Abstract
1 ist von der Internet-Verbreitung und der Die Entwicklung des Online-Buchhandels
Anwendung von benutzerfreundlichen Electronic-Commerce-Standards bestimmt. 2 erheblich Der Online-Buchhandel kann gegenüber dem stationären Buchhandel von seinen niedrigeren Betriebskosten und von steuerlichen Vorteilen profitieren. Die traditionelle Bedeutung des Versandhandels in Deutschland bietet ein gute Ausgangslage für die Annahme der Online-Angebote des Buchhandels. Amazon hat durch den frühen Einstieg in den Online-Handel einen großen Vorsprung gegenüber anderen Anbietern. Die Online-Buchhandlungen von Bertelsmann haben trotz eines späteren Starts eine gute Ausgangslage. Dem stationären Buchhandel wird durch Dienstleistungen der Barsortimenter und der Buchhändler-Vereinigung eine preiswerte Plattform für den Einstieg in den Internet-Buchhandel geboten. Einsetzen läßt sich das Internet besonders im Rahmen einer gezielten Stärkung seiner regionalen Marktstellung.
1 Im weiteren Text als OLB abgekürzt.
2 Im weiteren Text als SB abgekürzt.
Inhaltsverzeichnis
ABSTRACT 1
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 5
1. EINLEITUNG UND BEGRIFFSBESTIMMUNG 6
2. EINORDNUNG DES ONLINE-BUCHHANDELS 7
2.1 Online-Buchhandel als Teil des Electronic-Commerce und Online-Shopping 7
2.1.1 Grunddaten zum Internet und Online-Shopping 7
2.1.2 Voraussetzungen für erfolgreiche Online-Shopping-Angebote 8
2.1.3 Bücherkauf online 11
2.1.3.1 Potentialschätzung für den Online-Buchhandel 12
2.1.3.2 Online-Shopping und Online-Bücherkauf in den USA 13
2.2 Online-Buchhandel als Teil des Versandhandels 14
2.2.1 Ausgangslage und Grunddaten 14
2.2.2 Ungleichgewicht der Nachfrage 15
2.3 Fazit 16
3. WIRTSCHAFTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEM ONLINE-
BUCHHANDEL UND DEM STATIONÄREN BUCHHANDEL 16
3.1 Ausgangssituation 16
3.2 Betriebskostenunterschiede 17
3.3 Steuerliche Unterschiede 19
3.4 Fazit 20
4. GRÜNDUNGSFORMEN IM ONLINE-BUCHHANDEL 20
4.1 Gründung als Online-Buchhandlung 20
4.2 Aktivitäten des stationären Buchhandels 23
4.3 Online-Aktivitäten des Versandbuchhandels 24
4.4 Zusatzangebot branchenfremder Firmen 26
4.5 Fazit 26
5. INTERNET-PRÄSENZ DER BUCHHANDLUNGEN 26
5.1 Seitenlayout und Navigation 26
5.2 Informationsangebot und Aktualität 27
2
5.2.1 Informationen über das Unternehmen 27
5.2.2 Präsentation der Bücher und anderer Medien 27
5.2.2.1 Coverabbildungen und Buchtips 27
5.2.2.2 Bestsellerlisten 29
5.2.2.3 Individualisierte Dienste 29
5.3 Onlinekataloge 30
5.3.1 Art und Umfang 30
5.3.1.1 Eigene Katalogisierung 30
5.3.1.2 Anbindung an buch medien online / Buchhandel.de 30
5.3.1.3 Anbindung an die Barsortimentskataloge 31
5.3.1.4 Anbindung an andere Kataloge 32
5.3.2 Suchmöglichkeiten 32
5.4 Medienkauf 33
5.4.1 Bestellvorgang 33
5.4.2 Zahlungssysteme 33
5.4.3 Lieferung der Medien 36
5.4.4 Kunden-Service 37
5.5 Community Features 37
5.6 Fazit 38
6. MARKETING UND WERBUNG DES ONLINEBUCHHANDELS 38
6.1 Onlinewerbung 38
