Inhaltsverzeichnis:
Einleitende Bem erkungen Seite 3
A. Zur Geschichte des Franziskanerklosters Meißen Seite 4
B. Klostergemeinschaft und Weltgeistlichkeit im mittelalterlichen Meißen Seite 8
C. Weltklerus und Ordensbewegungen im Mittelalter Seite 11
1. Erwerbspolitik und Wirtschaftsweise mittelalterlicher
Franziskanerorden Seite 11
2. Die seelsorgerische Tätigkeit der Franziskaner vor dem
Hintergrund päpstlicher Privilegien und Ablassverleihungen Seite 13
3. Bewertung und Zusammenfassung Seite 15
D. Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 17
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1. Einleitende Bemerkungen
Um den Hl. Franziskus von Assisi, der seine Lebensführung in zunehmendem Maße an den evangelischen Idealen orientierte, bildete sich zwischen 1206 bis 1208 eine Gruppe von zunächst Laienbrüdern, die dem strengen Gebot der Armut, der Demut und dem Willen zur unbedingten Nächstenliebe folgten. Aus dieser anfänglich kleinen Gruppe entwickelte sich über die Jahre eine große Ordensbewegung - der Orden der Franziskaner oder Minderbrüder fratres minores.
Die Niederlassungen der ersten Brüder folgten noch keinem festen Plan, sondern waren vielmehr zufälliger Natur. Ihr Zusammenschluss gründete stärker auf dem gemeinsamen Ideal der Evangeliennachahmung, als auf dem Zusammenwohnen und dem strengen Rhythmus des Lebens in der Gemeinschaft der Brüder. In späterer Zeit (ab 1217) gewann die Bewegung an innerer Struktur - 1221 entstand die erste erhaltene Fassung der Ordensregel, die Regula non bullata. Ausgehend von Italien über Frankreich, Spanien und Flandern kam die franziskanische Missionsbewegung auch nach Deutschland und um 1260 nach Meißen.
Geleitet von einem gewissen Lokalpatriotismus und den Erfahrungen, die ich in einem zweiwöchigen Praktikum im, nun als Stadtmuseum, genutzten Klostergebäude gemacht habe, möchte ich mich in dieser Arbeit diesem imposanten, die Stadtansicht prägenden, Kirchengebäude widmen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt hierbei auf dem Verhältnis von Minderbrüdern und der Weltgeistlichkeit im 14. Jahrhundert. Dieses nicht ganz unproblematische Mit- und Gegeneinander werde ich anhand verschiedener Quellen aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert nachzuweisen suchen. Besondere Aufmerksamkeit widme ich dabei einer Episode aus dem Jahr 1372, wo die Streitigkeiten zwischen den Stadtpfarrern und der Kustodie soweit eskalierten, dass einzig der apostolische Legat Johannes, der Patriarch von Alexandrien, der seinen Amtssitz in Breslau innehatte, die Spannungen per Dekret fürs Erste entschärfen konnte.
Die Arbeit gliedert sich dabei in drei größere Teile: Zunächst soll die Geschichte des Franziskanerklosters in Meißen skizziert werden. Da jedoch die Quellenlage insbesondere für das Franziskanerkloster einigermaßen prekär ist, kann ich nur auf Episoden eingehen, die jedoch in ihrer Gesamtheit ein, wie ich finde, authentisches Bild vom Klosterleben entstehen lassen. Eine Regestensammlung oder vergleichbare Klosterchroniken gibt es nicht und auch in der Edition der Quellentexte, dem Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae, findet man im Vergleich zu anderen Klöstern des Meißner Stadtgebiets, die mit Abstand geringste Anzahl verwertbarer Quellentexte. Im zweiten Teil der Arbeit soll eine historische Episode aus dem Jahr 1372 im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Das historische Geschehen, der Konflikt von Klostergemeinschaft und Weltgeistlichkeit soll auf der Basis des Quellentextes rekonstruiert werden. Im abschließenden dritten Abschnitt der Arbeit soll die konfliktreiche Beziehung von Bruderschaft und Weltklerus vor einen weiteren historischen Horizont gestellt und mit einer schließlichen Bewertung der Ereignisse verknüpft werden. Eine wichtige Rolle werden dabei Fragen spielen, nach der Legitimität der Vorwürfe des Weltgeistlichen sowie eine Bewertung und das Hinterfragen der klösterlichen Seelsorgepraxis vor dem Hintergrund päpstlicher Privilegien.
