Ausgew ählte Themen der Sozialpsychologie:
Sozialisation und Entwicklung
in der Adoleszenz
Vera Kings
„Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz“
und die Generativität in Deutschland
1. Einleitung 2
1.1 Referatsstruktur. 2
1.2 Zur Person Vera King 2
2. Vera King: Die Entsehung des Neuen in der Adoleszenz 3
2.1 Definition des Begriffs der Generativität. 3
2.2 Generativität in modernisierten Gesellschaften 4
2.3 Die Generativität des Berufes 9
2.3.1 Die Generativität des Berufes beim Sohn 9
2.3.2 Die Generativität des Berufes bei der Tochter. 10
2.4 Zusammenfassung. 10
3. Theorieverbund 12
4. Generativität in Deutschland - Soziale Milieus, Generations- und
Karrieremobilit ät im gesellschaftlichen Strukturwandel 14
4.1 Strukturwandel in Deutschland. 14
4.2 Vester, Geiling u.a: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel
16
4.3 Hradil: Generations- und Karrieremobilität. 18
5. Fazit. 20
6. Literatur. 21
7. Internetquellen: 22
1
1. Einleitung
1.1 Referatsstruktur
Das vorliegende Referat hat die Generativität in der Adoleszenz zum Ge-genstand und bezieht sich auf Vera Kings „Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz“ (2002).
Erster Teil: Der soziologisch-theoretische Ansatz von Vera King zur Erforschung der Adoleszenz und der Generativität in modernen Gesellschaften wird vorgestellt.
Zweiter Teil: Ihr Ansatz wird von mir auf die Generativität in Deutschland transferiert, um die abstrakte Ebene zu verlassen.
1.2 Zur Person Vera King1
Vera King promovierte 1994 zum Thema „Hermeneutische Analyse der ersten Freudschen Fallgeschichte ('Fall Dora') und die Rekonstruktion ihrer Bedeutung für den Theoriebildungsprozess der Psychoanalyse unter dem Gesichtspunkt der verdrängten Adoleszenz und der Geschlechterspannung“. 1994-1997 war sie Mitarbeiterin und von 1997-2002 Hochschulassistentin am Institut für Sozialisationsforschung und Sozialpsychologie des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Dort habilitierte sie auch zum Thema „Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften“, welches auch 2002 publiziert wordenist. Seit 2002 ist sie am Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft, Fachbereich Erziehungswissenschaft, der Universität Hamburg, unter besonderer Berücksichtigung der Theorien zur Entwicklung und Sozialisation und mit dem Schwerpunkt der Sexualpädagogik, beschäftigt. Weiter Information zu Vera King:
1 Information aus ihrer Internetseite http://www2.erzwiss.uni-hamburg.de/personal/king/king.htm ;
Stand 17.9.2005
2
http://www2.erzwiss.uni-hamburg.de/personal/king/king.htm.
2. Vera King: Die Entsehung des Neuen in der Adoleszenz
2.1 Definition des Begriffs der Generativität
Da King leider keine Definition des Begriffs der Generativität erwähnt, nehme Ich die Definition von Oerten und Montada:
„Generativität bedeutet die Weitergabe von Erfahrung an die nachfolgende Generation. Diese Kontinuität zwischen den Generationen zu erhalten, ist nicht nur die Auf-gabe des Einzelnen. Auch die Gesellschaft ist gefordert, analog zu sich verändernden Lebensformen, immer wieder Formen der Kontinuität zwi-schen den Generationen zu entwickeln, die beispielsweise nicht mehr räumlich und auch nicht familiär gebunden sein müssen.“ 2
Zimbardo beschreibt die Generativität als eine „nächste Chance - und He-rausforderung“ 3 nach der Adoleszenz. Während in der letzteren die Identität und Intimität des Heranwachsenden geformt wird, erfolgt, nach einem erfolgreichen Abschluss dieser, die Generativität. Diese Phase zielt nicht mehr nur hauptsächlich auf die eigene Person, auf die eigene Identität, sondern auch auf Externen, wie etwa Beruf oder Familie(-ngründung). 4
Während die Adoleszenz den Heranwachsenden zur Induviduation dient, ist die Generativität als eine Phase nach der Adoleszenz zu verstehen, in der die Heranwachsenden ihre Individuation abgeschlossen und eine Persönlichkeit, eine Identität, eine Haltung geformt haben.
Auch wenn diese Definitionen aus der Psychologie stammen, so lassen sich diese jedoch gut in die Soziologie übertragen. Dies ist wichtig, da King die Generativität und damit obligatorisch auch die Adoleszenz auf der soziologischen Ebene untersucht.
