INHALT
INHALT 2
1) Einleitung 3
2) Sklaverei und erste Aufstände 5
3) Emanzipation durch Krieg 8
3.1) Unabhängigkeitskrieg 8
3.2) Bürgerkrieg 9
4) Schwarze Bewegungen 11
4.1) Booker Taliaferro Washington 11
4.2) William Edward Burghardt Du Bois und die NAACP. 12
4.3) Marcus Garvey und die UNIA. 12
5) Black Power 14
6) Die Black Panther Party for Self-Defense 16
6.1) Theorie der Black Panther Party 18
6.1.1) Theorie und Praxis am Beispiel der Rolle der Frau. 20
6.2) Aktivitäten der Black Panther Party 21
6.3) Staatliche Repressionen 23
6.3.1) FBI COINTELPRO 25
6.4) Interne Streitigkeiten und Spaltung der BPP 28
7) Abschluss 31
8) Das 10-Punkte-Programm. 34
9) Quellen 37
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1) Einleitung
Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, melting pot, „land of the free, home of the brave“. Diese Assoziationen stammen aus dem amerikanischen Selbstverständnis und proklamieren dessen Vorstellung von Freiheit. Eine Freiheit, die sie in der Geschichte auch immer wieder gerne andere Völker spüren lassen wollten. Für einen Teil der US-amerikanischen Bevölkerung gilt diese Freiheit bis heute noch nicht. Neben den Natives („Indianer“), die wohl als erste ethnische Gruppe unter den europäischen Ein-wanderInnen leiden mussten, waren es die aus Afrika verschleppten Schwarzen, die als SklavInnen in die „Neue Welt“ verfrachtet wurden und dort als „Arbeitstiere“ den Reichtum der Weißen aufbauen mussten. Von den Weißen bewusst der Erniedrigung ausgesetzt dauerte es sehr lange, bis sie ein eigenes politisches und kulturelles Selbstbewusstsein entwickelten und sich der Unterdrückung wiedersetzten.
Diese Arbeit handelt von der Emanzipation der Schwarzen in den USA. Schwerpunkt dabei ist die Black Panther Party for Self-Defense und ihr Beitrag zur Befreiung der nachfolgenden Generationen ehemaliger SklavInnen in den amerikanischen Kolonien. Sie rüttelte dabei derart an den rassistischen Zuständen in den USA, dass J. Edgar Hoover (FBI Director) sie bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung zum inneren Staatsfeind Nr.1 erklärte. Einstiegspunkt der Arbeit soll nicht die Gründung der Partei sein, sondern die Aufzeigung eines Entwicklungsprozesses, der die Gründung der Partei erst möglich machte. Dabei sollen verschiedene historisch Ereignisse eingebracht werden, die im direkten Kontext mit der schwarzen Emanzipationsbewegung stehen.
Schon im Vorfeld der Verfassung dieser Arbeit traten einige Probleme mit der sinnvollen Nutzung von Teilen der Literatur auf. Den Anschein mangelnder Auseinandersetzung mit der Problematik des Rassismus zeigt folgendes Zitat aus einer Untersuchung, die sich als „Beitrag zur Praxis zeitgeschichtlicher politisch-gesellschaftlicher Information und Meinungsbildung“ betrachtet:
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„Ihre tiefere Ursache hat diese vielfältige, mehr un- oder weniger bewusste ausgeführte Diskriminierung der Neger in dem tief verwurzelten rassistischen Vorurteil der weißen Durchschnittsamerikaner.“ 1 Dass diese unbewusste Diskriminierung der Neger sich selbst disqualifiziert, dürfte deutlich sein. Zu erklären ist diese äußerst unkritische Art der Auseinandersetzung nur schwer mit dem zeitlichen Kontext, in dem die Untersuchung erschienen ist. Das Buch, in dem der diskriminierenden Ausdruck „Neger“ kontinuierlich genutzt wird, stammt von 1980. Knapp 10 Jahre nach dem Auseinanderbrechen der Black Panther Party schien hier die von den Schwarzen Befreiungsbewegungen eingeforderte kritische Auseinandersetzung mit dem Problem des Rassismus noch immer nicht stattgefunden zu haben. Da Emanzipation niemals ein abgeschlossener Vorgang sein kann, muss sie sich über bestehende und als normativ anerkannte Werte hinwegsetzen, um Anstoß zu einer Weiterentwicklung zu geben. Aus diesem Grunde wird in dieser Arbeit die weibliche Form „Innen“ ver-wandt, um deutlich zu machen, dass neben Männern auch Frauen an den Geschehnissen dieser Welt beteiligt sind (z.B. „RevolutionärInnen“ anstatt „Revolutionäre“). In Fällen eindeutiger männlicher Dominanz, wird die männliche Form beibehalten (z.B. Sklavenhalter).