6.1.1 Bedeutung des Domainnamens 38
6.1.2 Suchmaschinen-Eintrag 39
6.1.3 Bannerwerbung 40
6.1.4 Partnerprogramme 42
6.1.5 Gewinnspiele 43
6.1.6 Newsletter 43
6.2 Herkömmliche Werbemaßnahmen 44
6.2.1 Werbung in Printmedien 44
6.2.2 Sonstige Werbemaßnahmen 46
6.3 Fazit 46
7. GESCHÄFTSENTWICKLUNG DES ONLINE-BUCHHANDELS 46
7.1 Umsatzentwicklung 46
7.2. Gewinnentwicklung 47
7.3 Aktienentwicklung 48
8. NUTZEN DES ONLINE-BUCHHANDELS FÜR BIBLIOTHEKEN 49
8.1 Einsatz im Bestandsaufbau 49
8.2 Einsatz bei der Bestellung 49
8.3 Sonstige Einsatzmöglichkeiten 51
8.4 Fazit 52
3
9. AUSBLICK 52
9.1 Allgemeine Entwicklungstendenzen 52
9.1.1 Erweiterung der Produktpalette 52
9.1.2 Kampf um Marktanteile statt schneller Gewinnerzielung 53
9.1.3 Globalisierung des Online-Buchhandels 53
9.1.4 Preiswettbewerb im Handel mit nicht-preisgebundenen Medien 53
9.2 Preisbindung und eventueller Wegfall der Preisbindung 54
9.2.1 Ausgangssituation 54
9.2.2 Auswirkungen eines Wegfalls der Preisbindung 55
9.2.3 Mögliche Marktstrategien nach einem Wegfall der Preisbindung 56
RES ÜMEE 58
ANLAGENVERZEICHNIS 62
LITERATURVERZEICHNIS UND LINKLISTE 69
A. Literaturverzeichnis 69
B. Linkliste 77
EHRENW ÖRTLICHE ERKLÄRUNG 80
4
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: UMSATZPROGNOSEN VON JUPITER COMMUNICATIONS
ABBILDUNG 2: UMSÄTZE UND VERLUSTE VON AMAZON.COM IN US-DOLLAR
5
1. Einleitung und Begriffsbestimmung
In meiner Diplomarbeit möchte ich einen Überblick über die neue Vertriebsform für Medien bieten, sich daraus ergebenden Entwicklungstendenzen im verbreitenden Buchhandel aufzeigen und den Nutzen für Kunden beurteilen. Dabei sollen auch die Möglichkeitender Nutzung durch die Bibliotheken analysiert werden. Mein Interesse an diesem Thema wurde durch zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften angeregt. Gespräche mit Online-Buchhändlern auf der Frankfurter Buchmesse 1998 verstärkten dieses Interesse und veranlaßten mich im November diesen Themenvorschlag einzureichen.
Bei der Bearbeitung des Themas konzentriere ich mich auf
Sortimentsbuchhandlungen und Versandbuchhandlungen. Buchclubs sollen nicht behandelt werden. Der Schwerpunkt liegt zudem im Bereich der Internet-Buchhandlungen. Angebote in anderen Online-Diensten (z. B. BTX) sollen nur im Zusammenhang mit der Entwicklung einzelner Internet-Buchhandlungen angesprochen werden.
Der Büchervertrieb im Internet ist ein Teil des Electronic Commerce. Daher möchte ich zunächst den Online-Buchhandel auch in diesem Kontext darstellen und Daten zum allgemeinen Online-Shopping analysieren.
Den Online-Buchhandel als Form des Versandhandels möchte ich darstellen, damit durch Parallelen Rückschlüsse auf Bereiche des Online-Buchhandels gezogen werden können, sofern diese Bereiche im Buchhandel trotz der besonderen rechtlichen Rahmenbestimmungen (z. B. Buchpreisbindung) vergleichbar sind. Die aktuelle Diskussion zur Aufhebung der Buchpreisbindung macht diesen Zusammenhang noch interessanter.
