheoretisch nicht haltbar. Die Unterscheidung zwischen Sex und Gender beinhaltet, dass es gewisserma- ßen ein biologisches Substrat als Ursprung der Geschlechterdifferenz geben müsste, das als solches auf kulturelle Unterscheidungen stets vorab Einfluss nehmen würde. Dieser „latente
1 Vgl. Robert Stoller: Sex and gender: The development of masculinity and femininity. New York: Aronson 1968.
2 Vgl. Andrea D. Bührmann: Zwischen Skylla und Charybdis? Anmerkungen zur Diskussion über die soziale Konstruktion von Zwei-Geschlechtlichkeit In: Kneer, G. / Kraemer, K. / Nassehi, A. [Hrsg.]: Soziologie: Zugän- ge zur Gesellschaft, Bd. 2, Hamburg 1995. S. 31-48.
3 Regine Gildemeister; Angelika Wetterer: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zwei-Geschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. In: Knapp, G-A [Hrsg.]: Traditionen
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Biologismus“ 4 ist lediglich die Verlagerung einer Naturalisierung der Geschlechterdifferenz. 5
Anstelle des latenten Biologismus wird die Arbeitsteilung der Geschlechter, die zu ungleichen Chancen am Arbeitsmarkt und in weiterer Folge zu ungleichen Lebenschancen führt, bei Gil- demeister und Wetterer durch die soziale Konstruktion von Geschlecht erzeugt. Dieses Regel- system der Geschlechterdifferenz ist gerade deshalb, weil es so selbstverständlich zu sein scheint, so schwer als soziale Konstruktion zu durchschauen. 6 Dies lässt einen Sachverhalt
besonders deutlich ins Licht treten: dass nämlich ein kulturfreier und wertneutraler Blick auf biologische Fakten der Geschlechterdifferenz nicht möglich ist. Die Natur wird stets durch die „Brille“ der Kultur gesehen, in der der jeweilige Betrachter verortet ist. Das haben insbeson- dere wissenschaftshistorische Arbeiten von Schiebinger 7 und Laqueur 8 nachgewiesen. In ähn-
licher Weise zeigten bereits um 1978 die beiden Forscherinnen Suzanne Kessler und Wendy McKenna in ihrer Studie „Gender. An ethnomethodological approach“, wie Geschlechtlich- keit in alltäglicher Interaktion hergestellt sowie symbolisiert wird und wie das Finden von Geschlechtsunterschieden in den Diskursen der Ethnologie, Biologie und Medizin sowie Psy- chologie eine Praxis der Geschlechterunterscheidung ist, die demzufolge nicht zwangsläufig über eine signifikante Differenz zwischen Frauen und Männern Auskunft gibt. 9
Brüche: Entwicklungen feministischer Theorie. Forum Frauenforschung, Freiburg / Breisgau: Kore Verlag 1992. S. 203.
4 Vgl. ebd., S. 207.
5 Vgl. Regine Gildemeister: Soziale Konstruktion von Geschlecht: Fallen, Mißverständnisse und Erträge einer Debatte. In: Rademacher, C.; Wiechens, P. [Hrsg.]: Geschlecht, Ethnizität, Klasse. Zur sozialen Konstruktion von Hierarchie und Differenz, Opladen 2000. S. 66.
6 Vgl. Regine Gildemeister; Angelika Wetterer: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zwei-Geschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. S. 240.
7 Vgl. Londa Schiebinger: Am Busen der Natur. Erkenntnis und Geschlecht in den Anfängen der Wissenschaft, Klett-Cotta: Stuttgart 1995.
8 Vgl. Thomas Laqueur: Making Sex. Body and Gender from the Greeks to Freud, Cambridge: Harvard Univer- sity Press 1990.
9 Vgl. Suzanne J. Kessler; Wendy McKenna: Gender. An ethnomethodological approach, New York: Wiley 1978.
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Weibliches Arbeitsvermögen
Elisabeth Beck-Gernsheim prägte 1976 in Anlehnung an das Theorem der doppelten Verge- sellschaftung von Regina Becker-Schmidt den Begriff des weiblichen Arbeitsvermögens. Dieses Konzept folgt dem Grundsatz der Trennung zwischen Hausarbeit und Berufsarbeit. Die Unterscheidung dieser beiden Bereiche macht Sinn, denn während Männer lediglich auf die Berufsarbeit hin sozialisiert werden, fällt bei Frauen zusätzlich die Hausarbeit als weiteres Kriterium ins Gewicht, was eine unterschiedliche geschlechtsspezifische Sozialisation zur Folge hat. Diese geschlechtsspezifische Orientierung beeinflusst die durch die Sozialisation geformten Persönlichkeitsmerkmale sowie die im Laufe der Entwicklung erworbenen Fähig- keiten. Während sich die Männer mit vornehmlich abstrakten und unpersönlichen Dingen auseinandersetzen, kümmern sich die Frauen stattdessen um die konkreten Anforderungen, die der Alltag an sie stellt, sowie um die persönlichen Dinge und Belange ihrer Mitmenschen. Für das weibliche Arbeitsvermögen hat dies zur Folge, dass sich die familienbezogenen Dis- positionen und Fähigkeiten in der Berufswahl und der Bevorzugung spezieller Berufsbilder wie Erzieherin, Krankenschwester, Friseurin oder auch Lehrerin zu erkennen geben. Nicht selten genießen Berufe, die bevorzugt von Frauen ausgeübt werden, nur wenig soziales Anse- hen – also ein geringes Prestige. Allerdings ist die Gefahr für Frauen, im unteren Bereich der Hierarchie zu verbleiben, auch dann relativ groß, wenn sie einen der angesehenen, meist von Männern dominierten Berufe ergreifen. Elisabeth Beck-Gernsheim schreibt dazu: „Solange Frauen stärker als Männer von den Orientierungen des familiär-reproduktionsbezogenen Ar- beitsvermögens geprägt sind, solange sie dementsprechend weniger Strategien der sozial- hierarchischen Interessendurchsetzung betreiben – so lange werden Frauenberufe nach Presti- ge, Einkommen, Aufstiegschancen den Männerberufen untergeordnet sein“. 10 Zu erwarten wäre demnach, dass überwiegend Frauen in spezifischen Sektoren, wie dem des Friseurhandwerks oder dem des Gesundheitswesens, anzutreffen sind.
10 Elisabeth Beck-Gernsheim: Der geschlechtsspezifische Arbeitsmarkt. Zur Ideologie und Realität von Frauen-
berufen. Frankfurt am Main: aspekte verlag gmbh 1976. S. 144.
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Mirko Krotzky, Hanna J., 2006, Frauen zwischen Beruf und Familie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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