Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Kommunikationstheoretischer Ansatz -
Marshall McLuhan: „The Global Village“ 5
2.1 Zentrale Begriffe und theoretische Konstrukte 6
2.1.1 Figur und Grund 6
2.1.2 Die Tetrade. 7
2.1.3 Visueller und akustischer Raum 9
2.2 Globale Sinnesausweitung 10
2.2.1 Die Fahrt zum Mond 10
2.2.2 Großstadt, „Barrio“ und Wohnzimmer. 11
2.2.3 Die Ausdehnung der Sinnesfähigkeit. 14
3. “The City - Robert Ezra Park 15
3.1 Stadtsoziologie am Beispiel Chicago. 16
3.1.1 Segregation der Stadtareale. 16
3.1.2 Mosaik oder „Melting Pot“? 18
3.1.3 “The Marginal Man 20
3.2 Kommunikationstheoretischer Ansatz. 22
3.2.1 Massenkommunikationsmedien der Großstadt 22
3.2.2. Die „human interest story“ 24
3.2.3 Der virtuelle Charakter der Großstadt. 25
4. Vergleich vom Ansatz Parks zum Ansatz McLuhans. 26
5. Ausblick 30
6. Literatur 33
2
1. Einleitung
Was für Marshall McLuhan in den 1980ern das „globale Dorf“ war, ist für Robert Ezra Park möglicherweise die Großstadt gewesen. Bei McLuhans „The Global Village“ handelt es sich um eine komplexe, zukunftsdeutende Medientheorie, die die Globalisierung, einhergehend mit der Entwicklung immer schnellerer Medientechnologien, mitsamt ihrer vielfältigen Auswirkungen auf die Lebenswelt des Menschen thematisiert. Park dagegen, einer der bedeutendsten Theoretiker der „Chicago School“, zeigt in den Dreißiger bis Fünfziger Jahren vielmehr die Auswirkungen der Entwicklung vom Leben in der Dorfgemeinde hin zum Leben in der Großstadt. Dabei arbeitet er theoretisch, jedoch nicht ohne empirischem Hintergrund, der aus seinem großen Erfahrungsschatz als journalistischer Reporter herrührt. Seine Forschungs-Devise „to see life“ 1 und somit seine gesamte wissenschaftliche Arbeit war maßgeblich davon geprägt.
Ganz anders McLuhan: er arbeitet absolut theoretisch, um nicht zu sagen philosophisch, im Mittelpunkt seiner Theorie stehen die Auswirkungen von neusten
Kommunikationstechnologien wie dem Satellit und dem Internet sowie der damit einhergehenden Bedeutungsverlust von Raum, Zeit und Körper. Als eine dieser vielseitigen Auswirkungen sind in McLuhans Theorie jedoch auch soziale Phänomene wie Migration thematisiert, ebenso wie auch in Parks Werk „The City“. Hierin zeigt Park bereits Phänomene einer beginnenden Globalisierung auf - bloß dass, im Gegensatz zu McLuhan, die Technologien seiner Zeit entsprechend noch nicht zu einer quasi „entkörperlichten“ Kommunikation führten.
Die Großstadt, die man bei Park in ihren umfangreichen Auswirkungen möglicherweise als eine Art Kommunikationsmedium interpretieren kann, ist jedoch nicht nur „virtuell“, sondern durchaus auch gegenständlich zu erfassen. Sie bietet ihren Einwohnern Möglichkeiten, die sie in den Dreißiger Jahren auf dem Land keineswegs gehabt hätten. Nicht ohne Grund ist sie Anziehungspunkt für Migranten, die in ihr ihre eigenen Wohnviertel bilden, wie beispielsweise China Town und Little Italy. Somit wiederum wird quasi jedem Stadtbewohner die Möglichkeit geboten, jederzeit in eine andere, ihm eigentlich fremde Lebenswelt „einzutauchen“. Transportmittel wie Bus und Straßenbahn bieten die technische Möglichkeit dafür und können somit als Kommunikationsmedien interpretiert werden, mit deren Hilfe man von einer Lebenswelt in die nächste wechseln kann.
