INHALT
INHALT 2
1) Einleitung 3
2) Verschiedenen Aktionsebenen Schlingensiefs 5
2.1) Film 5
2.2) Theater 7
2.3) Öffentliche Agitation 10
3) Parteipolitischer Ansatz 12
4) Gesellschaftspolitischer Ansatz. 14
4.1) Passion Impossible 14
5) Abschluss 19
6) Quellen. 21
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1) Einleitung
Provokateur und „enfant terrible“ der deutschen Theater- und Filmszene. So wird Christoph Schlingensief nicht selten betitelt. In den Medien als pubertierender Bursche entweder nicht ernstgenommen oder als wahrhaftiger Könner abgefeiert. Durch seinen unkonventionellen Stil erboste er seine „Opfer“ sogar soweit, dass einige nicht einmal vor physischen Angriffen auf seine Werke zurückschreckten. Aber ist es nicht genau das, was einen Satiriker wirklich ausmacht? Sind solche Reaktionen auf seine Aktivitäten nicht die beste Kritik und der Beweis dafür, das er genau ins Schwarze getroffen hat?
Politische Satire hat die Aufgabe, bestehende Zustände in Betracht zu ziehen und sie widerzuspiegeln. Ihre Fehler und Widersprüchlichkeiten zu thematisieren. Dabei ist die übertriebene Darstellung ein probates Mittel.
Erfordern die politischen Zustände in der Bundesrepublik Deutschland heute nicht eine ständige Provokation, eine tägliche kalte Dusche für Volk und Repräsentanten? Arbeitslosigkeit ist ein omnipräsentes Thema. In den Medien, in der Politik, auf der Straße. Millionen sind direkt davon betroffen und zusätzlich ihre Familien. Doch kaum eine Mensch regt sich wirklich auf über das anwachsende Elend in der Bevölkerung. Auch die Opfer selbst lassen sich immer noch vertrösten, treten im Zweifelsfalle lieber selber nach unten auf andere sozial Schwache. Der Rassismus greift um sich. Doch niemand will ihn bemerken, geschweige denn thematisieren. Begriffe wie „Fremdenfeindlichkeit“ verwischen das Problem, das bereits seit Jahren Einzug in die Mitte der Gesellschaft gezogen hat und auch die Politik der großen Parteien mitbestimmt. Als Verantwortliche für die über 100 toten und zahlreichen verletzten Opfer rechter Gewalt in den letzten 10 Jahren wird eine - meist jugendliche - Randgruppe ausgemacht. Doch der Rassismus der bürgerlichen Mitte bleibt ein Tabu. In dieser Arbeit soll dargestellt werde, wie Schlingensief mit den Problemen dieser Zeit umgeht. Was bedeuten für ihn Arbeitslosigkeit, Rassismus, Politikverdrossenheit, all diese Themen, über denen der Schatten der Deutschen Einheit von 1990 steht?
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Christoph Maria Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen/Ruhrgebiet geboren. Sein Vater (Hermann Josef Schlingensief) war Apotheker (laut Georg Seeßlen ein „running gag“ in Schlingensiefs Biographie 1 ), die Mutter (Anna Maria, geb. Knipp) Kinderkrankenschwester. Christoph Schlingensief (im folgenden nur noch „Schlingensief“ genannt) verpasste die Revolten der 68er Generation aufgrund seines Alters. Auch in seinem Elternhaus war von der Auflehnung der ersten Nachkriegsgeneration gegen ihre Eltern kaum etwas zu spüren. Schlingensief wuchs in katholischen Verhältnissen auf, die er selbst als extrem kleinbürgerlich empfand. (In einem Interview mit dem Magazin „Subway“ antwortete Schlingensief auf die Frage, warum er sich bei der Polizei für eine seiner Festnahmen bedankt hatte: „Ich habe ja die 68er nicht erlebt. Deswegen hatte ich den Eindruck, dass mir die Polizei diesen Moment geschenkt hat. Ich konnte zu 5% nachempfinden, wie es damals war.”) In seiner Jugend beteiligte er sich als Messdiener in der katholischen Kirche. Vielleicht stammt daher sein Faible für das Religiöse, das in verschiedenen seiner Filme und Aktionen wieder auftaucht.