1 Sollbach, 1980, S. 4
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2) Sklaverei und erste Aufstände
Die Landung der Mayflower an der amerikanischen Ostküste im Jahr 1620 ist als symbolträchtiges Ereignis für den Beginn der Kolonialisierung der „Neuen Welt“ durch die Engländer in die Geschichte eingegangen. Sie war das Schiff der „Pilgerväter“, welche in der offiziellen Geschichtsschreibung durch ihren Einsatz die weitere Besiedlung des Kontinents erst ermöglichten. Ungeachtet dessen befanden sich bereits vor diesem Datum die ersten Schwarzen in Nordamerika, die als Sklaven ab 1619 dorthin verschifft wurden und unter schwersten, oft tödlichen Bedingungen den Aufbau der weißen Kolonialisierung des Kontinents erarbeiten mussten.
Bereits zwanzig Jahre nach der Entdeckung Amerikas belief sich ihre Zahl auf über eine halbe Million, die stetig anstieg. Die Hochzeit der Sklaverei wird um 1850 angesetzt, als im Süden schätzungsweise 4 Millionen Schwarze in Sklaverei lebten. Einige Staaten zählten zu dem Zeitpunkt sogar einen höheren Anteil an Schwarzen in der Gesamtbevölkerung als an Weißen.
Die SklavInnen waren entrechtete Arbeitskräfte, käuflich erworbenes Eigentum ihrer Besitzer. Diese bestimmten folglich auch über ihre Rechte. Es war ihnen gesetzlich verboten, Lesen und Schreiben zu lernen. Für die Ausübung einer religiösen Betätigung bedurfte es der Erlaubnis ihres Herrn, ebenso für eine Ansammlungen mehrere SklavInnen ohne Aufsicht. Ob dies überhaupt möglich war oder wie hoch die Anzahl der AnsammlungsteilnehmerInnen sein durfte variierte von Staat zu Staat. Misshandlungen von Sklaven oder Vergewaltigungen von Sklavinnen durch ihre Herrn oder Aufseher waren keine Besonderheit und hatten keinerlei strafrechtliche Relevanz. Dieses von Angst auf der einen und Herrschaftsgefühl auf der anderen Seite geprägte Verhältnis zwischen schwarzen Frauen und weißen Männern blieb auch nach der schrittweisen Abschaffung der Sklaverei bei vielen bestehen. Frederick Douglas (entlaufener Sklave und späterer Abolitionistenführer) über den psychologischen Effekt derartiger Gewalt: „...diese Grausamkeiten sind nötig, um einen Sklaven zu einem Sklaven zu machen und als solchen zu behalten...Wenn ich überaus schlecht behandelt wurde, wenn ich die Schläge auf meinen Kopf zukommen sah, dachte ich nicht an meine
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Freiheit: da ging es um mein Leben. Aber sobald ich keine Schläge mehr zu befürchten hatte, kam die Sehnsucht nach der Freiheit. Wenn ein Sklave einen schlechten Herrn hat, will er einen besseren haben; wenn er einen besseren hat, will er den besten haben; hat er aber den besten, will er sein eigener Herr sein. Aber um ihn als Sklaven zu behalten, muss man ihn brutal und unmenschlich behandeln.“ 2