6
2. Einordnung des Online-Buchhandels
2.1 Online-Buchhandel als Teil des Electronic-Commerce und Online-Shopping
„Zu Electronic Commerce gehört jede geschäftliche Transaktion, die per Telekommunikation elektronisch durchgeführt wird. Das beginnt mit der Werbung und Information für eine Leistung, reicht über Angebote und Ausschreibungen, kann den Bestell- und Lieferprozeß umfassen und betrifft zunehmend auch das 3 Bezahlen“ .
2.1.1 Grunddaten zum Internet und Online-Shopping
„Das Internet ist auf dem besten Weg, sich zu einem gesellschaftsweit akzeptierten 4 Massenmedium zu entwickeln“ . 1998 nutzen fast 6,7 Millionen Menschen in
Deutschland einen Internet/Online-Zugang. Dieses Jahr soll die Nutzerzahl nach einer Prognose des European Information Technolegy Observatory Task Force auf 5 9,4 Millionen steigen . Mit zunehmender Zahl der Internet-Nutzer wächst das Nutzerpotential des OLB. Dabei verändert sich auch die soziale Zusammensetzung der Nutzerschaft:
• Derzeit sind die Nutzer aus Großstädten im Internet und/oder Online-Diensten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überrepräsentiert und die Teilnehmer aus mittelgroßen Städten und kleineren Gemeinden unterrepräsentiert. Die Teilnehmerzahlen aus den beiden letztgenannten Gemeindegruppen steigen 6 derzeit aber überproportional stark . Damit vergrößert sich die Nutzergruppe, in deren Gemeinden es weniger oder gar keine Buchhandlungen gibt. Online können diese Nutzer jetzt ohne viel Zeitaufwand Buchhandlungen erreichen. • Die Teilnehmer mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 DM sind im Internet im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung
3 Peuckert, Heribert: Electronic Commerce und Sicherheit, in: Mit Sicherheit in die Informationsgesellschaft :Tagungsband zum 5. Deutschen IT-Sicherheitskongreß des BSI 1997, URL: http://www.bsi.bund.de/literat/tagungsb/preukert.htm; im folgenden zitiert als: Peuckert: Electronic Commerce und Sicherheit
4 Meier, Klaus ; Neuberger, Christoph: Vom Info- zum Infotainment-Medium, in: Sage & Schreibe 11/1998, S. 10; im folgenden zitiert als: Meier u.a.: Vom Info- zum Infotainment-Medium
5 Vgl. Electronic Commerce : Zu Chancen und Risiken des weltweiten elektronischen Geschäftsverkehr, in: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Wochenbericht 7/1999, S.144
7
überrepräsentiert. Die Gruppe der Nutzer mit einem Haushaltsnettoeinkommen 7 von 4.000 DM bis unter 6.000 wächst besonders dynamisch . Dies wird sich für
die Teilnahme am Online-Shopping vermutlich positiv auswirken. • Onlinedienste wurden 1998 länger und intensiver genutzt als 1997. Dadurch steigt das Online-Shopping-Potential.
• Die Zahl der privaten Anwender steigt besonders stark an. Hier kann man auch Rückschlüsse auf die Entwicklung des Online-Shopping-Potentials ziehen, da Privatanwender die größte Kundengruppe für Onlineshopping-Angebote darstellen.
2.1.2 Voraussetzungen für erfolgreiche Online-Shopping-Angebote
Für den Erfolg von Electronic-Commerce-Angebote sind verschiedene Kriterien 8 wichtig :
• Segmentierung: Das Angebot muß die Servicebedürfnisse der Kunden erfüllen. Durch Personalisierung der Dienste kann individuell auf Kunden eingegangen werden. Hierin besteht der Vorteil des Internets als neuer Vertriebskanal. • Substitution: Der Internet-Umsatz wird bis auf weiteres zu Lasten anderer Kanäle und Anbieter gehen. Für branchenfremde Anbieter im Buchhandel geht der Vertrieb nur zu Lasten der Konkurrenz.
