Inhalt
1. Abriß über die Geschichte der Regularkanoniker
bis zum Konzil von Aachen 3
1.1 Kanoniker im vierten Jahrhundert 3
1.2 Der heilige Augustinus und seine Gründungen 4
1.3 Kleriker im sechsten und siebenten Jahrhundert 5
2. Die Reformbestrebungen des achten Jahrhunderts
und das Konzil von Aachen 816 7
2.1 Chrodegang von Metz 7
2.2 Das Konzil von Aachen 8
2.2.1 Aufbau des Konzilsdekretes 9
2.2.2 Die Verwirklichung des Dekretes des Aachener Konzils 816 11
2.2.3 Die Seelsorge durch Kleriker 13
Literatur 15
2
1. Abriß über die Geschichte der Regularkanoniker bis zum Konzil von Aachen
1.1 Kanoniker im vierten Jahrhundert
Die Ursprünge von regulierten Kanonikern reichen in die Frühzeit des Christentums zurück. Der "Sacer et Apostolicus Ordo Canonicorum Regularium Sancti Augustini" beginnt seine Geschichte bei den Anfängen des Christentums, um auszudrücken, daß den entsprechend der Regel lebenden Kleriker, den "canonicus", ein enges Band mit dem Gedankengut der frühen Kirche verbindet 1 . Die in der Apostelgeschichte (Apg 4,32) erwähnte "Koinonia" der Urgemeinde in Jerusalem sollte zwar nicht in erster Linie ein klösterliches, jedoch ein karitatives Ideal ausdrücken.
Die Väter stützten sich bei ihrer Definition des Idealbildes des Klerikers einerseits auf die Lebensformen die biblisch erwähnt wurden, andererseits auf die Erfordernisse zum weihevollen Vollzug der Liturgie, dessen Begründung sie ebenso in der Heiligen Schrift zu finden glaubten. Beispiele hierfür sind die Kommentare des heiligen Hilarius 2 und des heiligen Ambrosius 3 über den Psalm
119. Einen Ausgangspunkt zur Entsagung von den weltlichen Gütern bildete der
57. Vers dieses Psalmes (Portio mea Dominus - Mein Anteil ist der Herr (EU)). Außerdem seien hier die Briefe des heiligen Hieronymus an Heliodor 4 , an Rusticus 5 und an Nepotian 6 genannt. Diese Betrachtungen bilden die Grundlage für die Schaffung einer Lebensordnung des Klerus.
Das Zölibatsgesetz wird von Tertullian, vom heiligen Cyrill von Jerusalem und vom heiligen Hieronymus als Brauch bezeugt und von den Konzilien von Elvira (um 300), von Karthago, von Toledo und von Turin (um 400) gutgeheißen. Von heiligen Papst Leo wird es im fünften Jahrhundert auf Subdiakone ausgedehnt. 7 Noch weitere Maßnahmen des fünften Jahrhunderts sollten Kleriker vom Umgang mit der Welt fernhalten.
So wurde Klerikern der Handel, die Verwaltung zeitlicher Angelegenheiten, die Teilnahme an profanen Vergnügungen und vieles mehr verboten. Die äußeren Zeichen der Absonderung waren die Tonsur und das Ordenskleid, welches gegen Ende des fünften Jahrhunderts aufkommt. Vom Konzil von Chalkedon (451) wird die Stabilität des Klerus festgelegt.
1 SCHMID, Michael; DIERMEIER, Severin: Kurzgefaßte Gechichte der Augustiner Chorherrn. In: In unum congreganti 8 (1961). Sonderdruck Heft 1, S.5.
2 Patrolologiae cursus completus: series Latinae. Bd. 9. J.-P. MIGNE (Hrsg.). Paris: 1844, S. 551. 3 P.L. 14,1294. 4 P.L. 22,352. 5 P.L. 22,1072. 6 P.L. 22,527. 7 SCHMID, aaO., S. 5.
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In ihrer Gesamtheit bilden diese päpstlichen und konziliaren Bestimmungen, sowie die Erläuterungen der Kirchenväter, den Grundstock der "canonica regula". Hinzu kam noch Übungen des gemeinsamen Lebens des Klerus wie der Verzicht auf jegliches Eigentum und bis zu ständigen Verweilen in gemeinsamer Klausur, einem gemeinsamen Schlafraum und einem Speisesaal. Das Bestehen solcher Priesterkollegien wie auch eine starke Bindung an den Bischof bei der Ausübung seiner Ämter und seine Anteilnahme an den Kirchengütern läßt aber nicht auf eine allgemeine "apostolische" Armut des Klerus schließen. Keine Spur davon findet man in den großen Städten wie Mailand, Karthago und Rom.