Der größte Teil der Sklavenhaltung fand in den Staaten des Südens statt, wo billige Arbeitskräfte vor allem in der Plantagenwirtschaft benötigt wurden. Durch die Erfindung des mechanischen Webstuhls wurde ihr Einsatz noch profitabler. Baumwolle und andere Rohstoffe wurden nach Europa geliefert, das auf die Sklaverei in den Kolonien folglich genauso angewiesen war und davon profitierte. Der mehr industriell orientierte Norden Amerikas war im Gegenzug eher auf das Prinzip der Lohnarbeit, eine andere aber wesentlich weniger grausame Art der Sklaverei, ausgerichtet. Der Einsatz von Maschinen, die als Grundlage der Produktion anzusehen sind, erlaubte keine Unruhen oder Aufstände, wie sie auf den Plantagen des Südens von Zeit zu Zeit stattfanden. Zu groß war die Gefahr von Sabotage, die die Produktion unweigerlich lahm legen und den Profit der Industriellen gefährden würde. Die immer wiederkehrenden SklavInnenaufstände stehen meist in Verbindung mit Namen wie Gabriel Prosser (1800 hingerichtet), Denmark Vessey (1822 hingerichtet) oder Nat Turner (1831 hingerichtet). Die Aufstände charakterisierten sich oft durch unterschiedliche Vorgehensweisen und ideologische Grundvorstellungen. Während Prosser in Virginia schwarze Guerilla-Truppen zum Kampf gegen die weißen Plantagenbesitzer führen wollte (der Auf-stand wurde verraten und vor seinem Beginn niedergeschlagen), gibt Vessey dem weiteren Kampf in South Carolina eine religiöse Rechtfertigung. Dabei sieht er in den SklavInnen das Volk Israel, das sich von der ägyptischen Unterdrückung (in diesem Fall durch die Weißen) befreien muss. Nach Vesseys Tod (auch dieser Aufstand wurde verraten) bildeten sich an vielen Stellen Widerstandsnester, die schließlich von Nat Turner vereint erneut zum Angriff gegen die Sklavenhalter zogen aber auch erneut scheiterten. Dieser Aufstand forderte 60 Todesopfer unter den Weißen, hauptsächlich Angehörige von Sklavenhalterfamilien. Vor seiner Hinrichtung hielt Turner, der das Privileg besaß, schreiben zu können, seine Ideen und Beweggründe schriftlich fest und schaffte damit ein Dokument, mit dessen Hilfe die Erfahrungen und der Gedanke von Freiheit weiterleben konnte.
2 Tergeist, 1982, S. 10f
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Herbert Aptheker berichtete 1943 in einer Studie von etwa 250 Sklavenaufständen im USamerikanischen Raum. 3 Diese fanden zum Teil bereits vor Ankunft in der „Neuen Welt“ statt, wie 1839 auf der „Amistad“, einem Transportschiff mit SklavInnen an Bord. Andere schafften es, sich nach ihrer Flucht den amerikanischen UreinwohnerInnen anzuschließen. So z.B. geschehen 1526, als die ersten schwarzen SklavInnen von Spaniern verschifft worden waren. Von ganz anderer Qualität dagegen waren die Aufstände in Zentralamerika. Durch die Größe der dortigen Zuckerrohrplantagen war es den im Verhältnis zu den Schwarzen zahlenmäßig unterlegenen Weißen nicht möglich, afrikanische Kulturen und religiöse Rituale komplett zu unterdrücken. Das erleichterte den SklavInnen die Schaffung eines neuen afroamerikanischen kollektiven Bewusstseins. Auch gelang es den Aufständischen hier oft, sich ins undurchdringliche Hinterland abzusetzen, in dem potentielle Verfolger die Spuren sehr schnell verloren. Unter der Führung von Toussaint L´Ouverture gelang Ende des 17. Jahrhunderts eine SklavInnenrevolte auf Santo Domingo, die schließlich in der Unabhängigkeit der Insel resultierte. Auch in niederländisch-Guyana und in Brasilien gründeten geflohene SklavInnen eigene Republiken und bekämpften über Jahrzehnte hinweg die holländischen und portugiesischen Kolonialtruppen.