• Vereinfachung der Kaufentscheidung: Hier greift das Element der Personalisierung, da es dem Kunden bei der Auswahl im großen Angebot hilft. Auch der Aufbau des Online-Kataloges (z.B. mit Schlagwörtern) und die Präsentation der Medien helfen bei der Vereinfachung der Kaufentscheidung. • Höherer Kundennutzen: Das Angebot muß gegenüber andere Vertriebswegen und gegenüber Konkurrenzunternehmen Vorteile bieten. Da in Deutschland die Preisbindung gilt, spielt im Buchhandel der Faktor Preis nur indirekt eine Rolle (z.B. beim Porto).
• Umgang mit dem Medium kontinuierlich lernen: Dies bedeutet, daß das Internet-Angebot systematisch weiterentwickelt werden muß. Neue Dienste und
6 Vgl. GfK 3. Online-Welle, Hamburg 1999, URL: http://www.gfk.de/website/mefo/sld026.htm [Stand: 10.4.1999]; im folgenden zitiert als: GfK 3. Online-Welle
7 Vgl. GfK 3. Online-Welle, URL: http://www.gfk.de/website/mefo/sld025.htm [Stand: 10.4.1999] 8 Vgl. Rißmann, Martina ; Loos, Christoph ; Mei-Pochtler, Antonella ; Dean, David: Electronic Commerce : der Kampf um den Konsumenten auf der neuen Agorá, in: Hermanns, Arnold ; Sauter, Michael (Hrsg.): Management-Handbuch Electronic Commerce : Grundlagen, Strategien, Praxisbeispiele. München, 1999, S.154f
8
Möglichkeiten müssen genutzt und Fehler im Angebot behoben werden. Eine längere Beibehaltung eines einmal entworfenen Angebots ist nicht zu empfehlen, weil auch die Mitbewerber ständig neue Lösungen suchen.
Auch im Online-Handel konkurrieren zahlreiche Anbieter. Daher ist es für die einzelnen Firmen wichtig, die Kunden zu binden, damit diese auch zukünftig einkaufen und den Anbieter weiterempfehlen. Für die Kundenbindung ist in diesem 9 Kontext der Nettonutzen des Internet-Angebots entscheidend .
Der Nettonutzen ist die Summe der Nutzen des Internet-Angebots (bzw. des Kaufs) abzüglich der Summe aller Aufwendungen. Zum Nutzen gehört z. B. die Angebotsvielfalt, die Aktualität der Informationen sowie weitere Serviceleistungen. Auf den OLB übertragen kann der Umfang des Online-Kataloges, die Präsentation der Medien, aber auch die Dialogmöglichkeit (z. B. per Email oder Feedback-Formular) zwischen Kunde und Anbieter zum Nutzen gezählt werden. Der Aufwand für die Nutzung setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, wobei der Vergleich zum stationären Einzelhandel aufschlußreich ist 10 : • Monetärer Aufwand
Produktpreise: Da in Deutschland die Buchpreisbindung besteht, fällt dieser Punkt weniger ins Gewicht. Beim Kauf ausländischer Literatur gibt es aber deutliche Preisunterschiede.
Fahrtkosten: diese Kosten entstehen nur beim Kauf im stationären Einzelhandel (sie entfallen, sofern Online-Medien von Zuhause oder vom Arbeitsplatz aus genutzt werden). Dies ist ein allgemeiner Vorteil des Onlinehandels.
Aber: Nachteilig für den Online-Handel wirken sich die Kosten für die Hard- und Softwareausstattung, die Telefonkosten sowie die Internet-Nutzungsgebühren aus.
