Inhaltsverzeichnis 2
1) Einleitung 3
2) Zum Begriff „Rechtsrock“ 5
3) Die Skinheadbewegung 7
3.1) Vorgeschichte und Entstehung der Skinheadbewegung 7
3.2) Musik 9
3.3) Politik 11
4) Rechtsrock in Deutschland 13
4.1) Vertriebe und Organisationen 15
4.2) Konzerte 18
4.3) Internet 20
5) Fazit 24
6) Quellen 26
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1) Einleitung
Im Sommer 2000 war das Thema Rechtsextremismus in allen großen Medien in Deutschland präsent, nachdem die Politik es wieder für sich entdeckt hatte. Bundeskanzler Schröder forderte den „Aufstand der Anständigen“, ein allgemeines Aufbegehren gegen den Rechtsextremismus. Die oft als „Sommerlochdebatte“ verschriene Diskussion kam zu einem Ende, das für einen Großteil der Öffentlichkeit mit Zufriedenheit angenommen wurde in dem Glauben, das Problem ein Stück weiter in den Griff bekommen zu haben: Bundesinnenminister Schily setzte ein Verbot der rechtsradikalen Organisation Blood & Honour durch. Ein weiteres Verbotsverfahren gegen die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist zur Zeit noch am Laufen. Doch nur oberflächlich betrachtet bewirken diese Verbote etwas gegen den Rechtsextremismus in Deutschland. Durch das eventuelle Verschwinden der NPD aus dem legalen Parteienspektrum sind die Strukturen, die die rechtsextreme Szene im Hintergrund zusammenhalten nicht beseitigt. Hierbei handelt es sich um Strukturen, die für die Öffentlichkeit nur teilweise einsehbar sind und eine genauere Beschäftigung mit dem Thema erfordern. Auf einen Teilbereich der rechtsextremen Strukturen will ich in dieser Arbeit eingehen. Es handelt sich dabei um den Bereich des Rechtsrock. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, wird in Kapitel 2) näher erläutert.
Der Musik rechtsradikaler Gruppen wird in der Öffentlichkeit wenig Beachtung geschenkt und damit auch die Gefahr ignoriert, die sich hinter dieser Szene verbirgt. Tatsächlich ist im Laufe der Jahre ein weltweites Netzwerk entstanden, über das mit der Musik auch Ideologie verbreitet und Kontakte verknüpft und ausgebaut werden. Zudem wirft das Geschäft große Gewinnsummen ab, die für private Bereicherung oder auch politische Arbeit Verwendung finden.
Woher stammt die Musik, die Hass und Gewalt verbreitet? Mit dieser Frage soll sich Kapitel 3) beschäftigen. Die Ursprünge in Englands Skinheadszene werden beleuchtet, nicht jedoch ohne eine notwendige Differenzierung vorzunehmen. Das allgemein verbreitete Vorurteil der Gleichsetzung von Skinheads und Rechtsradikalen soll vermieden werden. Ohne die Skinheadbewegung hätte es eine Rechtsrockszene, wie sie heute existiert zwar nicht gegeben. Aber die heutige rechte Musikszene hat sich von der ursprünglichen Skinheadszene bereits weit entfernt.
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In Kapitel 4) soll explizit auf die Rechtsrockszene in Deutschland eingegangen werden. Verschiedene Gruppen, Parteien und Organisationen und ihre Aufgaben im rechten Musiknetzwerk werden dargestellt. Dazu gehören auch die international verzweigten Vertriebsmöglichkeiten der rechten Musiklabels und die im Laufe der Jahre sich immer weiter ausgebreitete Organisation der rechten Rockmusik, Blood & Honour. Sie stellt in der Szene einen äußerst wichtigen Faktor dar, über den sich viele Bands und Aktivisten miteinander vernetzt haben. Die Vernetzung ging mit der Entdeckung des Internets durch die rechte Szene immer weiter voran. Dieses bietet eine kostengünstige und schnelle Möglichkeit, sowohl Geschäfte abzuwickeln, als auch für die Szeneaktivitäten zu mobilisieren. Da die Aktivitäten der Szene innerhalb des weltweiten Netzes bereits viel weiter fortgeschritten sind als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, beschränke ich mich dabei auf Musik-relevante Aspekte.
