Inhalt
1 Grundlinien im Kampf der Sozialdemokratie
gegen Militarismus und Krieg
1.1 Die II. Internationale
1.2 Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SAPÖ)
2 Die Annexionkrise 1908/09 und die DSAPÖ
3 Die Balkankriege und die österreichische Sozialdemokratie
3.1 Die DSAPÖ und der erste Balkankrieg
3.2 Die DSAPÖ vor dem zweite Balkankrieg
4. Conclusio
Literatur
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1 Grundlinien im Kampf der Sozialdemokratie gegen Militarismus und Krieg
1.1 Die II. Internationale
Bereits sehr früh glaubten die Theoretiker der Arbeiterbewegung einen Zusammenhang zwischen der herrschenden Gesellschaftsordnung und dem Krieg erkennen zu können. 1 Durch die Handhabe der Mittel zur gesellschaftlichen Reproduktion als auch zu Kriegführung lagen sie in den Händen der herrschenden Klassen, und durch die Bestimmung und Kontrolle des Staatsapparates konnten diese die Kriegsziele bestimmen. Man kann aber nun nicht einfach sagen, daß die Arbeiterklasse per se pazifistisch sei. Das wäre, durch den Kampf in verschiedenen Revolutionen an der Seite des Bürgertums gegen den Absolutismus zu widerlegen. Jedoch riß nach sozialistischer Deutung die Bourgeoisie oft im Bündnis mit dem vorher bekämpften Adel den Erfolg an sich und unterdrückte das Proletariat - das Arbeitertum hatte also an den erkämpften Früchten des Sieges keinen Anteil. Durch das Eintreten der kapitalistischen Länder in das Stadium des Imperialismus war nun eine Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht, um eine neue Militärpolitik der Arbeiterbewegung grundzulegen. In der Sozialdemokratie spitzte sich die parteiinterne Militärdebatte auf die Frage der Vaterlandsverteidigung - deren Anerkennung oder Ablehnung - zu. Innerhalb der II. Internationale fand in den zwei Jahrzehnten vor 1914 eine Differenzierung vor allem dieser Frage statt und führte dann auch zum einer Spaltung, so daß es innerhalb der Arbeiterbewegung drei große Strömungen (These, Antithese und Synthese) gab:
• Unterstützung kriegerischer Ambitionen der Regierungen, welche als nationales Anliegen zu betrachten seien.
• Generelle Absage an jedwede militärische Gewaltanwendung, Negation der Kriegführung.
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• Die Synthese entstand aus der Erfahrung, daß sich weder die völlige Ablehnung noch die unterschiedslose Unterstützung von Kriegen bewährt hätten. Die konkrete Verhaltensweise der Arbeiterbewegung könnte sich erst aus der genauen Analyse der Konflikte hinsichtlich ihrer sozialen Ziele und den an den Konflikten beteiligten Klassenkräften ergeben. Der rechte Flügel (Marxisten) und das marxistische „Zentrum“ um Kautsky unterstützten die dritte Vorstellung, indem sie die eigene Lehre mit der Lehre von Clausewitz 2 , wonach Krieg nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei, verbanden. Der linke Flügel lehnte siese Vorstellung als Verrat am Sozialismus durch die Unterstützung des Imperialismus ab.
1.2 Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SAPÖ)
Die SAPÖ sieht im Hainfelder Programm 3 von 1889 die Ursache der beständigen Kriegsgefahr im stehenden Heer und fordert als Ersatz die allgemeine Volksbewaffnung. Das Wiener Programm (1901) fordert den Ersatz des stehenden Heeres durch eine Volkswehr. Ziel ist also die Bewaffnung des Volkes, die Errichtung von Volkswehren, um der durch das stehende Heer entstandenen Kriegsgefahr entgegenwirken zu können.
1 Otto Hawletz, Der Kampf der österreichischen Sozialdemokratie gegen Imperialismus, Militarismus und
Krieg von 1908 bis 1914 und seine Hintergründe (Graz 1981) S.126.
2 Carl von Clausewitz, Vom Kriege (Bonn 16 1952) S. 108.
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Programme der österreichischen revolutionären Arbeiterparteien (Wien 1976).
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Arbeit zitieren:
Mag. phil. Thomas Haviar, 1997, Die österreichische Sozialdemokratie und der Balkan 1908 - 1914, München, GRIN Verlag GmbH
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