• Zeitaufwand
Þ Unabhängigkeit von den Öffnungszeiten
9 Vgl. Bliemel, Friedhelm ; Fassot, Georg: Electronic Commerce und Kundenbindung, in: Bliemel, Friedhelm ; Fassot, Georg ; Theobald, Axel (Hrsg.): Electronic Commerce : Herausforderungen -Anwendungen - Perspektiven. Wiesbaden, 1999, S. 13
10 Vgl. ebd., S. 19
9
Þ Besuche des stationären Einzelhandels entfallen Þ Verkürzung von Reaktions- und Lieferzeiten: Dies ist gerade im Onlineverkauf von Büchern interessant, da Bücher über die Zwischenbuchhändler ziemlich schnell geliefert werden können. Eine Bestellung über den Postweg beim Händler (z.B. an Versandbuchhändler oder auch an den SB), würde unnötig Zeit beanspruchen.
Aber: Neben diesen Kostenvorteilen findet man aber auch Nachteile: Umständliche Suchoberflächen der Onlinekataloge, Internet-Staus und schlechte Providerleistungen erhöhen den Zeitaufwand. • Physischer Aufwand 11 Þ Besuche im stationären Einzelhandel und Produkttransport entfallen • Psychischer Aufwand
Þ höhere Angebotsvielfalt und bedingt höhere Preistransparenz Þ Wegfall des üblichen Einkaufsstresses Þ je nach Internetangebot eine bessere Produktbeurteilung Aber: Wenn das Internetangebot kompliziert aufgebaut ist oder die Datenübertragung sehr lange dauert, kann sich der Einkaufsstress wieder erhöhen.
Negativ wirkt sich auch die Sorge vor Datenmißbrauch aus.
Anbieter können für die Kunden den Nettonutzen entweder durch die Erhöhung des Nutzens oder durch die weitere Reduzierung des Aufwandes erhöhen. Hierbei ist eine gute Navigation im Internetangebot besonders wichtig. Der Angst vor Datenmißbrauch kann durch Einsatz neuer Sicherheitssysteme und durch Kundeninformation entgegengewirkt werden.
„Elektronic Commerce verändert die traditionellen Geschäftsprozesse grundlegend. Die Dimensionen Zeit und Raum verlieren zunehmend an Bedeutung, entscheidend sind vielmehr Qualität und Peis-/Leistungsverhältnis des Angebots“ 12 .
11 Dies gilt nur, wenn die Bücher nicht zur Selbstabholung bestellt werden und die Lieferungen nicht bei der Post abgeholt werden müssen.
12 Bräuer, Martin ; Stolpmann, Markus: Schlau und sicher : Technologische Trends bei E-Commerce-Lösungen, in: Bliemel, Friedhelm ; Fassot, Georg ; Theobald, Axel (Hrsg.): Electronic Commerce : Herausforderungen - Anwendungen - Perspektiven. Wiesbaden, 1999, S. 92
10
2.1.3 Bücherkauf online
Bücher sind für den Onlinehandel besonders geeignet. Bücher lassen sich durch die ISBN bzw. durch mehrere andere bibliographische Beschreibungen klar benennen. Ferner ist die Qualität des Produkts - mit Ausnahme der gekennzeichneten Mangelware - bei allen Anbietern gleich und der Zwischenbuchhandel ermöglicht zudem eine schnelle Lieferung. Nach dem 1997 durchgeführten „Internet User Survey“ haben 40 % der Onlinenutzer ein Interesse an einem Onlinekauf von Printmedien. Bis 1997 haben aber erst 13 % der Internet-Nutzer Kauferfahrungen beim Bücherkauf im Internet gewonnen. Lediglich Software wird bisher noch häufiger verkauft als Bücher. Hinsichtlich des Kaufinteresses rangieren Printmedien auf Platz drei nach 13 Veranstaltungskarten und Software .
Eine ausführliche Übersicht über alle online verkauften Produkte findet sich in der Anlage 1.
Bücher gehören zu den Produkten, deren Onlinevertrieb am schnellsten zunimmt. Während der Indexwert beim Softwarekauf vom Frühjahr 1998 (Index=100) bis zum Herbst 1998 auf den Wert 99 gesunken ist, ist im gleichen Zeitraum der Indexwert für den Bücherkauf auf 166 gestiegen 14 .