Das Franziskanerkloster Meißen war bislang nur zweimal Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtung. Da ist einmal der Aufsatz von Paul Markus (1889) der, ausgehend von den edierten Quellen, ein ganzheitlich angelegtes Bild dieses Klosters zeichnen will. Zum anderen der Aufsatz von Ferdinand Doelle (1914), zur Auflösung des Klosters. Diese Publikation war mir leider nicht zugänglich und spielt für die hier behandelten Fragestellungen eine zu vernachlässigende Rolle. Alle weitere Literatur findet sich im Literaturverzeichnis. Es ist noch darauf hinzuweisen, dass eine ganze Reihe von Publikationen auf die Paul Markus sich stützt, mir nicht mehr zugänglich sind - trotz intensiver Recherche.
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A. Zur Geschichte des Franziskanerordens in Meißen
Der heute übliche Name für das Franziskanerkloster ist erst in neuerer Zeit aufgekommen. Solange es ein aktives Ordensleben gab, ist das Kloster nie in dieser Weise bezeichnet worden. In lateinischen Urkunden erscheint es als domus fratrum minorum, bzw. Barfüsserkloster (Barfottenkloster) oder ‚graues Kloster’ in volkssprachlichen Dokumenten.
Problematisch aufgrund der prekären Quellenlage ist es, einen genauen Zeitpunkt für die Stiftung des Klosters zu bestimmen. Einen frühen Hinweis erhalten wir aus einer alten Stadtchronik von Lorenz Faust 1 . Hier heißt es: „Anno 1158. Zur zeit Ottonis Marggraffen vnnd Gerungi Bischoffs zu Meissen / ist das Kloster der Franciskaner oder Bahrfüsser / sampt der Kirche gestifftet und gebawet worden / ...“ 2 . Die Datierung ist aber ganz offensichtlich falsch, da der heilige Franziskus seinen Orden erst im Jahr 1209 begründet hat. Die früheste urkundliche Erwähnung des Klosters findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1269 3 . Paul Markus 4 rekonstruiert den Zeitpunkt eines Vorhandenseins der Klostergemeinschaft jedoch noch früher, mit dem Verweis auf eine Urkunde aus dem Jahre 1263 5 : In einer Streitsache zwischen dem Meissner Bischof und dem Dompropst treten zwei Personen als Zeugen auf, die zwar in dieser Urkunde nicht ausdrücklich als Minderbrüder bezeichnet werden, deren Namen jedoch in einer späteren Urkunde 6 (1272) wiederholt auftreten und dort ausgesprochen als fratres minores bezeichnet werden. Dass es sich hier um Identitäten handelt, ist freilich Spekulation, aber, aufgrund der Seltenheit der Namen sehr wahrscheinlich. Es finden sich jedoch noch weitere Hinweise, die eine Stiftung in den frühen sechziger Jahren plausibel erscheinen lassen. Im Jahre 1260 wurde die sächsische Ordensprovinz in zwölf Kreise zerlegt 7 , unter ihnen die Kustodie Meißen. Da nun die Kustodien üblicherweise nach der Stadt benannt wurden, in der sich das Hauptkloster befand, geht Paul Markus davon aus, dass es in Meißen 1260 ein Franziskanerkloster gab. In neueren Darstellungen divergieren die
1 Lorenz Faust, Geschicht- und Zeitbüchlein der berühmten churfürstlichen Stadt Meissen, Dresden 1588.
2 Siehe Faust S. 25.
3 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 207.
4 Paul Markus, Das Franziskanerkloster in Meissen in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meissen, 2 1889; S. 313.
5 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 1, 194.
6 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 1,214; Es handelt sich um die Brüder Fridericus (Guardian) und Heinricus de Rothowe als Zeugen bei der Stiftung eines bischöflichen Vermächtnisses
7 Die Zergliederung der Ordensprovinz Sachsen ist jedoch für mich nicht nachweisbar. P. Markus bezieht sich auf eine Darstellung von einem Herrn Woker, Norddeutsche Franziskanermissionen, o. J.; im Chronologischen Abriss der Geschichte der sächsischen Franziskanerprovinzen - ‚Spuren Franziskanischer Geschichte’, Dieter Berg [Hrsg.] findet sich in diesem Zeitraum kein Verweis auf eine Neugliederung des betrachteten Territoriums.