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2) Zum Begriff „Rechtsrock“
Verfolgt man Berichte deutscher Medien, so lässt sich feststellen, dass Rechtsradikale (v.a. Jugendliche) oft unter dem Begriff „Skinheads“ zusammengefasst werden. 1 Die Schlussfolgerung liegt demnach nahe, dass Rechtsrock ein von Skinheads favorisierter Musikstil sein müsste. Doch handelt es sich bei genauerer Betrachtung um zwei Fehlschlüsse. Die Ursprünge der Skinheadbewegung und ihr Verhältnis zur Politik werden in Kapitel 3) beschrieben. Eine Erklärung und Ausdifferenzierung des Begriffs „Rechtsrock“ findet bereits hier statt. Die Nutzung kultureller Werke in Form von Musik zum Transport ideologischer Vorstellungen ist nicht neu. Bereits im Mittelalter dienten Musiktexte der Glorifizierung des eigenen Schaffens und eigener Werte, während gleichzeitig verfeindete Länder oder unliebsame Gruppen mit Schmähliedern bedacht wurden. Im Dritten Reich nutzte Goebbels musikalische Elemente zum Ausbau seiner Propagandamaschinerie und auch nach dem Ende der Naziherrschaft in Deutschland wurden alte Werte in rechtsradikalen Kreisen durch Musik aufrechterhalten. 2 Dabei handelte es sich jedoch in der Regel um traditionelles Liedgut, mit dem man heute wenig Begeisterung bei jugendlichen Rechtsradikalen und potentiellen neuen „Rekruten“ hervorrufen könnte. Ganz anders dagegen der Rechtsrock.
Einen zentralen Stellenwert in der Rockmusik hatte bereits in den 50er Jahren die Rebellion inne. Die Rock´n´Roll-Generation rebellierte gegen ihre Eltern, später in den 60er und 70er Jahren erhielten immer mehr politische Aussagen Einzug in diesen Bereich, u.a. im Zuge der Bewegungen gegen den Vietnam-Krieg. Doch konzentrierten sich diese Aussagen auf progressive Themen, ihre Konsumenten waren Rocker, Halbstarke, Punks, Hausbesetzter, Hippies oder Anhänger von Anti-Atom- und Friedensbewegung. Die Verbindung von Rockmusik mit bewusst reaktionären und rechtsradikalen Texten stellte ein Novum dar, das bereits 1977 von Ragnaröck - einer von NPD-Anhängern in Baden-Württemberg gegründeten Band - ausprobiert worden war, aber erst Jahre später breitere Anerkennung in der rechten Musikszene finden sollte.
1 Sogar der deutsche Verfassungsschutz betitelt seine Broschüre über die rechtsextreme Musikszene undifferen-
ziert: Skinheads. Bands und Konzerte.
2 vgl. Baake, Farin, Lauffer: Rock von Rechts II, GMK Bielefeld 1999, S.13
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Genauso wie Skinheads fälschlicherweise mit Rechtsradikalen gleichgesetzt werden, muss Oi!-Musik oftmals als Synonym für Rechtsrock herhalten. Dabei finden sich die Wurzeln der Oi!-Musik beim Punk, wie in Kapitel 3.2) beschrieben wird. Und Punk verstand sich tendenziell als politisch links. 3 Auch wenn es hier natürlich einige Ausnahmen gab. Ian Stuart Donaldson, Sänger der populären englischen Rechtsrockband Skrewdriver, distanzierte sich aus diesem Grunde auch von Oi!-Bands: „Ich war niemals für Oi!-Musik, da in England die Oi!-Bands aus den 70er und 80er Jahren linksgerichtet und wir immer rechts waren.“ 4 Trotz dieser Ablehnung hatte Donaldson kein Problem damit, Lieder des schwarzen Rock´n´Roll Sängers Chuck Berry nachzuspielen. Auch seine eigens komponierten Songs orientierten sich musikalisch eher an alten Rock´n´Roll- und Psychobilly-Stücken. Außerdem achtete er darauf, dass auf seinen Alben stets ein oder zwei Balladen zu finden waren. Auch dies wäre für Oi!-Bands eher untypisch gewesen.