Das Interesse am Onlinekauf von Büchern und anderen Printmedien ist also signifikant hoch, die Bedeutung des Onlineverkaufs von Software macht aber auch den Online-Vertrieb der neuen Medien für den Buchhandel interessant. Im SB ist ein Test der Software meistens nicht möglich. Im Internet kann dagegen eine Demo-Version zum Download angeboten werden.
Software ist zumeist nicht preisgebunden, daher spielt beim Onlinehandel mit diesen Medien auch der Preis eine Rolle. Große Online-Buchhändler haben hier eine bessere Ausgangslage, da sie die neuen Medien billiger einkaufen und auch einen Preiskampf leichter überstehen können.
Die ARD/ZDF-Online-Studie zeigt, daß die Onlinenutzung nur selten zu einer verringerten Nutzung von Printmedien führt: 35 % der Nutzer schauen weniger
13 Kornetzky, Sven ; Zoche, Peter: Internet User Survey : Ausgewählte Ergebnisse einer Parallelumfrage zur Nutzung der Neuen Medien einschließlich eines Methodenvergleiches. Karlsruhe, 1998, S. 6
14 Vgl. GfK 3. Online-Welle, URL: http://www.gfk.de/website/mefo/sld018.htm [Stand: 10.4.1999]
11
15 Fernsehen und lediglich 15 % haben weniger Zeit für Printmedien . Besonders
Onlinemedien und Fernsehen scheinen somit in größerer Konkurrenz zueinander zu stehen. Die relativ geringe Auswirkung auf die Nutzung von Printmedien spricht dagegen für das Internet als neuen Vertriebsweg für Bücher. 16 Computernutzer sind eine sehr buchnahe Zielgruppe : Ihr Buchlese- und
Buchkaufverhalten ist sehr ausgeprägt und der Anteil regelmäßiger Buchhandlungsbesucher ist höher als in der Gesamtbevölkerung. Mit steigender Zahl der Nutzer, die das Internet von zu Hause aus nutzen, verschieben sich die Hauptnutzungszeiten in den frühen Abend 17 . Online-Shopping-Anbieter werden daher Bestellungen zur Kostenreduzierung weitgehend automatisch weiterverarbeiten, weil damit eine schnelle Lieferung möglich und der teure Einsatz von Personal außerhalb der normalen Arbeitszeiten vermieden oder reduziert werden kann.
Mit dem Anstieg der Nutzerzahlen, wandelt sich das Internet „zunehmend vom Special-Interest-Medium der Computerfreaks und Wissenschaftler zum General- 18 Interest-Medium eines großen Teils der Bevölkerung“ . Somit muß der OLB, um
den Bedürfnissen aller gerecht zu werden, eine große Angebotsvielfalt aufweisen.
2.1.3.1 Potentialschätzung für den Online-Buchhandel
Der OLB hat derzeit noch sehr geringe Umsatzanteile am Buchvertrieb in Deutschland. Über die weitere Entwicklung gehen die Schätzungen deutlich auseinander. L. Kilander (Libri) geht davon aus, daß sich der Anteil des Online-Umsatzes am Gesamtumsatz auf ein Niveau von 10 bis 20 Prozent einpendeln 19 wird . Das Marktforschungsunternehmen Jupiter Communications schätzt den Umsatzanteil des Internetbuchvertriebs für 1998 auf 0,3 Prozent. Bis zum Jahr 2002 soll der Umsatzanteil auf 6 % steigen, wie sich aus der nachfolgenden Tabelle ergibt:
15 Vgl. Eimeren, Birgit van ; Gerhard, Heinz ; Oehmichen, Ekkehardt ; Schröter, Christian: ARD/ZDF-Online-Studie 1998: Onlinemedien gewinnen an Bedeutung, in: Media Perspektiven 8/1998, S. 430f; im folgenden zitiert als: Eimeren u.a.: ARD/ZDF-Online-Studie
16 Vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels / Abteilung Marktforschung (Hrsg.) ; Martin, Eva: Zukunftsmarkt: Elektronische Publikationen. Frankfurt, 1997, S. 20
17 Vgl. Eimeren u.a.: ARD/ZDF-Online-Studie, S. 429 f 18 Meier u.a.: Vom Info- zum Infotainment-Medium, S. 10 19 Vgl. Kampf mit harten Bandagen, in: Spiegel Online 41/1998 vom 09.10.98, URL: http://www.spiegel.de/kulturarc/pool/kilander.html
12
Derzeit gehen die Schätzungen also noch weit auseinander. Trotzdem läßt sich erkennen, daß der neue Vertriebsweg immer mehr an Bedeutung gewinnt und somit in den nächsten Jahren erhebliche Auswirkungen auf die traditionellen Vertriebswege haben wird. Eine Übersicht über die Entwicklung und Aufteilung des Marktvolumens auf Produkte ist als Anlage 2 beigefügt.