1 Lindner, Rolf: Die Entdeckung der Stadtkultur - Soziologie aus der Erfahrung der Reportage, Frankfurt am
Main, 1990, S. 230
3
Eine weitere wichtige Rolle bei Parks Großstadtforschung spielt das klassische Printmedium Zeitung. Hier bringt er seinen weiten Erfahrungshintergrund der journalistischen Recherche mit in die Theorie ein. Über das Medium Zeitung wird dem städtischen Rezipienten ebenfalls ermöglicht, in ihm eigentlich fremde Lebenswelten vorzudringen und an ihnen teilzuhaben. Eine besondere Rolle spielt hierbei die sogenannte „human interest story“, die einerseits dem traditionellen Dorfklatsch gleich kommt und diesen möglicherweise ersetzt, andererseits aber auch die Möglichkeit bietet, zu anderen Werte- und Moralsystemen auf emotionalem Wege Zugang zu bekommen und diese besser verstehen zu können. Auch wenn Park im Gegensatz zu McLuhans visionärem „Global Village“ sehr viel unmittelbarer und gegenständlicher an dem Phänomen Großstadt arbeitet, ist in seiner Theorie meiner Meinung nach jedoch ebenfalls zukunftsdeutendes Potential zu erkennen.
Die Großstadt, mitsamt all ihren Vorteilen, Chancen, aber auch sozialen Problemen hat in den letzten hundert Jahren an extrem starkem Zuwachs gewonnen und wird auch in Zukunft immer stärker anwachsen. Während um das Jahr 1800 nur gerade zwei Prozent der Weltbevölkerung in Städten oder Großsiedlungen wohnten, waren es um 1900 immerhin schon zehn Prozent, heute sind es etwa fünfzig Prozent und 2050 werden es, nach Annahme 2 der UN, fünfundsiebzig Prozent der Weltbevölkerung sein.
Der Trend geht also offensichtlich hin zur „Megacity“. Einer der Gründe dafür sind sicherlich die weitaus besseren Kommunikationsmöglichkeiten der Großstädte in jeglicher Hinsicht - ob Wirtschaft, Politik, Arbeit, Freizeit, Unterhaltung - die Großstadt scheint alles zu kumulieren, zu vernetzen und für die Bewohner in erreichbarer Nähe bereit zu halten. Das bedeutet für die Kommunikation im weitesten Sinne einen immensen Vorteil. Und das, obwohl man heutzutage theoretisch fast an jedem Ort der Welt via Internet und Satellitentelefon mit allen vernetzt sein kann - ganz wie in McLuhans globalem Dorf. Trotzdem lässt der „Run“ auf die Großstädte nicht nach, was teilweise jedoch auch ein schichtenspezifisches Phänomen zu sein scheint, wenn man an Megastädte wie etwa Sao Paolo denkt, die einen sehr großen Armutsanteil enthalten. Hier strömen die Menschen in der Hoffnung auf Arbeit und Einkommen in die Stadt, da sie auf dem Land kaum noch eine Lebensgrundlage finden.
Um nun zu überprüfen, inwiefern die Großstadt als so etwas wie ein Kommunikationsmedium gelten, bzw. als ein solches interpretiert werden kann, werde ich zunächst McLuhans Kommunikationstheorie zur Hilfe ziehen, wobei ich mich hauptsächlich auf sein letztes
2 Matzig, Gerhard: Hier wird nichts weniger als die Zukunft der Welt verhandelt, In: Süddeutsche Zeitung,
Nr.208, Samstag/Sonntag, 9./10. September 2006, S.17
4
großes Lebenswerk „The Global Village - Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhundert“ beziehen werde. Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann an Parks Werk „Human Communities - The City“ zunächst seinen stadtsoziologischen und dann seinen kommunikationstheoretischen Ansatz erörtern. Im dritten Teil werde ich anhand beider Theorien, der von Park und von McLuhan, vergleichend Nachweise aufzeigen, mit denen sich die Großstadt als ein Kommunikationsmedium interpretieren lassen könnte.