2 Oerter/Montada (Hrsg.) (2002): Entwicklungspsychologie. 5., vollständige Auflage, Beltz Verla-
ge/ Programm PVU Psychologie Verlags Union, Weinheim, Basel, Berlin, S.960
3 Zimbardo, Philip G. (1995): Psychologie. 6., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Springer
Verlag, Berlin-Heidelberg, S.98
4 vgl. Zimbardo (1995), S.98
3
Mit anderen Worten: Generativität heißt bei King die Weitergabe von Tradition und kulturelles Wissen, welche von der älteren an die jüngere Generation in modernen Gesellschaften über die Phase der Adoleszenz weitervermittelt wird. Diese Haltung, wie sie bei Zimbardo (s.o.) erwähnt wurde, ist Indikator für Vera King, zur Erkennung, von Neuen, hervorgegangen aus der Generativität.
2.2 Generativität in modernisierten Gesellschaften
Vera King untersucht auf abstrakter Ebene die Bedingungen in modernisierten Gesellschaften, die während der adoleszenten Phase erfüllt sein müssen, damit aus der Generativität 5 , welche strukturlogisch am Ende der Adoleszenz steht, etwas Neues entstehen kann.
Dabei versucht sie die adoleszenten Prozesse aus der soziologischen Perspektive, in Form von adoleszenten, psychosozialen Möglichkeitsräumen 6 , zu untersuchen. 7 King verwendet hier keine Altersgrenze für die Phase der Adoleszenz, wie etwa Blos 8 oder Dreher und Oerter 9 sie anwenden, sondern eher den soziologischen Begriff des Raums. Dieser Ansatz bietet somit die Möglichkeit, die individuellen „Schicksale“, welche die Heranwachsenden früher oder später in die Adoleszenzphase eintreten, aber auch aus dieser austreten lassen, mit einzubeziehen. 10
5 Steht „strukturlogisch am Ende des adoleszenten Prozesses“ (King, Vera (2002): Die Entstehung
des Neuen in der Adoleszenz. Leske und Budrich, Opladen, S.37)
6 vgl. King (2002), S.28
7 S.o.
8 vgl. Fend, Helmut (2003): Entwicklungspsychologie des Jugendalters. 3., durchgesehene Aufla-
ge, Leske und Budrich, Opladen S. 90-93
9 Oerter/Montada (2002), S. 259
10 vgl. King (2002), S.28
4
Psychosoziale Möglichkeitsräume für Adoleszente - welche eine „Erfindung der Moderne“ 11 sind - werden entweder von der älteren Generation eingerichtet, mit dem Versuch die zukünftigen Kulturträger gezielter heranzuerziehen oder sie werden von den Adoleszenten selbst eingerichtet bzw. erschaffen. Diese Räume sind für die Individuation, für die individuelle, neu schöpfende Selbstformung notwendig. 12 13
In wie weit oder ob überhaupt Neues in der Generativität hervorgeht, hängt davon ab, welche psychosoziale Möglichkeitsräume den adoleszenten Heranwachsenden zur Verfügung stehen. Die Möglichkeitsräume sind grundsätzlich geschlechtsübergreifend und allen Geschlechtern zugänglich, wobei es auch geschlechtsspezifische Möglichkeitsräume gibt, die dem anderen Geschlecht verborgen bzw. verschlossen bleiben.
Aus soziologischer Sicht stellt die Adoleszenz eine Phase dar, „in der Heranwachsende als „neue Kulturträger“, ausgebildet’ [werden], m.a. W. in der die Ablösung „früherer Kulturträger“ durch neue einerseits vorbereitet und andererseits aufgeschoben wird.“ 14 Dabei kann ein Konflikt zwischen den Generationen entstehen: Ermöglicht die ältere Generation den Adoleszenten psychosoziale Möglichkeitsräume, in denen neue kulturelle Visionen und Praktiken entstehen können, so kann das Neue das Tradierte der älteren Generation in Frage stellen. 15 Mit anderen Worten: Die ältere Generation wird nur in so weit „Neues“ zulassen bzw. entstehen lassen, wenn die Weitergabe des Tradierten nicht gefährdet oder gar eliminiert wird.
11 vgl. King (2002), S.30
12 vgl. King (2002), S.39
13 vgl. King (2002), S.29
14 King (2002), S.50
15 vgl. King (2002), S.52
5
Arbeit zitieren:
Jan Trouw, 2005, Vera Kings "Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz" und die Generativität in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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