Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Skeptizismus als Verneinung. 3
2 Reaktionen auf den Skeptizismus 5
A Common Sense (Moore) 6
B Kontextualismus (Clarke, Austin) 9
3 Stanley Cavell, Ordinary Language und Skeptizismus. 13
4 Phänomenologie der Weltgewissheit. 18
5 Bibliographie 21
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1 Skeptizismus als Verneinung
Der Sokrates, den Platon beschreibt, war ein kauziger alter Mann auf Sandalen, der sich auf den Plätzen Athens herumtrieb und das Gespräch mit Athener Politikern und Intellektuellen suchte. Wenn jemand vorgab etwas zu wissen, hakte Sokrates nach, wand Gegenbeispiele ein und echauffierte sich ob der Fahrlässigkeit der aufgestellten Behauptung. Die meisten Gegner unterlagen ihm und gaben ihr Unwissen zu, worauf Sokrates mit großem Staunen und gespielter Besorgtheit seine Gesprächspartner tröstete: Auch er verstünde sich ebenso wenig auf irgendetwas. Das einzige Wissen, das er für sich in Anspruch nahm, war der berühmte Ausspruch: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Was den Athenern blieb war die Aporie, ein Zustand des Nicht-Wissens und der Verunsicherung. Ein Zustand der so unangenehm war, dass sie den barfüßigen alten Mann einige Jahre später wegen „Verderbung der Jugend“ hinrichten ließen.
Der Skeptiker hat in der Philosophie einen schlechten Ruf. Ihm ist es darum zu tun, in Frage zu stellen, zu bezweifeln und zu dekonstruieren. Er gilt als der härteste Konkurrent im philosophischen Diskurs; als der Spielverderber; als der Feind aller selbstverständlichen Gewissheiten. Er will zwar das Wissen mehren, wie ein guter Wissenschaftler, aber er sucht das Wissen um die Haltlosigkeit des bislang Gewussten. Er zerstört mehr als er schafft. Sein Produkt ist (nur) das Wissen um das Nicht-Wissen. Denn ein Skeptiker der vorgibt, mehr erreicht zu haben als nichts zu wissen und nur das, ist in den seltensten Fällen jemand, der die Ansprüche an den Titel „Skeptiker“ noch erfüllen kann.
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Er ist in den meisten Fällen jemand, der eine mehr oder minder gerechtfertigte Meinung vertritt, die kein Wissen ist, zumindest nicht in einem strengen Sinne.
Der Skeptiker weiß also nicht viel. Er bezweifelt, dass wir Wissen über die Welt erlangen können und dass der Geist sich in zuverlässiger Weise auf die Welt beziehen kann, ohne den Trugschlüssen und den Irrungen der Wahrnehmung anheim zu fallen. Der Skeptizismus ist deshalb ein destruktives Argument und es ist die Tragödie der abendländischen Philosophie, dass bislang kein stichhaltiges Argument gegen ihn vorgebracht werden konnte.
Auch Stanley Cavell weiß keinen Ausweg aus dieser Aporie. Aber er reagiert auf die Herausforderung des Skeptizismus, ohne diesen zu bestreiten. Cavell ist selbst auf eine Weise Skeptizist, aber sein Zweifel ist methodisch. Es ist ein Skeptizismus, mittels dessen wir uns der Welt annähern können, anstatt uns von ihr zu entfernen; mittels dessen wir lernen unsere Sprache so zu gestalten, dass sie vor den Übergriffen der Skeptiker gefeit ist. Cavell beschreibt das Projekt einer Philosophie der Alltagssprache. In dieser Arbeit geht es darum, inwiefern diese „Ordinary Language“ der epistemologischen Skepsis gegenüber immun ist und wie sie sich einfügt in einen Kanon ähnlicher Positionen. Grundlage ist ein Band Cavells gesammelter Essays über Emerson, in dessen Schriften er das Manifest amerikanischer Philosophie vermutet und in seiner Sprache das Produkt eines konstruktiven Skeptizismus. Bevor Cavells Gedanke rekonstruiert wird, sollen andere anti-skeptische Positionen kurz vorgestellt werden.
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2 Reaktionen auf den Skeptizismus
Thomas Grundmann und Karsten Stüber unterscheiden in ihrem Buch „Philosophie der Skepsis“ verschiedene Möglichkeiten, dem Skeptizismus zu begegnen. 2 Trivialerweise bleiben zunächst zwei Möglichkeiten: Man kann ihn anerkennen oder versuchen, ihn zu widerlegen.
Erstere Möglichkeit bedeutet zuzugeben: Ich habe keinen Zugang zur Welt aus dem in einem strengen Sinne Wissen hervorgeht. Es ist möglich, dass ich nur ein Gehirn bin, das in einer Flüssigkeit schwimmt und von einem genialen Wissenschaftler manipuliert wird. Ich kann das weder widerlegen, noch bestätigen. Die Welt ist mir fremd. In einem cartesianischen Sinne mag ich sagen: Ich denke, also bin ich. Aber selbst das scheint mir ungewiss, wenn sich zeigt, dass sich mir meine Gedanken nicht in der Weise darstellen, in der sie sind; dass es also gar nicht ich (bzw. es) bin, der (das) denkt.
Die zweite Möglichkeit: ich will zeigen, dass Wissen möglich ist. Dies ist insofern schwierig, als dass der Skeptiker jeweils die Unüberprüfbarkeit der These anführen wird. Er wird sagen, dass auch ein Gehirn in einem Tank sich diese Dinge hätte ausdenken können. Dazu gibt es zwei interessante Positionen, welche mit der von Stanley Cavell verwandt sind. Sie sind im Weiteren vorgestellt.
2 Grundmann, 30ff.
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A Common Sense (Moore)
Das Common-Sense-Argument ist die Position, die sich den Zumutungen des Skeptizismus am weitesten entzieht. Sie kritisiert die Abgehobenheit der philosophischen Skepsis und verweist auf die Praktikabilität eines pragmatischen Realismus. Dabei wird sie den skeptizistischen Anforderungen an den Wissensbegriff nicht gerecht, sondern unterstellt dem Skeptiker gleichsam eine pathologische Grundhaltung, nämlich, sich künstlich von der Welt zu entfernen und die Gewissheiten des Alltags beflissen zu ignorieren. George Edward Moore ist einer der radikalsten Vertreter dieser Tradition, sein Aufsatz „A Defence of Common Sense“ ist eine Apologie des gesunden Menschenverstandes. Moore beginnt mit einer Liste von Aussagen, von denen er mit Sicherheit (!) sagen könne, sie seien wahr. Er nennt sie: „truisms“, „everyone of which (in my opinion) I know, with certainty, to be true.“ 3
Sein erster „truism“ lautet etwa: „There exists at present a living human body, which is my body.“ 4 Darauf folgt eine Reihe von Gewissheiten, wie etwa, dass er sich auf der Oberfläche des Planeten Erde befinde, dass er in seiner rechten Hand einen Stift halte, dass er Kleidung trage und dass er in Kontakt trete mit Gegenständen die dreidimensional sind und Größe, sowie Ausdehnung haben.
3 Moore, 32
4 Moore, 32
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Arbeit zitieren:
Justus Bender, 2006, Stanley Cavells therapeutischer Realismus, München, GRIN Verlag GmbH
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