Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Lawrence Kohlberg 3
3. Der Just Community Ansatz in der Theorie 4
3.1 Der Begriff der „Just Community“ 4
3.2 Erziehung durch Demokratie 5
3.3 Prinzipien des Lernens in einer „Gerechten Gemeinschaft“ 6
4. Der Just Community Ansatz in der Praxis 6
4.1 Cluster Schule- Die Anfänge einer „Gerechten Schulgemeinschaft“ 6
4.2 Institutionelle Komponenten einer Just Community 7
4.3 Der Just Community Versuch an einer Schule in der Schweiz 9
4.4 Die Bewältigung eines Problems in der Just Community 11
4.5 Einordnung der sieben Prinzipien in dieses Beispiel 12
5. Empirische Nachweise für den Erfolg an Just Community Schulen 13
6. Kritik 14
7. Schluss 15
8. Anhang 17
9. Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Ich habe mich mit dem Thema der Just Community befasst, da ich es interessant finde, wie Schüler/innen moralisches Handeln und nicht nur moralisches Urteilen näher gebracht werden kann. Außerdem hatte ich vor der Vorlesung „Schule und Moralerziehung“ noch nichts über diesen Ansatz gehört und konnte mir daher wenig über den Begriff „demokratische Erziehung in der Schule“ vorstellen.
Nachdem ich in dieser Hausarbeit kurz auf den Gründer dieses Ansatzes, Lawrence Kohlberg, eingehen werde, befasse ich mich mit dem Begriff der Just Community. Danach werde ich klären, was Erziehung durch Demokratie bedeutet und zähle sieben wichtige Prinzipien des Lernens in einer Gerechten Gemeinschaft auf, bevor ich auf die Anfänge der Just Community in den USA zu sprechen komme. Danach werde ich auf die institutionellen Komponenten einer solchen Schule eingehen und am Beispiel der Balainen Schule in Nidau in der Schweiz einen konkreten Just Community Versuch aufzeigen. Um weiter in der Praxis dieses Themas zu bleiben, erläutere ich dann die Bewältigung eines Beispielproblems und schaue ob dieses den sieben Prinzipien des Lernens gerecht wird. Bevor ich letztlich zu einem kurzen Schluss-wort kommen werde, gehe ich sowohl auf empirische Nachweise für den Erfolg dieser Schulen als auch auf einige Kritikpunkte dieses Ansatzes ein.
2. Lawrence Kohlberg
Da sich der Schulunterricht lediglich darauf beschränkt Fachwissen zu vermitteln, scheint es wichtig, der Frage nachzugehen, ob moralische Erziehung in den Unterricht integriert werden sollte.
Einer der führenden Wissenschaftler, der sich mit Moralentwicklung und -erziehung in der Schule befasst hat war Lawrence Kohlberg. Er wurde 1927 geboren und wuchs als jüngstes von vier Kindern in New York auf. Nach seinem High School Abschluss 1945 musste er auf-grund seines Wehrdienstes nach Europa, bevor er mit seinem Psychologiestudium beginnen konnte. Mit der Frage nach Gerechtigkeit beschäftigte er sich, nachdem er in einem Praktikum in einer Psychiatrie miterlebte, dass ein Arzt eine aufsässige Patientin mit Elektroschocks bestrafte. Dieses führte wohl auch zu dem Titel seiner Dissertation von 1958 „Die moralische Entwicklung des Menschen“. Von 1968-1987 war Kohlberg Professor für Erziehungswissenschaften an der Harvard University in Cambridge. 1987 nahm er sich aufgrund einer Virusinfektion das Leben. Seine wohl bekannteste Annahme ist die seiner Moralstufen. 1 Aufbauend auf Piagets dreistufigem Modell der moralischen Entwicklung entwarf er ein differenziertes
1 Vgl. http://homepage/ruhr-uni-bochum.de/gregor.betz/kohlberg/moralerziehung.pdf vom 27.08.2005.
3
Stufenmodell mit drei Hauptniveaus und sechs Stadien moralischen Verhaltens. Er legte Kinder und Jugendlichen moralische Dilemmata vor und ordnete deren Reaktionen den einzelnen Stufen zu. Diese Erprobungen waren durchaus nicht erfolglos, aber Kohlberg erkannte schnell die Grenzen dieses Ansatzes. 2 Ein Kritikpunkt war u.a., dass moralisches Urteilen nicht zwangsläufig zu moralischen Handeln führen muss. Und moralisches Handeln wird in Dilemmageschichten nicht trainiert. Die Konsequenz aus dieser Diskrepanz führte Kohlberg zur Weiterentwicklung seines bisherigen Ansatzes. 3 Er kam zu dem Schluss, dass „Erziehung zur Gerechtigkeit erfordert (...), die Schulen gerechter zu machen und die Schüler zu ermutigen, eine aktive Rolle dabei zu spielen. So entwickelte Kohlberg die Idee der Just Community, einer Schule der gerechten Gemeinschaft, an der SchülerInnen demokratisch mitbestimmen dürfen und Konflikte durch selbst beschlossene Regeln lösen.“ 4 Im Folgenden werde ich genauer auf diesen Ansatz eingehen.
