Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 3
2. Definitionen von Heimerziehung 4
3. Historischer Exkurs 5
3.1 Mittelalter 5
3.2 17. Jahrhundert 5
3.3 18. Jahrhundert 6
3.4. 19. Jahrhundert 7
3.5 Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. 8
3.6 Nationalsozialismus. 9
3.7 Ab 1945 10
3.8 60er Jahre. 11
4. Rechtliche Grundlagen der Heimerziehung 12
5. Zielgruppen. 15
6. Organisationsformen 17
6.1 Stadtteilbezogene Heimerziehung 17
6.2 Einzelbetreuung 18
6.3 Außenwohngruppen 19
7. Aufgaben und Ziele der Heimerziehung 20
8. Probleme der Heimerziehung 23
9. Abschließende Bemerkungen. 25
10. Quellennachweis. 26
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1. Einleitung
Heimerziehung scheint in Zeiten, in denen immer wieder Fälle von verwahrlosten, unterentwickelten, sogar verhungerten Kindern an die Öffentlichkeit gelangen, notwendiger denn je.
Diese Art der Erziehungshilfe hat verschiedene rechtliche Grundlagen, unterschiedliche Organisationsformen und verfolgt eine Reihe von Zielen.
Als Kriterium zur Beurteilung von Erfolg bzw. Versagen der Heimerziehung kann die Beantwortung folgender Frage dienen: Werden die Ziele, die die Heimerziehung sich gesetzt hat, erreicht?
Im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit sollen ein Überblick über das Thema Heimerziehung und ein historischer Abriss gegeben werden. Der zweite Teil hat die Ziele, aber auch die Schwierigkeiten der Fremdunterbringung zum Inhalt. Am Ende der Arbeit werde ich mithilfe der zuvor zusammengetragenen Informationen eine Beantwortung der aufgeworfenen Frage vornehmen.
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2. Definitionen von Heimerziehung
Im Laufe der Zeit hat der Begriff der Heimerziehung mehrere Bedeutungswandel durchlaufen. So wird in „Meyers kleines Lexikon - Pädagogik“ aus dem Jahr 1988 der Begriff wie folgt definiert: „Heimerziehung ist eine im Rahmen der Jugendhilfe durchgeführte Form der öffentlichen Erziehung, bei der Kinder und Jugendliche vorübergehend oder dauernd in Heimen untergebracht, dort betreut und pädagogischtherapeutisch gefördert werden.“ (Meyers kleines Lexikon - Pädagogik 1988, S. 188). Sechs Jahre später, im Jahr 1994, wird der Begriff konkretisiert und erweitert definiert: „Im allgemeinen Sprachgebrauch werden unter „Heimerziehung“ oder „stationären Erziehungshilfen“ Angebote der Jugendhilfe bezeichnet, bei denen Kinder, Jugendliche und junge Menschen (bis zum 27. Lebensjahr) außerhalb ihrer Herkunftsfamilie und z.T. regional völlig unabhängig von ihrem gewohnten Umfeld, vorübergehend oder langfristig in Heimen, Wohngemeinschaften, Kinderdörfern, Kinderhäusern ihren neuen Lebensmittelpunkt finden sollen.“ (Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit 1994, S.227).
Noch einmal neun Jahre später, also 2003, findet sich erneut eine etwas verändertete und ausgeweitete Definition des Begriffes Heimerziehung: „Heimerziehung bedeutet eine erwünschtermaßen- und gesetzlich festgelegte- zeitlich begrenzte stationäre, meist heilpädagogisch- psychologisch ausgerichtete Erziehung außerhalb des ursprünglichen und natürlichen familiären Lebensfeldes durch pädagogische Fachkräfte, wobei die betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Regel in alters- und geschlechtsgemischten Gruppen in einer Art Lebensgemeinschaft zusammengeschlossen sind. (Schauder 2003, S. 7 ).
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3. Historischer Exkurs
3.1 Mittelalter
Die Ursprünge der Heimerziehung liegen im Mittelalter. Zu dieser Zeit konnte jedoch nicht von Heimen im heutigen Sinne die Rede sein. Vielmehr handelte es sich um so genannte Erziehungsanstalten. Die Klientel dieser Erziehungsanstalten kam aus den unteren Ständen (vgl. Heitkamp 1984, S.23). Die Ärmsten der Gesellschaft waren auf Almosen angewiesen. Alte, Kranke und besonders elternlose Kinder waren jedoch nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt allein zu bestreiten. Um deren Existenz zu sichern, entstanden bereits im Mittelalter in den Städten Hospitäler. In diesen lebten alle Gruppen zusammen. Erst später entstanden zusätzlich Waisen- und Findelhäuser für elternlose Kinder. Die kleinen Bewohner dieser Waisen- und Findelhäuser wurden so lange versorgt, bis sie alt genug zum Betteln waren und sich ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren konnten.
Die Kinder der mittelalterlichen Erziehungsanstalten waren erstaunlicherweise hinreichend gut versorgt und genossen eine z.T. liebevolle Erziehung durch Ammen (vgl. Heitkamp 1984, S. 24).
3.2 17. Jahrhundert
In der Neuzeit stieg die „wirtschaftliche Produktivität“ (Peters 1991, S. 11) und man erkannte zusehends den Wert kindlicher Arbeitskräfte. Ab dem 17. Jahrhundert kam es in Deutschland zur Gründung von Arbeitshäusern, in welche Kinder mit ihren Eltern, sofern es diese noch gab, eingeschlossen und zum Arbeiten genötigt wurden (vgl. Peters 1991, S. 11-12).