2. Kommunikationstheoretischer Ansatz - Marshall McLuhan: „The Global Village“
3 Der Kanadier Marshall McLuhan gilt als wild denkender und wild assoziierender Medienphilosoph, dessen Theorien im englischsprachigen Raum (USA, Kanada, England) besonders Ende der 1960er und in den 1970 Jahren für großes öffentliches Aufsehen gesorgt haben.
Seine Theorie des gesellschaftlichen Wandels bezieht sich unmittelbar auf Medien. Sein Argumentationsstil ist nicht linear und strukturiert, sondern, wie bereits erwähnt, äußerst assoziativ, was unmittelbar mit der Kernaussage seiner Medientheorie zu begründen ist, die ich später erörtern werde.
McLuhan sieht Medien als eine allgemeine „Erweiterung der menschlichen Sinne“ 4 an, nicht etwa als Instrument der Manipulation der Massen, wie viele andere kritische Medientheoretiker.
In seinem populärsten Buch „Understanding Media“ prägt er den provozierenden Satz „The 5 Das englische Wort medium is the message“ - das Medium selbst also ist die Botschaft. „message“ kann man aber auch als „massage“, also Massage verstehen, worin die Doppeldeutigkeit dieses Wortspiels liegt. Das Medium kann also auch wie eine Massage auf den Rezipienten wirken, ihn also in einen entspannenden, halb wachen Zustand versetzen. Des weiteren kann man diesen Satz auch so interpretieren, dass die Struktur eines Mediums auch die Inhalte, die durch es übermittelt werden, beeinflusst und formt. Nicht also nur die Inhalte bestimmen die Medien, sondern die auch die Form strukturiert die Inhalte.
3 Baacke, Dieter: Medientheorie als Geschichtstheorie, In: McLuhan, Marshall: „The Global Village - Der Weg
der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhunderts“, Paderborn, 1995, S.10
4 Ebd.
5 McLuhan, Marshall: Understandig Media, London, 1964, S.7
5
Medien, insbesondere elektronische, haben laut McLuhan die Eigenschaft, alles Ferne sehr nah zu bringen und umgekehrt. Außerdem ermöglichen Medien eine Gleichzeitigkeit aller Ereignisse, also eine Aufhebung der Bedeutung von Raum und Zeit, die, trotz existierender multikultureller Differenzen zu gesellschaftlicher Einheit auf globaler Ebene führt. Mit und durch Medien tendiert diese immer einheitlicher werdende Gesellschaft dazu, ein „globales 6 Dorf“ zu werden.
Um nun weiter auf McLuhans Medientheorie eingehen zu können, müssen zunächst jedoch zentrale Begriffe und theoretische Konstrukte erklärt werden.
2.1 Zentrale Begriffe und theoretische Konstrukte
2.1.1 Figur und Grund
McLuhans Kommunikationstheorie abstrahiert die Figur vom Grund. Damit schließt er sich ganz offensichtlich nicht den herkömmlichen Kommunikationsmodellen westlicher Wissenschaftler an, die grundsätzlich auf dem Modell Sender - Kanal - Empfänger basieren und somit linear, sequentiell und logisch gedacht sind.
McLuhan denkt vielmehr in Gleichzeitigkeiten. „Da Stimme, gedrucktes Wort, Bild und Sinneseindrücke simultan geschehen, stehen Figur und Grund oftmals eher in einer Beziehung aufeinandergelagerter Schichten als in einem sequentiellen Verhältnis.“ 7 So befindet sich beispielsweise das Bewusstsein des Nutzers einer Datenbank, bzw. des Internets gleichzeitig im Netzwerk sowie an seinem Platz vorm Rechner.
Die Begriffe Grund und Figur sind auf die Gestaltpsychologie zurückzuführen, die durch den dänischen Kunstkritiker Edgar Rubin geprägt wurde, der ab circa 1915 Bedingungen visueller Wahrnehmung erforschte. Bezieht man nun, wie McLuhan, diese Begriffe auf die Gesamtheit der Wahrnehmungen und des Bewusstseins, setzen sich „alle kulturellen Situationen (…) aus einem Bereich der Aufmerksamkeit (der Figur) und einem viel größeren Bereich, welcher der Aufmerksamkeit nicht zugänglich ist, zusammen (dem Grund)“ 8 . Beide stehen im Wechselspiel zueinander. Der Zwischenraum zwischen Figur und Grund bestimmt beide gleichzeitig und wird auch „Intervall“ genannt.