2.1.3.2 Online-Shopping und Online-Bücherkauf in den USA
In den USA hat die Computerdiffusion erheblich früher eingesetzt als in Deutschland. Die Zahl der Internetnutzer ist - relativ gesehen - größer als in Deutschland. Ein guter Ausbaustand der Netzinfrastruktur, geringere Kosten für die Internetnutzung, eine positive Einstellung zu neuen Techniken und weniger stark ausgeprägte Sicherheitsbedenken (z.B. gegenüber dem Einsatz von Kreditkarten) haben das Online-Shopping in den USA besonders gefördert 21 . Daher ist der neue Markt in den USA auf Angebots- und Nachfrageseite relativ weit entwickelt. Jeder zehnte Haushalt in den USA nutzte 1998 Online-Shopping-Angebote 22 . Die Mehrheit der Online-Käufer (51 %) lebt in kleinen Städten und Gemeinden. Für Haushalte, die auch Online einkaufen, sind niedrigere Preise der wichtigste Grund für den Onlinekauf. Der zweitwichtigste Grund ist die angenehmere Bestellung durch den Wegfall des Einkaufsweges. Die größere Auswahl an Produkten folgt auf Platz drei der Gründe. Auf der anderen Seite sprechen die unkonfortable Übermittlung von Kreditkartendaten und die fehlende Möglichkeit, die Produkte real zu sehen, gegen das Online-Shopping.
20 Jupiter Strategic Planning Services (Hrsg.): Commere : Winning European Customers, from Both Sides of the Pond. [London], 1998, S. 11
21 Vgl. Preißl, Brigitte ; Haas, Hansjörg ; Rickert, Christian (Mitarb.): Untersuchung der Übertragbarkeit von Erfolgsfaktoren US-amerikanischer Teleshopping-Angebote auf den deutschen Markt, Berlin, 1998, S. 112-115; im folgenden zitiert als: Preißl u.a.: Untersuchung der Übertragbarkeit
13
Bücher sind in den USA zusammen mit Hard- und Software die beliebtesten Produkte, die online gekauft werden.
2.2 Online-Buchhandel als Teil des Versandhandels
2.2.1 Ausgangslage und Grunddaten
Im Versandhandel und im Online-Handel werden Waren aus einem medialen Angebot (z. B. Katalog oder Anzeige) ausgesucht und auf Distanz gekauft. Die bestellten Produkte werden an den Besteller gesandt. Für die Entwicklung eines ausgeprägten Versandhandels sind moderne Transport-und
Kommunikationssysteme wichtig, die nur in hochentwickelten Industrieländern zu 23 finden sind .
