Freie Universität Berlin, Otto-Suhr Institut
SoSe 2001
Der Begriff des Rassismus von Robert Miles
von: Daniel Oppermann
Inhalt
1) Einleitung 3
2) Ursprünge und die Darstellung des Anderen 4
3) Anfänge der „Rassen“-Idee 7
4) Der Begriff „Rasse“ in verschiedenen Zusammenhängen 8
4.1) Bedeutungskonstitution 8
5) Rassenkonstruktion 11
6) Rassismus 13
6.1) Rassismus als Ideologie 13
6.2) Institutioneller Rassismus 16
7) Fazit 18
8) Literatur 20
1) Einleitung
Seit der Deutschen Einheit von 1990 und den in den folgenden Jahren vermehrt stattfindenden Morden und Mordversuchen an Nicht-Deutschen in der Bundesrepublik Deutschland ist das Wort „Fremdenfeindlichkeit“ in diesem Zusammenhang ein gerne benutzter Begriff. Plakative Parolen wie „Deutschland den Deutschen – Ausländer Raus!“ sprachen die gleiche Sprache wie die auf parlamentarischer Ebene stattfindende Debatte zur faktischen Abschaffung des Asylrechts und andere restriktive Festsetzungen in den sogenannten „Ausländergesetzen“. Was der Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ etwas verzerrt darstellt ist die Tatsache, dass in nicht unerheblichen Teilen der deutschen Bevölkerung die Abneigung nicht gegen alle „Fremden“ gerichtet ist. Vielmehr ist zu erkennen, dass häufig das äußere Erscheinungsbild, insbesondere die Hautfarbe, Grund der Ausgrenzung ist. Doch selten wird dies korrekt als „Rassismus“ bezeichnet. Rassistische Ausgrenzungen haben eine weitreichende Geschichte. Ihre Anwendung fand bereits statt, bevor Begriffe wie „Rasse“, oder „Rassismus“ überhaupt zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörten. Diese Arbeit soll auf jene Begriffe und einige weitere eingehen, sie erklären und in einen zusammengehörigen Kontext einbinden. Grundlage hierfür bieten Texte des Engländers Robert Miles. Miles lebt in Glasgow, wo er an der Universität lehrt und gleichzeitig die „Research Unit Migration And Racism“ leitet. Seine Beteiligung an der Debatte um Migration, Rassismus und Ausgrenzung wird als sehr wichtig eingestuft. Sein wissenschaftlicher Einfluss wirkte sich durch die Übersetzung seiner Texte auch auf andere Länder aus, wie im Falle der bundesdeutschen Rassismus-Diskussion. Diese Arbeit entstand hauptsächlich auf den zwei folgenden Grundlagen von Miles. Zum einen sein Text „Bedeutungskonstitution und der Begriff des Rassismus“, 1989 auf deutsch erschienen, und zum anderen sein Buch „Rassismus. Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs“ von 1991. Die zum Teil nahe am Text stattfindende Arbeit versucht neben diesen zwei auch andere Werke und Texte von Miles einzubeziehen. Außerdem werden die theoretischen Ausführungen anhand empirischer Beispiele dargestellt und erhalten so den nötigen Bezug zur Realität.
2) Ursprünge und die Darstellung des Anderen
Bevor es zur Konstruktion von „Rassen“ kam, herrschten in verschiedenen Zeitepochen unterschiedliche Theorien zur Erklärung des Anderen vor. Der Begriff des Anderen ergab sich aus der Notwendigkeit der Westeuropäer, andere Bevölkerungsgruppen zu beschreiben. Es wurden Bilder entworfen und reproduziert, die oft auch mit klischeehaften Vorstellungen verbunden waren. Zu den optischen Erscheinungen wurden auch oft kulturelle Eigenschaften oder charakterliche Züge hinzugefügt. Diese Konstruktion der Bilder des Anderen fand beim Zusammentreffen zweier Volksgruppen auf beiden Seiten statt. Europäische Kaufleute hielten jene Bilder auch in Zeichnungen oder Bildhauereien fest, die fortan als Prototypen herhalten mussten und das Bild des Anderen in den Köpfen der Europäer verfestigten. Die Darstellungen erfolgten anhand europäischer physischer und kultureller Normen. Eine Rolle spielten dabei auch die Vorstellungen, die aufgrund bereits vorher gehörter Beschreibungen über Kultur oder Verhaltensweisen gesammelt worden waren. Ein besonderes Augenmerk war dabei immer die Hautfarbe.
Im 18. Jahrhundert galt die biblische Version der Entstehung des Menschen als ausschlaggebend für die Bewertung von Menschen, die nicht in dieses Bild passten. Danach war alles von Gott erschaffen und hierarchisch, Mensch über dem Tier, angeordnet worden. Der Afrikaner wurde in diesem Zusammenhang (u.a. aufgrund der Kenntnis von Sprache) nicht als Tier betrachtet, obwohl ihm animalische Züge wie Wildheit und ein negativ bewerteter entsprechender Sexualtrieb nachgesagt wurden. Der Vergleich mit dem Tier, insbesondere dem Affen, stammt Spekulationen zufolge daher, dass beide von Europäern zum etwa gleichen Zeitpunkt an der geographisch selben Stelle entdeckt worden waren.1 Doch aufgrund der ihm nach europäischen Maßstäben zugesprochenen Bestialität und dem angeblich tierähnlichen optischen Erscheinungsbild wurde er als unzivilisiert betrachtet und in einer Skala unterhalb des Europäers angesiedelt.
Die Erklärung für das angebliche Anderssein des Afrikaners wurde im 17. und 18. Jahrhundert durch die Anführung milieutheoretischer Argumentationen versucht. In diesem Zusammenhang nahm die physische Erscheinung (vor allem Haut- und Haarfarbe) an Bedeutung zu. Für diese wurde versucht, eine Erklärung zu finden. Der Bibel zufolge, die wie oben bereits erwähnt in jener Zeit eine zentrale Rolle bei der Darstellung des allgemein akzeptierten Weltbildes spielte, haben alle Menschen einen einzigen Ursprung mit heller Haut. Demzufolge hätten afrikanische Menschen erst nach ihrer Entstehung die dunkle Haut erhalten.
[...]
1 Vgl. Miles : Rassismus. Argument Verlag Hamburg 1991 S. 39
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Daniel Oppermann, 2001, Der Begriff des Rassismus von Robert Miles, Munich, GRIN Publishing GmbH
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