6 Vgl. Baacke, Dieter: Medientheorie als Geschichtstheorie, In: McLuhan, Marshall: „The Global Village“, S.12
7 McLuhan, Marshall: The Global Village - Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhunderts, Paderborn
1995, S.25
8 Ebd., S. 27
6
Potentielle Figuren werden mit den menschlichen Sinnen wahrgenommen. Somit „…liefert der Grund die Struktur oder das Wie der Bewußtheit und damit die Sichtweise oder die Bedingungen, unter welchen eine Figur wahrgenommen wird“ 9 . Da der Grund jedoch ständiger Teil der Umwelt einerseits und unterbewusst andererseits ist, kann er unmöglich unter den ihm eigenen Bedingungen studiert werden - es sei denn, man konstruiert strategisch eine „Gegenwelt“. Des weiteren kann der Grund von Seiten der allgemeinen Aufmerksamkeit auch als Figur wahrgenommen werden, sobald neue Zustände in altem Grund mit aufgenommen werden und diesen verlagern. Ein Beispiel hierfür ist das Auftreten einer neuen Nostalgie.
2.1.2 Die Tetrade
Die Tetrade ermöglicht es, Figur und Grund gleichzeitig zu sehen. Laut McLuhan wird in den von westlichen Denktraditionen geprägten Gesellschaften der Grund nicht wahrgenommen, bzw. „verhängt“. Nach westlicher Konvention wird bekanntlich in drei Schritten analysiert, wie z.B. in der Dialektik: These, Antithese, Synthese; oder im Syllogismus: A=B, B=C, draus folgt A=C. Ursache und Wirkung werden hier kausal verknüpft - der Grund bleibt bei der Triade also außen vor. Anders bei der Tetrade: „Wenn eine vierte Bedingung hinzugefügt wird, schwingt die Struktur - sie wird resonant. Weiter erscheint sie geschichtet und metaphorisch: Gleichnis, Metonymie, Synekdoche weichen der Metapher“. 10 Als Ganzes erfasst, werden in der Tetrade menschliche Denkprozesse sichtbar, denn die Tetrade beruht vielmehr auf einem Fragenkomplex als auf einer Theorie. Sie soll ohne Voreinnahmen arbeiten, sich auf Empirisches stützen und somit überprüfbar sein. Angewandt auf Artefakte oder neue Technologien soll sie Entwicklungstrends erkennbar machen.
Die vier Teile der Tetrade setzten sich zusammen aus: „Wiedergewinnung, Veralten, Erhöhung (Erhabenheit) und Umkehr. Alle Teile der Tetrade stehen in einem komplementären Verhältnis zueinander: Wiedergewinnung (C) verhält sich zu Veralten (B) wie Erhöhung / Erhabenheit (A) zu Umkehr (D) - und -
9 Ebd.,
10 Metonymie: (griech.): meta -zwischen und ónoma -Benennung; Bedeutungsverschiebung ; Synekdoche:
(griech.): syn-ekdéchomai: mit überliefert bekommen / verstehen; das Allgemeine durch das Besondere
darstellen, In: McLuhan, Marshall: The Global Village, 1995, S.29
7
Wiedergewinnung (C) verhält sich zu Erhöhung / Erhabenheit (A) wie Veralten (B) zu Umkehr (D).“ 11
Die Tetrade zeigt also, gelesen von A zu B zu D zu C, welche Entwicklung ein Artefakt von der Erhöhung oder auch Ausweitung bis hin zur Veraltung durchläuft. Sie arbeitet also einerseits diachronisch, andererseits jedoch auch synchronisch in der Art und Weise, wie sie die Gestalt oder Struktur eines Artefakts betrachtet: A / D = C / B und B / D = C / A.