In Nordamerika hingegen zerstörten die Sklavenbesitzer die Identität der SklavInnen, indem sie sie von ihren Kulturen und Sprachen entfremdeten. Sie unterwarfen sie dem Gehorsam und zwangen ihnen fremde Religionen (hauptsächlich das Christentum) auf. Die unfreiwillige Übernahme der Wertvorstellungen ihrer Besitzer (schwarze Haut als Synonym für Inkompetenz, Minderwertigkeit und Unterordnung) brach in den meisten Fällen auch ihr Selbstbewusstsein und wurde über Generationen hinweg weitergetragen.
3 vgl. Tergeist, 1982, S. 11
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3) Emanzipation durch Krieg
Die verschiedenen Kriege mit amerikanischer Beteiligung gaben vielen Schwarzen die Hoffnung auf Emanzipation. Doch jedes Mal mussten sie sehr schnell feststellen, dass mit den umkämpften Menschenrechten (im Unabhängigkeitskrieg) nicht ihre Rechte gemeint waren, oder dass die Demokratie, die es in den Weltkriegen zu verteidigen galt, keine Mitbestimmung für sie vorsah.
Zwei Kriege, der Unabhängigkeits- und der Bürgerkrieg, waren wichtige Schritte für die Abschaffung der Sklaverei in den USA. Aus dem Unabhängigkeitskrieg ging eine größere Anzahl von Sklaven (überwiegend männliche) als (offiziell) freie Menschen hervor und konnten sich so für die Befreiung ihrer LeidensgenossInnen einsetzen. Im Bürgerkrieg fand letztendlich (aus politischen Gründen) die Beendigung der Sklaverei statt.
3.1) Unabhängigkeitskrieg
Zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges (1775-83) war es Schwarzen noch verboten, sich im Kampf zu beteiligen. In der Realität unterstützten sie dagegen sehr wohl aktiv das Kriegsgeschehen. Viele nutzten aber auch die Gelegenheit, liefen zu den Briten über (1778 waren es allein in Virginia 30.000) und bekämpften ihre ehemaligen Unterdrücker. Die Führung der Unabhängigkeitstruppen willigte schließlich ein, eine begrenzte Zahl von Schwarzen (etwa 5000) für ihre Sache kämpfen zu lassen und versprach ihnen anschließend die Freiheit. Nach dem Frieden von Versailles und der Anerkennung der Vereinigten Staaten von Amerika durch Großbritannien stellte sich für die weißen Amerikaner die Frage, wie mit den Schwarzen, die sich so ihre Freiheit erkämpft hatten, umzugehen war. Sie als freie Menschen in der neuen bürgerlichen Demokratie zu akzeptieren fiel ihnen schwer. Denn schließlich war die Sklaverei noch immer existent und eine derartig große Gruppe freier Schwarzer, die zudem noch mit Waffen umgehen konnte, bildete ein enormes Risiko für ihre weitere Aufrechterhaltung. Das Angebot einer Back-to-Africa-Bewegung der von weißen Sklavenhändlern erschaffenen American Colonization Society, lehnten die meisten der ehemaligen Sklaven ab.
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Arbeit zitieren:
Daniel Oppermann, 2001, Die Black Panther Party - Welche Rolle spielte sie im Kontext der Emanzipation der Schwarzen in den USA?, München, GRIN Verlag GmbH
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