1 vgl. Lochte, Julia/Schulz, Wilfried. 1998. S. 40
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2) Verschiedenen Aktionsebenen Schlingensiefs
2.1) Film
Nachdem er bereits als Grundschüler erste Erfahrungen mit der Kamera gesammelt hatte, gründete Schlingensief während seines Besuchs des Heinrich-Heine-Gymnasiums 1972 das Jugendfilmteam Oberhausen. Bereits zuvor in den Jahren 1968 und 1969 waren seine ersten Kurzfilme „Der Fahnenschwenkerfilm“ und „Die Schulklasse“ entstanden. Das Jugendfilmteam arbeitete unter verschiedenen Namen, wie Club der Sieben, Altmarktclub oder Amateur-Film-Company 2000 und produzierte bis 1978 sieben Super-8-Filme mit Spielhandlungen. Die Zahl 2000 zieht sich - ähnlich den religiösen Elementen - ebenfalls durch die verschiedenen Stationen von Schlingensiefs Aktivitäten. Sie ist zu finden in seinem Anfang der 90er Jahre gedrehten Film Terror 2000, in seiner Talkshow Talk 2000, so wie auch in seiner Chance 2000-Partei. Schlingensiefs Begeisterung für die Zahl und das Jahr 2000 rühren wohl von seiner Annahme her, Autos würden in diesem Jahr fliegen können und die Menschen sich von Tabletten ernähren. 2 Das Jahr 2000 lässt darüber hinaus noch viel mehr Assoziationen aufkommen. Wie alle, die die Jahrtausendwende miterlebt haben wissen müssten, stand sie als Synonym für eine Veränderung, einen Neuanfang gleich welcher Art. Sie wurde verkauft als Moment eines Wechsels mit der Annahme, durch den Sprung der christlichen Zeitrechnung in eine neue Kategorie auch den Sprung des Lebens miterleben zu können. Oder den apokalyptischen Sprung ins Ende der Welt.
Nach dem Abschluss des Gymnasiums bewarb sich Schlingensief zweimal vergeblich an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Schließlich entscheidet er sich 1981 trotzdem, nach München zu ziehen. Alternativ zu seinem ursprünglichen Vorhaben beginnt er ein Studium in den Fächern Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, bricht jedoch nach fünf Semestern wieder ab. Während seines Studiums arbeitete Schlingensief an verschiedenen Kurzfilmen und als Kameraassistent bei Doktor Faustus unter der Regie von Franz Seitz. Außerdem verfasste er verschiedene Kurzgeschichten für das literarische Magazin Mode und Verzweiflung und betätigte sich musikalisch in der Gruppe Vier Kaiserlein. Nach dem Abbruch seines Studiums kehrte er nach Oberhausen zurück. 1982 gründete er die DEM-Film. Diese produzierte die meisten seiner Filme und ist auch für deren Verleih verantwortlich.
2 vgl. ebd. S. 42
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Während der Arbeit an einem Industriefilm für den Kommunalverband Ruhrgebiet lernte er den Regisseur Werner Nekes kennen, mit dem er in der Zukunft weiterhin in wechselnden Funktionen zusammenarbeitete.
Von 1983-85 arbeitete er als Lehrbeauftragter für Filmgestaltung und Filmtechnik an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, 1986 als Lehrbeauftragter für Film an der Kunstakademie Düsseldorf. 1983 entstand nach gut zwanzig Kurzfilmen Schlingensiefs erster längerer Spielfilm, Tunguska. Dieser Film bildete den dritten Teil seiner Trilogie zur Filmkritik, die den Titel Film als Neurose trägt. Die ersten beiden Teile dieser Reihe wurden auf der Freiheit für Christian S.-Gegenveranstaltung zu den Westdeutschen Kurzfilmtagen 1983 uraufgeführt. Mit dieser Trilogie „entwarf Schlingensief eine Art Sehsportprogramm, das die unmündige Position des Zuschauers bewusst machen und auch zu einem lustvollen, assoziativen Umgang mit dem Medium Film animieren sollte.“ 3 In den folgenden Jahren drehte er mehrere Spielfilme, deren Besetzungen er (neben Alfred Edel), wie bei seinen vorherigen Produktionen auch, zum größten Teil aus seinem Bekanntenkreis holte. Im Winter 1986 bei den Dreharbeiten zu Egomania - Insel ohne Hoffnung setzte er mit Udo Kier und Tilda Swinton zum ersten Mal auch professionelle Schauspieler ein. Im gleichen Jahr arbeitete Schlingensief auch als 1.Aufnahmeleiter bei der ZDF-Serie Lindenstrasse. Seinen eigenen Aussagen zufolge, musste er dort „grauenhafte Erfahrungen“ machen. Für das ZDF drehte er auch den Film Schafe in Wales, sein erster Film mit fremdem Drehbuch. Dieser entstand in der ZDF-Reihe Das kleine Fernsehspiel. Da er seine Ideen in dem Film nicht wiederfinden konnte, zog er seinen Namen vor der Ausstrahlung zurück.
Von sich reden machte Schlingensief schließlich mit seiner Deutschlandtrilogie, bestehend aus den Filmen 100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker, Das deutsche Kettensägenmassaker, und Terror 2000 - Intensivstation Deutschland. Schon der erste Teil dieser Reihe sorgte für Kontroversen unter den Kritikern, die ihn als „Klamauk“ und „politisch-ästhetische Panne ersten Ranges“ bezeichneten, oder ihn dahingehend lobten, dass er verdrängte Obsessionen der Deutschen thematisieren würde. Der Film wurde an einem einzigen Tag mit einem Budget von 14.000 DM gedreht. Handlungsorte sind zumeist unterirdische Gänge und Gewölbe, die den Führerbunker darstellen sollen. Nach dem Tod Adolf Hitlers übernimmt Eva Braun seine Rolle und heiratet Frau Goebbels.
3 ebd. S. 168
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Arbeit zitieren:
Daniel Oppermann, 2001, Christopf Schlingensief - Politischer Satiriker und Provokateur, München, GRIN Verlag GmbH
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