(Abbildung: McLuhan, Marshall: The Global Village, 1995)
Sobald ein Artefakt sich vom Grund abhebt, kann das gesamte Prozessmuster als simultan bezeichnet werden und durch die Tetrade in seinen Auswirkungen beschrieben werden: „Die ausgewogene Tetrade besitzt zwei Gründe und zwei Figuren, die in direktem Verhältnis 12 zueinander stehen.“
Die Tetrade kann man weitergehend auch als eine Metapher verstehen, die durch Wiederholung in verschiedenen Modi Verstehen oder neue Bedeutung zu zeigen vermag. Mit Hilfe der Tetrade können quasi beide Seiten der Medaille, also sowohl negative als auch positive Auswirkungen sichtbar gemacht werden. Am Beispiel des Autos wird recht deutlich, dass dieses einerseits die Überwindung von Entfernungen sowie Transportmöglichkeiten erweitert (A) und somit alte Formen der Fortbewegung wie Laufen und Reiten veralten lässt (B). Die Erfindung des Autos beeinflusst das Verhältnis des Menschen zu Raum und Zeit offensichtlich fast von Anfang an. Einen Umbruch (D) fand andererseits im Bereich Gemeinwesen und Nachbarschaft statt, der angesichts der neuen Verhältnisse fast zusammen
11 Ebd., S. 31
12 McLuhan, Marshall: The Global Village , 1995, S. 33
8
brach. Die Stadtzentren, zumindest in den USA, wurden so entwickelt und saniert, dass siezumindest nachts - menschenleer sind, da in ihnen nur gearbeitet und eingekauft, aber nicht gelebt wird. Neuer städtischer Lebensraum entstand dafür in den Vorstädten und im Umland (C).
Weitere Auswirkungen des Autos auf den Menschen und seine Umwelt beschreibt McLuhan folgendermaßen: Das Auto brachte dem Menschen nicht nur das Gefühl privater Identität und Unabhängigkeit, sondern führte auch zu neuen Bewegungsformen. „Bis zum äußersten getrieben - der Wucherung der Städte, Staus und Abgase -, kehrte sich das Auto ins elektrische Mini-Auto um, und erzeugt damit eine Wiedergewinnung im zweiten Artefakt: Es fördert erneuerte körperliche und natürliche Aktivitäten in Form von Jogging, Radfahren 13 Sobald jedoch das Auto als Figur anfängt, die Umwelt alsowie Flächen städtischer Natur.“ Grund zu verschlingen, wird das Verhältnis grotesk.
2.1.3 Visueller und akustischer Raum
McLuhan differenziert zwischen visuellem Raum (Seh-Raum) und akustischen Raum (Hör-Raum), mit denen er verschiede Wahrnehmungs- und Denkweisen verbindet, die er unterschiedlichen Gesellschaftstypen zuordnet. Den visuellen Raum sieht er in der westlichen Welt verankert, den akustischen Raum in östlichen und orientalischen Kulturen. Die Gesellschaft des Okzident hat sich nach McLuhan eine Arbeits- und Denktradition angeeignet, die hauptsächlich die linke Hemisphäre des Gehirns beansprucht: lineares, logisches, analytisches, quantitatives und sequentielles Denken. „Die linke Hemisphäre ist der Sitz von Hierarchien und Kategorien sowie der linearen, mathematischen und sequentiellen Wahrnehmung. Der Ordnungssinn des linken Gehirns ist quantitativ, d.h. diachronisch und historisch: Lesen, Schreiben, Benennen, was in einem Feld signifikanter Ordnung wahrgenommen wird.“ 14
Östliche Gesellschaften dagegen pflegen laut McLuhan eher eine qualitative, simultane, intuitive, multisensorische Denkweise, die vor allem die rechte Hirnhemisphäre verarbeitet. Sie ist vor allem für eine künstlerische und ganzheitliche Auffassung zuständig und kann besonders gut Beziehungen erfassen, ohne gleich analytische Schlussfolgerungen ziehen zu müssen. „Unser rechtes Gehirn umfaßt die qualitativen (synchronischen, gleichzeitig erfassenden) Fähigkeiten. Es ist die Quelle der räumlich-taktilen, musikalischen und
13 Ebd., S.34
14 McLuhan, Marshall: The Global Village, 1995, S. 81
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Arbeit zitieren:
Janine Thomas, 2006, Die Großstadt als Kommunikationsmedium, München, GRIN Verlag GmbH
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