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gewann der Pietismus, eine religiöse Bewegung des deutschen Protestantismus, immer mehr an Einfluss. Die Idee des Pietismus war es, den Menschen durch Religiosität und Arbeit vor Sünde zu behüten. Die Pietisten (z.B. August Hermann Francke und Philipp Jacob Spener) errichteten etliche Waisenhäuser.
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Das Leben in diesen pietistischen Erziehungsanstalten war sehr hart für die Kinder. Ab dem sechsten Lebensjahr mussten alle täglich acht Stunden arbeiten, ferner vier Stunden Schulunterricht besuchen und intensiv beten.
Diese Einrichtungen wurden vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen errichtet. Die dort lebenden Kinder wurden zu schwerer Arbeit herangezogen und minderwertig verpflegt. Es ist kaum verwunderlich, dass die Kindersterblichkeit in einigen Waisenhäusern bei über 25% lag (vgl. Heitkamp 1984, S. 27).
Im Zuge der neu aufkommenden Bewegung der Philanthropen, deren Vertreter u.a. Christian Gotthilf Salzmann und Johann Bernhard Basedow waren, wuchs die Kritik an der wirtschaftlichen Ausbeutung und dem Elend der Kinder in den Waisenhäusern. Stattdessen wurde eine kindgerechte Erziehung in Pflegefamilien auf dem Land gefordert.
Es folgte der so genannte Waisenhausstreit, in dessen Zuge viele Waisenhäuser geschlossen und die Kinder in Pflegefamilien untergebracht wurden. Allerdings verbesserte sich die Situation der Kinder nicht wesentlich, da hauptsächlich Familien mit großen Geldsorgen die Kinder aufnahmen und so kaum fähig waren, die Kinder hinreichend zu versorgen (vgl. Peters 1991, S. 13).
Der Waisenhausstreit hatte die erste Reform in der Geschichte des Pflegekinderwesens und der Anstaltserziehung zur Folge. Man setzte sich zum Ziel, die Pflegefamilien nach strengeren Kriterien auszuwählen und diese während des Aufenthaltes des Kindes besser zu überwachen. In den Erziehungsanstalten sollte die sanitäre und ökonomische Versorgung der Kinder verbessert, die schulische und die berufliche Bildung verstärkt und die Kinderarbeit eingeschränkt werden (vgl. Peters 1991, S. 14).
3.3 18. Jahrhundert
Auch in der darauf folgenden Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert machte die Waisenhauserziehung erhebliche Fortschritte. Johann Heinrich Pestalozzi gilt als „Wegbereiter einer neuen Pädagogik“ (Heitkamp 1984, S. 28). Der Ansatz dieser Pädagogik liegt bei den „guten Anlagen“ (Heitkamp 1984, S. 28) eines Kindes und nicht bei den defizitären, wie es zuvor der Fall war. Pestalozzi forderte schulische Bildung für jedes Kind, unabhängig vom Stand.
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Des weiteren vertrat er die so genannte Wohnstubenpädagogik, die davon ausging, dass die „emotionale Geborgenheit“ (Heitkamp 1984, S. 28) eines Kindes die Grundvoraussetzung für eine normale Entwicklung sei (vgl. Heitkamp 1984, S. 28). Ungefähr zur selben Zeit kam es in Deutschland zur „Wiederbelebung des Pietismus“ (Heitkamp 1984, S. 28) (Neu-Pietismus), der sich gegen die Aufklärung, die Rationalisierung und die Industrialisierung richtete. Es kam zur Gründung von Rettungshäusern, in denen verwahrloste und notleidende Kinder durch religiöse Handlungen und intensives Arbeiten auf den richtigen Weg gebracht werden sollten. Die Kinder erhielten zusätzlich eine schulische Ausbildung und wurden zu einem selbstverantwortlichen Leben in der Gesellschaft erzogen. Im Unterschied zu den früheren pietistischen Erziehungsanstalten basierte die Aufnahme in den Rettungshäusern auf Freiwilligkeit. Auch die Erziehung selbst war wesentlich fortschrittlicher und kindgerechter (vgl. Heitkamp 1984, S. 28-29).
3.4. 19. Jahrhundert
Mitte des 19. Jahrhunderts, im Gefolge der Unruhen der Märzrevolution von 1848/49, gingen die fortschrittlichen Ansätze der Anstaltspädagogik weitgehendst verloren. Auch die weiter fortschreitende Industrialisierung in Deutschland wirkte sich negativ auf die Erziehungsanstalten aus.
Die Menschen kamen aus den ärmeren Landregionen in großen Mengen in die wachsenden Industriestädte in der Hoffnung, dort eine Arbeit zu finden. Aufgrund des reichen Angebots an Arbeitskräften waren die Löhne äußerst niedrig und die Arbeitsbedingungen sehr schlecht. Die gesamte Familie, also auch die Kinder, musste sich am Arbeitsprozess beteiligen, um ihre Existenz zu sichern. Aufgrund der z.T. menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse kam es zu sozialen Unruhen kam. Auch die Kriminalitätsrate unter den Kindern und Jugendlichen stieg besorgniserregend an.
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Arbeit zitieren:
Annetta Kessel, 2006, Heimerziehung - Ein Überblick. Erreicht Heimerziehung die selbst gesetzten Ziele?, München, GRIN Verlag GmbH
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