Der typische Musikstil, welcher heute als Rechtsrock bezeichnet wird bildete sich in den 80er Jahren heraus. Die Anzahl der rechtsgerichteten Oi!-Bands nahm immer weiter ab und es entwickelte sich eine Mischung aus Oi! und Heavy Metal. Diese einfachen musikalischen Strukturen erlaubten es auch den unversiertesten unter den rechtsradikalen Musikanhängern, ein Instrument zu bedienen. Der Spaßfaktor, der zuvor als Teil der Skinheadkultur noch viele Bands ausgezeichnet hatte ging zurück und wurde durch hasserfüllte, oft parolenartige Texte ersetzt. Der Anteil der an Sex, Alkohol und Fußball(randale) orientierten Songtexte, die Anfang der 80er Jahre noch die Szene rechtsradikaler Bands stark beeinflusste wich in den 90er Jahren immer mehr explizit politischen Aussagen.
Auch das äußere Erscheinungsbild der Anhänger des Rechtsrock gleicht heute nicht mehr dem einer rechten Oi!-Skinheadband in den 80er Jahren. Auch wenn diese noch immer auf Konzerten anzutreffen sind, so stieg der Anteil von Konsumenten mit nicht-kahlrasierten Köpfen an. Der typische Rechtsrock-Konsument ist weiß, männlich und unter dreißig Jahre alt. Frauen finden sich selten, Einwandererjugendliche schon gar nicht.
3 Das Tragen von Hakenkreuzen wie bei den Sex Pistols, verstanden sie als Provokation und nicht als Verherrli-
chung des Nationalsozialismus.
4 Baake, Farin, Lauffer: Rock von Rechts II, GMK Bielefeld 1999, S.38
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3) Die Skinheadbewegung
Auch wenn (rechtsradikale) Skinheads nicht die einzigen Konsumenten des Rechtsrock sind, so spielen sie doch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieses Musikgenres. Die Skinhead-Subkultur ist geprägt von den unterschiedlichsten politischen Strömungen. Neben politisch rechts orientierten existieren auch linksradikal Skinheadgruppen (z.B. Redskins), organisierte homosexuelle Skinheads (Gay Skinhead Movement) und andere. Konträr zu den ideologischen Vorstellungen rassistischer und neonazistischer Skinheads stammen die Wurzeln der Bewegung zum Teil aus der Kultur von westindischen Einwandererjugendlichen aus den ehemaligen britischen Kolonien.
In diesem Kapitel soll die Skinheadbewegung näher betrachtet werden, ihre Entwicklung von antirassistischen Elementen hin zu Hass propagierenden politisch aktiven Gruppen dargestellt werden.
3.1) Vorgeschichte und Entstehung der Skinheadbewegung
In den 50er und 60er Jahren hatte die Zugehörigkeit zu einer Jugendbewegung etwas "echtes", sie war mit einer Einstellung verbunden, die noch nicht kommerzialisiert worden war durch die Möglichkeit des käuflichen Erwerbs "szenetauglicher" Kleidung und anderer Äußerlichkeiten bzw. Musik. Dies geschah erst später ab den 70er und 80er Jahren, z.B. mit Teilen der Punkbewegung. Ende der 50er Jahre lösten die Mods die Teds als maßgebliche Jugendbewegung ab. "Mod sein hieß: teure Klamotten, Ska und Northern Soul, chromverspiegelte Vespas, Coolness, Aufputschtabletten, Prahlerei und - Laufbursche in einer Bankfiliale zu sein." 5 Als in den Jahren 1963/64 Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockergruppen durch die Presse gingen und von dieser z.T. noch hochgeputscht wurden kam es zur Eskalation der Gewalt. Als Folge dessen wendeten sich viele Mods von ihren früheren Kameraden ab und begannen ein unauffälligeres Leben zu führen. Dazu kamen auch Ausbildungen und Familiengründungen. Dennoch gab es einige, sogenannte Hard-Mods, die ihren Stil beibehielten, auch aufgrund der Tatsache, dass sie sich schon immer von den übrigen Mods unterschieden hatten.
5 Farin/Seidel-Pielen: Skinheads; München 1993; S.27
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Arbeit zitieren:
Daniel Oppermann, 2001, Rechtsrock in Deutschland - Strukturen und Entwicklung einer rechten Musikszene, München, GRIN Verlag GmbH
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