Die Armut war wohl eher ein Ideal, das von privaten Initiativen getragen wurde. Nun begannen aber unter dem wachsenden Einfluß der Mönchsaszetik einige Bischöfe, Kleriker um sich zu versammeln, welche die apostolischen Tugenden mit dem Priesteramt verbinden wollten. Der genaue rechtliche Status solcher Kommunitäten ist nicht bekannt. Sie bildeten sich in Antiochien um Diodorus, in Verona um den heiligen Zeno und vor allem an der Bischofskirche von Vercelli um den heiligen Eusebius (+371). Der heilige Ambrosius überliefert von ihm, daß in seiner Kirche sowohl Mönche als auch Kleriker waren 8 . Angeregt wurde Eusebius wohl durch das Mönchsleben in Ägypten, mit welchem er bei seiner Verbannung durch die Arianer in Kontakt kam 9 .
1.2 Der heilige Augustinus und seine Gründungen
All diese Bemühungen fanden ihre Synthese im Werk des heiligen Augustinus, das aber seine Verwirklichung erst mit der Reform des Jahres 1059 fand 10 . Eine der ersten Gründungen des heiligen Augustinus war die Gemeinschaft auf dem Landgut des Verecundus in Cassiciacum, welche aber nur auf kameradschaftlicher Basis funktionierte und deren wesentlichstes Ziel das Suchen nach der philosophischen Wahrheit war. Dennoch war es die Vorschule des klösterlichen Lebens. Die Vorstellungen vom klösterlichen Gemeinschaftsleben brachte Augustinus wohl aus Italien mit 11 . Auf dem väterlichen Landgut von Thagaste entstand dann aber ein "monasterium".
Als Augustinus 391 in den Priesterstand erhoben und bald darauf zu Bischof berufen wurde, kam zu seinem monastischen Ideal noch ein liturgisches dazu. Es
9 MOIS, Jakob; Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des XI. - XII. Jahrhunderts: Ein Beitrag zur Orden-Geschichte der Augustiner-Chorherrn: München 1953, S.232. 10 SCHMID, aaO., S. 7. 11 MOIS, aaO., S. 232.
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kam somit zu einer innigen Wechselbeziehung zwischen der "vita clericalis" und der "vita liturgica" 12 . Diese doppelte Schau des Augustinus kennzeichnen zwei Gründungen: das Gartenkloster auf dem Grundstück des Bischofs Valerius, das er noch vor seiner Bischofsweihe gründete 13 , welches Vorbild für die Augustiner-Eremiten war und das für unsere Betrachtung weitaus wichtigere Bischofskloster, das dem Kanonikerorden der regulierten Chorherrn als Vorbild diente.
Das Episcopium war ein echtes Kloster. Der heilige Bischof nannte es in seinem Sermon 355 "monasterium clericorum" 14 . In diesem Kloster sollte der gesamte Klerus der Bischofsstadt leben, da Augustinus die apostolische Lebensweise, als die den Klerikern entsprechende empfand. Außerdem sollte es als Heranbildungsstätte für den künftigen Klerus dienen. Mit der Aufnahme in das Episcopium war die Verpflichtung auf die "vita apostolica" verbunden. Hiermit ist das Vorziehen der Anliegen der Gemeinschaft gegenüber den eigenen sowie die Armut als Verzichtleistung auf privates Eigentum und die Keuschheit gemeint. Die Gemeinschaft erhielt sich durch die Bewirtschaftung des Kirchengutes und durch Spenden 15 .
1.3 Kleriker im sechsten und siebenten Jahrhundert
In der Völkerwanderungszeit wurde die Bevölkerung Nordafrikas durch die Vandalen verdrängt. Ob die Schüler Augustins ihre Lebenshaltung in die neue Heimat mitgenommen haben, ist fraglich.
Für Julian Pomerus dürfte es zutreffen. Er fungierte als "Abt" einer Klerikergemeinschaft an der Sankt Throphimuskathedrale in Arles und verfaßte die Schrift "De vita contemplativa" 16 , in welchem er die apostolische Armut und Weltabgeschiedenheit für seine Kleriker empfiehlt.
Die sich seit 520 in Gallien und Spanien häufenden Konzilien, wie das Konzilien von Clermont, von Orléans und von Tours, beschäftigten sich bereits wieder mit den Kanonikern.
Im sechsten Jahrhundert kommt es zu einer immer stärkeren Annäherung zwischen Mönchen und Kanonikern. So werden in verschiedenen Diözesen den Mönchen liturgische Aufgaben zugewiesen. So stellte sich für die Mönche, die in
12 SCHMID, aaO., S. 10.
13 MOIS, aaO., S. 233. 14 SCHMID, aaO., S. 10. 15 SCHMID, aaO., S. 11. 16 P.L. 59, 411-520.
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Arbeit zitieren:
Mag. phil. Thomas Haviar, 1996, Die Entstehung der Kanonikerkongregationen und die Kanonikerreform des Konzils von Aachen 816, München, GRIN Verlag GmbH
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