3. Der Just Community Ansatz in der Theorie
3.1 Der Begriff der „Just Community“
Kohlberg und seine Kollegen gingen davon aus, dass Demokratie am besten in einem System teilhabender Demokratie vor sich geht. Den Vorrang den sie der Demokratie einräumen ist zum einem psychologisch und zum anderem philosophisch begründet. Um zum ersteren zu kommen lässt sich sagen, dass die Idee der Fairness im demokratischen Prozess eng mit der Idee der Verantwortlichkeit verbunden ist. Schüler/innen müssen nicht nur über Fairness nachdenken, sondern auch verantwortliche Handlungsschritte übernehmen, um sich gerecht zu verhalten. Sie tragen u.a. die Verantwortung dafür Regeln aufzustellen und sie in Kraft treten zu lassen und diese Verantwortung bewirkt mehr als das Nachvollziehen der Blickwinkel anderer, wie es in den Dilemmadiskussionen verlangt wird. Philosophisch begründet ist der Ansatz, da Lehrer/innen in der Just Community ihre Auffassungen nur durchsetzen können, wenn sie die Vernunft repräsentieren. Sie treten zwar für bestimmte Standpunkte ein, aber sie indoktrinieren nicht und begründen ihre Werte auch nicht aufgrund ihrer Autorität als Lehrer/in. 5
Die Namensgebung des Ansatzes begründet Kohlberg folgendermaßen: „Wir nennen unseren Ansatz den Ansatz der >Gerechten Gemeinschaft< (Just Community), weil er den Akzent
2 Vgl.
http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/MORALISCHEENTWICKLUNG/Kohlbergmodell.shtml vom 29.09.2005.
3 Vgl. http://homepage/ruhr-uni-bochum.de
4 Ebd.
5 Vgl. Kohlberg, Lawrence: Moralische Entwicklung und demokratische Erziehung. In: Jansen, Rainer; Naumann, Jens (Hrsg.): Lernen und Entwicklung. Reader WS 2003/2004. Münster 2003. S.56.
4
nicht nur auf Demokratie und Fairness legt, sondern auch auf das Gefühl der Fürsorge fürein-ander und auf den Sinn dafür, Teil einer Gruppe zu sein, die stolz auf sich sein will - wir sprechen zusammenfassend von einem Gemeinschaftssinn.“ 6
3.2 Erziehung durch Demokratie
Bei seinem Just Community Gedanken orientierte sich Kohlberg an John Dewey. Er verdeutlichte, „wenn für Dewey, genauso wie für mich, Entwicklung das Ziel der Erziehung ist, dann ist Demokratie das Mittel der Erziehung.“ 7 Des Weiteren war er der Ansicht, dass nur die Schule Demokratie so lehren kann, dass die Jugendlichen aktiv daran beteiligt sind. Denn weder die Familie noch die Kirche und noch die Medien sind in der Lage, einen Jugendlichen zu einem demokratischen Bürger zu erziehen. Die Familie ist nur eine Primärgruppe und die Kirche dient wichtigen moralischen Funktionen. Und Lernen mithilfe des Fernsehens ist nicht aktiv, sondern passiv. Die Schule hingegen ist eine sekundäre, komplexe, regelgeleitete Institution. 8 Der Kerngedanke Kohlbergs war nun, dass die Schüler und Schülerinnen für die auftretenden Konflikte und Probleme im Schulalltag selbst die Verantwortung tragen sollen und in sogenannten Fairnesskomitees eigene Regelungen finden sollen. 9 So entstand die Idee der Just Community Schule, die Kohlberg mit vier Hauptprinzipien verband. Zum einen sollte die Schule konkret demokratisch geführt werden. Über wesentlich Wünsche und Probleme sollte in einer Schulversammlung, auf die ich später noch genauer eingehen werde, gesprochen und diskutiert werden. Des Weiteren sollten unterschiedliche Komitees eingerichtet werden, die sowohl aus Schülern, als auch aus Lehrern bestehen sollen. Zwischen allen Mitgliedern würden soziale Verträge abgeschlossen, mit denen die Rechte und Pflichten jedes einzelnen festgelegt würden. Letztlich sollten Lehrer und Schüler die gleichen Grundrechte erhalten: Achtung durch die anderen, Schutz vor körperlicher und verbaler Verletzung und Redefreiheit. Diese vier Hauptprinzipien waren die Grundlage zur Gründung jeder einzelnen Just Community Schule. 10
3.3 Prinzipien des Lernens in einer Gerechten Gemeinschaft
In einer Just Community Schule sollten sieben Prinzipien des Lernens zur Anwendung gelangen.
6 Oser, Fritz, Althof, Wolfgang: Moralische Selbstbestimmung. Modelle der Entwicklung und Erziehung im Wertebereich. Stuttgart 1992. S.342
7 Kohlberg, Lawrence: Moralische Entwicklung und demokratische Erziehung. S.56
8 Vgl. Ebd. S.56.
9 Vgl. Scherb, Armin: Werteerziehung und pluralistische Demokratie. Politikdidaktische Annäherungen an ein pädagogisches Konzept für die öffentliche Schule. Frankfurt am Main 2004. S. 196.
10 Vgl. http://homepage/ruhr-uni-bochum.de/gregor.betz/kohlberg/moralerziehung.pdf vom 27.08.2005.
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Arbeit zitieren:
Jennifer Sanen, 2005, Der Just Community-Ansatz in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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