Gliederung:
1. Einleitung. 3
2. Das Unbehagen in der Kultur 4
2.1 Triebstruktur des Menschen 4
2.2 Triebstruktur in der Gesellschaft 7
2.3 Religionskritik 10
3. Gesellschafts-politische Implikationen, Fragen Perspektiven 12
4. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
In dem Aufsatz „Das Unbehagen in der Kultur“ versucht Sigmund Freud einige seiner wichtigsten psychoanalytischen Grundbegriffe in eine Kulturtheorie münden zu lassen. Seine Grundthese besagt, dass sich unsere Kultur stets auf Kosten der Bedürfnisbefriedigung Einzelner entwickelt hat und im Aufschub der Bedürfnisse sukzessiv das Unbehagen der Menschen gesteigert wurde. Die Frage, die er mit dieser These in den Raum wirft, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit und der Berechtigung von Kultur. Obwohl der 1930 entstandene Aufsatz historisch im Kontext von konservativer Politik, erstem Weltkrieg und eskalierendem Antisemitismus, vor dem auch Freud 1938 fliehen musste, gelesen werden muss, ist diese Frage durchaus aktuell. Seine Theorie leitet Freud auf zwei Ebenen her: Auf der ersten Ebene von der Herausbildung der Triebstruktur beim Individuum; und auf der zweiten Ebene, indem er die Entwicklung der Menschheit von der archaischen bis zur modernen Gesellschaft unter psychologischen Gesichtspunkten nachzeichnet. Die Herleitung auf diesen zwei Ebenen möchte ich zunächst sinngemäß wiedergeben und anschließend seine Kritik an Religion darlegen.
Zum Schluss werde ich versuchen, einige von Freud aufgezeigte Linien bis in die heutige post-moderne Gesellschaft weiter zu führen und mit seiner Theorie abzugleichen - sofern dies möglich ist.
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2. Das Unbehagen in der Kultur
Die Freudsche Psychoanalyse geht zunächst einmal davon aus, dass das Wesen Mensch ein triebgesteuertes ist. Diese Triebe sind im Unbewussten angesiedelt und werden durch die Es-Instanz verkörpert. Beim Neugeborenen ist vorerst ausschließlich dieses Es vorhanden. Das bedeutet, dass es einzig nach der Befriedigung seiner Triebe, Wünsche und Bedürfnisse strebt und somit dem Lustprinzip folgt. In der Entwicklung eines Menschen wird, so Freud, das Lustprinzip stets prägend sein und ist in seiner Bedeutung nicht hoch genug zu bewerten. Das Streben nach Glück, wie er es nennt, ist insofern das grundlegende Motiv menschlichen Handelns. In Bezug darauf stellt er „einerseits die Abwesenheit von Schmerz und Unlust, andererseits das Erleben starker Lustgefühle“ (Freud, Sigmund 1999: 434) gegenüber.
Da das Neugeborene noch nicht zwischen sich und seiner Umwelt unterscheiden kann, ist die Libido, die Triebenergie, zunächst ausschließlich auf sich selbst gerichtet. Dies bezeichnet Freud als primären Narzissmus, der zu unterscheiden ist vom sekundären Narzissmus, welcher sich erst später herausbildet.
Darüber hinaus unterscheidet Freud zwischen Eros, dem Lebenstrieb und Thanatos, dem Todestrieb. Charakteristisch für den Eros ist sein „Trieb, die lebende Substanz zu erhalten und zu immer größeren Einheiten zusammenzufassen“ (ebd. S. 477). Ziel des Thanatos ist dagegen die Zersetzung, Destruktion oder Rückführung lebender Substanz in seinen ursprünglichen, anorganischen Zustand. Beide sind jedoch keinesfalls getrennt voneinander zu betrachten. Jede menschliche Handlung beruht sozusagen auf dem Zusammenfallen dieser komplementären Triebe in einem Moment.
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Sobald das Kind jedoch die leidvolle Erfahrung macht, dass die Erfüllung seiner Bedürfnisse maßgeblich von der Außenwelt abhängig ist, entwickelt sich aus dem Es die zweite, so genannte Ich-Instanz, die unter anderem für die Vermittlung zwischen Bedürfnissen und Realität zuständig ist. Die Verdrängung des Lustprinzips zugunsten des Realitätsprinzips geht damit einher und sie bringt große Einschnitte für das Individuum mit sich: Das Kleinkind sieht sich in den ersten Lebensmonaten als eins mit der Welt, es sieht nicht die Differenz zwischen sich und der Umwelt. Das ändert sich, sobald das Kind lernt, seine Mutter zu erkennen und wieder zu erkennen. Es findet sowohl eine erste Bindung an die Mutter statt, da meistens sie es ist, die die Bedürfnisse des Kindes stillt, als auch eine erste Abkapselung der Umwelt von sich selbst, da die Erfahrung des ungestillten Triebes die Grenzen des Lustprinzips sprengt und folglich nach einem neuen Prinzip verlangt. Die Abspaltung einer Außenwelt birgt ebenso die Neigung, alles Negative und Böse in Bezug auf die Triebbefriedigung in die Außenwelt zu projizieren. Der Drang des Lustprinzips wird als Innen und die Versagung in der Realität als Außen empfunden.
Analog zur Entwicklung der Ich-Instanz geht die des sekundären Narzissmus. Die Libido als Energiequelle des Eros beginnt, sobald sie Objekte von sich zu unterscheiden gelernt hat, sich auf diese Objekte auszurichten. Die Verbindung zur Außenwelt reißt also nicht völlig ab - sie bleibt teilweise bestehen und bedingt die Hinwendung der narzisstischen Libido zu den Objekten, „wird so zur Objektlibido und kann sich in narzißtische Libido zurückverwandeln“ (ebd. S. 477).
Etwas später bildet sich dann das Über-Ich heraus. Dies geschieht, indem das Kind lernt, was im gesellschaftlichen Sinne gut und was böse, was richtig und was falsch ist. Es verinnerlicht in dieser Phase der Entwicklung die grundsätzlichen Werte und Normen, der jeweiligen das Kind umgebenden Kultur. Werte und Normen sind hier vor allem als den Trieben und Wünschen entgegen gestellt zu betrachten. Wenn beispielsweise das Es den Impuls “Ich will essen“ an das Ich weiterleitet, schaltet sich das Über-Ich als Kontrollinstanz dazwischen und wertet diesen Impuls, indem es z.B. verbietet, etwas zu stehlen oder von fremden Tellern oder während der Arbeit zu essen oder es ermahnt, auf die eigene Figur zu achten.
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Arbeit zitieren:
Bastian Hillebrand, 2006, Zu: Das Unbehagen in der Kultur (Sigmund Freud), München, GRIN Verlag GmbH
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