Im Versandhandel können die Produkte nur im Katalog betrachtet werden. Trotz dieser Distanz zur Ware werden die Angebote angenommen. Auch der Online-Handel bietet dem Kunden je nach Serviceangebot 24 : • eine bequeme, ungestörte Auswahl und zwar ο unabhängig von den Ladenöffnungszeiten und ο ohne Einkaufsstreß (Parkplatzsuche, Warteschlangen an der Kasse) • eine große Auswahl (Anzahl, Sortimentsbreite und Tiefe) • Zeitersparnis
• ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis (bei nicht-preisgebundenen Waren) • zielgruppenorientierte Warenpräsentation • schnelle Lieferung zu günstigen Bedingungen (Porto, Ratenkauf) • Serviceleistungen und Rückgaberecht • Anonymität
Der Onlinehandel ermöglicht zusätzlich gegenüber dem traditionellen Versandhandel bessere Preisvergleichsmöglichkeiten, ausführlichere
Produktinformationen, eine Zeitersparnis durch die Bestellung „per Mausklick“ und
22 The Second Annual Ernst & Young Internet Shopping Study : The digital Channel Continues to Gather Steam. New York, 1999, S. 8 ff
23 Vgl. Bundesverband des Deutschen Versandhandels (Hrsg.) ; Prochazka, Klaus: Versandhandel in Deutschland. Frankfurt,1997, S. 19f; im folgenden zitiert als: Bundesverband des Deutschen Versandhandels: Versandhandel
24 Vgl. ebd. und Preißl u.a.: Untersuchung der Übertragbarkeit, S. 48ff
14
bessere Kontaktmöglichkeiten zum Anbieter. Ferner können Kunden ihre Benutzerdaten bei Online-Buchhandlungen passwortgeschützt abspeichern und 25 brauchen für weitere Bestellungen die Daten nicht mehr eingeben .
Deutschland ist mit 40,7 Milliarden DM (1996) nach den USA (1995: 124 Mrd. DM) 26 der zweitgrößte Versandhandelsmarkt der Welt . Pro Kopf liegt der
Versandhandelsumsatz in Deutschland deutlich vor dem der USA. Innerhalb von Europa entfielen 1996 49 % des Versandhandelsgeschäfts auf deutsche 27 Unternehmen .
Die traditionell hohe Bedeutung des Versandhandels in Deutschland bietet eine gute Grundlage für den Online-Buchhandel. Die Vorteile des Distanzkaufs und der Lieferung per Post oder Paketdienst machen den Onlinekauf von Büchern für Nutzer des Versandhandels interessant. Österreich, Großbritannien und weitere Märkte mit einem hohen Versandhandelsanteil sind für den Online-Buchhandel deswegen von besonderer Bedeutung. Deutsche Firmen sind wiederum für österreichische Kunden interessant, weil ein großer Teil der in Österreich gekauften Bücher aus Deutschland kommt.
Märkte mit einem sehr geringen Versandhandelsanteil (wie z.B. Italien mit 0,3 % 28 ) werden dagegen von diesem Ansatz her weniger Potential für einen erfolgreichen Online-Buchhandel bieten.
2.2.2 Ungleichgewicht der Nachfrage
Die Kunden aus kleinen Städten und Gemeinden sind im Vergleich zum 29 Bevölkerungsanteil unter den Versandhandelskäufern überrepräsentiert : In Orten
bis unter 20.000 Einwohner wohnen 29,6 % der Bevölkerung (1996), unter den Versandhandelskäufern sind sie aber mit 35,3 % vertreten. Dort gibt es weniger Einzelhandelsgeschäfte und das Sortiment ist kleiner. Die Bevölkerung in kleinen Gemeinden kann somit besser vom Versandhandel angesprochen werden. Der Online-Handel hat den Vorteil, daß keine teuren Kataloge gedruckt und versandt werden müssen, sondern „nur“ die Internet-Adresse beworben werden muß.
25 Das ist mit den im im traditionellen Versandhandel üblichen Kundennummern vergleichbar. 26 Vgl. Bundesverband des Deutschen Versandhandels: Versandhandel, S. 18 27 Vgl. ebd., S. 14
28 Der Anteil am Einzelhandel liegt in Deutschland bei 5,8 Prozent; Vgl. ebd., S. 15 29 Vgl. ebd., S. 34
15
Arbeit zitieren:
Dirk Balthasar, 1999, Online-Buchhandlungen - eine neue Vertriebsform für Medien im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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