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Datierungen für den angenommenen Zeitpunkt der Stiftung. 8 Wenn uns nun auch keine ganz genauen Angaben überliefert sind, können wir doch mit Recht für die Stiftung einen Zeitraum bestimmen, der sich erstreckt von den späten fünfziger Jahren bis zum Jahr 1263, wo es de facto ein Kloster gab.
Über den Zeitpunkt des Kirchenbaus und der Kirchenweihe findet man keine Dokumente mit plausiblen Angaben 9 . Alles, was wir zu dieser Frage ermitteln können, erfahren wir aus einer Urkunde 10 , deren genaue Datierung leider nicht mehr möglich ist 11 . Wir wissen lediglich, dass Bischoff Withego I. die Kirche an einem 1. Mai geweiht habe. Paul Markus nimmt die Kirchenweihe vor dem Jahr 1272 12 an, mit Verweis auf eine Urkunde aus dem Jahr 1272 aus der sich das Vorhandensein des Kirchengebäudes notwendig ergibt 13 . Den Bau der ersten Kirche des Konvents in Meißen datiert die Chronologie zur franziskanischen Geschichte von Dieter Berg in den Zeitraum zwischen 1266 bis 1272 14 . Somit erscheint eine Kirchenweihe in den Jahren 1270 bis 1272 wahrscheinlich. Die Problematik um die Datierung der Anfänge franziskanischen Wirkens und Geisteslebens in den Städten des Mittelalters sind typisch. Die Franziskaner kamen zunächst als Gäste in die Stadt, wohnten in behelfsmäßigen Unterkünften, mieteten sich eine Kammer oder zogen in ein leerstehendes Siechenhaus, bis ihnen irgendwo an der Stadtmauer die Erwerbung eines eigenen Gebäudes gelang, das nun zum Kloster ausgestaltet wurde. Es ist infolgedessen schwer, die Gründungsdaten der einzelnen Niederlassungen festzulegen, wie überhaupt die Quellen zur Geschichte ihrer Klöster äußerst spärlich fließen 15 .
Geweiht wurde das Kloster den Aposteln Petrus und Paulus, wie wir aus einer Papstbulle aus dem Jahr 1393 ersehen 16 . Da es sich beim Franziskanerkloster um ein markgräfliches Gestift
8 Vgl. Berg, Spuren franziskanischer Geschichte, S. 163 - Jahr 1263; Teichmann, Franziskanerklöster, S. 150 -Jahr 1250; Rittenbach-Seifert, Bischöfe, S. 158 - vor 1260( im Zeitrahmen des Bischofs Konrad I.)
9 Die Angabe bei Lorenz Faust (Jahr 1158, S. 25) kann man natürlich nicht als relevanten Zeitpunkt für die Weihe des Kirchengebäudes annehmen, auch dann nicht, wenn man, wie Paul Markus (S. 315) davon ausgeht, annimmt, dass Faust lediglich die Ziffern eins und zwei verwechselt und 1158 statt 1258 gelesen hätte. Wäre dem so, dann müsste die Klosterkirche bereits vor der Gründung des Ordens existiert haben und demzufolge in einem Filationsverhältnis zur Afrakirche oder zur Stadtkirche gestanden haben. Dies erscheint wenig plausibel, weil uns hierüber keine urkundlichen Dokumente erhalten sind.
10 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 4, 361b.
11 Bei diesem Dokument fehlt die Jahreszahl.
12 Paul Markus, Franziskanerkloster S. 316
13 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 1, 214 - die Markgräfin Agnes setzt eine Summe aus „ad sollemnitatem S. Francisci in Misnensi ecclesia annis singulis peragendam.“
14 Spuren franziskanischer Greschichte, Dieter Berg [Hrsg.], S. 63, Angabe mit Verweis auf Moorman, John: Medieval Franciscan Houses, New York 1983.
15 Vgl. Schleßinger, Kirchengeschichte, Bd II, S. 300.
16 Cod. Dipl. Sax. Reg. II, 2, 729.
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Arbeit zitieren:
Philipp Maurer, 2004, »In querulose et lacrimose nobis exponens « Das seelsorgerische Wirken der Meißner Franziskanermönche im Spannungsverhältnis zur Weltgeistlichkeit. Eine Episode aus dem späten 14. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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