2
Inhalt:
1 Die Allerheiligenkapelle in der Wiener Burg 3
2 Die Gründung des Kapitels 4
2.1 Der Gründungsvorgang
4
2.2 Der erste Stiftsbrief 6
2.3 Der zweite Stiftsbrief 7
Literatur 10
3
1 Die Allerheiligenkapelle in der Wiener Burg
Rudolf IV., der Sohn des um die Bistumsgründungsangelegenheiten nicht sehr tätigen Albrecht II. des Lahmen, wandelte noch zu Lebzeiten seines Vaters im Jahre 1356 1 den Raum im Hauptturm der Wiener Burg neben dem Widmertor, in dem er aufgezogen wurde, in eine Kapelle „in honorem sanctae et individuae trinitatis, corporis et sanguinis domini nostri Jesu Christi, gloriosae Mariae virginis, sanctorum omnium angelorum et electorum dei“ 2 um.
Durch Albrecht II. wurde für diese Kapelle und für alle Güter, die sein Sohn oder andere dafür gegeben haben oder noch geben werden am dritten Dezember 1356 3 ein Schutzbrief ausgestellt. Schon am sechsten Dezember 4 bestätigte Rudolf mit väterlicher Zustimmung diese Stiftung. Mit der Urkunde vom 17. März 1357 5 wird der Kapelle Immunität und Steuerfreiheit zugesichert. Am 29. April 1357 6 bestätigt Albrecht II. alle von seinem Sohn verliehenen Rechte. Rudolf setzt schließlich am 13. Mai 1357 7 Strafen für die ungerechte Behandlung der Diener dieser Kapelle fest. Im selben Jahr 8 wurde von Rudolf IV. eine Gottesdienstordnung für die Allerheiligenkapelle erlassen, die sein sonst nicht faßbarer Kaplan Wülfingen durchführen und im Falle seiner Abwesenheit der Pfarrer von Sankt Stephan Leopold und der Wiener Bürger Hans von Tirna überwachen sollten. Für die der Stiftung gewidmeten Reliquien behielt sich der Prinz vor, über dem Heiligtumsschatz selbst zu verfügen.
Am 9. Februar 1358 9 bestätigte Rudolf nochmals die Kapellenstiftung und zwar als Regent der Vorlande, da er nun ein eigenes Siegel führte. Durch Kaiser Karl IV. ließ der Herzog am 27. Juli 1357 10 eine Schutzurkunde ausstellen.
Das letzte Mal erscheint die Allerheiligenkapelle 1359 11 anläßlich der Verleihung eines Ablasses durch Friedrich von Regensburg in den Quellen.
1 ZSCHOKKE, Hermann: Geschichte des Wiener Metropolitan-Capitels zum Heiligen Stephan in Wien.
Wien 1895 S. 3f.
2 FLIEDER, Viktor: Stephansdom und Wiener Bistumsgründung. Eine Diözesan- und rechtsgeschichtliche
Untersuchung. Wien 1968. S. 137.
3 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. Wien 1895 - 1918. 1/4, n. 3503.
4 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3504.
5 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3505.
6 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3506.
7 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3507.
8 Zschokke 8f.
9 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3508.
4
Offenbar wurde sie 1365 mit der Errichtung des Kollegiatsstiftes aufgelassen 12 . Von besonderem Interesse ist, daß in allen Urkunden die Allerheiligenkapelle betreffend nur allgemein von ihren Gütern und Grundholden die Rede ist, aber konkrete Besitzungen niemals genannt werden. Daraus ist zu schließen, daß die Kapelle niemals eine Dotation besaß, sondern diese nur geplant war. Außerdem wurde 1358 vom Papst Innozenz VI. über Rudolfs Bitten ein exemtes Kollegiatsstift für die Kapelle bewilligt. Dieses war wohl von Anfang an für St. Stephan bestimmt. Aus diesen beiden Punkten läßt sich schließen, daß die Kapellenstiftung, bloß als eine Vorbereitung einer Kapitelerrichtung an der Hauptkirche der Stadt zu St. Stephan dienen sollte 13 .
Es ist auf alle Fälle anzunehmen, daß Rudolf sich schon zu Lebzeiten seines Vaters mit dem Gedanken einer Kapitelgründung beschäftigte. Bereits früh stand Rudolf unter dem Einfluß seines Hauptratgebers des Klerikers Johann Ribi von Lenzburg, der als sein Erzieher gelten kann und den der Herzog unmittelbar nach seinem Regierungsantritt zum Kanzler ernannte.
Dem listenreichen Ribi von Lenzburg, der auch an der Herstellung des „Pivilegium maius“ maßgeblich beteiligt war, ist es durchaus zuzutrauen, daß er zusammen mit Rudolf die Pläne zur Umgehung des Passauer Bischofes zur Gründung eines Pfalzkapitels als Vorstufe einer Diözese entwarf.
Der Haupttitel der Kapelle erinnerte nicht nur an Rudolfs Geburtstag sondern auch an das Pfalzstift Karl IV. und an die französischen Königskapellen. Wie auch bei vielen seiner weiteren Stiftung ist hier das Vorbild des Kaisers erkennbar.
2 Die Gründung des Kapitels
2.1 Der Gründungsvorgang
Die allgemeine Ansicht in Handbüchern und Spezialliteratur war, daß das von Herzog Rudolf IV. 1358 in der Burg gegründete Kapitel 1365 nach St. Stephan übertragen
10 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/3, n. 3157.
11 Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3990.
12 An dieser Stelle sei angemerkt, daß die Allerheiligenkapelle mit der Hofburgkapelle nichts zu tun hatte. Diese
wurde bereits 1296 von Albrecht I. gestiftet.
13 Flieder 139.
Arbeit zitieren:
Mag. phil. Thomas Haviar, 1996, Die Stiftung des Allerheiligenkapitels am Hohen Dom zu Sankt Stephan, München, GRIN Verlag GmbH
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